Karlsruhe

Wir sind nach Karlsruhe gefahren, um das „Schloss Lichtspiel“ zu sehen. Es hat sich wirklich gelohnt. Die Veranstaltung ist sehr beeindruckend. In zwei verschiedenen Shows konnten wir Bilder aus der digitalen Welt zum Thema „Ganesis“ und „Karlskompensator“ sehen. Bei „Ganesis“ hat der Berliner Künstler unter dem Namen Spiegelball eine Show geschaffen, die zum großen Teil inclusive Soundtrack von einer Künstlichen Intelligenz (KI) berechnet und komponiert wurde. Die Künstlergruppe „Crushed Eyes Media“ lädt zu einer Reise in die Geschichte der Zukunft der Stadt Karlsruhe ein. Eine alte Rechenmaschine wird zum Zeitrad in der Show.

Bedingt durch Corona finden die Schloss Lichtspiele nicht nur am Schlossplatz statt. Beleuchtet sind 11 weitere Plätze in Karlsruhe.

Mangels Stell- oder Campingplätzen in Karlsruhe, haben wir uns für den „Waldparkplatz“ auf dem Unigelände vom Karlsruher Institut für Technologie entschieden. Von hier kommt man mit dem Fahrrad super zum Schloss.

Das Karlsruher Institut für Technologie

kurz KIT, ist die Technische Universität des Landes Baden-Württemberg und nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft.

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist ein Verbund aus 18 unabhängigen naturwissenschaftlich-technisch und biologisch-medizinisch ausgerichteten Forschungszentren mit mehr als 40.000 Beschäftigten. Von den Mitarbeitern sind 40 Prozent Wissenschaftler, rund 3.500 Doktoranden und circa 1.400 Auszubildende (2018). Im Jahr 2019 betrug das Budget 4,8 Milliarden Euro. Bei der Helmholtz-Gemeinschaft handelt es sich um die, nach Mitarbeitern und Budget größte Wissenschaftsorganisation von Deutschland.

Den Namen hat die Gemeinschaft von Hermann Ludwig Ferdinand von Helmholtz. Helmholtz war ein deutscher Physiologe und Physiker. Der Universalgelehrte war einer der einflussreichsten Naturwissenschaftler seiner Zeit und wurde, in Anspielung auf Otto von Bismarck, als „Reichskanzler der Physik“ bezeichnet.

Durch den Zusammenschluss der Universität Karlsruhe mit dem Kernforschungszentrum Karlsruhe entstand die größte deutsche Forschungseinrichtung.

Am Hochschulteil des KIT wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts der wissenschaftliche Maschinenbau gegründet. Das KIT gehört auch zu den Pionieren der deutschen Informatikforschung. Ab dem Jahr 1969 konnte man hier eine Ausbildung zum Diplom-Informatiker beginnen. Es folgte die Gründung der ersten Fakultät für Informatik. 1984 wurde hier die erste deutsche E-Mail empfangen. In den 1990er Jahren registrierte und verwaltete man in der KIT sämtliche .de-Domains für mehrere Jahre. Für kurze Zeit wurden auch die chinesischen .cn-Domains verwaltet. Den Begriff „Informatik“ hat der Karlsruher Professor Karl Steinbuch eingeführt und geprägt.

Das KIT ist findet man in Karlsruhe an verschiedenen Orten. Der Campus Nord ist am Leopoldshafen, in der Innenstadt liegt der Campus Süd. In Karlsruhe-Rintheim befindet sich der Campus Ost, in der Nordweststadt der Campus West. Weitere Standorte sind in Dresden, Ulm und Garmisch-Partenkirchen.

Geschichte der Universität Karlsruhe

Gegründet wurde das Polytechnikum durch Großherzog Ludwig von Baden 1825. Sie war die erste Hochschule dieser Art in Deutschland. Entstanden ist sie durch die Zusammenlegung der Bauschule des Architekten Friedrich Weinbrenner, der Ingenieurschule von Gottfried Tulla und den Realklassen des Karlsruher Lyzeums. Im Jahr 1832 wurde die Staatliche Forstschule angegliedert.

An der Hochschule hat im Jahr 1886 Heinrich Hertz, im heute noch existierenden und genutzten Hertz-Hörsaal, die Existenz der elektromagnetischen Wellen nachgewiesen. 1903 wurde zum ersten Mal eine Frau an einer Technischen Hochschule zu einem ordentlichen Studium zugelassen.

Geschichte von Karlsruhe

Karlsruhe ist die drittgrößte Stadt in Baden Württemberg. Sie zählt zu den letzten großen europäischen Stadtgründungen auf dem „Reißbrett“.

In der Umgebung der, im Hardtwald 1715 gegründeten Planstadt Karlsruhe, lagen mehrere Dörfer und die Städte Durlach und Mühlburg. Diese Orte haben eine wesentlich ältere Geschichte als die heutige Kernstadt. Der älteste, im Jahr 786 urkundlich erwähnte Stadtteil ist Knielingen.

Durlach

ist der größte Stadtteil von Karlsruhe. Die einst eigenständige Stadt war von 1565 bis 1718 Residenzstadt der Markgrafschaft Baden-Durlach. Von hier ging 1715 die Gründung der neuen Residenzstadt Karlsruhe aus. Im Jahr 1938 wurde Durlach in die Residenzstadt „unter Zwang eingemeindet“.

Die Grafen von Hohenberg bauten im 11. Jahrhundert eine Burganlage auf dem Turmberg, die sie im 12. Jahrhundert erweiterten. Nach dem Aussterben der Hohenberger fiel das Grafenamt gegen Ende des 12. Jahrhunderts an das Adelsgeschlecht der Staufer.

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In Urkunden aus dem Jahr 1196 wird Durlach von Kaiser Heinrich VI. erstmals als villa Durla (Dorf) erwähnt. Aus einer Urkunde aus dem Jahr 1234 von Kaiser Friedrich II. läßt sich ableiten, daß Durla im Tausch gegen Güter bei Braunschweig an Markgraf Hermann V. von Baden übergeben wurde. 1279 ließ Konrad III. von Lichtenberg, Bischof von Straßburg, die Burg Hohenberg auf dem Turmberg zerstören. Sie wurde nie wieder aufgebaut.

Auf den Turmberg fährt die Turmbergbahn, eine Standseilbahn. Sie wurde 1888 eröffnet und ist die älteste, fahrbereite Standseilbahn in Deutschland. Die Bahn überwindet eine Streckenlänge von 315 Metern und eine Höhendifferenz von 100 Metern bei einer Steigung von 36,2 Prozent.

Im Jahr 1565 wählte Markgraf Karl II. von Baden die Stadt Pforzheim als Residenzstadt ab und verlegte sie nach Durlach. Er nannte sich fortan Markgraf von Baden-Durlach. Die Karlsburg wurde gebaut und Durlach erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Die Karlsburg, in der bis 1723 nur noch die Markgräfin von Durlach wohnte, entwickelte sich danach zum Verwaltungs- und Ämtersitz und war zeitweise eine Kaserne. Das Schloss wurde von 1973 bis 1988 renoviert. Heute ist es Sitz vom Durlacher Standesamt, dem Pfinzgau- und Karpatendeutschen Museum. Im Schloss befinden sich Räume für die Volkshochschule, das Markgrafen-Gymnasium und die Durlacher Bibliothek. Außerdem gibt es einen historischen Festsaal.

Durlach mit Stadtkirche, Rathaus und Marktplatz

Benediktinerabtei Gottesaue

Von Graf Berthold von Hohenberg wurde die Benediktinerabtei Gottesaue im Jahr 1094 gestiftet. Das Kloster wurde 1525 geplündert. Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach ließ auf dem Gelände vom Kloster ein Schloß bauen, das im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört und danach nur notdürftig repariert wurde. Nach einem weiteren Brand baute man das Schloß niedriger und nutzte es als Fruchtspeicher. 1818 wurde es zur Kaserne. Bei einem Luftangriff wurde das Schloß wieder zerstört und ein Teil wegen Einsturzgefahr gesprengt. 1982 errichtete man das Schloß im Stil des 16. Jahrhunderts mit Einbeziehung erhaltener Mauerreste wieder. Seit 1989 ist hier die Hochschule für Musik.

Reste aus der Römerzeit

Funde von Beilen und Bronzebarren bei Knielingen, Rüppurr und Durlach belegen Ansiedlungen in der Bronzezeit. Aus der Eisenzeit hat man ein Gräberfeld mit zehn Bestattungen entdeckt. Im Stadtteil Grünwinkel war vermutlich eine römische Siedlung. Hier legte man Ziegel- und Töpferöfen frei, die aus dem Ende des 1. Jahrhunderts n.Chr. stammen und bis Ende des 2. Jahrhunderts betrieben wurden. Weitere Spuren für eine römische Besiedlung sind Funde von Münzen und ein Gräberfeld mit 44 Bestattungen.

Karlsruhe im 18. Jahrhundert

Eine Legende besagt, daß der Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach bei einem Jagdausritt eingeschlafen sei. Er träumte von einem Schloss das, wie die Sonne, im Zentrum seiner Residenz lag. Die Straßen, die von der Residenz wegführten, sollten in seiner Traumstadt den Sonnenstrahlen gleich sein. Karl Wilhelm ließ seine Traumstadt, die nach ihm benannte Residenz „Carols Ruhe“ entwerfen. Begonnen wurde mit dem Bau des Karlsruher Schlossturmes. Der Grundstein für den Turm wurde am 17. Juni 1715 gelegt. Dieses Datum wird auch als Gründungsdatum von Karlsruhe genannt. Der Turm war zunächst ein Jagd- und Lustschloss.

Der Grundriss der Stadt ist heute noch so erhalten. Vom Schlossturm, der im Zentrum liegt, hat man einen Blick in alle „Strahlen“, insgesamt 32 Straßen und Alleen. Er erinnert an einen Fächer. So kam Karlsruhe zum Beinamen „Fächerstadt“. Die Planung des Markgrafen sah im übrigen weder ein Rathaus noch einen Marktplatz vor.

Karlsruhe im 19. Jahrhundert

Ab 1806 war Karlsruhe die Residenz der badischen Großherzöge. Im Jahr 1818 hat Großherzog Carl die Badische Verfassung erlassen. Für das Parlament wurde das „Ständehaus“ gebaut. Die Pläne stammten von Friedrich Weinbrenner und Friedrich Arnold. Grundsteinlegung war 1820. Es war der erste Parlamentsneubau in Deutschland und beherbergte bis 1918 die Badische Ständeversammlung. Von 1919 bis 1933 tagte hier der Landtag der Republik Baden.

Das Ständehaus wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und 1961 abgerissen. 1991 erfolgte ein Neubau, in dem heute die Stadtbibliothek untergebracht ist. Es wurde im Stil vom alten Ständehaus von 1822 erbaut. An die einstige Nutzung als Parlament erinnert eine „Erinnerungsstätte Ständehaus“.

Das Polytechnikum der Universtität wurde 1825 von Großherzog Ludwig I. gegründet. Der Grundstein für die heute große Universität Karlsruhe war gelegt. Im Jahr 1846 entstand eine der ersten Freiwilligen Feuerwehren von Deutschland in Durlach. Das erste Verwaltungsgericht in Deutschland entstand 1863 in Karlsruhe. Durch das Grundrecht konnten nun Bürger Rechtsverstöße des Staates einklagen. Dies war der Meilenstein, daß aus den „Untertanen“ „Bürger“ wurden.

1860 fand der Karlsruher Kongress statt. Es war der erste internationale Fachkongress einer naturwissenschaftlichen Disziplin. Bereits 1862 erlangten mit der „badischen Liberalität“ die Juden eine bürgerliche Gleichstellung.

1876 wurde in Karlsruhe die erste Sinfonie von Johannes Brahms uraufgeführt. 1877 fuhr die erste, von Pferden gezogene Karlsruher Straßenbahn. Im Jahr 1893 gründete man in Karlsruhe das erste deutsche Mädchengymansium, das heutige Lessing-Gymnasium.

Karlsruhe im 20. Jahrhundert

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Karlsruhe amerikanische Besatzungszone und 1952 dem Land Baden-Württenberg zugeschlagen. Karlsruhe wurde in der Bundesrepublik Deutschland zur „Residenz des Rechts“.

Der Bundesgerichtshof

nahm 1950 seine Arbeit auf.

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Der Hauptsitz des Bundesgerichtshofs befindet sich seit seiner Gründung auf dem, etwa vier Hektar großen Gelände vom ehemaligen großherzoglichen Palais. Das Palais wurde 1891 bis 1897 von Josef Durm für den damaligen Erbgroßherzog Friedrich II. von Baden und seiner Gemahlin Hilda von Nassau erbaut.

Im großherzoglichen Palais ist heute der Präsident und die Verwaltung des BGH sowie einige Zivilsenate und Sitzungssäle untergebracht.

Der Bundesgerichtshof besteht heute aus insgesamt fünf Gebäuden, die zwischen der Kriegs-, Herren-, Blumen- und Ritterstraße liegen. Sie sind rings um eine Rasenfläche gruppiert, auf der der Galatea-Brunnen steht.

Von der ursprünglichen Bebauung auf dem Gelände steht noch das Palais und das ehemalige Gärtnerhaus, das heute „Weinbrennergebäude“ genannt wird. Johann Jakob Friedrich Weinbrenner wurde in Karlsruhe geboren und war ein Architekt, Stadtplaner und Baumeister des Klassizismus.

Die Gebäude in der Herrenstraße sind von 1958 bis 1960 entstanden. Ebenfalls von 1958 bis 1960 ist das Nordgebäude entstanden, in dem die Bundesanwaltschaft ihren Sitz hatte. Aufgrund ständigem Platzmangel bezog die Bundesanwaltschaft 1998 ihren neuen Dienstsitz in der Brauerstraße. Als Karlsruhe endgültig zum Sitz des Bundesgerichtshofs wurde, entschied man sich für den Abriss des alten Nordgebäudes und errichtete auf der großen Parkanlage einen U-förmigen Bau. Hier befinden sich heute die Zivilsenate und deren Sitzungssäle, die Bibliothek und das Rechtshistorische Museum Karlsruhe.

Generalbundesanwaltschaft Brauerstraße

Das Bundesverfasssungsgericht

nahm im Jahr 1951 seine Tätigkeit im Prinz-Max-Palais auf. Das Palais ist eine Villa im Gründerzeit-Stil. Es ist nach Prinz Max vom Baden, dem letzten Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs benannt. Sei voller Name war Maximilian Alexander Friedrich Wilhelm Prinz und Markgraf von Baden.

Das Gebäude entstand von 1881 bis 1884. Bauherr war der Unternehmer August Schmieder. Er ließ sich die Villa als Altersruhesitz bauen. Nach Schmieders Tod erwarb Prinz Max von Baden das Anwesen und zog im Jahr 1900 im Palais ein. 1929 übernahm die Industrie- und Handelskammer das Gebäude. Von 1951 bis 1969 war hier der Sitz des Bundesverfassungsgerichts.

Als das Palais für das Bundesverfassungsgericht zu klein wurde, entstand ein Neubau im Karlsruher Schlossbezirk zwischen Schlossplatz und Botanischem Garten. Das neue Gebäude fand Platz auf dem Grundstück vom ehemaligen Hoftheater, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Im Jahr 1969 konnte das Bundesverfassungsgericht in den Neubau einziehen.

Im Prinz-Max-Palais befindet sich seit 1981 ein städtisches Kulturzentrum mit dem Stadtmuseum, die Jugendbibliothek der Stadtbibliothek, das Museum für Literatur am Oberrhein und der Sitz der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe.

Das Leibgrenardierdenkmal

wurde 1924 auf dem damaligen Lorettoplatz errichtet. Im Zuge vom Bau des Stadttunnels wurde das Denkmal 2010 abgebaut. Seit 2014 steht das Leibgrenadierdenkmal an der Ecke des Gartens vom Prinz-Max-Palais. Die Inschrift auf der Vorderseite vom Denkmal lautet: „Den badischen Leib Grenadieren“ und trägt auf den Seiten die Einsatzorte des badischen Regiments.

Das Regiment wurde 1803 in Mannheim gegründet. In dieser Zeit war die Erhebung von Baden zum Kurfürstentum. Mit der Erhebung zum Kurfürst erhielt Markgraf Carl Friedrich Teile aus pfälzischem Besitz, darunter waren 1.000 Infanteristen, die in das neue Regiment integriert wurden. 1806 wurde Baden zum Großherzogtum, aus dem Regiment wurde das“Regiment Erbgroßherzog“. 1848 zog das Regiment in den Ersten Schleswig-Holsteinischen Krieg. Es überstand die Wirren der Badischen Revolution und wurde 1849 in „Infanterie Bataillon“ umbenannt. 1851 wurde das Regiment nach Karlsruhe versetzt.

Im Jahr 1856 wurde das Regiment anläßlich der Vermählung von Großherzog Friedrich I. mit der Prinzessin Luise von Preußen zum „Leib-Grenadier-Regiment“ ernannt und erhielt die Gardelitzen.

Sonstiges

1977 wurde der Generalbundesanwalt Siegfried Buback gemeinsam mit seinem Fahrer und einem Justizbeamten von Terroristen der Roten Armee Fraktion ermordet. 1980 wurde im Kongresszentrum die Bundespartei der Grünen gegründet.

Sehenswürdigkeiten in Karlsruhe

Die wichtigste Sehenswürdigkeit in der noch „jungen“ Stadt“ ist das Schloss, der Schlossplatz und der Schlossgarten. Das Schloss wurde, wie bereits erwähnt, 1715 im Stil des Barocks als Residenz des Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach errichtet. Es war bis 1918 das Residenzschloss der Markgrafen und Großherzöge von Baden.

Baumeister vom teilweise in Holz errichten Gebäude war Jakob Friedrich von Batzenhofen. Bereits im Jahr 1746 wurde die Holzkonstruktion durch einen Neubau in Stein ersetzt. Auch Balthasar Neumann wurde im Laufe der Jahrzehnte mit dem Um- und Ausbau beauftragt.

Mit der Märzrevolution 1849 wurde Großherzog Leopold vorübergehend aus dem Schloss vertrieben. Das Ende der Nutzung des Schlosses als Familienresidenz war im Jahr 1918 mit der Abdankung des letzten badischen Monarchen Friedrich II. besiegelt.

Seit dem Jahr 1919 befindet sich das Badische Landesmuseum und ein Teil des Bundesverfassungsgerichts im Gebäude.

Friedrich I. ließ 1873 für seine Bibliothek ein „Sammlungsgebäude“ am Friedrichsplatz errichten. Die großherzogliche Sammlung für Alter- und Völkerkunde war öffentlich zugänglich. Nach der Abdankung des Badischen Großherzogs Friedrich II. wurde das Gebäude vom badischen Staat übernommen und zum Sitz des neu gegründeten kulturhistorischen Museums.

Der Schlossplatz

entstand im Zuge der Gründung der barocken Planstadt Karlsruhe als Barockgarten. Im Laufe seiner 300-jährigen Geschichte wurde er vom Ehrenhof zum Lustgarten und ist heute ein Bürgergarten. Der Schlossplatz ist, wie auch das Schloss, im Besitz des Landes Baden-Württemberg.

Der Schlossplatz befindet sich südlich vom Schloss. Er wird begrenzt durch Gebäude der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften des KIT, dem Bundesverfassungsgericht, dem Botanischen Garten sowie der Staatlichen Kunsthalle.

Auf dem Schlossplatz steht die Statue von Großherzog Karl Friedrich von Baden. Er hält in der rechten Hand die Urkunde zur Aufhebung der Leibeigenschaft in Baden, die vom damaligen badischen Markgrafen Karl Friedrich 1783 durchgesetzt wurde.

Seitlich begrenzen zehn „Mythologische Figuren“ den Platz. Die Figuren stellen Götter oder Helden dar. Die Originale befinden sich im Staatlichen Hochbauamt.

Sehenswert sind auch die beiden Najaden-Brunnen.

Aus der ehemaligen Staatsschuldenverwaltung

am Schlossplatz wurde die großherzogliche Finanzkanzlei und ist heute das Hauptgebäude des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Es wurde von 1829 bis 1833 nach dem Entwurf des Oberbaurats und Universitätsprofessors Heinrich Hübsch errichtet. Bis zum Jahr 1945 war es der Sitz des Finanzministeriums.

Die Landeskreditbank

befindet sich ebenfalls am Schloßplatz. Gegründet wurde die Landeskreditbank vom Innen- und Finanzminister Eugen Bolz im Jahr 1924 als Württembergische Wohnungskreditanstalt. Ziel war die Linderung der Wohnungsnot, die nach dem Ersten Weltkrieg besonders groß war. Im Jahr 1932 wurde sie in die Württembergische Landeskreditanstalt umbenannt. 1935 wurde daraus die Badische Landeskreditanstalt für Wohnungsbau.

Der Schlossgarten

liegt im Mittelpunkt vom strahlenförmigen Karlsruher Stadtgrundriss. Am Schlossgarten beginnt ein 15 Kilometer langes, geschütztes Park- und Waldgebiet.

Der Schlossgarten gehört zu einem Teil des Landschaftsschutzgebietes Nördliches Hardt, Hardtwald. Ein Hardtwald ist ein historisches Waldgebiet um Karlsruhe.

Der Schlossgarten wird durch eine Steinmauer beziehungsweise „Aha“ begrenzt. Eine „Aha“ oder Ha-Ha ist ein Gestaltungsmittel in der Gartenkunst. Es ersetzt eine sichtbare Mauer oder einen Zaun. Der Garten grenzt im Süden an das Schloss, im Südwesten an den Botanischen Garten.

Im Jahr 1715 ließ Markgraf Karl Wilhelm den Schlossgarten vor dem Schloss als Barockgarten anlegen. Von 1731 bis 1746 wurde der Schlossgarten hinter dem Schloss in den französischen Barockstil umgeändert.

Der Enkel von Karl Wilhelm, Großherzog Karl Friedrich übernahm 1746 die Regierung und ließ den Garten erneut umgestalten. Zwischen 1767 und 1773 wurde ein Chinesischer Garten angelegt. Im Zentrum stand ein Gartenhaus. Von einer Terrasse blickte man auf ein künstlich angelegtes Tal und eine Höhle. Beides ist noch erhalten. Im Jahr 1787 wurde aus dem Garten ein englischer Landschaftsgarten. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war der Garten zeitweise für Bürger geöffnet. Es mußten jedoch Regeln eingehalten werden. Es war verboten Tabak zu rauchen und Schweine und Gänse frei herumlaufen zu lassen.

Zufällig radeln wir noch am „Hebeldenkmal“ vorbei, das von Großherzog Leopold in Auftrag gegeben wurde. Johann Peter Hebel war ein deutscher Schriftteller, evangelischer Geistlicher und Lehrer. Durch seinen Gedichtband „Alemannische Gedichte“ gilt er als Pionier der alemannischen Mundartliteratur.

Die Schlossgartenbahn

mit einer Spurweite von 600 mm fährt auf einem 2,7 Kilometer langen Rundkurs von Karfreitag bis Allerheiligen durch den Karlsruher Schlossgarten. Die Rundfahrt dauert zwischen 15 und 20 Minuten und kostet für Erwachsene € 4,50.

Der Fasanengarten

östlich des Schlossgartens, wurde 1720 unter Markgraf Karl Wilhelm angelegt. Er diente der Aufzucht von Jagdgeflügel. Von 1787 bis 1790 wurde der Fasanengarten unter Karl Friedrich in den englischen Stil umgestaltet. Zugleich entstand ein Tierpark mit Rehen, Hirschen und einem „Biberpark“ mit vielen Teichen.

Publikum durfte erst 1918 in den Garten. An der Richard-Willstätter-Allee liegt das Fasenenschlösschen und Teehäuschen im chinesischen Stil. Botanisch wertvoll ist der Fasanengarten durch viele ausländische, aussergewöhnliche Bäume und Sträucher.

Fasenenschlösschen

Der Botanische Garten

befindet sich am Rand des Schlossgartens, westlich des Karlsruher Schlosses. Er wird eingerahmt von der Orangerie, Gewächshäusern, Wintergarten, Kunsthalle und dem modernen Gebäudes des Bundesverfassungsgerichts. Auf einer Tafel ist eine Erklärung zu den einzelnen Schauhäusern geschrieben.

Bereits unter Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach wurde der Grundstein für einen Botanischen Garten gelegt. Er ließ zwischen den Seitenflügeln des Schlosses einen „hochfürstlichen Lustgarten“ mit Orangerien, Gärten mit Blumen- und Glashäusern, Volieren und Grotten anlegen.

Unter Markgraf Karl Friedrich wurde 1800 der Schlosspark in den englischen Stil umgewandelt und die Entscheidung für einen neuen Botanischen Garten an der heutigen Stelle getroffen. Die Pläne für den Neubau stammten von Friedrich Weinbrenner. Die Gebäude wurden jedoch aus Holz gebaut und waren nach kurzer Zeit schon beschädigt. Großherzog Friedrich I. beauftragte den Baudirektor Heinrich Hübsch um 1850 mit einem Neubau. Es entstanden Gebäude zum Teil in Eisenkonstruktion. Heute befindet sich das Restaurant „Badische Weinstuben“ im Botanischen Garten unter der „Eisenkonstruktion“.

Durch dieses Tor radeln wir, wenn es zurück zu unserem Womo im Waldparkplatz geht.

Die Orangerie

wurde zwischen 1853 und 1857 zusammen mit Teilen des botanischen Gartens von Heinrich Hübsch geplant und gebaut. Sie gehört heute zur Staatlichen Kunsthalle als Ausstellungsort für Werke aus dem 20. und 21. Jahrhunderts und der klassischen Moderne. Er werden Gemälde von Paul Cézanne, Robert Delaunay und und und gezeigt.

Für das Karlsruher Kupferstichkabinett hat Markgraf Friedrich V. von Baden-Durlach bereits vor rund 350 Jahren begonnen, Zeichnungen und druckgraphische Blätter zu sammeln. Er legte damit den Grundstein für eine der ältesten, bis heute fortlaufend gewachsenen Graphiksammlungen in Europa.

Die Staatliche Kunsthalle

an der Waldstraße ist ein Museum der Bildenden Kunst. Hier findet man Gemälde von deutschen, französischen und niederländischen Meistern aus acht Jahrhunderten.

Es wurde von Heinrich Hübsch von 1836 bis 1846 als Großherzogliche Gemäldegalerie errichtet und mehrmals erweitert. Das Gebäude gehört zu den ältesten Museumsbauten in Deutschland. Geschaffen wurde es für die umfangreiche Kunstsammlung des badischen Fürstenhauses. Der Grundstock war das Mahlerey-Cabinet der Markgräfin Karoline Luise. Ihre Sammlung bestand aus 205 Gemälden des 17. und 18. Jahrhundert, die sie zwischen 1759 und 1776 erworben hatte.

In der Dauerausstellung im Hauptgebäude sind rund 800 Gemälde und Skulpturen ausgestellt. Darunter befinden sich Werke von Albrecht Dürer, Matthias Grünewald und Hans Burgkmair dem Älteren. In der Abteilung niederländischer und flämischer Malerei aus dem 16. Jahrhundert ist auch ein Gemälde von Peter Paul Rubens ausgestellt. Von den französischen Künstlern kennen wir nur Paul Gauguin und Paul Cézanne.

Der Platz der Grundrechte

befindet sich zwischen dem Karlsruher Zirkel und dem Schlossplatz. Das Kunstwerk von Jochen Merz unterstreicht die Bedeutung von Karlsruhe als deutsche „Hauptstadt des Rechts“. Der Platz wurde am 2. Oktober 2005 eingeweiht. Es war ein Geschenk zum 50-jährigen Bestehen des Bundesverfassungsgerichts. Es entstand unter Beteiligung von Rechtsprominenz, Politikern und der Bevölkerung. Auf 24 Metallschildern sind Aussagen von Juristen, Wissenschaftlern und Rechtsexperten sowie Personen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind oder bisher keine Erfahrung mit dem Recht gemacht haben.

Die gleiche Anzahl Schilder sind an verschiedenen Orten in der Stadt aufgestellt. Die Standorte stehen für ein Ereignis aus der Geschichte der Stadt. Ein Schild steht an der Stelle, an der 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Buback von Mitgliedern der RAF erschossen wurde. Eine weitere Tafel erinnert am ehemaligen Ständehaus, dem Sitz des ersten deutschen Parlaments, an die demokratischen Ursprünge von Deutschland. Es werden jedoch auch vergessene Orte in Erinnerung gerufen. So steht ein Schild am Platz, an dem die letzte öffentliche Hinrichtung in Karlsruhe stattfand. In der Nähe des Hauptbahnhofs steht ein Schild der Wehrdienstverweigerer und in Karlsruhe-Durlach findet man ein Schild für die 68er-Bewegung.

Der Marktplatz

wurde vom badischen Baumeister und Städtebauer Friedrich Weinbrenner als bürgerliches Gegengewicht zum Schloss entworfen. Er ist um 1807 entstanden. Hier wird auch heute noch Handel betrieben. Mehrere Gebäude an der heutigen Kaiserstraße mußten nach den Plänen von Weinbrenner abgerissen werden. Darunter war das bisherige Rathaus und die Konkordienkirche.

Der Marktplatz gehört zum Straßenzug der „Via Triumphalis“, der offiziellen Karl-Friedrich-Straße. Der Straßenzug führt vom Schlossplatz entlang der Karl-Friedrich-Straße über den Marktplatz und den Rondellplatz bis zum Ettlinger Tor.

Die Karlsruher Pyramide

auf dem Marktlatz ist das Grabmal vom Stadtgründer Karl Wilhelm von Baden-Durlach und ein Wahrzeichen der Stadt.

Auf dem heutigen Platz der Pyramide stand bis 1807 die Konkordienkirche. In der Kirche war die Gruft mit den Gebeinen des Stadtgründers. Als die Kirche abgerissen wurde, stellte man eine Holzpyramide über die Gruft.

Die heutige Pyramide aus Sandstein wurde von 1822 bis 1825 nach dem Entwurf von Friedrich Weinbrenner über dem Grab erstellt. Die Pyramide hat eine Höhe von 6,81 Metern und ist im Inneren in drei übereinander liegende Kammern aufgeteilt. Die oberste Kammer ist über Belüftungsschächte nach aussen offen. Die mittlere Kammer kann über einen Zugang, nur mit Genehmigung aus dem Haus Baden, betreten werden. Hier liegt auf einem Sandsteinsockel eine Kalksteintafel mit einem eingravierten Stadtplan der Stadt Karlsruhe. In der untersten Kammer ist die Gruft mit Sarkophag von Karl-Wilhelm von Baden-Durlach.

Seit 2020 gibt es auf dem Marktplatz von Karlsruhe „Wasserspiele“. Täglich sprudeln auf 250 Quadratmetern von 10.00 bis 22.00 Uhr Wasserfontänen in unterschiedlichen Höhen, aus, in den Boden eingelassenen Düsen empor. Das Wasser wird durch ein unterirdisches Wiederaufbereitungssystem gereinigt und erneut in die Düsen eingespeist.

Das Rathaus,

das im Jahr 1728 errichtet wurde, mußte 1811 für den Bau eines neuen Rathauses abgerissen werden. Geplant wurde es, wie bereits erwähnt, von Friedrich Weinbrenner. Der Grundstein für das heutige Rathaus wurde 1821 gelegt und 1825 eingeweiht. Die Fertigstellung hatte sich wegen finanzieller Schwierigkeiten der Stadt verzögert.

Auf dem Turm vom Rathaus steht eine Figur von Merkur. Wir waren mittags um 12.00 Uhr vor dem Rathaus und konnten dem wunderbaren Glockenspiel zuhören.

Die evangelische Stadtkirche

wurde nach den Vorgaben des Großherzogs Karl Friedrich von Baden als Kathedralkirche des Landes Baden nach den Plänen von Friedrich Weinbrenner erbaut. Im Jahr 1807 war die Grundsteinlegung und 1816 die Einweihung. Die Kirche ist die Predigtstelle des Landesbischofs der Evangelischen Landeskirche in Baden. Leider war sie verschlossen.

Der Großherzog nahm großen Einfluss auf das Aussehen der Kirche. Sie sollte einem römischen Tempel nahe kommen. An beiden Seiten befinden sich Höfe und profane Flügelbauten. Zum 61,70 Meter hohen Glockenturm führen 150 Stufen. Auf der Turmspitze steht ein Friedensengel. Es wird behauptet: „der Engel zeigt woher der Wind weht“.

Zwischen den Säulen und der Eingangstür ist am Fußboden der Name Weinbrenner zu lesen. Hier wurde der Gestalter von Karlsruhe bestattet.

Der Ludwigsbrunnen

am Marktplatz wird auch „Brunnen vor dem Rathaus“, „Marktbrunnen“, „Ludwig-Brunnen“ oder „Großherzog-Ludwig-Brunnen“ genannt.

Auf einer Säule steht ein Standbild des Großherzogs Ludwig. Weinbrenner hat mit dem Denkmal nicht nur einen Nutzbrunnen geschaffen, sondern auch für den Landesfürsten ein Denkmal gesetzt. Während der Regierungszeit von Ludwig wurde die städtische Quellwasserleitung geplant und realisiert.

Das Großherzogliche Bezirksamt

wird heute als Polizeirevier Karlsruhe-Marktplatz genutzt. Es wurde 1900 nach einem Entwurf des Architekten und badischen Baubeamten Josef Durm errichtet.

Die Verfassungssäule,

wird auch Großherzog-Karl Denkmal genannt und befindet sich am Rondellplatz vor dem Markgräflichen Palais. Der Rodellplatz liegt zwischen dem Marktplatz und dem Ettlinger-Tor-Platz und ist Teil der Via Triumphalis. Die Verfassungssäule wurde Großherzog Karl gewidmet, weil er die Badische Verfassung unterschrieben hatte. Es war die liberalste Verfassung seiner Zeit.

Sie wurde, wie kann es anders sein, nach den Entwürfen von Friedrich Weinbrenner gebaut. Die 7,80 Meter hohe Säule aus Sandstein ist von zwei Greifen und zwei Löwen als Wasserspeier umgeben.

Die Pfarrkirche St. Stephan

befindet sich in der Erbprinzenstraße ist ein römisch-katholischer Kirchenbau von Friedrich Weinbrenner.

1807 schenkte der Großherzog Karl Friedrich von Baden der katholischen Gemeinde das Grundstück für die spätere Kirche. Ferner schenkte er einen Teil vom Nachlass der Markgräfin Maria Viktoria Pauline von Arenberg, die kinderlos war, der Gemeinde.

Nach den Vorgaben des Großherzogs und den Plänen von Weinbrenner, entstand der eigenwillige Bau nach dem Vorbild des römischen Pantheons. Weinbrenner hatte sich zu dem massigen Klassizismus der Kirche auf einer Italienreise inspirieren lassen. 1808 wurde der Grundstein für die Kirche gelegt und 1814 wurde sie eingeweiht.

Die Kuppelkirche zählt zu Weinbrenners Hauptwerken und gehört zu den bedeutendsten klassizistischen Kuppelkirchen in Südwestdeutschland.

Wir konnten uns in der Kirche nicht weiter umsehen, da gerade eine Messe stattfand.

Das Staatliche Museum für Naturkunde

befindet sich am Friedrichsplatz und zählt zu den großen naturwissenschaftlichen Forschungsmuseen in Deutschland. Es entstand durch markgräflich-badische Sammlungen von Kuriositäten und Naturalien im 18. Jahrhundert. Es werden Fossile, Mineralien und Präparaten von einheimischen und exotischen Tieren gezeigt. Im Vivarium sind auch lebende Tiere.

Das Wahrzeichen des Naturkundemuseums ist der Riesensalamander Andrias. Das Fossil wurde 1726 irrtümlich als ein, in der Sintflut ertrunkener, armer Sünder beschrieben.

Der Stephaniebrunnen

ist ein Schmuckbrunnen auf dem Stephansplatz. Er wurde 1905 enthüllt und steht unter Denkmalschutz. Der Platz erhielt seinen Namen vom Generalpostmeister Heinrich von Stephan. Er war Organisator des deutschen Postwesens, Mitbegründer des Weltpostvereins und hatte noch viele weitere „Posten“ inne. Besondere Bedeutung erlangte er als Sprachpfleger.

Der Architekt Hermann Billing erhielt 1903 den Auftrag zur Schaffung eines Brunnens in der Platzmitte. Er plante ein Brunnenbecken unter einer Säulenhalle, in dessen Mitte die Figur einer Quellnymphe platziert werden sollte. Die nackte Nymphe stieß jedoch im Stadtrat auf Widerstand. Billing wandelte den Entwurf ab und setzte die Nymphe an den Rand des Beckens. Das Wasser sollte nun aus Wasserspeiern in Form von Gesichtern an die Säulen vom Becken strömen. Dieser Plan wurde genehmigt.

Als der Brunnenbau fertig war, gab es Überraschungen. Die nackte Bronzefigur und vor allem die Gesichter in den 14 Säulen haben den meisten nicht gefallen. Die Gesichter waren als Karikaturen, von jenen Stadtverordneten abgebildet, die den ersten Entwurf abgelehnt hatten. In einem Spottlied wurde die Meinung der Karlsruher zum Ausdruck gebracht.

Bürgerliche Gebäude

Der Zirkel ist eine Straße in der Karlsruher Innenstadt. Die Straße wurde in den Jahren der Stadtgründung angelegt und führt als Teil des Karlsruher Fächers im Halbkreis um den Schlossturm als Zentrum. Seinen Namen bekam der „Zirkel“ nach der runden Anlage des Straßenzuges. Es gab bis 1870 den inneren oder kleinen Zirkel in Abgrenzung zum Schlossplatz, der als Äußerer, vorderer oder großer Zirkel galt.

Bürgerliche Gebäude durften erst südlich des Zirkels errichtet werden. Für einen Bau wurden strenge Richtlinien vorgegeben. Die vorgegebene Bauhöhe sollte den Gesamteindruck der Stadt einheitlicher machen. Aus neuerer Zeit ist das Karlsruher Institut fürTechnologie.

Das Schwedenpalais

wurde für den markgräflichen Geheimen Hofrat Georg Ernst Ludwig von Preuschen von und zu Liebenstein erbaut. Seinen Namen hat das Palais von seiner prominentesten Bewohnerin Friederike Dorothea von Baden, der Königin von Baden und Schwester des Großherzogs Karl Ludwig von Baden. Sie bewohnte nach ihrer Entthronung sieben Zimmer im Palais. Seit 1919 wird das Gebäude von staatlichen Behörden genutzt. Heute ist es Sitz der Führungsakademie Baden-Württemberg.

Die Staatliche Münze Baden-Württemberg

ist die kleinste Münzprägestätte in Deutschland. Einst war es üblich, daß zu jeder Residenz eines Fürsten eine Münzprägestätte gehörte. Sie befand sich 1732 in einem Nebengebäude im Schloss. 1816 wurde der Neubau einer Münze beschlossen.

Im Jahr 1827 wurde die erste Münze von zehn Rheinischen Gulden geprägt. Heute entstehen hier noch zwischen 210 und 250 Millionen Münzen. Das Münzzeichen der Karlsruher Münzstätte ist „G“.

1975 wurde bemerkt, daß der stellvertretende Direktor und ein Arbeiter der Münze bereits jahrelang eine große Anzahl von Münzen nachprägten. Sie fertigten Fünfmark-, 50 Pfennig-und zwei Pfennigstücke an. Heute bezeichnet man es als den „Karlsruher Münzskandal“.

Badischer Kunstverein

Bei unserer Besichtigung kommen wir noch am schönen Gebäude vom Badischen Kunstverein vorbei. Der Kunst- und Industrie-Verein für das Großherzogtum Baden wurde von einer Gruppe einflussreicher Karlsruher Bürger 1818 gegründet. Karlsruhe hat damit, nach Nürnberg und Hamburg den drittältesten deutschen Kunstverein.

Bei der Gaststätte „Krokodil“

hat mir die Fassade und der Name gut gefallen. Die traditionsreiche Gaststätte an der Ecke Wald- und Blumenstraße eröffnete 1884. Besitzer war der Maurermeister und Architekt Heinrich Renz. Er hatte die Wein- und Bierstuben nach neuestem Münchner Geschmack im altdeutschen Stil hergerichtet. Renz verkaufte das Gebäude an die Wirtsleute Möloth. 1914 wurde das Eckhaus abgerissen und durch den Neubau, der heute zu sehen ist, ersetzt. Durch die Münchner Jugendstilfassade mit Majolikaschmuck, sowie der Darstellung der Münchner Frauenkirche oberhalb vom Haupteingang, wird auf den Ausschank von Münchner Löwenbräu Bier angespielt. Seit 2002 ist das Gasthaus im Besitz der Radeberger Brauerei.

Brauereien in Karlsruhe

Eine erste Brauerei in der Umgebung gab es bereits vor der Gründung der Stadt. In der Benediktinerabtei Gottesaue, die von Mönchen bewirtschaftet wurde, durfte das hauseigene Bier, wie auch in anderen Klöstern, nicht fehlen. Im 16. Jahrhundert kam das Kloster mit der Brauerei in markgräfliche Hände. Die Brauerei Gottesaue belieferte Karlsruhe und das Umland mit Bier und verdrängte den Wein. Die nachweislich erste Brauerei in den Fächerstadt ebnete den Weg für viele kleine Brauereien in den umliegenden Orten.

Die Hoepfner-Brauerei

wurde 1798 gegründet. Das Traditionsunternehmen gehört zu den ältesten, noch aktiven Unternehmen in Karlsruhe. Gebraut und abgefüllt wird bis heute in der 1896 erbauten „Hoepfner Burg“, in der Oststadt von Karlsruhe. Hinter den historischen Mauern befindet sich ein hochmoderner Betrieb. Es werden derzeit 17 Sorten verschiedene Sorten gebraut.

Die Hatz-Moninger Brauerei

ist im Karlsruher Stadtteil Grünwinkel. Stephan Moninger erhielt 1856 „die Konzession zum Ausschank seine selbst gebrauten Bieres“. Sie hatte 100 Jahre ihren Sitz in der Weststadt. Im Jahr 1974 wurde die Brauerei Sinner übernommen und es erfolgte der Umzug auf das jetzige Gelände. 2010 fusionierte die Brauerei Moninger mit der Hofbrauerei Hatz. Im Jahr 2018 wurde die Brauerei an die Familie Scheidtweiler verkauft.

Der Vogel Bräu

wurde 1985 von Rudi Vogel gegründet. Angeboten wird infiltriertes Bier. Ganzjährig gibt es das Pils. Saisonal werden verschiedene Spezialbiere ausgeschenkt, wie Weizenbier, Porter, Märzen, Bock oder Rauchbier. Daneben gibt es deftige Hausmannskost sowie Vogel-Whiskys, Brände und Liköre.

Das Brauhaus Kühler Krug

ist in der Weststadt. Das Erlebnisrestaurant existiert seit 1973 und besitzt eine eigene Hausbrauerei. Hier wird ausschließlich unfiltriertes, naturtrübes Bier, natürlich nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516, gebraut.

Die Fächerbrauerei

ist eine „Kuckucksbrauerei“, das heisst, die Fächerbräu mietet sich bei verschiedenen badischen Privatbrauereien ein, um ihr „Fächerbier“ zu brauen.

Sie wurde von drei Karlsruhern, einem Landwirt, einem Brauer und einem Kaufmann gegründet. Ihr Ziel ist es, Bier mit natürlichen Zutaten aus dem eigenen Anbau in einem eigenen Sudhaus zu brauen. Zur Umsetzung des Vorhabens sucht die Fächerbräu GmbH Investoren und Unterstützer. Die Biere der Fächerbräu können in ausgewählten Restaurants und Bars sowie im Einzelhandel gekauft werden.

Der Alte Schlachthof

befindet sich, wie Schloss Gottesaue, in der Oststadt von Karlsruhe.

Der Schlacht- und Viehhof befand sich an unterschiedlichen Stellen, bevor er hier angesiedelt wurde. Das erste Schlachthaus wurde 1726 am heutigen Marktplatz erbaut. Im Jahr 1794 folgte ein Umzug an den heutigen Ludwigsplatz, da die Geruchsbelästigung für die Anwohner unerträglich wurde. 1819 musste der Schlachthof erneut den Standort wechseln. Die Räumlichkeiten konnten den gestiegenen Ansprüchen an Hygiene und Kapazität nicht gerecht werden. Der Schlachtbetrieb wurde 2006 eingestellt und stillgelegt.

Bereits 2007 gab es Planungen für einen Kreativpark, die Schlachthofgaststätte wurde eröffnet. Seit 2010 wird die Schweinemarkthalle für Veranstaltungen genutzt. Das gesamte Schlachthofgelände, das in ihrem Grundaufbau erhalten ist, wird von einer Kooperation verschiedener Stadtentwicklungs-, Kultur- und Wirtschaftsförderungseinrichtungen der Stadt Karlsruhe betreut.

Der Alte Schlachthof ist einer von den zehn Stationen, die beim „Light Festival Karlsruhe“ beleuchtet werden.

In der Oststadt gibt es sehr viele Gebäude, die aus dem 17. oder 18. Jahrhundert stammen. Ich kann die, zum Teil wunderschön renovierten Häuser, nicht alle einzeln im Blog aufführen. Man muss sie einfach selbst gesehen haben.

Die Volkswohnung

beim Ettlinger-Tor-Platz ist ebenfalls ein Teil der Illuminationen beim „Light Festival Karlsruhe“ .

Die „Volkswohnung“ ist das drittgrößte kommunale Immobilienunternehmen in Baden-Württemberg. Seit 100 Jahren hat sie die Aufgabe Karlsruher Bürgerinnen und Bürgern bezahlbaren, hochwertigen Wohnraum anzubieten. Die Volkswohnung besitzt und bewirtschaftet über 13.350 Mietwohnungen für Jung und Alt.

Das Badische Staatstheater

befindet sich seit 1975 in einem Gebäudekomplex am Ettlinger Tor. Es umfasst Oper, Ballett, Konzert, Schauspiel und die 2011 gegründeten Sparten „Junges Staatstheater“ sowie „Volkstheater“. Dem Theater ist die Badische Staatskapelle und der Badische Staatsopernchor angeschlossen. Hier finden jährlich die Händel-Festspiele statt. Alle zwei Jahre ist das Staatstheater der Ausrichter für die Europäischen Kulturtage.

Das Große Haus hat 1002 Plätze, das Kleine bis zu 385 Plötze. 2011 wurde in der ehemaligen Probebühne ein Studio mit 128 Plätzen eingerichtet, das zeitgenössische Dramatik zeigt. In der Karlstraße befindet sich noch die Aussenspielstätte „Die Insel“, die hauptsächlich vom „Jungen Staatstheater“ für Kinder und Jugendliche bespielt wird.

Das Vierordtbad

ist die älteste Badeanstalt in Karlsruhe. Es befindet sich am Festplatz neben dem Kongresszentrum. Das Bad wurde von Bankier Heinrich Vierordt gestiftet und von 1871 bis 1873 erbaut. Aus einer Inschrift am Portal ist ersichtlich, daß Heinrich Vierordt von den 303.000 Mark Baukosten 124.000 Mark bezahlt hat. Ein weiterer Förderer war Großherzog Friedrich. Entworfen wurde das Bad von Oberbaudirektor Josef Durm.

Für die Gäste standen Wannenbäder erster, zweiter und später auch dritter Klasse über 100 Jahre zur Verfügung. Auch Kohlensäure- und Schwefelbäder waren im Angebot.

Vor dem Vierordtbad befindet sich der Hygieía Brunnen. Das Motiv ist auch am Giebel über dem Eingang vom Bad dargestellt. Hygieía ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Gesundheit, von der sich das Wort Hygiene ableitet.

Das Kongresszentrum Karlsruhe

ist in Deutschland das größte innerstädtische Kongresszentrum. Es ist in der Nähe vom Hauptbahnhof und hat in vier Hallen eine Ausstellungsfläche von 20.000 qm, die um den großen Festplatz angeordnet sind.

Die Stadthalle hat fünf Veranstaltungssäle für 4.000 Personen, Konferenz- und Seminarräume und 3 Foyers auf einer Fläche von 6.000 qm. Die denkmalgeschütze Säulenhalle wurde von Vorgängerbau aus dem Jahr 1915 übernommen. Die als „Haus im Haus“ erbaute Stadthalle wurde 1985 eröffnet.

Das Konzerthaus ist zwischen 1913 und 1915 entstanden. Die denkmalgeschützte Halle hat einen großen und einen kleinen Saal, Seminarräume und zwei Foyers.

Die denkmalgeschützte Schwarzwaldhalle wurde nach nur sechs Monaten Bauzeit 1953 eröffnet. Das freitragende Hängedach der Halle, aus einer „Betonschale“ besteht und erstmals in dieser Größe gebaut wurde, fand weltweite Beachtung. Im Inneren steht eine säulenfreie Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Die Gartenhalle ist mit der Schwarzwaldhalle verbunden. Sie hat eine Deckenhöhe von bis zu 10 Metern und eine sehr hohe Bodenbelastbarkeit. Die Gartenhalle ist besonders für Ausstellungen mit schweren Maschinen geeignet. Im Bau ist der denkmalgeschützte Kamin eines alten Heizkraftwerks integriert.

Der Rheinhafen

befindet sich im Stadtteil Mühlburg und ist 7 km von der Stadtmitte von Karlsruhe entfernt. Mit dem Bau des Mittel- und Südbeckens im Hafen wurde 1898 begonnen und im Jahr 1901 in Betrieb genommen. Ab 1911 erfolgte der Bau des Nordbeckens mit Kaimauern, Uferböschungen und Gleisanlagen. Ein Hafendirektionsgebäude, Werfthallen, Silogebäude, Werkstatt und Pumphaus wurden errichtet. Die drei Verladebrücken entstanden ebenfalls ab 1911.

Der Rheinhafen besteht heute aus fünf Hafenbecken mit rund 300 Hektar und zählt zu den größten Binnenhäfen in Europa. Es werden Öl, Kohle für das Rheinhafendampfkraftwerk, Edelstahl, Schrott, Getreide und Futtermittel, Baustoffe und umgeschlagen. Sämtliche Kaianlagen und Lagerflächen zwischen den einzelnen Becken sind durch Straßen und die Hafenbahn verbunden. Im Rheinhafen gibt es 5.000 Arbeitsplätze. Er ist ein wichtiges Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in Karlsruhe.

Seit 1987 gibt es ein 40 Meter breites und neun Meter hohes Sperrtor an der Hafeneinfahrt. Das Sperrtor schließt sich, wenn am Pegelpunkt in Maxau die Hochwassermarke II erreicht und die Schifffahrt eingestellt wird. Somit schließt sich die Lücke zwischen den Dämmen und die Anlagen werden vor Überflutung gesichert.

Der Ölhafen entstand von 1957 bis 1963, als nordwestlich von Karlsruhe zwei Raffinerien am Rhein gebaut wurden. Das Gewerbegebiet werden im Jahr drei bis vier Millionen Tonnen umgeschlagen. Es hat Platz für fünf Millionen Kubikmeter verschiedenartige Flüssiggüter.

Der Hafen Maxau wurde 1862 gebaut. Er war der nächstgelegene Hafen an Karlsruhe und für die Versorgung der Bürger verantwortlich. Der Hafen ist nur noch der Umschlagplatz einer Papierfabrik und wird heute größtenteils als Yachthafen genutzt.

Den Rheinhafen nutzen viele Sportler als Übungsgelände. Die drei Kilometer lange Trainingsstrecke ist windgeschützt und absolut strömungsfrei.

Jedes Jahr in Juni findet das Hafen-Kultur-Fest statt. Man kann das Hafengelände erkunden und hinter die Kulissen schauen. Er werden Hafenrundfahrten auf der MS Karlsruhe und Fahrten auf der nostalgischen Dampflok angeboten.

Die MS Karlsruhe liegt im Becken II des Rheinhafens vor Anker und unternimmt zwischen März und November Touren zu den Städten der Region. Ziele der Fahrt sind Germersheim, Speyer, Iffezheim oder Straßburg.

Mit der Besichtigung vom Rheinhafen verlassen wir Karlsruhe. Es ist eine sehr interessante, geschichtsträchtige Stadt. Hier kommen Kulturinteressierte voll auf ihre Kosten.

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