Memmelsdorf mit Schloss Seehof

liegt in Oberfranken in der „Fränkischen Schweiz“. Im Jahr 2005 beschlossen die drei Gemeinden Sitzendorf, Memmelsdorf und Strullendorf, sich als „Fränkische Toskana“ im Bamberger Land zu präsentieren. Die Fränkische Schweiz liegt an der Burgenstraße, die zu den traditionsreichsten Ferienstraßen in Deutschland zählt.

Geschichte von Memmelsdorf

Im Jahr 1143 wurde Memmelsdorf erstmals erwähnt. Historiker vermuten jedoch, dass Memmelsdorf bereits im 6. Jahrhundert, zur gleichen Zeit wie der Königshof in Hallstadt, entstanden ist. 1391 wurde Memmelsdorf zum Amtssitz des Hochstifts Bamberg und somit Zentrum einer Vogtei und einer Zent. Ein Zent ist die Verwaltung- und der Gerichtsbezirk eines Landes. Die Gerichtsbarkeit übte der Zentgraf aus. Ausserhalb vom Dorf war „Am Hohen Kreuz“ der Richtplatz an dem die Gerichtsverhandlungen stattfanden. Die Hinrichtung von Verurteilten fand hier auch statt.

Der Vogt zog die Steuern und Naturalien der Bauern für den Landesherrn ein. In der 1748 errichteten ehemaligen Vogtei ist heute der Brauereigasthof „Drei Kronen“.

Vor dem Bau der Vogtei, stand hier bereits ein Gebäude mit einer Schankerlaubnis. Ein Schneider kaufte 1457 das Anwesen. In dieser Kaufurkunde war die Schankerlaubnis vermerkt.

Bei einem Spaziergang durch Memmelsdorf kommen wir an mehreren Gasthäusern mit schönen Biergärten vorbei. Gerne hätten wir die eine oder andere „Halbe“ getrunken. Corona hat es nicht zugelassen. Die Vielfalt der Brauereitradition in der Fränkischen Toskana bleibt uns also weiter verschlossen.

Die Kirche Mariä Himmelfahrt

steht im historischen Zentrum von Memmelsdorf gegenüber dem Gasthof „Drei Kronen“. Die Kirche konnten wir nur von aussen anschauen. Gelesen haben wir, dass die Kirche der Aufnahme Mariä in dem Himmel gewidmet und die Pfarrkirche von Memmelsdorf ist.

Vermutlich stand an der Stelle der Kirche bereits im 11. Jahrhundert eine Kapelle, die zum benachbarten Schloss gehörte. Die erste größere Kirche im Memmelsdorf stammt aus dem Jahr 1300. Bis zum Jahr 1300 gehörte Memmelsdorf zur Pfarrei Hallstadt.

Der älteste Teil der Kirche ist der Turm. Die Kirche wurde als „Chorturmkirche“ mit vier Stockwerken errichtet. Bei einer Chorturmkirche baut man den Chor in das Erdgeschoss des Turms. In den Jahren 1609 bis 1611 erhöhte man ihn um ein weiteres Geschoss. Bei dieser Erhöhung erhielt der Turm die Spitzhaube mit einem goldenen Kreuz und vier Ecktürmen. Auf jeder Seite vom Turm ist eine Uhr angebracht.

Vor dem Turm steht eine steinerne Madonnenstatue aus dem 18. Jahrhundert.

1772 wurde der Kirchhof erweitert. Er erhielt eine neue Mauer mit zwölf Pfeilern aus den Steinen der bisherigen Kirchhofmauer.

Auf den Pfeilern stehen Statuen von Engeln und Heiligen vom Bildhauer Ferdinand Tietz aus der Zeit um 1762.

Das Hauptportal der Kirche befindet sich in einem Vorbau. Links und rechts neben dem Hauptportal sind Mauernischen, die mit einem schmiedeeisernen Gitter versperrt sind. Hinter den Gittern stehen Figurengruppen von Johann Leonhard Gollwitzer.

Rechts ist eine Ölberggruppe, links eine Grablegungsgruppe zu sehen.

Wir übernachten am Memmelsdorfer Wohnmobilstellplatz, denn am nächsten Tag besichtigen wir

Schloss Seehof.

Bereits vom Stellplatz aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Orangerie

mit dem Eingangsportal von der ehemaligen Sommerresidenz und dem Jagdschloss der Bamberger Fürstbischöfe.

Die gesamte Anlage 21 Hektar groß. Gut dass wir bequeme Schuhe angezogen haben.

Die Orangerie mit dem Memmelsdorfer Tor und den später links und rechts angebauten Gewächshäusern, gehört zu den bedeutendsten Orangeriebauten in Franken. Lothar Franz von Schönborn liess sie 1723 errichten. Fürstbischof Friedrich Karl von Bamberg beauftragte 1733 Balthasar Neumann, die Orangerie und den Lustgarten zu erneuern. Die Anlage dient als Überwinterungshaus von Orangenbäumen und vielen exotischen Pflanzen.

In der westlichen Orangerie ist seit 2003 ein kleines Museum des Bildhauers Ferdinand Tietz untergebracht. Hier sind 13 Original Skulpturen des Meisters zu sehen.

Insgesamt hat Ferdinand Tietz 400 Skulpturen für Schloss Seehof geschaffen. Die gesamte antike Götterwelt und Mythologie war im Park vertreten. Leider wurden im 19. und 20. Jahrhundert viele Skulpturen zerstört. Bei den im Park aufgestellten Skulpturen handelt es sich Kopien.

Erhalten sind neben der Kaskade die monumentalen Gruppen westlich des Hauptgebäudes der „Raub der Proserpina“ und

„Jupiter im Kampf mit den Giganten“.

Vom Eingangstor aus sieht man bereits die Gartenanlage mit Orangenbäumen

sowie das prächtige Schloss. Die gesamte Schlossanlage gehört zu den schönsten und größten Barock- und Rokokoanlagen in Franken.

Geschichte vom Schloss

Das Gebäude steht an dem Platz, auf dem bereits im 15. Jahrhundert ein Jagdhaus stand. Es wurde von 1687 bis 1696 mit markarten Ecktürmen errichtet. Auftraggeber war der Bamberger Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg. Das Schloss steht in der Mitte des riesigen Areals. Der Bau ist quadratisch und hat an jeder Ecke einen Turm. Am sonnengelb gestrichenen Gebäude sind viele Ornamente angebracht.

Bei einem Rundgang kommt man vom Treppenhaus mit einer Stuckdecke in den Gardesaal. Hier stellte sich die Leibgarde auf. Seit dem 18. Jahrhundert wird der Saal als Gemäldegalerie genutzt. Danach geht es in den „Weissen Saal“ mit einem Deckengemälde das Amor mit dem Pfeil zeigt. Egal aus welcher Richtung man das Gemälde betrachtet, der Pfeil ist immer auf den Besucher gerichtet.

Im Wartezimmer vor dem Audienzzimmer steht ein Tisch den das Metropolitan Museum of Art ausgeliehen hat.

Das Audienzzimmer.

Das Schlafzimmer des Fürstbischofs ist rekonstruiert. Über dem grünen Paradebett sind Pfauen- und Straußenfedern am Baldachin aufgesteckt.

Ein Gästeschlafzimmer.

Ein Vorzimmer mit Spieltischen.

Fürstbischof Seinsheim liess nahezu alle Räume mit Chintz Tapeten mit floralem Dekor ausstatten.

Den Innenhof des Schlosses

bewachen zwei Löwen. Mutig gehen wir an ihnen vorbei,

denn die Tür nahe der Löwen führt aus dem Innenhof vom Schloss.

Wir gehen in der Gartenanlage weiter zur

Kaskade.

Adam Friedrich von Steinheim veranlasste den Bau der Kaskade. Johann Michael Fischer begann 1761 mit der Planung. Die künstlerische Gestaltung übernahm Ferdinand Tietz. Im Jahr 1754 hat man mit dem Bau der Kaskade begonnen. 1771 konnte man sie in Betrieb. Für die Wasserversorgung wurde zuerst eine Wasserleitung und später ein Tunnel angelegt. Das Wasser aus dem Tunnel versorgt auch die weiteren Brunnen mit Wasserspielen im Schlossgarten.

Die Kaskade ist seit 1995 restauriert und in Betrieb. Abgebildet ist Herkules der, von der Ruhmesgöttin Fama mit einem Lorbeerkranz gekrönt wird. Auch die Flussgötter Main und Regnitz sind zu sehen. Sie tragen Amphoren aus denen Wasser quillt. Zu seinen Füßen liegt sein Widersacher Diomedes. Links und rechts von der Kaskade sitzen große Löwen. Der Löwe links hält das Wappen von Adam Friedrich von Seinsheim, der Löwe rechts die Initialen AF. Die Gestaltung der Kaskade soll dem Besucher zeigen, wer der Herr im Haus ist. Der barocke Herrscher fühlte nämlich wie Herkules.

In der Parkanlage vom Schloss Seehof sind auf künstlichen Inseln Figurengruppen von Ferdinand Tietz von 1769 zu sehen.

Im Westturm wurde 1736 im Auftrag von Friedrich Karl von Schönborn in die kleine Kapelle ein Altar aus Stuckmarmor gebaut. Schöpfer des Altars war der Würzburger Hofstukateur Antonio Bossi. Heiratswillige können sich hier trauen lassen.

Das Schloss samt Ausstattung und die Parkanlage sind Kulturdenkmäler nach dem bayerischen Denkmalschutzgesetz. Dazu zählt auch das Gärtner- und Feigenhaus und zwei Pommeranzenhäuser, die Orangeriegebäude und die Torwächterhäuschen.

Seit 1975 gehört die Anlage dem Freistaat Bayern und beherbergt eine Außenstelle des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Das Café im Schloss haben wir nicht besucht, denn wir machen uns auf den Weg nach Bamberg.

Schmausenkeller in Reundorf

Vorher besuchen wir noch den Schmausenkeller in Reundorf. Hier gibt es einen großen kostenfreien Wohnmobilstellplatz zum Übernachten.

Wir freuen uns auf das hier selbstgebraute Bier und ein „Schäuferla“.

Der Schmausenkeller liegt idyllisch am Waldrand ca. 1 km vom Dorf entfernt. Die Landbrauerei Müller ist ein Familienbetrieb. Sie ist eine der letzten 100 Brauereien im Landkreis Bamberg und zugleich die kleinste in Oberfranken. Das naturbelassene Kellerbier der Brauerei wird ausschließlich für den Schmausenkeller gebraut. Es wird zum Reifen in einem Fuhrfass in den Felsenkeller aus dem Jahr 1814 gefahren. Nach der Reifung wird es unfiltriert, naturbelassen ohne zugesetzte Kohlensäure in Fässer abgefüllt.

Im großen Garten, natürlich unter Einhaltung der Coronavorschriften, kann man gut und zu vernünftigen Preis essen und das süffige Kellerbier geniessen.

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