Augsburg Teil 4: Ulrichs- und Lechviertel

Ulrichsviertel – östlicher Teil

gehört zum Stadtbezirk Innenstadt. Unterhalb der Basilika St. Ulrich und Afra, die in der „Oberstadt“ liegen, befindet sich das schöne Ulrichviertel. Es grenzt direkt an das Lechviertel. Das Ulrichs- und Lechviertel liegt im Flusstal des Lechs. Ursprünglich befand sich hier im 14. Jahrhundert ein Baumgarten. Das „Baumgärtleingäßchen“, in dem ein ehemalige Handwerkerhaus steht, erinnert daran.

Im Ulrichsviertel dominieren enge Gassen, Lechkanäle und kleine Geschäfte.

Einen Unterschied zwischen Lech- und Ulrichsviertel kann man nur auf den Dächern der Häuser sehen. Im Ulrichsviertel sind alle Häuser mit Biberschwanz Dachziegeln gedeckt.

Bei einem Spaziergang durch das Ulrichsviertel sieht man Reste der Stadtmauer, den Stadtgraben, grüne Wallanlagen und kleine Handwerksbetriebe. Das Ulrichsviertel und die komplette Augsburger Altstadt wurden aufwändig saniert, die Häuser renoviert. Kleine Geschäfte und Kneipen sind im ganzen Viertel verteilt.

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Ein beeindruckendes Gebäude steht in der Kirchgasse 1. Das Eckhaus mit vier Giebeln, zwei Flacherkern und einem runden Eckerker mit Turmhaube, ist vermutlich aus sechs Giebelhäusern des 16./17. Jahrhunderts entstanden. Im Haus ist das „Striese“, ein vegetarisches Restaurant, mit einem einzigartigen Flair. Im Striese finden auch Lesungen oder Konzerte statt.

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In der Kirchgasse stehen viele Wohn-und Handwerkerhäuser. Einige davon stammen im Kern aus dem 14. Jahrhundert.

Das Handwerkerhaus in der Kirchgasse 18 ist sehr schön bepflanzt.

In der Kirchgasse 18 befindet sich ein Teil vom ehemaligen Wirtschaftshof von St. Ulrich und Afra. Das Gebäude stammt aus dem 17./18. Jahrhundert.

Ulrichsviertel – Ursprung der Wasserversorgung in Augsburg

Um das Jahr 1412 ist im Ulrichsviertel der erste Brunnen in Augsburg entstanden. Für die Augsburger Bewohner war sauberes Trinkwasser ein Luxusgut, das es bis dato in keiner anderen Stadt in Deutschland gab. Die Ratsherren der wohlhabenden Stadt Augsburg boten das Trinkwasser für alle Bürger kostenlos an.

Die Alte Schmiede

liegt am Fuß von St. Ulrich und Afra, am Milchberg 16. Die Geschichte der Schmiede läßt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Viele Jahre wurde das Gebäude nicht mehr genutzt. Erst ein Projekt der Hochschule mit dem Motto „Chance Denkmal: Erinnern, Erhalten, Neu denken“ hat das Haus aus seinem „Dornröschenschlaf“ erweckt. Das Projekt wird vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege gefördert und vom Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte der Uni Augsburg unterstützt. Mit den Forschungsarbeiten in Archiven und Bibliotheken wird die Geschichte der „Alten Schmiede“ untersucht. Bei dem Projekt sollen neue Wege gesucht werden, wie Baudenkmäler denkmalgerecht erhalten und saniert werden können.

In Augsburg waren die Schmiede an vielen technischen Erfindungen beteiligt, die die Welt verändert haben. Sie arbeiteten auf Baustellen der Romanik und schufen die ältesten, erhaltenen Glasmalereien nördlich der Alpen. Auch für die Installation und Wartung der Uhren in Augsburg waren sie zuständig. Sie schmiedeten Rohre, die für die Modernisierung der Wasserversorgung nötig waren.

In der Spitalgasse

stehen mehrere bedeutende Gebäude. Gleich an der Ecke Milchberg/Spitalgasse steht die

Kirche St. Margareth.

Sie ist die ehemalige Klosterkirche der Dominikanerinnen. Heute wird sie von der Priesterbruderschaft St. Petrus genutzt. Die Kirche wurde 1298 gegründet, 1333 zerstört und 1521 von Grund auf neu gebaut. Nach mehreren Umbauten entstand 1729, nach alten Plänen von 1618, die barocke Kirche, wie wir sie heute sehen. Sie wird von der Katholischen Bewohnern des Altenheims genutzt.

Ihren Namen hat die Kirche von Margareth, die gemeinsam mit Barbara und Katharina zu den 14 „Nothelfern“ der katholischen Kirche zählt. Im Volksglauben wurden die „Nothelfer“ bei schlimmen Dingen, die im Leben so passieren konnten, angerufen. Sie sollte helfen bei Schwangerschaft und Geburt, Wunden und Gesichtskrankheiten und schützen gegen „Unholde aus der Tiefe des Wassers“.

Margareth stammte aus den antiken Antiochia, einer Stadt im heurigen Syrien. Sie starb als Martyrien wegen ihres Bekenntnisses zum christlichen Glauben, vermutlich um das Jahr 305, fast zeitgleich mit der Heiligen Afra.

Hinter der Kirche wurde zu ihren Ehren ein Frauenkloster gebaut, das es jedoch heute nicht mehr gibt. An der Stelle des Klosters wurde das Altenheim St. Margareth errichtet, das später in das Paritätische Hospital-Stift St. Margret umbenannt wurde. Auch ein Montessori Kinderhaus und die Interessengemeinschaft „Historisches Augsburg“ findet man im Anwesen. Der große Garten lädt zu einem Spaziergang ein.

Im Hof und im Kapitelsaal des ehemaligen Klosters fand der Woll- und Hopfenmarkt statt. Im Jahr 1852 wurden auf dem Wollmarkt 110 Tonnen Schafwolle verkauft. Hierfür wurden 55.000 Schafe die auf dem Lechfeld grasten, geschoren.

Das Heilig-Geist-Spital

erstreckt sich über die Spitalgasse 11/15/17 und die Sackgasse „Beim Rabenbad 5“. Vom Rabenbad aus kommt man in den Innenhof des Spitals mit zwei Toren, die zu den Roten-Torwall-Anlagen führen. Von den Wall-Anlagen geht es in den Handwerkerhof mit dem Unteren Brunnenmeisterhaus und zur Anlage des ehemaligen Wasserwerks am Roten Tor, mit den beiden Wassertürmen.

Der Handwerkerhof war einst der Brunnenmeisterhof. Hier flossen offene Kanäle durch den Hof. In der Stadtmauer kann man die zugemauerten Wasserzuläufe erkennen. Heute führt ein kleiner Kanal, der Brunnenmeisterbach, unterirdisch durch den Hof und tritt außerhalb der Stadtmauer, beim Augsburger Kräutergarten, wieder aus.

Der Brunnenmeister-/Handwerkerhof ist zu den Öffnungszeiten des Schwäbischen Handwerkermuseums kostenlos zu besichtigen.

Beim Heilig-Geist-Spital ist der Brunnenbach überbaut, damit sein Wasser nicht verunreinigt werden konnte. Von hier sieht man auch den Kastenturm (auch Spitalturm genannt), der seit 1599 die drei Augsburger Prachtbrunnen mit Wasser versorgte.

Geschichte vom Heilig-Geist-Spital

Das Spital ist vermutlich die älteste, städtische Einrichtung zur Versorgung von Kranken und Alten in der Reichsstadt Augsburg. Gegründet wurde es von Bischof Ulrich von Augsburg. Seit 1150 trägt es den Namen „Heilig-Geist-Spital“. Es befand sich vermutlich außerhalb der Stadtmauern.

Im 16. Jahrhundert errichtete man an der heutigen Stelle einen spätgotischen Bau, der im Jahr 1600 einstürzte. Von 1623 bis 1631 wurde das Spital, wie es heute zu sehen ist, von Stadtbaumeister Elias Holl geschaffen.

Die Heilig-Geist-Kapelle

wurde zusammen mit dem Spital 1631 von Elias Holl geplant und errichtet. So erhielten die evangelischen Spitalbewohner ihre eigene Kirche. Während der Säkularisation 1805 wurde die Spitalpfarrei aufgelöst und der evangelischen Pfarrei St. Ulrich angeschlossen. 1808 wurde die Kapelle für Krankensäle verkleinert. Seit 1948 ist in diesem Teil des Gebäudes die „Augsburger Puppenkiste“.

Die Heilig-Geist-Kapelle wurde zur Schulkirche für Lehrer und Kinder, der im Jahr 1901 gegründeten Schule „Vor der Roten Tor“.

Heilig-Geist-Kapelle (Augsburg) – Wikipedia

Die Augsburger Puppenkiste

ist weit über die Grenzen von Augsburg hinaus bekannt.

Die Idee zur Puppenkiste entstand, als der Schauspieler Walter Oehmichen 1940 als Soldat stationiert war. Oehmichen fand in einer, zur Kaserne umfunktionierten Schule, ein altes Puppentheater. Um Abwechslung in den Kasernenalltag zu bringen, unterhielt er seine Kameraden mit einem Puppenspiel. Nicht nur die Soldaten waren von den Aufführungen fasziniert. Auch Walter Oehmichen war vom Puppentheater begeistert. Nach Kriegsende beschloss Oehmichen, ohne Geld aber viel Idealismus, eine Marionettenbühne aufzubauen.

Das Marionettentheater

wurde im Jahr 1943 von Walter Oehmichen, seiner Frau Rose und ihren Töchtern Hannelore und Ulla gegründet. Der „Puppenschrein“, der in einem Türrahmen aufgebaut werden konnte, wurde als Bühne benutzt. Der Puppenschrein ist bei einem Bombenangriff 1944 verbrannt. Walter Oehmichen hatte nach einer Aufführung im Augsburger Stadttheater leider nur die Puppen mit nach Hause genommen. Nach Kriegsende plante Walter Oehmichen ein neues Puppentheater. Er fand einen Raum im ehemaligen Heilig-Geist-Spital, den er als ständigen Aufführungsort nutzen konnte.

Am 26. Februar 1948, genau vier Jahre nach der Zerstörung des Puppenschreins, konnte die Familie unter dem Namen „Augsburger Puppenkiste“ mit dem Märchen „Der gestiefelte Kater“ das Marionettentheater eröffnen.

Markenzeichen des Theaters sind die Kistendeckel mit dem Namenszug „Augsburger Puppenkiste“ und dem Zusatz Oehmichens Marionettentheater. Walter Oehmichen plante zunächst das Marionettentheater als Reisetheater. Das Theater sollte klein und überall einsetzbar sein. Die Bühne, alle Puppen und das Zubehör mußten schnell verpackt und mit auf Reisen genommen werden können. So entstand der Name „Puppenkiste“.

Oehmichen schnitzte die Marionetten selbst. Später übernahm seine Tochter Hannelore diese Arbeit. Unter ihrer Leitung entstanden die berühmten „Stars an Fäden“. Heimlich schnitzte Hannelore bereits im Alter von 13 Jahren. Eigentlich hätte sie das Schnitzmesser nicht benutzen dürfen. Ihre erste bekannte Figur war „der kleine Prinz“. Hannelore schnitzte bis zu ihrem Tod im Jahr 2003 ca. 6000 „Stars an Fäden“. Oehmichens Frau Rose stellte die Puppenkleider her. Sie war auch Sprecherin in vielen Mutter- und Großmutterrollen. Weitere Sprecher und Puppenspieler waren junge Augsburger Schauspieler.

Ab 1951 trat das Familienensemble im gesamten Süddeutschen Raum und später in Düsseldorf, Köln und Südtirol auf. Für eine Aufführung erhielten sie eine Gesamtgage von ca. 300 Mark. Ab 1953 konnte man die Puppenkiste im Nordwestdeutschen- und dann im Hessischen Fernsehen sehen. Die erste Inszenierung war das Märchen „Peter und der Wolf“. 1970 wurden die Gastspielreisen der Puppenkiste eingestellt.

Zum Jahreswechsel 1950/51 inszeniert Manfred Hennig das erste Kabarett der Augsburger Puppenkiste. Das seither traditionell jährlich wechselnde „Silvesterkabarett“ wird für Erwachsene aufgeführt. Wir konnten das Kabarett auch schon einige Male besuchen. Hier wird die Augsburger und sonstige Politik ganz schön auf die Schippe genommen. Bei der Aufführung vom Kabarett hat man die Möglichkeit, während der Pause hinter die Kulissen der „Kiste“ zu schauen. Sollte man an einer Aufführung teilnehmen wollen, muss man unbedingt vorher rechtzeitig online buchen. Es ist sehr schwierig Eintrittskarten zu bekommen. Das kleine Theater, mit nur 216 Plätzen, ist meist ausgebucht.

Die Puppen

werden aus Lindenholz in Handarbeit geschnitzt. Das weiche, feine und leichte Holz eignet sich für die Figuren besonders. Einzige technische Hilfsmittel sind eine Bandsäge und eine Schleifmaschine. Die kleinen Kunstwerke wiegen nur zwischen 800 und 1200 Gramm. Das Puppenspiel ist dennoch ein Kraftakt, denn der Marionetten-Spieler muß sich auf der sogenannten „Spiel-Bühne“ oberhalb der Bühne weit nach vorne beugen.

Wer kennt die drei nicht?

In der Augsburger Puppenkiste gibt es im 1. Stock das Augsburger Puppentheatermuseum, einen Shop und ein Café & Restaurant.

Das Gasthaus Schwarzes Ross

befindet sich in der Spitalgasse 16 gegenüber der Puppenkiste. In der Umgebung der Spital- und Bäckergasse gab es viele Gasthäuser und Brauereien, denn über das Rote Tor kam viel Kundschaft und Reisende aus dem Süden in die Stadt.

Die Augsburger Brautradition reicht bis ins Mittelalter zurück. Die Brauer und Schankwirte organisierten sich in einer Zunft. Im Jahr 1528 waren es 145 Mitglieder. Von der Zunft und dem Stadtrat wurde das Bierbrauen streng überwacht und es durfte nur das „reinste Wasser aus frischen Brunnen“ verwendet werden. Ein erstes Reinheitsgebot wurde bereits 1156 in Augsburg erlassen. Das sind 256 Jahre vor dem Reinheitsgebot der Stadt Köln und 360 Jahre vor dem ersten bayerischen Reinheitsgebot.

Eine weitere Vorschrift war das Anbringen eines markanten Wirtshausschildes. Am Haus vom „Gasthof Schwarzes Ross“, das seit Ende des 16. Jahrhunderts ein Wirtshaus ist, kann man es heute noch sehen.

Das Restaurant „Zum Bayerische Herzl“

in der Spitalgasse 8, hat einen idyllischen Biergarten. Hier gibt den ältesten Holzbackofen von Augsburg. Er wird noch heute von der Bäckerfamilie Laxgang genutzt.

Die Rote Tor Anlage

Vom komplexen Brunnenwerk rund um das Rote Tor haben die Bürger der Stadt 460 Jahre lang ihr Trinkwasser erhalten. Die Anlage ist ein wesentlicher Teil der „historischen Wasserwirtschaft“ der Stadt, die 2019 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.

Das Rote Tor

wurde früher Spitaltor oder Haunstetter Tor genannt. Es war ein Teil der Stadtbefestigung. Den Namen erhielt es von der Farbe des Turms, die er schon im Mittelalter hatte. Zusammen mit der Brücke, dem Vortor, der Bastion und dem Stadtgraben bildet es die Rote-Torwall-Anlage, die bis heute erhalten ist.

Stadtmauer und Rotes Tor bei der Spitalgasse

Brücke und Aquädukt vor der Rotetorbastion

das Aquädukt unter der Brücke

der Weg durch das Tor zum Vortor

Stadtmauer und Rotes Tor vom Roten-Tor-Wall aus

Urkundlich erwähnt wird das Tor im Jahr 1223. Vermutlich war jedoch bereits 1187 ein Tor an dieser Stelle. Es war das südliche Stadttor und der Durchlass der Via Claudia nach Tirol und Italien. Das Tor brannte ab und wurde 1371 neu aufgebaut. 1388 wurde die Anlage um einen Graben und eine Brücke erweitert. Im 15. Jahrhundert wurde die Rote-Tor-Anlage erneut erhöht und ausgebaut.

1545 wurde die Bastion am Roten Tor errichtet. 1604 gestaltete der Stadtbaumeister Elias Holl die Anlage um. Im Jahr 1777 wurde die alte Holzbrücke durch einen steinernen Neubau ersetzt, der als Aquädukt diente. 1900 wurde der Stadtgraben in eine Grünanlage umgestaltet. 1929 weihte man die Freilichtbühne ein, die bis heute genutzt wird.

Der Venezianische Muschelbrunnen Brunnen

befindet sich neben dem Roten Tor. Er stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Ursprünglich stand der Brunnen, ein zweiter befindet sich an der Schwedenstiege, in Venedig. Ein Münchner Kunsthändler kaufte die Brunnen 1950 und schenkte sie der Stadt Augsburg. Nur die Transportkosten waren von der Stadt Augsburg zu tragen.

Das Obere Brunnenmeisterhaus

befindet seitlich der Heilig-Geist-Kapelle. Das Gebäude ist an den Kleinen Wasserturm angebaut. Von hier gibt es einen direkten Zugang in die Wassertürme.

Der Eingang zum oberen Brunnenmeisterhaus ist am Platz „Am Roten Tor“. Zum Haus führt ein Steg. Auf dem Steg überquert man den, vom Aquädukt am Roten Tor kommenden Kanal „Vorderer Lech“. Der Vordere Lech fließt unmittelbar am Haus vorbei. Am Eingang vom Haus sind links und rechts Delphinfiguren angebracht. So kam das Gebäude zum Namen „das Haus bei den Fischen“.

Das Brunnenmeisterhaus stammt im Kern aus dem 17. Jahrhundert. Es war die Dienstwohnung der Augsburger Brunnenmeister. Hier wohnte auch Kaspar Walter, der bedeutendste Brunnenmeister von Augsburg. Walter verbesserte und baute die Wasserkunst in Augsburg, insbesondere beim Wasserwerk am Roten Tor, genial aus. Aufgrund seiner Fähigkeiten wurde er 1741 der „Stadt-Brunnen- und Amts-Werk-Meister“.

Von 2005 bis 2010 wurde das obere Brunnenmeisterhaus von der Stadt Augsburg saniert. Heute ist hier das „Museum über die Technikgeschichte der Wasserversorgung“ von Augsburg. Im Inneren des Gebäudes sind Reste alter Fresken zu sehen.

Die Wassertürme

Zunächst wurden zur Gewinnung von Trinkwasser Zisternen und ein Tiefbrunnen angelegt. Aufgrund der zunehmenden Bevölkerung wurde das Trinkwasser knapp. Im Jahr 1412 ließ der Patrizier Leopold Karg, am Lechkanal beim Schwibbogentor, den ersten Wasserturm aus Holz bauen. Der Turm ist heute nicht mehr erhalten. Das technische Wissen für die „Wasserkunst“ kam vermutlich über die Handelsverbindungen aus Italien nach Augsburg.

Der Große Wasserturm

wurde zwischen 1412 und 1416 in Holzbauweise errichtet. Ein Brand vernichtete den Turm. Im Jahr 1463 wurde er aus Backsteinen neu erbaut und um zwei Geschosse erweitert. Im obersten, dem siebten Stock befand sich ein achteckiges Becken. In das Becken speiten zwei metallene Fische und ein Fischkopf das Wasser, das in Rohren ca. 29 m hochgefördert wurde. Über ein dickeres Rohr wurde das Trinkwasser dann in die Stadt geleitet.

Der Große Wasserturm belieferte Augsburg bis 1879 mit Trinkwasser. Er ist der älteste, noch erhaltene Wasserturm in Deutschland.

Der Kleine Wasserturm

wurde im Jahr 1470 neben den Großen Wasserturm gebaut. Im Jahr 1559 wurde er um zwei Sechseck-Geschosse und 1672 um ein weiteres Geschoss erhöht. Brunnenmeister Caspar Walter ließ 1744 eine hölzerne Wendeltreppe bis zum obersten Stockwerk bauen. Hier war ein Wasserkessel mit zwei Fisch- und einem Fischkopfspeier aufgehängt. Noch heute kann man von hier in den Großen Wasserturm gehen. Beide Türme grenzen unmittelbar an das obere Brunnenmeisterhaus.

Das Wasserwerk

diente über 460 Jahre der Trinkwasserversorgung von Augsburg. Es mußte zum Ausgleich des Höhenunterschieds von 12 Metern zwischen den Wassertürmen und dem Hochplateau Maximilianstraße errichtet werden. Die Wassertürme bekamen ein Reservoir. Eine ausgeklügelte Mechanik sorgte für genügend Druck, um die Häuser und Brunnen mit Wasser zu versorgen. 

Zahlreiche europäische Würdenträger besuchten das Wasserwerk. Sie bezeichneten es als „großes, jedoch kostspieliges technisches Werk“. Andere stellten fest, daß durch diese „wunderbare, sinnvolle Einrichtung“ die Stadt mit vielen öffentlichen Brunnen gesegnet ist. Wenn ein Bürger einen privaten Anschluß wollte, mußte er eine laufende Gebühr von zehn oder eine Einmalzahlung von 200 Gulden leisten.

Das Wasserwerk am Roten Tor ist das älteste, bestehende Wasserwerk in Deutschland.

Wasserwerk aus der Zeit von Kaspar Walter

Miniatur om Wasserturm

Im Unteren Brunnenmeisterhaus

befindet sich heute das Schwäbische Handwerkermuseum. Es liegt im „Handwerkerhof“, der durch die alte Stadtmauer, das Heilig-Geist-Spital und die Wassertürme begrenzt ist.

Das untere Brunnenmeisterhaus war Lager und Werkstatt der Wasserversorgungsanlagen am Roten Tor. Gebaut wurde das Haus in der Mitte des 18. Jahrhunderts im Zuge von Sanierungs- und Neubauarbeiten unter der Leitung des Brunnenmeisters Caspar Walter.

Die Wasserversorgung wurde im Jahr 1879 an den Hochablass verlegt wurde. Somit wurden die historischen Anlagen nicht mehr benötigt. Die Werksanlagen und Pumpeneinrichtungen baute man ab, die Häuser blieben erhalten.

Anfang der 80er Jahre ließ die Handwerkskammer für Schwaben, die im Laufe der Jahrzehnte verfallenen Häuser sanieren.

Der Kastenturm oder Spiralturm

befindet sich an dem Gebäudeteil vom Heilig-Geist-Spital, welches an das Wasserwerk am Roten Tor angrenzt. Der Wasserturm war im Spätmittelalter ein Wehrturm. Im Jahr 1599 wurde er um zwei sechseckige Geschosse erhöht und zum Wasserturm umgebaut. Seit 1703 befindet sich am Dachabschluss eine Balustrade.

Auch hier befindet sich im 6. Stock eine ungewöhnliche, quaderförmige, doppelläufige Wendeltreppe aus massiven Holz. Der Brunnenmeister Caspar Walter hat sie 1742 selbst gezimmert. Auf der Wendeltreppe können zwei Personen gleichzeitig nebeneinander in das nächste Stockwerk gehen. Am oberen Ende der Wendeltreppe befindet sich die Zirbelnuss.

Im obersten Stockwerk war ein künstlerisch gestaltetes Wasserbecken. Die Auslaufhähne am Wasserbecken stellten einen Brunnenjüngling und einen Fisch dar. Die sogenannte „Stöpselfigur“ ist 63 cm hoch. Der nackte Jüngling sitzt auf einem, mit Gras und Blumen bewachsenen Stein und gießt aus dem Haus einer Meeresschnecke Wasser in das Becken. Der Wasserdruck war so stark, daß damit alle drei Prachtbrunnen in Augsburg gespeist werden konnten. Der Brunnenjüngling kann im Maximilianmuseum besichtigt werden.

Der aufwändig geschmückte Kastenturm war der Stolz der freien Reichsstadt. Viele Gäste der Stadt, die sich für die Wasserkunst interessierten, besichtigten den Kastenturm.

Die Rote Tor Wallanlage

lädt zu einem Spaziergang ein. Vor einigen Jahren fand auf dem großen Gelände ein toller Mittelaltermarkt statt. Es gab Ritterturniere, historische Musik, Theateraufführungen, Feuershows. In das Fest wurde die gesamte Anlage vom Roten Tor mit einbezogen. Gerade nachts ein tolles Ambiente.

Das Augsburger Kräutergärtlein

ist ein öffentlicher Garten. Entstanden ist der Kräutergarten aus dem ehemaligen Gemüsegarten des Heilig-Geist-Spitals, den es bereits seit 1530 gab. Koriander, Schnittlauch, verschiedene Salbeiarten, Küchenkräuter und Heilpflanzen können hier probiert und für den Hausgebrauch gepflückt werden.

Die Freilichtbühne

am Roten Tor ist durch die malerische, mittelalterliche Kulisse ein sehr idyllisches Theater. Hier finden jedes Jahr von Mitte Juni bis Ende Juli Aufführungen statt. Die Künstler des Augsburger Stadttheaters führen hier Opern, Operetten und Musicals auf. Auch für Gastspiele und Konzerte wird die historische Kulisse der Bastion am Roten Tor gerne genutzt. Die Freilichtbühne verfügt über 2117 Plätze.

Geschichte der Freilichtbühne

Bereits 1928 wurden am Platz vor St. Ulrich und Afra Festspiele abgehalten. Aufgeführt wurde „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal. 1929 beschloss der Augsburger Stadtrat auf Anregung des Direktors der Münchner Kammerspiele, den Wallgraben am Roten Tor in eine Freilichtbühne umzubauen. Für den Bau verwendete man Mittel aus dem Friedrich-Prinz-Fonds. Friedrich Prinz, Vorstand der Kammgarnspinnerei, liebte die Kultur.

Im Sommer 1929 wurde die Bühne als Sommerspielstätte des Theaters Augsburg eröffnet. Seinerzeit sprach man von den „Festspielen im Amphitheater vor dem Roten Tor“. Die erste Aufführung war das Schauspiel „Das Nachfolge-Christi-Spiel“. Danach folgte Ludwig van Beethovens Fidelio.

Richard Strauss dirigierte hier „Electra“. Später wurden italienische Opern, bei denen Stars aus Verona auftraten, gespielt. In den letzten Jahrzehnten standen Operetten, Opern und Musicals auf dem Spielplan. Wir haben Nabuco, den Zigeunerbaron und die Blues Brothers gesehen. Wirklich sehr beeindruckend. Die Karten müssen rechtzeitig bestellt werden. Die Freilichtbühne ist meist ausverkauft.

Die Rote Tor Schule

entstand von 1900 an der Ecke Rote-Torwall-/Haunstetter Straße. In den drei Stockwerken gab es insgesamt 23 Schulsäle. Ein Schulzimmer für 60 Kinder war 60 qm groß. Die Raumhöhe beträgt 4 Meter. Die Kosten für das Schulhaus betrugen 584.000 Mark.

Im ersten Schuljahr nach der Fertigstellung besuchten 1.036 Kinder, in 21 Klassen die Schule. Es waren Kinder des katholischen und protestantischen St.-Ulrich-Sprengels.

Als 1914 der Krieg ausbrach, mußte die Schule geräumt werden. Im Gebäude wurde ein Lazarett untergebracht. Erst fünf Jahre später konnte das schöne Schulhaus wieder bezogen werden und Unterricht stattfinden.

In der Bäckergasse

sind nur noch wenige Gebäude aus dem 16./17. Jahrhundert zu sehen. In der Gasse gab es einmal 25 Bäcker, daher stammt auch der Name „Bäckergasse“. Die Lage war sehr günstig. Viele Menschen kamen nach ihrer Reise durch das Rote Tor. Auch zum Antritt einer Reise konnte in der Bäckergasse Proviant mit auf den Weg genommen werden.

In der Bäckergasse 21 ist, wie bereits geschrieben, Elias Holl geboren. Im ehemaligen Gasthaus „Weißer Adler“ in der Bäckergasse 23 ist heute das „Annapam“, eine Traditionskneipe mit einer einzigartigen Kellerbar und einem schönen Biergarten.

Ein Bürgerhaus im Kern aus dem 16. Jahrhundert steht in der Bäckergasse 25. Das durchgehende Haus hat am „Am Brunnenlech“ die Hausnummer 30.

Das Haus in der Bäckergasse 27 ist ein Zinslehenhaus aus dem 17. Jahrhundert und auch bis zum „Brunnenlech“ durchgängig.

Die urige Kneipe mit dem Namen „Sackpfeife“ (Dudelsack) befindet in der Bäckergasse 18.

Dominikanerkirche St. Magdalena – dem Römisches Museum.

Das Gebäude gehört zum Stadtbezirk Lechviertel-östliches Ulrichsviertel und steht in der Dominikanergasse. Die ehemalige Kirche liegt auf einer natürlichen Hangkante, die die Oberstadt von Augsburg vom Lechviertel trennt. Die Straße, die den Hang hinauf zur Dominikanergasse geht, ist der „Predigerberg„. Vermutlich verlief hier einst die Via Claudia Augusta, die über den Hang zur Maximilianstraße führte.

Die Kirche gab es bereits im 13. Jahrhundert und gehörte dem Templerorden, der im Jahr 1312 aufgehoben wurde. Der Augsburger Bischof Friedrich I. überließ im Jahr 1313 die Kirche und das Haus den Dominikanern. Das Kloster wurde 1496 bis 1523 und die Klosterkirche St. Magdalena von 1513 bis 1515 auf den Grundmauern des Vorgängerbaus errichtet. Der Bau wurde von Augsburger Bürgern finanziert. Eine Gedenktafel bei den Hauptportalen erinnert daran. Die Protestanten nutzten die Kirche bei der Reformation im Jahr 1536. Die gesamte Inneneinrichtung ging beim Bildersturm verloren. Von 1716 bis 1724 wurde der Innenraum der Kirche im Stil des Barock umgestaltet.

1802 wurde das Kloster aufgelöst. Die 27 Geistlichen konnten weiter im Kloster wohnen und hielten den Gottesdienst in der Kirche ab. 1805 wurde die Kirche entweiht und die Altäre geplündert. In der Folgezeit wurde die kunsthistorisch wertvolle Ausstattung entwendet. 1808 mussten die letzten Mönche das Kloster verlassen.

Ab 1807 wurde die Klosterkirche von der königlich bayerischen Armee als Kaserne und Salpeter- und Schwefelmagazin genutzt. Seit 1837 ist das Anwesen im Besitz der Stadt Augsburg. Der Zustand des Gebäudes verschlechterte sich zusehends. Eine Spende des Augsburger Textilfabrikanten Hugo Ritter von Forster ermöglichte eine umfassende Sanierung. Danach zog die städtische Gemäldegalerie in die Kirche. Die Dominikanerkirche überstand die Luftangriffe von 1944. Der ehemalige Klostertrakt wurde jedoch zerstört. Heute steht eine Berufsschule auf dem Gelände. Im Jahr 1966 wurde das Römische Museum in der Dominikanerkirche untergebracht. Aufgrund statischer Probleme beim Fussboden, ist das Museum seit 2012 geschlossen. Bei der Sanierung wurde der Boden auf 1000 qm entnommen. Dabei kamen in mehreren Ebenen Grüfte zum Vorschein. Ob und wann das Museum wieder öffnet, steht in den Sternen.

An drei Seiten der Kirche befinden sich achtzehn, mit Gittern versehene Kapellen Augsburger Patrizierfamilien. Die Familien besaßen Grabrechte in der Kirche. Unter den Bestatteten ist der Stadtschreiber Konrad Peutinger, Johann Jakob Fugger und weitere Mitglieder von sieben Augsburger Familien.

Die Hochwand im Norden und Süden zeigt marmorierte und bemalte Gedenktafeln aus Sandstein von 1519, zu Ehren von Kaiser Maximilian I, Kaiser Karl V., König Philipp von Spanien und Erzherzog Ferdinand.

links sind einige Gedenktafeln zu sehen

Die ehemalige Stiftungskapelle St. Antonius

befindet sich in der Dominikanergasse 5. Sie stammt im Kern aus dem 15. Jahrhundert und ist Teil des Stiftungsgebäudes der St. Antonspfründe. Der Augsburger Stadtpfleger Lorenz Egen stiftete im Jahr 1410 die Pfründe für zwölf arme oder gebrechliche Männer hinter seinem Wohnhaus. Er nannte die Pfründe nach dem Heiligen Antonius dem Einsiedler.

Der Sohn von Lorenz Egen, Peter von Argon, gehörte im Jahr 1420 zu den reichsten Männern in Augsburg. Sein Geburtsname war Peter Egen. Er wurde aufgrund seiner Verdienste um die Stadt Augsburg in den Adelsstand erhoben. Bereits mit 24 Jahren war er Stadtoberhaupt. Peter von Argon führte die Stiftung weiter. Die Bewohner mußten sich jedoch an eine, von ihm bestimmte Hausordnung und Lebensführung halten.

1746 erfolgte die Umgestaltung im Rokokostil. 1807 wurde der Stift aufgehoben und ging in 1813 in städtischen Besitz über. Aus der Pfründe wurde bis zum Jahr 1965 ein Altenheim für katholische Bürger. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kapelle unversehrt. Von 1967 bis 1987 nutzte die Griechisch-Orthodoxe Gemeinde die Kapelle. Heute haben hier Augsburger Künstler ihre Ateliers und Werkstätten. Die Stiftung wird von der Stadt Augsburg verwaltet und dient ausschließlich gemeinnützigen und mildtätigen Zwecken. Mit den Erträgen aus der Vermietung werden Stiftungsaltenheime unterstützt.

Sehr schön renoviert ist das Haus in der Dominikanergasse 7. Es stammt im Kern aus dem 15. Jahrhundert.

Die Schwibbogengasse

verläuft parallel zur Bäckergasse am Schwallech.

In der Schwibbogengasse steht noch das Haus von Stephan Demharter, dem letzten Schäfflermeister in Augsburg, aus dem 16. Jahrhundert.

Geht man durch den Schwibbogen mit der Aufschrift „Schäffler-Hof“ bei der Schwibbogengasse 9, steht man vor dem Schäfflerbrunnen. Der Brunnen wurde zur 2000-Jahr-Feier von Augsburg, im Jahr 1985, als Symbol für das Schäfflerhandwerk geschaffen. In diesem Stadtviertel gab es im 18. und 19. Jahrhundert insgesamt vier Schäfflereien.

Der Schäfflerbrunnen wurde nach einem Modell, das 1944 in einem zerstörten Gebäude gefunden wurde, nachgebaut. Auf der Brunnensäule wird der, seit dem 16. Jahrhundert bekannte Schäfflertanz, der Zunfttanz der Schäffler, gezeigt. Vier Schautafeln, die am Brunnen angebracht sind, zeigen die Herstellung eines Fasses.

Gleich nach dem Schäffler-Hof sieht man das Wasserrad am Schwallech. Das „Schaurad“ hat keinerlei technische Funktion. Es wurde als Denkmal für die 163 Wasserräder gebaut, die innerhalb und außerhalb der Stadtmauer insgesamt 78 Werke angetrieben haben. Die Wasserräder wurden für die Getreide-, Säge-, Schleif,- Polier-, Öl-, Walk und Papiermühlen benötigt. Die Wasserräder haben auch Wasser- und Hammerwerke angetrieben.

Parallel zur Schwibbogengasse verläuft die Schwibbogenmauer am Stadtgraben entlang.

Das Lechviertel

liegt unterhalb der Augsburger Hochterrasse. Es wird auch gerne „klein Venedig“ genannt. Hier waren die Werkstätten der Feilenhauer, Weber und Gerber. Nach dem Verlust der Reichsfreiheit und der Eingliederung nach Bayern 1806 veränderte sich das Handwerkszentrum in ein Wohnviertel für arme Bürger. Die Häuser sind zerfallen, in den engen Gassen stapelte sich Unrat und Krankheiten breiteten sich aus. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Lechviertel zerstört und auch nach dem Wiederaufbau blieb es ein Stadtteil für sozial schwache Augsburger. In den 1960er Jahren sollte das Lechviertel nach Plänen des Stadtrates komplett abgerissen werden. Ein breiter Protest aus der Augsburger Bevölkerung konnte dies verhindern.

Ab 1980 wurde mit der Sanierung des Lechviertels begonnen. Die Gassen erhielten wieder das historische Kopfsteinpflaster, die überdeckten Lechkanäle wurden freigelegt. Aus den mittelalterlichen Handwerkerhäuser wurden begehrte Wohnadressen. In den verwinkelten Gassen gibt es Boutiquen, Bars und Kneipen und dritte Weltläden.

Die Lechkanäle

und die Gassen im Lechviertel haben den gleichen Namen. Man spricht vom Vorderen, Mittleren und Hinteren Lech. Die Kanäle dienten einst der Wasser- und Energieversorgung für die vielen mittelalterlichen Handwerksbetriebe, die mithilfe von Wasserrädern ihre Maschinen antrieben. Die Kanäle nutze man bis zum Bau der Schwemmkanalisation im Jahr 1910 auch zur Abwasserbeseitigung.

am Vorderen Lech

Das Thing

am Vorderen Lech 45 ist eine Kneipe der besonderen Art. 1974 gründeten mehrere „langhaarige“ Studenten im damaligen „Problemviertel“ der Altstadt den Verein „Jugend- und Studentenzentrum e.V.“. Sie schufen einen Treffpunkt für Kinder und Jugendliche. Geprägt von den 68er und in Anlehnung an die alten Germanen wollten sie einen Versammlungsort etablieren, an dem viel diskutiert werden kann. In ihrem Sinn sollte hier das politische und gesellschaftliche Problembewusstsein geschärft werden.

Sie gründeten eine Kinderbetreuungs- und eine Filmgruppe. Im „Thingsbumskino“ zeigten sie unkommerzielle, zeitkritische Filme. Kurz nach der Gründung des Vereins wurde die Kneipe Thing gegründet, die im Kollektiv geführt wurde. 1978 machten sie aus dem schmucklosen Hinterhof ein wunderschönen Biergarten. Mit den Einnahmen finanzierten die Studenten ihre gesellschaftspolitische Arbeit. Seit 1985 gibt es den Verein nicht mehr. Das Lokal ist noch erhalten und nach wie vor bei Jung und Alt beliebt.

Die Ledergerberei Aigner

finden wir am Vorderen Lech 32. Auf dem Dachboden hängen hunderte Häute. Die steinharten Tierhäute sind mit Fischöl durchtränkt und trocknen hier monatelang.

Wer sich eine maßgeschneiderte „Hirschlederne“ anschaffen möchte, sollte hier unbedingt vorbeischauen. Die Gerberei Aigner gibt es seit 1855. Sie ist die letzte Gerberei in Augsburg. In der dazugehörigen Säcklerei werden seit 1858 die „sämisch“ gegerbten Lederhosen aus Hirschlader herstellt.

„Gerben“ nennt man die Haltbarmachung von Leder. Sämisch heißt: das Leder wird völlig chemiefrei, nur mit Dorschlebertran (Fischfett) gegerbt. Die Farbe erhält das Leder von „Blauholzfarben“, die aus einem Baum oder Strauch gewonnen werden. Gefärbt wird das Leder jedoch nur an der Außenseite. Die Hirschfelle, die hier verarbeitet werden, stammen überwiegend aus Neuseeland. Es werden aber auch Gams-, Reh-,Elch- oder Ziegenleder verwendet. Bis aus dem rohen Fell ein weiches Leder wird, dauert es bis zu einem Jahr.

Das Gerberfass befindet sich in der Werkstatt im Hinterhof. Es ist eine große Holztrommel aus Eichendielen. Hier werden die Häute tagelang gewaschen, gespült und mit Dorschtran getränkt. Mit Ledereisen werden die aufgeweichten Haare vom Fell geschabt. Danach wird das Leder durch eine Presse gedreht, um es auszuwringen und landet im Dachboden zur Trocknung. Unterbrochen wird die Trocknung nur durch ein erneutes Bad im Fischöl.

Fühlt sich das Leder weich an, wird es geschliffen und geklopft, getrocknet und poliert. Erst dann kann aus dem Leder eine maßgeschneiderte Hose entstehen. Ein Grundmodell kostet bei Aigner 550 Euro. Für die Bestickung kommen noch zwischen 200 und 500 Euro dazu. Bedenkt man, daß eine maßgeschneiderte Lederhose so gut wie unverwüstlich ist, sich an Wärme und Kälte anpasst, ist der Preis absolut in Ordnung.

Am Vorderen Lech sind noch mehrere ehemalige Färber– und Gerberhäuser zu sehen.

Pfladergasse 41, ehemals Färberhaus mit zwei Trockenböden aus dem 17. Jahrhundert
Vorderer Lech 21, einst Gerberhaus, im Kern aus 1580, seit 1799 mit dem Hinterhaus verbunden
Vorderer Lech 18, ehemals Färberhaus aus dem 16./17. Jahrhundert
Vorderer Lech 16, ehemals Weißgerberhaus im Kern aus dem 16. Jahrhundert

Das Rotgerberhaus steht an der Ecke Vorderer Lech 2 – Weiße Gasse 10. Die Trockenböden in der Fachwerkkonstruktion sind nach Süden gerichtet. Das Gebäude stammt im Kern aus dem 16. Jahrhundert.

Rotgerberhaus

Rückseite Rotgerberhaus

Geht man vom Vorderen Lech über den Hunoldsgraben, kann man an der Ecke zum Hunoldsberg das schön renovierte Haus sehen. Das Gebäude stammt im Kern aus dem 15./16. Jahrhundert. Über den Hunoldsberg kommt man zur Dominikaner,- Wintergasse. Geht man weiter durch das Waaggäßchen, steht man in der Maximilianstraße und sieht die Fuggerhäusern auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Am Holbeinplatz

ist der Paulus Brunnen, einer von 22 Trinkwasserbrunnen in Augsburg. Im Gebäude gegenüber ist der „Kunstverein Augsburg“. Hier stand das ehemaligen Geburtshaus von Hans Holbein dem Jüngeren. Es wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Der Nachbau vom Holbein-Haus stammt aus dem Jahr 1965.

Das Gignoux-Haus – die ehemalige Komödie

wurde 1764 im Stil des Rokoko innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer als Wohn- und Fabrikgebäude erbaut. Bauherr war Georg Christoph Gleich, der 1760 die Witwe von Johann Friedrich Gignoux geheiratet hatte. Der Bauherr Gleich beauftragte den Architekten Leonhard Christian Mayer mit dem Bau des palastartigen Gebäudes. Der Architekt fasste in dem „Schmuckstück“ mehrere bestehende Gebäude zusammen.

Mit der Finanzierung der Kattunmanufaktur hatte sich Gleich jedoch übernommen. Er mußte 1770 Konkurs anmelden und flüchtete aus Augsburg. Seine Frau, Anna Barbara Gignoux, durfte im Namen ihrer Kinder aus der ersten Ehe, die Manufaktur weiterführen. Durch ihre Arbeit konnte sie das Gignoux-Haus wieder in ihren Besitz bringen.

Die Komödie

Nach dem Tod von Anna Barbara Gignoux ist 1822 die Gaststätte „Blaues Krügle“ in die alte Manufaktur eingezogen. Im Krieg 1945 wurde das „Große Theater“ zerstört. Bis zur Wiedereröffnung vom großen Theater nutzte man den großen Tanzsaal der Gaststätte „Blaues Krügle“ für Theateraufführungen. Im Jahr 1956 war die Wiedereröffnung vom „Großen Haus“. Danach wurde das Gignoux-Haus von den Städtischen Bühnen Augsburg unter dem Namen „Komödie“ zur Spielstätte für Schauspiel und Ballett. Aufgrund gravierender Baumängel und fehlendem Brandschutz ist das Theater 2010 ausgezogen. Seitdem ist die Zukunft vom denkmalgeschützten Haus ungewiss.

Das Gasthaus Bauerntanz

steht zwischen dem Vorderen und Mittleren Lech. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Gebäude 1576. Im Traditionsgasthaus war bereits Johann Wolfgang von Goethe, Wolfgang Amadeus Mozart mit seinem Bäsle Gast und Rudolf Diesel Gast.

Geht man nach einer „Brotzeit“ im Bauerntanz geradeaus, führt die Weiße Gasse, in der man nette Geschäfte mit Blumen und Keramiken findet, zum Judenberg. Am Judenberg wohnten im Mittelalter, wie schon der Name sagt, Juden. Oben am Berg angelangt, steht man am Moritzplatz. Wir bleiben im Lechviertel und gehen zur letzten, noch erhaltenen

Gold- und Silberschmiede,

die das weltberühmte Augsburger Tafelsilber herstellten. An allen europäischen Höfen wurde mit dem Augsburger Tafelsilber gespeist.

Das Beschauzeichen der Stadt Augsburg, der „PYR“, die Zirbelnuss, ist eine der berühmtesten Marken auf altem, deutschen Silber. Der PYR schmückt auch das Augsburger Stadtwappen, von dem das Beschauzeichen übernommen wurde.

Augsburger Silbermarken: Beschauzeichen und Meistermarken - Silbersuite

Die Alte Silberschmiede

befindet sich in der Pfladergasse 10, man kann sie besichtigen. Eine erste Silberschmiede gab es hier bereits 1250. Das Gebäude, wie es heute zu sehen ist , stammt aus dem Jahr 1550. Bis ins 19. Jahrhundert wurde hier geschmiedet. Jetzt befindet sich in dem schönen Gebäude ein „Schmuckhaus für Gold-, Silber- und Platin“.

Als der Platz in der Alten Silberschmiede zu klein wurde, kauften die heutigen Besitzer, die Familie Bartel, das Nebengebäude. Es entstand der „Altstadthof“, für den sie einen Edelsteinbrunnen planten. Mehrere Jahre suchten sie auf ihren Einkaufsreisen nach speziell dafür geeigneten Steinen.

Drei Edelsteine bildeten den Anfang für den Edelsteinbrunnen: der Bergkristall aus Brasilien, das versteinerte Holz aus Arizona und der Amethyst aus Uruguay. Die Fassungen für die drei Steine wurden in den eigenen Werkstätten modelliert und in Bronze gegossen. Sie symbolisieren den ewigen Lauf des Wassers, des Lebens und die Schönheit der Natur.

Die Pfladermühle,

eine ehemalige Wassermühle, liegt gegenüber der Alten Slberschmiede. Nach der Mühle wurde auch die Gasse benannt. Erstmals offiziell erwähnt wird die Wassermühle am Vorderen Lech in der Chronik des heiligen Ulrichs im Jahr 982. Sie dürfte damit die älteste Mühle in Süddeutschland sein. Sie war eine von zehn Getreidemühlen, die in der Stadtrechtsurkunde von König Rudolf von Habsburg aufgeführt sind. 1288 ging die Mühle in den Besitz des Augsburger Hochstifts über. Der Hochstift verpachtete die Mühle an Augsburger Bürger. Den Namen „Pfladermühle“ erhielt sie vom Müller Cornelius Pfladerlacher. 1376 brannte das Gebäude vollständig ab. Der Giebel stürzte ein und die gesamte 12-köpfige Müllersfamilie wurde darunter begraben. Das Gebäude wurde wieder aufgebaut. Im Jahr 1571 hat die Müllerfamilie Richter die Mühle erworben.

Die Pfladermühle wurde vom Vorderen Lech gespeist und wurde über viele Jahrhunderte mit Mühlen aus Holz betrieben. Im Laufe der Jahre wurde die Anzahl der Wasserräder auf vier erhöht. 1897 ließ der Müller Richter die Mühle abreissen und ein neues Gebäude mit einer modernen Wasserkraftanlage mit Turbine errichten.

Felix Grandel erbte 1936 von seiner Mutter (eine geborene Richter) das Anwesen. Der Chemiker, Landwirt, Biologe, Ernährungswissenschaftler und Forscher war an dem Mühlenbetrieb nicht interessiert. Er erforschte die Nutzbarmachung von Nebenprodukten aus dem Mühlbetrieb. Nach dem Krieg gründete er die Keimdiät GmbH (heute Dr. Grandel GmbH), eine Tochtergesellschaft zu Richters Pfladermühle. 1970 wurde der Mühlbetrieb eingestellt. Heute ist das Gebäude das Verwaltungsstammsitz der Dr. Grandel GmbH.

Das Gebäude hatte eine Sonnenuhr, die im Jahr 1719 erneuert wurde. Nach einem Brand 1905 wurde die Mühle wieder errichtet und eine Beschriftung sowie eine Sonnenuhr aufgemalt, die leider nicht mehr vorhanden ist. Heute befindet sich an der gleichen Stelle eine moderne Sonnenuhr.

Das Kloster Maria Stern

ist ein Franziskanerinnenkloster und befindet sich zwischen der Sterngasse, dem Elias-Holl-Platz und dem Mittleren Lech. Unter dem Kloster fließt der Vordere Lech. Der Franziskanerorden wurde um 1200 von Franziskus von Assisi gegründet.

Im Jahr 1258 gründeten zwei Augsburger Bürgertöchter die „Sammlung zum Stern“. Sie wollten mit anderen Frauen ein Leben mit Gott führen. Zuerst besuchten sie die Gottesdienste bei den Franziskanern vom Barfüßerkloster. Von 1574 bis 1576 ließen sie vom Baumeister Johannes Holl, dem Vater von Elias Holl ihre eigene Kirche, die Sternkirche, errichten. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1802 aufgelöst. König Ludwig I. von Bayern ließ es jedoch 1828 wieder errichten und so besteht das Kloster noch heute.

Nach der Säkularisation übernahmen die Schwestern pädagogische und soziale Tätigkeiten und gründeten Filialen in ganz Bayern. Sie widmeten sich dem Mädchenunterricht, der Waisen-und Vorschulerziehung in sogenannten „Kinderbewahranstalten“ und der Alten- und Krankenpflege.

In der Augsburger Bombennacht brannte das Kloster vollständig aus. Kirche und Turm überstanden den Bombenangriff. Im Jahr 1950 wurde das Kloster wieder aufgebaut.

In der Sternkirche versammeln sich die Klosterschwestern dreimal täglich zum Gebet. Der schöne Klostergarten ist nur selten zugänglich.

Das Gymnasium und die Realschule Maria Stern befinden sich im Stadtteil Göggingen. Die Franziskanerinnen vom Kloster Maria Stern gründeten 1933 eine klösterliche Lehrerinnenbildungsanstalt, in der seinerzeit noch selbstständigen Vorstadt Göggingen. Beim Zweiten Weltkrieg mußte der Schulbetrieb eingestellt werden, das Gebäude wurde als Lazarett genutzt. Die Schwestern wurden als Schreibkräfte, Krankenpflegerinnen und für Arbeiten in Küche und Hausreinigung dienstverpflichtet. Nach Kriegsende begannen die „Sternschwestern“ wieder mit der Ausbildung von Lehrerinnen. In den folgenden Jahrzehnten entstand ein musisches und naturwissenschaftlich-technologisches Gymnasium für Mädchen und Jungen. 2001 wurde die Trägerschaft der Schule vom Kloster an das Schulwerk der Diözese Augsburg abgegeben.

Das Kulturhaus Kresslesmühle

können wir in der Barfüsser Straße 4 besuchen. Beim Gebäude handelt es sich um ein ehemaliges Handwerkerhaus, das die Wasserkraft des Vorderen Lechs als Mühle nutzte. Die Getreidemühle wird bereits im Stadtrecht von 1276 erwähnt und war bis Anfang der 1970er Jahre in Betrieb. Für den Erhalt und die Sanierung des Gebäudes sorgte eine Bürgerinitiative, die hier 1977 ein Kulturzentrum einrichtete.

Zur Kresslesmühle gehört eine Kabarettbühne, Seminarräume und eine interkulturelle Kindertagesstätte. Das Erdgeschoss und die Terrasse von der Kresslesmühle wird gastronomisch genutzt. 2015 hat die Stadt Augsburg das Kulturhaus übernommen.

Die Stadtmetzg

ist ein historischer Bau im Stil der Spätrenaissance. Der Fleischer wird in Augsburg, auch heute noch, als „Metzger“ bezeichnet, daher kommt der Name „Metzg“ für das Haus. Es wurde von Elias Holl zwischen 1606 und 1609 errichtet.

Durch den blühenden Handel im 17. Jahrhundert wohnten im Stadtgebiet von Augsburg bereits 16.000 Menschen. Um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, wurde vom Rat beschlossen, eine zentrale Schlachterei zu bauen und von hier das Fleisch an die Metzger der Stadt zu verteilen. Die Fleischbank am Eiermarkt (heute Rathausplatz) genügte nicht mehr, um das verarbeitete Fleisch ordnungsgemäß und hygienisch zu lagern. Das alte Zunfthaus hatte aufgrund des starken Geruchs und mangelnder Pracht ausgedient.

Elias Holl entschied sich bei der Suche nach einem geeigneten Standort für das Augsburger Lechviertel. Hier gab es ideale Bedingungen für die neue „Stadtmetzg“. Der Platz lag inmitten der Stadt und war von den Lechkanälen durchzogen. Das Gebäude sollte der modernste Bau der Fleischerzunft werden. Geschickt plante Holl, daß der Vordere Lech offen unter das Schlachthaus geleitet wurde. So war einerseits eine ausreichende Kühlung vom Fleisch gesichert, andererseits konnten die Metzger die Abfälle direkt im Kanal entsorgen. Die Schlachtung der Tiere fand in einem Neubau neben der Stadtmetzg, im Schlachthausgäßchen 4, statt.

ehemaliges Schlachthaus

Im Gebäude der neuen Stadtmetzg wurden in der unteren Etage 126 Fleischbänke als Verkaufsstände untergebracht. Im oberen Bereich waren die Zunft-und Amtsstuben.

Später hat die Reichsstädtische Kunstakademie die oberen Stockwerke bezogen. Unterricht gab es nur von Oktober bis März. Gegen ein Entgelt von zwei Gulden konnten die Schüler nach Vorlagen oder einem Modell malen. Oft gab es Probleme aufgrund des ekelhaften Geruchs. Trotzdem hatte die Akademie einen guten Ruf als kulturelles Zentrum und Ausbildungsort für Künstler.

1900 wurde in der Proviantbachstraße außerhalb der Stadt ein neuer, moderner Schlacht- und Viehhof errichtet. Die Stadtmetzg wurde bis 1930 von den Metzgern (Fleischern) bis zu ihrem Umzug in die neue Fleischhalle am Augsburger Stadtmarkt genutzt. Das Gebäude wurde 2016 saniert und erhielt den originalen Anstrich aus dem 17. Jahrhundert zurück. Es dient als Verwaltungsgebäude der Stadt Augsburg.

Vor dem Gebäude ist der „Metzgplatz“ mit dem Georgsbrunnen.

Die evangelische Barfüßerkirche

steht in der Barfüßerstraße. Der Name „Barfüßer“ stammt von den Franziskanern, die sich in Augsburg 1221 niederließen. Die „Brüder“ wurden von Franz von Assisi in den Norden geschickt, um sich für die Belange der ärmeren Schichten in der Bevölkerung einzusetzen. Als Zeichen ihrer selbstgewählten Armut liefen sie ohne Schuhe, in nur einfachen Sandalen.

Augsburg war die erste Stadt in Deutschland, in der eine Niederlassung der Franziskaner gegründet wurde. Von Augsburg aus breitete sich in wenigen Jahren er Orden im ganzen Deutschen Reich aus.

Die Barfüßerkirche wurde 1243 von den Brüdern des Franziskanerordens im Lechviertel neben dem Barfüßertor errichtet. 1265 wurde die Kirche erweitert. Für den Erweiterungsbau kauften die Franziskaner vom Domprobst zwei Häuser bei der Stadtmauer. Der Nachfolgebau brannte 1398 ab. Es folgte der Neubau der dreischiffigen Basilika von 1407 bis 1411 im Stil der Gotik. Die Kirche hatte nie einen Turm.

Während der Reformation wurde in der Barfüßerkirche, die erste evangelische Predigt im Jahr 1524 gehalten. 1535 wurde sie zum ersten evangelischen Gotteshaus in Augsburg. Die Alexiuskapelle, die vom Augsburger Patrizier Ulrich Rehlinger gestiftet wurde und das Barfüßertor sind heute nicht mehr vorhanden.

In der Barfüßerkirche wurde Bertolt Brecht getauft.

Die Franziskaner traten das von ihnen erbaute Kloster während der Reformation an den Magistrat ab und verließen die Stadt. Das Barfüßerkloster wurde umgebaut. Es entstand das Altenheim „St. Jakobspfründe“. Im Jahr 1975 wurde die Jakobspfründe in Paritätisches St.-Jakobs-Stift umbenannt.

Wenn es die Zeit zuläßt, sollte man die „Taverne zu den Barfüßern“ besuchen. Das Lokal liegt sehr idyllisch am Stadtgraben

Fortsetzung Teil 5: Innenstadt mit Dom folgt