Augsburg Teil 6: Innenstadt

Perlachberg

Neben dem Perlachturm befindet sich links der Perlachberg, der steil zur Stadtmetzg hinunter führt. An der Ecke Perlachberg/Karolinenstraße war einst das Zunfthaus der Bäcker. Das große Gebäude mit Brotläden, den Zunftstuben und Wohnungen wurde 1602 von Elias Holl errichtet. Bei den Luftangriffen auf Augsburg 1944 wurde es, wie fast alle Häuser am Perlachberg, zerstört. Die Ruine wurde abgetragen. 1950 entstand im Zuge der Straßenverbreiterung ein schmäleres Geschäftshaus mit einem Hoch-Café.

Die Karolinenstraße

ist eine Straße mit einer langen Geschichte. Unter dem Namen „Weißmalergasse“ wurde sie erstmals 1264 erwähnt. Der Name kommt von den „Weißmalern“, die hier bis 1534 lebten. Die Karolinensraße führt vom Rathausplatz zum Schmiedberg bzw. Obstmarkt. Vom Obstmarkt ist nur noch der Straßenname übrig geblieben.

Die Weißmalergasse wurde 1806, als Augsburg zum Königreich Bayern kam, nach der ersten Königin, Karoline von Baden, in Karolinenstraße umbenannt. Die historischen Gebäude, wie das Welserhaus mit Leonhardkapelle, wurden 1944 in der Straße zerstört. Übrig geblieben ist bis heute nur noch das ehemalige

Baderhaus

in der Karolinenstraße 12. Bereits im Mittelalter war hier ein Brauhaus. Das Anwesen, wie es heute zu sehen ist, stammt im Kern aus dem 16./17. Jahrhundert. Die barocke Fassade ist aus dem 18. Jahrhundert. Im Erdgeschoss ist immer noch die toskanische Säulenhalle mit dem Kreuzgratgewölbe zu sehen.

Ab 1900 betrieb die Kaufmannsfamilie Bader einen Kolonial- und Textilladen im Haus. Es wurde deshalb als das „Baderhaus“ bezeichnet. Das Gebäude wurde 1986 saniert. Seit 1988 wird die Ladenfläche von Bücher Pustet genutzt. Im Kellergewölbe ist das Gasthaus „König von Flandern“ mit einer Hausbrauerei.

Bis zum 10. September 2021 war das Haus in der Karolinenstraße 15 das älteste Gebäude in der Straße. Das Haus stammte im Kern aus dem 16. Jahrhundert. In den Jahren 1893/94 gestaltete man die Fassade im klassizistischen Stuckdekor. Die Nische über dem Eingangsportal, in der sich die Hausmadonna befand, wurde entfernt. Die Madonna erhielt einen neuen Platz in einer Nische am Giebel des Gebäudes.

links alt, rechts neu

Im 20. Jahrhundert war das Anwesen das Verlagshaus des Papierwaren- und Postkartenherstellers C. Holfelder & Cie. 1984/85 wurde das Haus saniert und das Original der Hausmadonna durch eine Kopie aus Gussstein ersetzt. Das Original ist seit 2013 in der Studiensammlung der Diözese Augsburg.

Das Haus, das zwei Kriege so gut wie unbeschädigt überstanden hat, ist vermutlich durch einen technischen Defekt beim Aufladen eines E-Scooters bis auf die Grundmauern abgebrannt. Die Madonna konnte von der Feuerwehr gerettet werden.

Das Augsburger Staatstheater

ist seit kurzem ein „Fünfspartentheater“ mit Musiktheater (Oper/Musical), Schauspiel-/Kinder- und Jugendtheater, Tanz/Ballett, Konzert. Am 10.09.2021 kam das „Digitaltheater“ dazu. Es wird von einer selbstlos tätigen Stiftung betrieben, die von der Stadt Augsburg und dem Freistaat Bayern gleiche hohe Zuschüsse erhält. Bis 1999 wurde das Theater als „Städtische Bühnen Augsburg“ bezeichnet.

Das Theater steht am „Kennedy Platz“, früher „Theaterplatz“. Seinen Namen erhielt er 1963 nach dem, im gleichen Jahr ermordeten 35. Präsidenten der USA, John F. Kennedy.

Die Skulptur „Ostern“

vom Bildhauer-Ehepaar Mtschinsky-Dennighoff steht seit 1992 vor dem „Großen Haus“ des Staatstheaters Augsburg. Das Ehepaar hat die monumentale, abstrakte Skulptur aus Chromnickelstahl-Röhren 1990 geschaffen. Die Skulptur wiegt drei Tonnen ,ist sechs Meter hoch und war zuerst am Rathausplatz aufgestellt. Viele Augsburger können sich bis heute nicht erklären, was „Ostern“ vor dem schönen Theaterbau bedeuten soll..

Geschichte vom Theater

1630 kauften die Augsburger Meistersinger den Welserstadel und bauten ihn als Theaterstätte aus. Hier spielten und sangen die Handwerksmeister öffentlich.

Das eigentliche Theaterleben in Augsburg begann mit der Errichtung des Meistersinger-Stadels durch das städtische Almosenamt am Lauterlech, in der Jakobervorstadt im Jahr 1665. Über das Gebäude ist wenig bekannt. Es sollen 15 „Stüblin“ (Logen) zur Verfügung gestanden haben. Das Gebäude war sehr baufällig. Es mußten oft teure Sanierungen vorgenommen werden, um die Künstler und Zuschauer nicht zu gefährden. Um 1696 wurde hier die erste Oper in Augsburg aufgeführt.

Für das Jesuitenkolleg St. Salvator wurde 1739 ein eigenes Schauspielhaus bei der damaligen Salvatorkirche in der Jesuitengasse errichtet. Als Augsburg Ende 1805 die Reichsfreiheit verlor und an das Königreich Bayern fiel, wurde aus dem Schauspielhaus eine Millitärreitschule. 1876 zog das städtische Leihamt im Gebäude ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schauspielhaus teilweise zerstört.

Das Stadttheater, im Volksmund „Komödienstadel“ genannt, entstand 1776/77. Hier war die Möglichkeit zum Aufritt von Gast-Ensembles entstanden. Das Gebäude war schlicht, hatte vier Eingangstüren und Platz für 900 Besucher. Über dem Parkett waren zwei Ränge und eine Galerie, mit einem Deckengemälde und einem gemalten Vorhang.

1777 besuchte Wolfgang Amadeus Mozart das Theater. Seine Oper „Don Giovanni“ wurde hier 1787 aufgeführt. Für den Besuch der Zauberflöte 1793 wurde der Eintrittspreis erhöht. 1876 beschloss der Magistrat, nach einem Brand bei St. Jakob, den Neubau eines repräsentativen Gebäudes. Es entstand das Stadttheater am heutigen Platz.

Das „Große Haus“ wurde mit der Oper Fidelio am 26. November 1877 mit dem ersten Theaterleiter Moritz Krüger eröffnet. Anfangs wurde das Theater an den jeweiligen Direktor verpachtet, der es dann auf eigenes Risiko bespielte.

Im Jahr 1919 wurde das Theater kommunalisiert. Während einer Renovierung 1938/39 war der Ludwigsbau die Ausweichspielstätte für das Theater. Erneut Ersatzspielstätte war die „Komödie“ und der „Ludwigsbau“ nach der Zerstörung des Theaters durch Luftangriffe 1944. Im Jahr 1956 kehrten die „Städtischen Bühnen Augsburg“ in das restaurierte Stadttheater zurück. 1999 erfolgte die Umwandlung der „Städtischen Bühnen“ in den städtischen Eigenbetrieb „Theater Augsburg“. Am 1. September 2018 wurde aus dem kommunalen Theater ein Staatstheater.

Bereits 2015 wurde nach zehnjähriger Planungsphase die Sanierung des Theaters vom Augsburger Stadtrat beschlossen. Das Staatstheater sollte jedoch nicht nur saniert, sondern als Gesamtkonzept auch im Sinne der Stadtgesellschaft neu gedacht werden.

Die Baumaßnahme umfasst die Sanierung des Großen Hauses mit Bühnenturm, Werkstätten, Proberäumen, Lagerflächen und Büros der Verwaltung. Zudem soll ein neuer Technikkeller und ein neues „Kleines Haus“ auf dem Platz an der Volkhartstraße entstehen.

Der letzte Vorhang ist am 20. Juni 2016 auf unbestimmte Zeit gefallen. Interimsspielstätten sind der martini-Park, Ofenhaus am Gaskessel und Kongress am Park.

Im Martini-Park

wurde am 2017, in zwei leerstehenden Industriehallen, die neue Interimsspielstätte des Staatstheaters in Betrieb genommen. Es ist ein voll funktionsfähiges Theater mit 620 Sitzplätzen, Werkstätten und Proberäumen. Insbesondere Schauspiel und Musiktheater haben hier während der Bauzeit ihren Hauptsitz. Rund 200 der insgesamt 370 Mitarbeiter des Theaters haben hier ihren Arbeitsplatz. Die Bühne im Martini-Park ist ist nicht nur ein Provisorium. Sie ist bestens ausgestattet und verfügt über eine induktive Höranlage.

Nach fertiger Sanierung des Staatstheaters zieht das Musik- und Schauspieltheater wieder ins „Große Haus“. Die Spielstätte im Martini-Park wird zur Industriehalle zurückgebaut. Die Installierungen von Sanitär, Lüftung und Technik sollen dann in anderen städtischen Bauten eingesetzt werden. Anmerkung von mir: viele Schulen in Augsburg benötigen dringend neue Sanitäranlagen.

Die brechtbühne

befand sich direkt hinter dem „Großen Haus“. Die Spielstätte wurde 2012 eröffnet und 2018 geschlossen. Der Neubau einer zweiten Spielstätte wurde aufgrund der Schließung der Komödie im Jahr 2010 notwendig. Ursprünglich sollte das Gebäude bis 2026 als Bühne genutzt werden und später als Lagerstätte. Aufgrund einer Planänderung wurde der Abriss der brechtbühne beschlossen. Hier soll eine zweite Spielstätte, die Probebühnen und eine Verwaltung untergebracht werden. Das Gebäude, das man als „Container“ bezeichnete, mit dem roten Theatervorhang als Fassade, wurde 2019 abgerissen.

Seit 2019 befindet sich die brechtbühne für die Dauer des Neubaus im Ofenhaus vom Gaswerk. Es ist die neue für Schauspiel und Ballett. Im Ofenhaus wurden Bauteile und Technik der alten brechtbühne von der Kasernstraße wieder eingebaut. Das zweite Interimstheater der Stadt Augsburg, hat 219 Sitzplätze, ein Restaurant mit Bar und einen bestuhlten Außenbereich.

Auf dem bedeutenden Industriedenkmal mit einem 60.000 qm großen Gaswerkgelände und zahlreichen denkmalgeschützten Gebäuden soll sich langfristig ein Standort für Kunst- und Kultur entwickeln.

Eröffnungsfeier der Übergangsspielstätte

Kongress am Park

war bis 2010 die Kongresshalle Augsburg. Die multifunktionale Veranstaltungstätte wird als Kongresszentrum, für Verkaufsausstellungen, Konzerte und Kulturveranstaltungen genutzt. Das denkmalgeschützte Gebäude zählt zu den bedeutenden Bauten der „Nachkriegsmoderne“.

Eröffnet wurde die Kongresshalle 1972. Viele Augsburger fanden den kühlen Neubau für 26 Millionen DM, der bis zu 2200 Personen Platz bot, nicht einladend und trauerten dem gemütlichen Ludwigsbau nach. Andere lobten die zeitlose Eleganz. In der Kongresshalle fanden viele Großveranstaltungen, wie der Augsburger Presseball oder Opernball statt.

Nach 20 Jahren mußten intensive Sanierungsarbeiten an Technik und Gebäudehülle durchgeführt werden. Bereits zur Jahrtausendwende traten immer mehr Mängel am Gebäude auf. Daraufhin wurden nur noch 1740 Besucher zugelassen. Im Jahr 2010 fand für 21 Millionen Euro die Generalsanierung statt. Die Mittel zur Sanierung kamen aus dem städtischen Haushalt, Bundesmitteln und privaten Investoren. Aus den ursprünglich zwei Sälen, sechs Konferenzräumen und zwei Foyers wurden, bis auf den großen Saal, zehn Räume, die alle nach ihren Sponsoren benannt sind.

Das große Foyer heißt jetzt „Klassik Radio Foyer“, aus dem kleinen Foyer wurde die „Klassik Radio Lounge“. Der ehemalige Mozartsaal ist heute der „Saal baramundi“, gesponsert von der baramundi Software AG. Alle weiteren werde ich hier nicht nennen, wer weiss denn, ob die Räume in absehbarer Zeit noch so heissen.

der „Große Saal“
der „Saal baramundi“

Der „Ludwigsbau“ im Stadtgarten aus dem Jahr 1914 wurde 1965 zum Bau vom „Kongress am Park“ und den „Hotelturm“ gesprengt.

Der Kuppelbau erhielt den Namen vom seinerzeit regierenden König Ludwig III. Die Baukosten für den 1200 Besucher fassenden Ludwigsbau betrugen 400.000 Mark.

Eine „Expertenkommission“ begutachtete 1963 die Kuppel und stellte eine mangelnde Tragfähigkeit fest. Der Saal wurde daraufhin kurzfristig gesperrt. Bemerkenswert war, daß das für „nicht tragfähig befundene Kuppeldach“, die Sprengung weitgehend unbeschadet überstanden hat.

Der Hoffmann Keller

war ein Gewölbekeller aus dem 18. Jahrhundert, der vom Theater Augsburg für verschiedene Veranstaltungen genutzt wurde. Seinen Namen bekam der Gewölbekeller von der Weinhandlung Hoffmann, die den Keller viele Jahre als Fass- und Flaschenlager genutzte. 2003 baute man den Keller um. Es entstand eine Probe- und Aufführungsbühne für die Jugendtheaterclubs mit 99 Plätzen. Im Foyer des Kellers befand sich die längste Theke Augsburgs, in der regelmäßig Jazz-Sessions stattfanden. Im Juli 2018 fand hier die letzte Aufführung statt. Der vierstöckige Verwaltungsbau über dem Hoffmann-Keller wurde für einen Neubau abgerissen. Schade!!

Die Komödie – das Gignoux-Haus

wurde bis 2010 als Spielstätte für Schauspiel und Ballett genutzt. Die Zukunft vom Gebäude ist offen.

Die Augsburger Philharmoniker

sind das Orchester des Staatstheaters Augsburg. Im Jahr 1965 beschloss der Magistrat, nach dem Betreiben zweier Mitglieder der „Augsburger Liedertafel“ die Gründung des „städtischen Orchesters“, das vorwiegend im Theater zum Einsatz kommen sollte. Es sollte gut dargebotene Opern auf die Bühne bringen um das Theater rentabel zu machen.

Das Orchester spielte zeitgenössische Werke, z.B. Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Die ersten eigenen Sinfoniekonzerte wurden 1910 gespielt. Durch gute Konzertmeister konnte das Niveau vom Orchester ständig verbessert werden. Im Jahr 1920 wurde das Orchester von der Stadt Augsburg übernommen. Es folgten große Werke, wie Beethovens 9. Sinfonie. In Anwesenheit vom Komponisten Richard Strauß war seine „Alpensinfonie“ anläßlich seines 70 Geburtstags im Jahr 1934 zu hören. Auch im Krieg fanden noch Erst- und Uraufführungen statt. Nach Kriegsende wurde das Orchester wieder neu formiert und kam wieder schnell zu hohem Niveau.

Seit 1972 hat das Orchester seinen festen Spielort im heutigen „Kongress am Park“.

Ein Ballett

gehört selbstverständlich auch zum Augsburger Staatstheater.

Der Alte Einlass

was das „Nachttor“, wurde 1514 errichtet und befand sich genau am Platz vom heutigen Staatstheater. Die Errichtung einer Bastion neben dem Einlassgebäude erfolgte zusammen mit einer Holzbrücke über einen Trockengraben zwischen 1542 und 1548.

Hier war der Einlass, wenn alle übrigen Tore bereits geschlossen waren. Der Überlieferung nach, wurde das Tor auf Wunsch von Kaiser Maximilian I. erbaut. Er benutze es bei seinen zahlreichen Besuchen in Augsburg. Der Alte Einlass galt aufgrund seiner „ausgeklügelten Maschinerie“ als technisches Wunderwerk in Europa. In Wirklichkeit wurden die Verschließmechanismen, eine Zugbrücke und drei widerstandsfähige Türen, von drei unsichtbaren „Einlässern“ im Torobergeschoß bedient. Das Tor wurde 1867 abgerissen.

Der Stadtpflegeranger

ist ein kleiner Park zwischen dem Staatstheater, der St. Anna Grundschule, dem Justizpalast und dem Bibliotheksgebäude der Staats- und Stadtbibliothek. Alle vier Gebäude sind denkmalgeschützt.

Der Stadtpflegeranger wurde 1820 als städtische Grünfläche angelegt. 1871 wurden Teile von der Grünanlage bebaut. Bei den Erdarbeiten wurden Stücke aus der römischen Zeit gefunden die heute im Besitz des römischen Museums sind.

Die Geschichtssäule

aus Naturstein wurde 1970 an einer Weggabelung im Stadtpflegeranger aufgestellt. Auf der Säule sind insgesamt zwanzig kleine Texttafeln mit bedeutenden Ereignissen der Augsburger Stadtgeschichte zu sehen. Sie beginnt unter mit der Testtafel „Schlacht auf dem Lechfeld 955“ und endet oben mit „1946-1970 Wiederaufbau und Ausbau der Stadt“

Die St. Anna-Grundschule

ist im Jahr 1872 an der Schaezlerstraße im Stil der Neorenaissance entstanden. Das Schulgebäude wurde in städtebaulicher Sicht dem gegenüberliegenden Justizpalast und den anschließenden Wohngebäuden in der Volkhartstraße angepasst.

Die Schule hieß zuerst „Stadtpflegerangerschule“, in der ausschließlich Mädchen unterrichtet wurden. Im U-förmingen Bau befinden sich 17 Klassenzimmer und eine Hausmeisterwohnung. Die Stadtpflegerangerschule war die erste Schule, bei der die Erziehung katholischer Mädchen nicht in einem Kloster von Nonnen erfolgte. Die einzelnen Klassen waren konfessionell getrennt. Im Westflügel wurden katholische und um Ostflügel evangelische Mädchen unterrichtet.

Später wurde der Schulsprengel eingeführt. Große Aufregung gab es 1873 bei den katholischen Bürgern, als männliche Lehrer ihre Töchter unterrichten sollten. Anfang des 20. Jahrhundert unterrichtete man in der Schule auch Jungen unterrichtet. Später benannte man sie in „St. Anna Grundschule“ um.

Die Stadt- und Staatsbibliothek

entstand 1537 im Zuge der Reformation als Stadtbibliothek der Reichsstadt Augsburg. Der Grundstock der Bibliothek stammt aus dem aufgelösten Karmeliterkloster St. Anna und einigen weiteren Augsburger Klöstern. Der Bestand wurde 1544 zunächst im Kloster der Dominikanerinnen und ab 1548 im Barfüßerkloster untergebracht.

Ein eigenes Gebäude für die Stadtbibliothek wurde 1562 im Annahof errichtet. Das Gebäude war der erste freistehende, selbständige Bibliotheksbau der Neuzeit in Deutschland. Lange Zeit war die Bibliothek mit dem protestantischen Gymnasium St. Anna eng verbunden. Der jeweilige Stadtbibliothekar war auch der Rektor des Gymnasiums. Der Buchbestand der Bibliothek war deshalb protestantisch geprägt.

Im Jahr 1600 wurde ein Gesamtkatalog der Bibliothek gedruckt. Es war der erste Bestandskatalog einer deutschen, öffentlichen Bibliothek und der zweiälteste in Europa. Der Katalog umfasst 8.500 Titel und macht den Reichtum der Bibliothek deutlich. Bereits 1633 war der Bestand schon auf 11.000 Werke angestiegen.

Als Augsburg die Reichsfreiheit verlor und an Bayern fiel, wurden die ältesten und wertvollsten Werke im Jahr 1806 an die Hofbibliothek nach München gebracht. Mit der Säkularisation kam die Stadtbibliothek wieder zu einem größeren Bestand. Es konnten über 42.000 Bände aus den aufgelösten Klöstern erworben werden. Zu der ehemals protestantisch ausgerichteten Bibliothek kam eine Vielzahl katholischer Werke hinzu. Bedeutende Familien- und Vereinsbibliotheken wurden im 19. und 20. Jahrhundert übernommen.

Als in der Stadtbibliothek und im Gymnasium St. Anna große Platznot war, wurde 1893 ein eigenes Gebäude für die Bibliothek in der Schaezlerstraße errichtet. Das bisherige Gebäude der Stadtbibliothek im Annahof wurde abgerissen. Es entstand der Neubau für das St. Anna Gymnasium an der Fuggerstraße.

1920 wurde in der Stadtbibliothek eine Volksbücherei mit 10.000 Büchern eröffnet. Hierfür wurde ein Anbau, der heute als Lesesaal dient, errichtet. 1941 erfolgte die Umbenennung in Stadt- und Staatsbibliothek. Seit 1. Dezember 2012 ist die Bibliothek verstaatlicht.

Bei der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg handelt es sich um eine wissenschaftliche Bibliothek, die für jeden zur Forschung, Ausbildung oder persönliche Fortbildung geöffnet ist. Im Lesesaal sind Nachschlagwerke, aktuelle Zeitungen und Zeitschriften frei zugänglich. Etwa 400.000 Bände ab dem Erscheinungsjahr 1911 können nach einer Bestellung mit Benutzerkarte nach Hause ausgeliehen werden. Darunter fallen Romane, Krimis, Biographien, Lern- und Unterrichtsmaterialien. Seit Juli 2020 sind ca. 88.000 Bände des unheberrechtsfreien Buchbestandes online zugänglich.

Der Justizpalast

ist ein öffentliches Gebäude das zwischen 1871 und 1875 errichtet wurde. Ab 1875 war hier das königliche Bezirks- und Stadtgericht. Heute sind im Gebäude das Landgericht Augsburg sowie Teile des Amtsgerichts Augsburg.

Damit der Neubau für das Gericht am Alten Einlass erfolgen konnte, wurde zwischen der Stadt und dem Staat ein Tauschhandel durchgeführt. Der Staat erhielt für den Neubau des Gerichts das Areal südlich vom Alten Einlass mit der, für Kaiser Maximilian I. erbauten Holzbrücke in der Augsburger Stadtbefestigung. Die Stadt bekam das königliche Bezirks- und Stadtgericht in der Maximilianstraße sowie den nahegelegenen Salzstadel. Das Gericht am Alten Einlass wurde gebaut. Das königliche Gericht wurde geschlossen. Die Gebäude wurde später beim Ausbau der Hallstraße abgerissen.

Aufgrund Raumnot wurde der Justizpalast 1923 entlang der Fugger- und Schaezlerstraße erweitert. Bei Luftangriffen wurde das Gebäude erheblich beschädigt. Das Gericht brachten vorübergehend in der Hindenburgkaserne unter. 1954 konnte das Gericht seine Arbeit wieder in der Innenstadt aufnehmen. 1972 wurde das Gebäude mit neuer Fassadenfarbe saniert.

Haupteingang Am Alten Einlass

Ansicht Fuggerstraße

In der Fuggerstraße

stehen noch einige repräsentative Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Nach dem Justizpalast kommt eine Filiale der Commerzbank, die Geschäftsstelle des ADAC, das ehemalige Hotel Post und an der Ecke eine Filiale der Deutschen Bank. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich das Hotel Ost, das ehemalige Evangelische Pfarrhaus St. Anna, das ehemalige Anna-Gymnasium und das ehemalige Stadtarchiv, das sich heute im Textilviertel befindet. Die Gebäude im Annahof habe ich bereits in „Augsburg Teil 2: Persönlichkeiten, Gebäude“ erwähnt.

Der Stadtmarkt

entstand auf dem ehemaligen Gelände der Schnupftabakfabrik Lotzbeck. Nachdem Zigarren-, Pfeifen- und Zigarettenwaren in Mode kamen, geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten und mußte das Gelände verkaufen. Der Kaufpreis für das Grundstück betrug 1,45 Millionen Reichsmark, für Umbauarbeiten mußten noch 2,7 Millionen Reichsmark von der Stadt in die Hand genommen werden. Die Eröffnung vom Stadtmarkt war am 8. Oktober 1930.

In den Stadtmarkt wurden alle dezentralen Märkte verlegt. Die ehemaligen Marktstandorte kann man heute noch aus den Straßennamen entnehmen. Es gab einen Obst-, Fisch-, Eier-, Kessel- und Weinmarkt.

Im Stadtmarkt entstand eine Fleischhalle, in der mehrere Metzger Fleisch- und Wurstwaren und auch einen Imbiss anbieten. Zur Halle gehört noch eine Milchbar und ein großer Kühlraum. Der Marktbrunnen vor der Fleischhalle am Marktbrunnenplatz stammt aus dem Jahr 1951 von einem Augsburger Bildhauer.

Die Viktualienhalle (veraltet für Lebensmittel) ist 1929 entstanden. Hier sind Einzelhändler mit national und international ausgerichtetem Einzelhandel und Imbissständen zu finden. Käseliebhaber haben in der Halle eine riesige Auswahl. Gut dazu passt ein Gläschen Wein am „Pfälzer Weinstand“. Während der Pilzsaison bietet der Pilzverein Augsburg eine kostenlose Pilzberatung an.

In der Fischgasse befinden sich Fisch- und Wildgeschäfte, bei denen auch ein Imbiss angeschlossen ist.

Der Name Bäcker-, Gemüse-, Blumen- und Obstgasse sagt bereits aus, welche Produkte hier angeboten werden.

Der Bauernmarkt findet nur vormittags statt. Hier bieten Erzeuger aus der Augsburger Umgebung ihre Ware an mobilen Ständen an. Im Sommer finden auf dem Marktgelände Freiluftveranstaltungen statt.

Bauernmarkt mit dem Gebäude der Fleischhalle im Hintergrund

Wer Glück hat, hört zur vollen Stunde den Hahn krähen.

Die Markgaststätte mit Außengastronmie ist die Nachfolge der ehemaligen Garküche, die bis 1930 an der Stadtmetzg beheimatet war.

Auch ein Geschäft mit Steingut, eine Destille, ein Laden mit Saatgut und Gartenzubehör, ein Kiosk mit Zeitungen, eine Messerschleiferei, ein Café sowie eine Sushi-Bar sind im Stadtmarkt zu finden.

Für die Verwaltung vom Stadtmarkt ist das Amt für Verbraucherschutz der Stadt Augsburg zuständig. Sie befindet sich im ersten Stock der Fleischhalle. Die Standmieten werden je nach Art des Marktstandes jährlich, monatlich oder täglich berechnet wird. Das Amt legt fest, welche Waren angeboten werden dürfen.

Die Taubenmarie

Im Stadtmarkt steht eine Skulptur der Tierfreundin Maria Karolina Schuhmann, die man „Taubenmarie“ nannte. Maria Schuhmann war eine ehemalige Obstverkäuferin im Stadtmarkt. Sie zog jeden Tag mit einem Kinderwagen, in dem Taubenfutter war, durch die Straßen von Augsburg und fütterte die Tauben.

Maria Schuhmann wurde nach ihren Tod von vielen Seiten geehrt. Von der Stadt Augsburg wurde ein Kranz mit einer Schleife der Augsburger Farben an ihrem Grab niedergelegt. Das Bläserquartett des Städtischen Orchesters sorgte für eine würdevolle Umrahmung der Beerdigung. Das Wohlfahrtsamt deckte die Kosten für Beerdigung, Grab und Gedenkstein. Der Tierschutzverein übernahm die Pflege ihrer letzten Ruhestätte im Westfriedhof.

Die neue Stadtbücherei

befindet sich am Ernst-Reuter-Platz. Sie ist eine, der vier großen Augsburger Bibliotheken mit Schwerpunkt Bildung-, Information- und Kulturauftrag. Der Bestand der Stadtbücherei umfasst 170.000 Bücher und 190 abonnierte Zeitschriften und Zeitungen sowie CDs und 6.700 Hörbücher.

Die Volksbücherei wurde 1920 als Abteilung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg mit 10.000 Büchern gegründet. 1953 wurde die Volksbücherei selbständig. 1978 erfolgte die Umbenennung in Stadtbücherei. Im Jahr 2007 wurde nach einem Bürgerbegehren für eine „Neue Stadtbücherei“ der Grundstein für das neue Haus am Ernst-Reuter-Platz gelegt. Im Jahr 2009 konnte die Stadtbücherei im neuen Gebäude ihren Betrieb aufnehmen.

Die Straßenbezeichnung Grottenau

gibt es seit 1465 und geht auf die „Grotten“, eine Bezeichnung für zweirädrige Weinkarren, die in der Au (feuchte Niederung) entlang der Herbergen und Weinschenken abgestellt wurden, zurück. In der Grottenau war im 16. Jahrhundert der Weinmarkt und Wohnhäuser von Patrizierfamilien.

An der Grottenau

stand 1756 ein Gebäude als Postamtsstation der Kaiserlich Taxi’schen Post. Es wurde 1808 an die königlich-bayerische Post übergeben. 1885 wurde von der, für Bahn und Post zuständigen Direktion der königlich-bayerischen Verkehrsanstalten, die Errichtung der ersten staatlichen Telefon-Anlage beschlossen. Die Anlage mit 111 Teilnehmern wurde am 3. Juli 1886 in Betrieb genommen.

Nachdem das alte Gebäude zu klein geworden war, ließ man es abreissen und an gleicher Stelle von 1905 bis 1908 einen Neubau errichten. Es entstand der viergeschossige Gebäudekomplex im neobarocken Stil. Über dem Eingangsportal befindet sich ein Balkon, im Inneren ist eine glasüberdachte Halle und eine Arkaden-Galerie.

1907 erfolgte die Umbenennung in „Oberpostdirektion Augsburg„, in der die ersten weiblichen Arbeitskräfte im Telegrafendienst eingesetzt waren. 1924 wurde für den ständig wachsenden Telefonverkehr zur Handvermittlung die erste, automatische Wählanlage in Betrieb genommen. Bereits 1925 war das Gebäude zu klein. Man entschied sich für den Bau eines zusätzlichen Gebäudes in der Langemantelstraße und verlegte das Fernamt in den Neubau.

 

Die handvermittelnde Ortsumschaltestelle verblieb im Gebäude an der Grottenau. Mit der rasch fortschreitenden Entwicklung wurden im Haus laufend neue technische Einrichtungen für verschiedene Fernmeldedienste eingebaut. Ab 1927 bis 1945 wurde im Gebäude das erste, niederfrequente Drahtfunknetz Bayerns betrieben. Im Krieg zerstörten Bomben den Giebel mit einem markanten Walmdach. Die Schäden beseitigte man bei Bau eines fünften Obergeschosses. Von 1973 bis 1975 wurde das oberste Stockwerk erneut umgestaltet und erhielt das Flachdach.

Später war hier der erste Telekom-Laden von Augsburg, der bald wegen Platzmangel wieder ausgezogen ist. Zuletzt befand sich im Erdgeschoss eine Filiale der Deutsche Post AG und ein Postbank Finanzcenter. Im Eingangsbereich befinden sich links und rechts beeindruckende Bronzefiguren aus dem Jahr 1909.

2011 wurde das Gebäude von der Stadt Augsburg gekauft. Ein Teil vom Gebäude wird heute von Mitarbeitern des Städtischen Jugendamtes und der Verkehrsüberwachung genutzt. Hierfür wurden die Arkaden-Gänge im ersten Stock schallisolierend angepasst, damit die Mitarbeiter in den Büros nicht gestört werden.

Seit 2020 ist in den oberen Etagen das Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg untergebracht. In der ehemaligen Halle, wo früher die Postschalter waren, entstand ein Konzertsaal für 150 Personen.

Der Konzertsaal

Der Umbau hat 26 Millionen Euro verschlungen. Schön ist, daß seit dem Umbau der Brunnen, der bisher der Öffentlichkeit verborgen war, besichtigt werden kann. Es hat einfach alles seinen Preis.

Das Naturkundemuseum

befindet sich seit 1991 in der Ludwigstraße 14, in den „Augusta Arcaden„, der ehemaligen Ludwigspassage.

Gegründet wurde das Museum 1846 vom „Naturhistorischen Verein Augsburg“. Der Verein präsentierte 1854 seine naturhistorische Sammlung erstmals im neu gegründeten Maximilianmuseum. Die Sammlungen des Vereins wurde immer größer. Sie gliederte sich in eine zoologische, botanische, mineralogische, paläontologische und ethnographische Abteilung. Bedeutende Wissenschaftler im Museum waren Christian Friedrich Freyer, Schmetterlingskundler und Johann Friedrich Leu, Präparator.

1904 trennte man die naturkundliche Sammlung vom Maximilianmuseum ab. Das Naturkundemuseum wurde ein eigenständiges Museum. Neuer Standort vom Museum war danach im Stettenhaus beim Obstmarkt. Das Stettenhaus war ein Komplex aus mehreren historischen Gebäuden, die nach der Patrizierfamilie Stetten benannt wurden. Durch Ankäufe und Schenkungen wurde es zum bedeutendsten naturkundlichen Museum in Bayern und das reichhaltigste und bekannteste in Europa. Beim Bombenangriff 1944 brannte das Museum vollständig aus. Der Verein wurde nach Kriegsende zwangsaufgelöst.

Bereits 1946 kam es zur Neugründung des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben, der eng mit dem 1937 gegründeten Tiergarten zusammenarbeitete. Der Verein schuf ein neues naturwissenschaftliches Museum in einem Wasserturm am Roten Tor. Zu sehen waren mehr als 700 präparierte Vögel, die vom Ornithologen und Präperator Anton Fischer gestiftet wurden. 1955 wurde das Museum geschlossen, nachdem die Stadt Augsburg die Türme anders nutzen wollte.

Von 1964 bis 1987 war das Naturwissenschaftliche Museum in einer, von der Stadt Augsburg angemieteten Wohnung, in einem der Fuggerhäuser in der Maximilianstraße. Aufgrund Platzmangel wurde das Museum erneut geschlossen und neue Räume gesucht. Die Stadt Augsburg kaufte die ehemaligen Druckgebäude der Augsburger Allgemeinen und richtete ein neues Museum ein. Bemerkenswert ist, daß sich an der gleichen Stelle das 1944 zerstörte Stettenhaus befand. Seit 1996 kann man das „Naturmuseum Augsburg“ mit einer Fläche von 966 m², verteilt auf vier Stockwerke in den Augusta Arcaden besuchen.

Das Sparkassen Planetarium

befindet sich seit 1989 im gleichen Gebäude. Es ist den Ausstellungen vom Naturmuseum angeschlossen. Das Planetarium ist eine Stiftung der Stadtsparkasse Augsburg.

In einem Kuppelsaal kann man, neben einem naturgetreuen Sternenhimmel, virtuelle „Reisen“ durch das All verfolgen. Mit Texten, Bildern und Musik wird man in die Astronomie und Raumfahrt eingeführt. Gezeigt wird die Sonne und der Mond sowie 6000 Fixsterne und Planeten, die man mit bloßem Auge erkennt. Erleben kann man die Drehung der Erde, den Jahreslauf, den Mondumlauf, Sternbildfiguren, Kometen und Meteore sowie Reisen zu den Sternen, Gasnebel und unsere Heimatgalaxis.

2008 wurde das Planetarium auf eine Ganzkuppel-Video-Anlage umgerüstet. Mit der Anlage ist ein kuppelfüllendes Bewegtbild mit Hilfe von sieben Videoprojektoren möglich. Durch eine Rechneranlage mit der Software Digital Sky und Digital Universe wird nicht nur ein künstlicher Sternenhimmel, sondern auch ein 3-dimensionales Abbild des Universums erzeugt. Mit dieser Technik wurde das Planetarium zum damaligen Zeitpunkt des modernste Planetarium in Süddeutschland.

Die Annastraße

ist eine Einkaufsstraße und Fußgängerzone. Hier stehen viele Häuser, die im Kern noch aus dem 16./17. Jahrhundert stammen.

ehemaliges Fuggerhaus

Mesmerhaus von St. Anna

ehemalige Langmantelsche Stiftung

Geht man durch den Torbogen befindet man sich im Annahof. Vom Annahof kann man in den Stadtmarkt oder zur Fuggerstraße gehen.

Der Königsplatz

(kurz Kö genannt) befindet sich am Ende der Annastraße und ist der zentrale Knotenpunkt der ÖPNV (Öffentliche Personennahverkehr).

Geschichte

Ursprünglich befand sich hier das Gögginger Tor mit der Bastion „Göggingerwall“, Stadtmauer und Gräben. Als im Jahr 1843 der Augsburger Hauptbahnhof außerhalb der Stadtmauer gebaut war und die Eisenbahn immer mehr Bedeutung bekam, wurde der Zugang durch das Gögginger Tor zu umständlich.

Nachdem Augsburg im Königreich Bayern ein wichtiger militärischer Standtort war, durften Veränderungen der Festungsanlagen nur mit Billigung der königlichen Regierung vorgenommen werden. Im Jahr 1860 gestattete König Maximilian II. die „Einlegung der Festungsbauwerke beim Gögginger Tor“. 1861 durften die Wälle, Gräben und die Stadtmauer zu beiden Seiten vom Gögginger Tor eingeebnet werden. 1862 erfolgte der Abriss, des von Elias Holl erbauten Turms am Gögginger Tor. König Ludwig II. hob 1866 die Festungseigenschaft von Augsburg auf. Zum Dank für die Erlaubnis zum Abbruch der Stadtbefestigung erhielt der ehemalige „Gögginger-Tor-Platz“, den Namen „Königsplatz“.

Nach dem Abriss der Stadtmauer entstand südlich vom Königsplatz die Kaiserstraße (heute Konrad-Adenauer-Allee) und nördlich die Fuggerstraße mit Stadthäusern reicher Bürger, die zum Stadttheater führt. Westlich vom Königsplatz ist das Bahnhofsviertel entstanden. Die Bürgermeister-Fischer-Straße führt vom Königsplatz zum Moritzplatz.

Bereits damals richtete man am Königsplatz eine kleine Parkanlage als „grüne Ruhezone“ der „hektischen Großstadt“ ein. In der Mitte der Parkanlage steht der Thormann-Brunnen. Der Brunnen ist das erste Betonbauwerk in Augsburg.

Im Jahr 1881 wurde am Königsplatz eine Haltestelle der „Pferdebahn“ eingerichtet. Bis zur Jahrhundertwende war jedoch der zentrale Verkehrsknotenpunkt am Ludwigsplatz, dem heutigen Rathausplatz.

1905 konnte durch die Neuanlage der Bürgermeister-Fischer-Straße das Straßenbahnnetz neu geordnet werden. Der Königsplatz wurde zentraler Umsteigeplatz für drei Linien der Straßenbahn. Aufgrund des hohen Fahrgastaufkommens erhielt der Königsplatz 1913 einen Pavillon, der jedem als „Pilz“ bekannt war, mit Fahrkartenverkauf, einer Uhr und Warteplätzen. Auch wir haben uns, ca. 70 Jahre später, beim „Kö“ am „Pilz“ verabredet. Unter großem Protest aus der Bevölkerung wurde der „Pilz“ 1977 abgebrochen.

Kö nach dem Umbau 1977

Königsplatz heute

Nach erheblichen Umbaumaßnahmen fand am 15. Dezember 2013 die offizielle Eröffnung des Königsplatzes und der angrenzenden Parkfläche statt.

Kö heute

Der Manzù-Brunnen

wurde anläßlich der 2000-Jahr-Feier 1985 von der Industrie- und Handelskammer und zahlreichen Augsburger Unternehmen gespendet. Er kostete 800.000 Mark.

Die in einem flachen Brunnenbecken stehende Bronzefigur wurde vom italienischen Bildhauer Giacomo Manzù geschaffen. Die 2,20 Meter hohe Skulptur stellt ein Mädchen dar, das mit einer locker übergeworfenen Tunika aus dem Bad steigt.

Die Bürgermeister-Fischer-Straße

erhielt ihren Namen vom ehemaligen Bürgermeister Ludwig von Fischer. Zum Ausbau der Straße mußten 17 Haupt-, vier Rück- und zahlreiche Nebengebäude 1906 abgerissen werden. Auch die 1545 erbaute Schrannenhalle mußte abgebrochen werden. Danach entstanden Wohn- und Geschäftshäuser. Die Bürgermeister-Fischer-Straße verwandelte sich in eine zentrale Einkaufsstraße.

Bemerkenswertes Gebäude ist das „Riegelehaus“, das 1911 im Jugendstil erbaut wurde. Im denkmalgeschützten „Riegeleblock“ war eine Bierhalle der Brauerei Riegele.

Gegenüber vom Riegele war der 1912 errichtete „Königsbau“. Hier befand sich ein Kino und eine Vergnügungsstätte.

In der Bürgermeister-Fischer-Straße 9 war das, im Jahr 1906 von Hugo Landauer, eröffnete Textilhaus Landauer. Es war 1928 das führende Kaufhaus in Augsburg und Schwaben. Nachdem Boykottaufruf gegen jüdische Geschäfte übergab Landauer das Kaufhaus 1934. Es wurde das „Zentralkaufhaus“ für Bekleidung und Ausstattung. 1944 wurde das Kaufhaus zerstört und 1949 wieder aufgebaut. 1957 wurde im „Zentral“ die erste Rolltreppe in Augsburg eingebaut. 1974 erfolgte die Verbindung zwischen dem Haupthaus Zentral und dem Königsbau. Später war hier K & L Ruppert, dann Kaufhof und heute befindet sich Schuh Schmid und mehrere kleine Geschäfte im Gebäude.

Die beiden nachfolgenden Häuser sind im 20. Jahrhundert entstanden.

1979 wurde die Straße für den motorisierten Individualverkehr gesperrt und in die Fußgängerzone integriert.

In der Philippine-Welser-Straße

befindet sich das Bothmersche Palais, das im Kern aus dem 16./17. Jahrhundert stammt.

Beim Gebäude daneben handelt es sich auch um ein ehemaliges Stadtpalais, es ist das sogenannte „Köpf-Haus„. Im Kern besteht dieses Gebäude aus mehreren Häusern. Der älteste Teil vom Köpf-Haus stammt aus dem 14. Jahrhundert. Im Jahr 1578 fasste der Baumeister Johannes Holl die Häuser zusammen und gestaltete die Fassade.

Im Jahr 1712 kaufte Johann Köpf das Gebäude. Er vererbte es seinem Sohn, der das Haus 1738 umbauen ließ. Aus dieser Zeit stammt das heutige Aussehen im Stil des Wiener Barock. Köpf junior ließ den zweigeschossigen Giebel und die Portale einbauen. Im Erdgeschoss entstand eine repräsentative Halle mit Deckenfresken.

Im Erdgeschoss befindet sich das nine o five. Man sollte unbedingt reinschauen. Es gibt leckere neapolitanische Pizza, süffigen Wein oder einfach nur einen Kaffee.

Das Denkmal von Johann Jacob Fugger, das sich vor dem Köpf-Haus am Fuggerplatz befindet sowie das Geburtshaus von Philippine Welser in der Philipine-Welser-Straße 13, habe ich bereits erwähnt. Bei den übrigen, zum Teil schön renovierten Häusern in der Straße handelt es sich um Gebäude, die im Kern aus dem 14. jedoch überwiegend aus dem 16./17. Jahrhundert stammen.

Phil.-Welser-Str. 22 mit Marienbüste

Das Maximilianmuseum

ist das älteste Museum von Augsburg. Das Stammhaus der Kunstsammlungen und Museen von Augsburg befindet sich am Fuggerplatz 1. Hier sind viele Werke der Augsburger Goldschmiedekunst, der Bronzekunst der Spätrenaissance, wissenschaftliche Instrumente, Uhren und Automaten ausgestellt. Auch historische Modelle sowie stadtgeschichtliche und kunstgewerbliche Objekte aus der Zeit, als Augsburg die bedeutendste Kunstmetropole in Deutschland war, sind zu sehen.

Geschichte vom Gebäude

Die Dokumentation über die Bewohner beginnt mit Bartholomäus Welser, der von 1511 bis 1519 im Gebäude in der Annastraße wohnte. Zur Erinnerung: Bartholomäus Welser finanzierte mit Jakob Fugger dem Reichen die Wahl von Kaiser Karl V. im Jahr 1518.

Der Kaufmann, Bankier und kaiserliche Rat von Karl V., Leonhard Beck von Beckenstein errichtete das, am heutigen Fuggerplatz gelegene Gebäude, mit der prächtigen Fassade. 1547 kaufte der Kürschner, Bankier und Augsburger Bürgermeister, Jakob Herbrot das Haus. 1564 wurde der Kaufmann und Bankier Anton Meuting neuer Besitzer, der es 1579 an die Kaufleute Hainhofer veräußerte. Bekanntestes Mitglied er Familie war der Philipp Hainhofer, der Schöpfer vom berühmten „Pommerschen Kunstschrank“, der hier seine Kindheit und Jugend verbrachte.

Nächster Bewohner war 1700 der Kupferstecher Elias Christoph Heiß. Heiß ließ den Felicitassaal, die Aeneas-Galerie und das Luna-Kabinett mit Deckenfresken ausstatten. Die Kunstwerke in der Aeneas-Galerie stammen aus einer Privatsammlung, die von der Stadt Augsburg 1924 gekauft wurde.

Danach wurden die beiden Stadtpaläste zwischen Annastraße und Fuggerplatz zusammen als evangelisches Armenkinderhaus genutzt. 1853 erwarb die Stadt Augsburg den gesamten Gebäudekomplex und eröffnete 1855 das erste städtische Museum. König Maximilian II. war der Schirmherr, der dem Museum aus seinen Namen gab. Das Maximilianmuseum ist das älteste kommunale Museum in Bayern.

Der Felicitassaal

Das Deckenfresko im Felicitassaal stammt von Melchior Steidl. Es stellt den antiken Götterhimmel mit den damals bekannten vier Erdteilen dar. Im Saal sind Trinkgefäße, liturgische Geräte, Prunkplatten, Silbermöbel von Augsburger Gold- und Silberschmieden ausgestellt. Die Gold- und Silberschmiede belieferten vom 16. bis zum 19. Jahrhundert die weltlichen und geistlichen Höfe in ganz Europa.

Felicitassaal

Der Viermetzhof

ist mit seinem selbsttragenden Glasdach ist der Glanzpunkt vom Maximilianmuseum. Er wurde vom Augsburger Ehrenbürger und Mäzen, Kurt F. Viermetz, gestiftet. Ausgestellt werden hier die restaurierten Originalplastiken der Augsburger Prachtbrunnen. Die im Jahr 1600 von den Hofbildhauern Hubert Gerhard und Adriaen de Vries hergestellten Plastiken zählen zu den größten Kostbarkeiten im Museum.

Zum Museum gehört ein Münzkabinett mit Münzen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Hier kann man Münzen mit verschiedenen Lupen betrachten.

Sehr interessant sind die ausgestellten, kostbaren Erzeugnisse der Augsburger Uhrmacher, Zinngießer und „Hausmaler“, die zuhause in ihren Werkstätten Porzellan und Fayencen bemalten.

Das Lipidarium

In den Kellerräumen vom Museum ist eine Sammlung von Bauteilen und Zierelementen zerstörter und abgebrochener Gebäude, Skulpturen, Inschriftentafeln, Grenzsteinen und Grabdenkmäler von großem historischen und künstlerischem Wert.

Der Martin-Luther-Platz

war bis 1933 der „Annaplatz“, weil er gegenüber der Kirche St. Anna liegt.

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Von den Augsburger Protestanten wurde bereits längere Zeit die Umbenennung des Platzes zu Ehren des Reformators Martin Luther gefordert. Die Umbenennung erfolgte dann im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Sie wollten sich dadurch bei den Protestanten beliebt machen.

Der Goldschmiedebrunnen

am Martin-Luther-Platz erinnert an die Blütezeit des Augsburger Gold- und Silberschmiedehandwerks. Auf einem Pfeiler steht ein lebensgroßer Goldschmiedemeister, der einen vergoldeten Pokal in der Hand hält. Er wurde 1912 von einem Berliner Bildhauer errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Figur abgebaut und wurde eine „Metallspende“. Im Jahr 1950 entdeckte man die Figur auf einem Hamburger Schrottplatz und brachte sie wieder nach Augsburg zurück.

Die Kirche St. Anna

sowie das Kloster St. Anna, wurde im 14. Jahrhundert von den Ordensbrüdern der Karmeliter mit finanzieller Unterstützung von Bischof Friedrich I. und einer Bürgschaft der Familie Langenmantel errichtet. Die Karmeliter gehörten zu den, im 13. Jahrhundert entstandenen Bettelorden, die als Gegenbewegung zu der immer reicher und mächtiger werdenden Großkirche entstanden ist.

Der Weg von der Klosterkirche eines Bettelordens bis zur evangelischen Hauptkirche in Augsburg war von konfessionellem Streit, Kriegen, Zerstörung und Ausgrenzung geprägt. St. Anna spiegelt jedoch auch den Wiederaufbau, die Versöhnung und den Glauben der Bürger an die besondere Bedeutung der Kirche wider.

Der Ostchor

war ursprünglich den Mönchen für ihre Messen vorbehalten und durch eine Schranke vom Hauptschiff getrennt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die hochgebaute Schranke mit Durchgängen und einer Empore zu einem runden, breiten Bogen zusammengefasst. Der Altar stammt aus dem Jahr 1650. Im Ostchor wurden Taufen und Trauungen sowie kleinere Gottesdienste abgehalten.

Die Bilder im Ostchor symbolisieren den Wendepunkt der Historie von St. Anna. Im 16. und 17. Jahrhundert wechselte sich mehrmals die konfessionelle Zuordnung. Sie war die Kirche des alten Glaubens, wurde später evangelisch und im Dreißigjährigen Krieg wieder katholisch. Als Augsburg von den Schweden besetzt war, wurde die Kirche kurze Zeit evangelisch. Nach der Besetzung wurde St. Anna unter jesuitischer Hoheit wieder katholisch. Erst seit dem Westfälischen Frieden von 1648 erhielt St. Anna den, noch heute gültigen Status als evangelisch-luthersche Kirche.

Das Hauptschiff

war im späten Mittelalter und in der Reformationszeit ein schmuckloser Bau mit einer Trennwand zum Ostchor. 1748 wurde die flache Holzdecke entfernt und durch ein helles Gewölbe ersetzt. Die Wände wurden neu gegliedert und im Barockstil mit Gesimsen und Stuckverzierungen versehen.

Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche erneuert. Über dem Hauptschiff entstanden Brüstungen, ein Bilderzyklus sowie eine Kanzel. Die Trennung vom Ostchor wurde durch den Bau eines großen, breiten Bogens entfernt.

Eigenwillig ist die Anordnung der Bankreihen im Hauptschiff von St. Anna. Die Bankreihen befinden sich rechts und links vom Altar, stehen sich also gegenüber. Die Ausrichtung der Bankreihen hat jedoch nichts mit dem Glaubensrichtungen zu tun. Es gibt dafür nur praktische Gründe, denn die Predigt mußte zur Kanzel in der Kirchenmitte ausgerichtet sein, während der Liturgie sollte man aber zum Altar im Ost- und Westchor blicken können.

Der Altar

und das Ambo (Lesepult) aus rot pigmentierten Wachs befindet sich in der Mitte der Kirche. Der Altar, um den man sich beim Gottesdienst versammeln kann, stellt ein Kreuz dar. Er wurde 2013 geweiht.

Die drei Deckenfresken

in St. Anna sind barock. Der hohe Himmel, in dem Christus symbolisch dargestellt ist, wurde 1747/48 geschaffen.

Die Goldschmiedekapelle

ist 1420 bei der Erweiterung von St. Anna entstanden. Die Kapelle wurde von dem kinderlosen Ehepaar Konrad und Afra Hirn gestiftet und sollte ihnen als Grablege dienen. Als die beiden Stifter gestorben waren, übernahm die Goldschmiedezunft als Pfleger die Kapelle und erhielt den Namen „Goldschmiedekapelle“. Die Goldschmiede erweiterten die Kapelle, ergänzten die Fresken, bauten Turm und Sakristei an und nutzten sie als Grablege.

Goldschmiedekapelle

Die Heiliggrabkapelle

wurde 1506 im Westen der Kirche angebaut und vom Jörg Regel und seiner Frau Barbara gestiftet. 1590 baute Johann Holl die Kapelle um. Es sollte der Erinnerungsbau für die Wallfahrt an das Grab Christi in Jerusalem sein. Seit 1656 wird sie als Grabkapelle der Familie Österreicher genutzt. Die Kapelle wurde 1748 renoviert.

Fuggerkapelle

Im 16. Jahrhundert suchten die Brüder Ulrich, Georg und Jakob Fugger nach einer Grablege für sich und ihre späteren Nachkommen. Es sollte ein Ort für ein würdiges Andenken an die Vorfahren ermöglichen und den hohen Rang der Bürgerfamilie zum Ausdruck bringen.

1509 schlossen Ulrich und Jakob Fugger mit dem Prior von St. Anna einen Vertrag über den Bau einer Kapelle im Westchor von St. Anna. Der Plan der Kapelle stammte von Albrecht. 1512 war der Rohbau der Grabkapelle im Stil der Renaissance fertiggestellt. 1518 erfolgte die Weihe der Kapelle und die Gebeine der, in der Zwischenzeit verstorbenen Brüder Georg und Ullrich, wurden in die Gruft unterhalb der Kapelle überführt.

Jakob Fugger sicherte sich noch im Jahr 1521 den „ewigen“ Bestand der Fuggerkapelle juristisch ab. Für die anfallende Erhaltung und Pflege der Kapelle richtete er eine Stiftung ein, zu der auch die Fuggerei und die Prädikate von St. Moritz gehören. Alle männlichen Nachkommen sollten zukünftig in der Familiengruft St. Anna bestattet werden.

Als 1523 die reformatorische Ausrichtung von St. Anna deutlich wurde, bestand Fugger weiter auf die Grablege für sich und seine künftigen Familienmitglieder in der Kapelle. Kurz vor dem Tod von Jakob Fugger fand in St. Anna der erste lutherische Gottesdienst statt.

In der Fuggerkapelle wurde noch 1525 Jakob Fugger und seine Neffen Raymund (1535) und Hieronymus (1538) bestattet. Die weiteren Nachkommen der Familie wurden an anderen Orten begraben. Die Familie Fugger kommt seit 1521 ihrer Stiftungsverpflichtung nach und feiert jährlich einen Gedächtnisgottesdienst in der Kapelle.

Bemerkenswert ist, daß deshalb ein Teil von St. Anna konfessionsverschieden ist, denn das Grablege der streng katholischen Familie Fugger befindet sich in einem heute evangelisch-lutherschen Gotteshaus.

Der Altar in der Fuggerkapelle

entstand um das Jahr 1512. Ein Engel hält den Leichnam Christi, der die Dornenkrone trägt. Es sind die Wundmale der Kreuzigung und des Lanzenstichs zu sehen.

Die Fuggerorgel

wurde um 1512 gebaut. Am Flügel links ist die Himmelfahrt Christi zu sehen. Neben den zwölf Aposteln sind als Zuschauer der Maler Jörg Breu und Jakob Fugger abgebildet. Im rechten Flügel ist außer der Himmelfahrt von Maria und auch Kaiser Maximilian zu sehen. Die kleineren Flügel widmen sich der Musik.

Putten in der Fuggerkapelle

Die sieben, je 30 cm großen Putten wurden um 1530 vom Künstler Hans Daucher geschaffen. Die Originale sind im Maximilianmuseum untergebracht. An der Balustrade der Fuggerkapelle sind heute Replikate der Putten zu sehen. Es werden geflügelte Wesen mit kindlichen Proportionen dargestellt, die in unterschiedlichen Posen auf Kugeln ruhen.

Die Putten wurden von der Balustrade, die die Kapelle vom Kirchentraum trennte, im Jahr 1821 entfernt. Im 20. Jahrhundert fand man fünf Putten in der Nähe von Augsburg wieder. Zwei Putten werden derzeit bei Sotheby’s bei einer Versteigerung angeboten. Die Stadt Augsburg bemüht sich derzeit Mittel aufzutreiben, damit das komplette Ensemble der sieben Putten erworben und im Augsburger Maximilianmuseum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

Martin Luther in St. Anna

Die größte geschichtliche Bedeutung erhielt das Kloster und die Kirche St. Anna, wie ich bereits unter „Augsburg Teil 1“ beschrieben habe, als Martin Luther 1518 hier sein Quartier hatte und sich beim Reichstag in Augsburg vor Kardinal Cajetan weigerte, seine 95 Thesen zu widerrufen. Von hier floh Luther unter Mithilfe des Karmeliters Christoph Langenmantel vom Sparren, der auch Sohn des Bürgermeisters war, aus Augsburg, um nicht von den kaiserlichen Soldaten festgenommen zu werden.

St. Anna wird evangelisch

1523 schloss sich der Prior des Konvents der Reformation an. An Weihnachten 1525 fand in der Anna-Kirche die erste protestantische Liturgie statt. St. Anna wurde die erste evangelische Kirche in Augsburg.

1531 entstand in den Räumen des Klosters das protestantische Gymnasium St. Anna. Das Karmelitenkloster St. Anna wurde 1534 aufgegeben. Im Annahof errichtete man 1562 (wie bereits geschrieben) das Gebäude für die Stadtbibliothek.

St. Anna im Barock und heute

Stadtbaumeister Elias Holl errichtete 1607 den Kirchturm von St. Anna und schuf 1613 ein eigenes Gebäude für das Gymnasium. 1747 wurden die gotischen Mittel- und Seitenschiffe im Barockstil umgebaut. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Nach der Kapitulation von Augsburg feierte die US-Armee ihre Sieges- und Dankgottesdienste hier.

Der vierflügelige Kreuzgang

des Klosters wurde nach einem Brand im Jahr 1460 neu gebaut und mit Fresken ausgemalt. In den Flügeln vom Kreuzgang und im Kreuzganggarten legte man ab 1596 zahlreiche Gräber an. Im Jahr 1806 erfolgte ein Bestattungsverbot für St. Anna. Bis zu dieser Zeit fanden hunderte Menschen im Kreuzgang ihre letzte Ruhe. Auf vielen Grabplatten sind interessante Botschaften zu lesen.

Der Lutherhof,

ein Ort der Stille und Einkehr, ist nach der Sanierung des Außenbereichs entstanden.

Der Leuthof

war bis 1806 der Friedhof von St. Anna. Früher kam man von der Annastraße über den Leuthof in die Kirche. Der Hof an der Nordseite des Hauptschiff wird seit der Restaurierung 2018 nur noch bei bestimmten Anlässen geöffnet.

Das Museum Lutherstiege

wurde 1983 in Nebenräumen der Kirche eröffnet. Es widmet sich den Ereignissen, die zur Reformation und damit zur Spaltung der Kirche geführt haben.

Fortsetzung Teil 7: Stadtteile folgt