Augsburg Teil 1: Geschichte-Sehenswertes-Persönlichkeiten

Augsburg ist die Heimatstadt von uns und unserem Wohnmobil. Leider können wir wegen Corona nicht auf Erkundungstour gehen. Wir nutzen die viele „Freizeit“, um aus unserer schönen, geschichtsträchtigen Stadt zu schreiben. Vieles hatten wir vergessen. Manches haben wir nicht gewußt. Wir haben Augsburg auch für uns neu entdeckt. Nicht damit gerechnet haben wir, daß der Bericht so umfangreich wird. Die 2000jährige Geschichte der Stadt läßt sich eben nicht mit wenigen Worten zusammenfassen. Viel Spaß beim Lesen!

Die Gründung

von Augsburg war im Jahr 15 vor Christus. In diesem Jahr erteilte Kaiser Augustus den Auftrag zum Bau eines Legionslagers auf dem Gebiet vom heutigen Stadtteil Oberhausen. Drusus und Tiberius, die Stiefsöhne von Kaiser Augustus waren für die Errichtung des Lagers zuständig. Es diente später als Nachschubdepot. Bis heute ist umstritten, ob Augsburg oder Trier die älteste Stadt in Deutschland ist.

Der Name „Augsburg“ stammt aus dem römischen Namen „Augusta Vindelicorum“. Von Kaiser Augustus kommt „Augusta“. Aus dem keltischen Volksstamm der Vindeliker stammt „Vindelicorum“. Die Vindeliker besiedelten im Alpenvorland das Gebiet zwischen Bodensee und Inn.

Augsburg

ist eine Universitätsstadt. Die Universität mit 8 Fakultäten wurde im Jahr 1970 gegründet. Viele bezeichnen Augsburg auch als die „Fugger- und Welserstadt„. Auch als „Mozartstadt“ und die Geburtsstadt von Bertold Brecht ist Augsburg weit über die Grenzen von Deutschland bekannt. Die Stadt ist Sitz der Regierung von Schwaben und des Landratsamtes vom Landkreis Augsburg. Nach Nürnberg und München ist Augsburg mit 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in Bayern.

Stadtgliederung und Bevölkerung

Augsburg ist in 42 Stadtbezirke gegliedert. Diese Aufteilung stammt aus dem Jahr 1938. Die Gesamtfläche der Stadt beträgt 147 Quadratkilometer.

Im römischen Reich wohnten bereits mehr als 10.000 Menschen hier. Um 1500 gehörte Augsburg mit 30.000 Einwohnern zu den größten Städten des Heiligen Römischen Reichs. Im 19. Jahrhundert kam es durch die Industrialisierung zu großem Bevölkerungswachstum. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen viele deutsche Flüchtlinge von Ost- und Mitteleuropa in die Stadt. Heute hat Augsburg einen Ausländer- und Migrantenanteil von nahezu 50 %. Hinzu kommen noch bis zu 14.000 Studenten aus der ganzen Welt. Augsburg wurde eine „Multikulti-Stadt“.

Geographie

Augsburg liegt zwischen den Flüssen Lech, Wertach und Singold. Südlich von Augsburg ist das Lechfeld. Das Lechfeld ist eine, nach der Eiszeit entstandene Schotterebene. Sie liegt zwischen den Flüssen Lech und Wertach. Im Lechfeld konnte man seltene Urlandschaften erhalten. Der Augsburger Stadtwald und die Lechtalheiden zählen zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa.

Augsburg ist umgeben vom „Wittelsbacher Land“ und dem „Naturpark westliche Wälder“. Im gesamten Stadtgebiet sind Bäume gepflanzt. Schöne Parkanlagen und Plätze laden zum Verweilen ein. In einem europaweiten Wettbewerb im Jahr 1997 wurde Augsburg als grünste Stadt ausgezeichnet. Augsburg ist der größte kommunale Waldbesitzer in Bayern und der drittgrößte in Deutschland.

Die Stadtheilige Cisa

ist eine germanisch-keltische Fruchtbarkeit-, Getreide- und Erntegöttin. Die Stadt soll nach einem Heiligtum der Göttin Cisa benannt worden sein (Ciesburg). Der Sage nach war Cisa die Hausgöttin der Vindelikerinnen, einem keltischen Volksstamm, der zwischen Bodensee und Inn siedelte.

Elias Holl setzte 1615 auf den Turm vom Perlach als Wetterfahne eine vergoldete Bronzefigur der Cisa. Sie ist als sitzende Göttin dargestellt und hält das Symbol der Stadt Augsburg, eine kupferne Zirbelnuss, in der Hand. Sie bewacht noch heute noch die Stadt vom Perlachturm aus. Auch über dem Tor der Ulrichskirche befindet sich ein Steinkopf, der die Cisa darstellen soll. Auf einem Relief am Herkulesbrunnen ist auch eine Cisa zu sehen. Ob es die Göttin tatsächlich gegeben hat, weiß man nicht.

Perlachturm mit Cisa

Stadtwappen mit Zirbelnuss

Augsburg in der Antike

Durch Münzfunde ist sichergestellt, daß am Zusammenfluss von Lech und Wertach in den Jahren 8 v.Chr. bis 16 n.Chr. das Mililärlager Augusta Vindelicum stand. Heute ist hier der Stadtteil Oberhausen. Durch die günstige Lage war von hier aus der Transport von Waren per Schiff donauabwärts bis zum Schwarzen Meer möglich. Ab 95 n.Chr. war Augsburg die Hauptstadt der römischen Provinz Raetien, die sich bis nach Oberitalien erstreckte.

Bereits 121 war die Siedlung so groß, daß sie von Kaiser Hadrian römisches Stadtrecht erhielt. Die Stadt bekam den Namen „Municipium Aelium Augustum. Ab dieser Zeit wurden vermehrt Gebäude in Stein errichtet. Um die Stadt, die bereits eine Größe von 80 Hektar hatte, wurde mit dem Bau einer Mauer begonnen. Durch Inschriften ist belegt, daß die Stadt im zweiten und dritten Jahrhundert eine Blütezeit hatte. Auch in der Spätantike war Augsburg, im Gegensatz zu vielen anderen Orten, noch besiedelt. Selbst im fünften Jahrhundert sind noch repräsentative Gebäude errichtet worden. Durch Ausgrabungen ist belegt, daß es in der Stadt ein Forum (Platz für Markt und Gerichtsverhandlungen) und eine Thermenanlage gab.

Via Claudia Augusta

Bereits 15 v.Chr. wurde mit dem Bau die „Via Claudia Augusta“ zur Erschließung der Provinz Rätien unter Drusus begonnen. Teile der Römerstraße waren bereits von den Kelten angelegt. Die Via Claudia Augusta hatte bei der italienischen Stadt Ostiglia in der Lombardei einen Anschluß an das Straßennetz nach Rom. Die Straße verlief über Verona, Meran, den Reschenpass nach Landeck und über Füssen nach Augusta Vindelicum. Sie führte weiter bis zum Limes bei Donauwörth.

Durchgängig befahrbar für Fuhrwerke bis zum Limes bei Donauwörth wurde die Straße erst unter Kaiser Claudius. Später nutzte man sie nicht nur für Militärzwecke sondern auch als Handelsstraße.

Augsburg im Mittelalter

Die Siedlung Augsburg und das Christentum der Bevölkerung sind für das 6. Jhd. durch archäologische Funde nachgewiesen.

Auch als erwiesen gilt, daß Augsburg während der Regentschaft von Kaiser Karl dem Großen bei den Kämpfen zwischen Bayern und Franken schwer getroffen wurde. Der Kaiser setzte seinen Neffen, Bischof Simpert als Nachfolger vom 778 verstorbenen Bischof Tozzo ein. Bischof Simpert machte sich um den Wiederaufbau der Stadt verdient.

Erst Ende des frühen Mittelalters gewann Augsburg unter König Otto I. wieder an Bedeutung. König Otto I. festigte im Jahr 955 die königliche Zentralgewalt durch Ernennung geistlicher Fürsten. Aus dem „einfachen Bischofssitz“ wurde das „Hochstift“ Augsburg. Der zu dieser Zeit regierende Bischof Ulrich wurde Kirchenfürst und weltliches Oberhaupt. In seiner Doppelfunktion schuf er die Voraussetzungen für die spätere „Freie Reichsstadt“ Augsburg.

Schlacht auf dem Lechfeld

Seit dem Jahr 899 verwüsteten ungarische Reiter weite Teile von Mitteleuropa. Auch Augsburg wurde belagert. Ende der Ungarneinfälle war am 10. August 955. Es war der größte militärische Sieg von Otto dem Großen mit Hilfe von Bischof Ulrich aus Augsburg. Die Schlacht wird als „Geburt der deutschen Nation“ bezeichnet. Da sich Otto gegen seine Feinde durchsetzen konnte, wurde er als „Vater des Vaterlandes“ bezeichnet. Durch seinen Erfolg erhielt er die Kaiserkrone.

Stadtrecht für Augsburg

Kaiser Friedrich Barbarossa verlieh am 21. Juni 1156 Augsburg erneut ein Stadtrecht. Stadtherr war jedoch noch der Bischof, der seine Hoheitsgewalt über Vogte ausübte. Kaiser Barbarossa zog 1176 die Hochstiftsvogtei an sich und beschnitt so die Rechte des Bischofs.

Ein zweites Stadtrecht stammt aus dem Jahr 1276. Dieses Stadtrecht war erste Schritt in die Selbständigkeit. Augsburg war nicht mehr dem Bischof sondern direkt dem Kaiser, Rudolf von Habsburg, unterstellt. Augsburg wurde eine „Freie Reichsstadt“. Im Jahr 1316 garantierte Ludwig der Bayer die Unveräußerlichkeit der Stadt vom Reich.

Um 1360 übernahmen Patrizier die Herrschaft über die Stadt. Dies führte 1368 zu einem Aufstand der Handwerker. Durch den Aufstand kam es zur „Zunftverfassung“. Mit der Verfassung wurden auch die Handwerker an der Regierung der Stadt beteiligt.

Das Augsburger Schied

Große Bedeutung hatte das „Augsburger Schied“ für München. Kaiser Friedrich I. Barbarossa erteilte beim Reichstag in Augsburg Herzog Heinrich dem Löwen das Recht, eine Zollbrücke über die Isar am neuen Ort „apud Munichen“ (bei den Mönchen) zu betreiben. In der von Kaiser Barbarossa abgefaßten Urkunde vom 14. Juni 1158 wird erstmals der Ortsname München erwähnt. Dieser Tag ist der offizielle Stadtgründungstag von München. Der Kaiser hat „entschieden“, so erklärt sich der Name „Schied“.

Hof- und Reichstage

Kaiser Karl der Große hielt sich während seiner Regierungszeit oft in Augsburg auf. Diesen Aufenthalt bezeichnete man im 11. Jahrhundert als „Hoftage“. Aus den „Hoftagen“ wurden im 12. Jahrhundert die „Reichstage“. Während der Reichstage verhandelten, außer dem Kaiser, die Kurfürsten und Fürsten und später die Vertreter der Reichsstädte miteinander.

Die Kaufmannsgeschlechter Fugger und Welser, die im Handel gut verdienten, griffen den Herrschern mit Krediten finanziell unter die Arme. Sie finanzierten die Kosten, die bei einem Reichstag entstanden sind.

Die Kaufmannsfamilien hatten Kontakte zum Kaiser und Papst sowie zu weltlichen und geistlichen Fürsten. Augsburg war in dieser Zeit eine Weltstadt. Die Stadt zählte zusammen mit Köln, Prag und Nürnberg zu den größten Städten des Heiligen Römischen Reiches. Hier wurde Politik gemacht. Augsburg galt als „Stadt des Kaisers“ in Deutschland.

Die Lage der Poststraßen war bei der Wahl des Reichstagsortes von entscheidender Bedeutung. Durch die Vernetzung der Handelshäuser flossen kaufmännische und politische Informationen in die Stadt.

Patrizierfamilie Welser

Das adelige Geschlecht der Welser stammt aus Italien. Schon um 670 waren sie unter dem Name „Walliser“ sehr angesehen. Kaiser Otto der Große schlug Julius Welser im Jahr 971 zum Ritter. Er zeichnete ihn damit für seine kriegerischen Verdienste aus.

Der erste Welser, der sich in Augsburg niederließ, war Octavian Welser. Im Jahr 1140 wurde Lukas Welser bei den Augsburger Patriziern aufgenommen. Bereits im 13. Jahrhundert waren Welser Stadtpfleger von Augsburg. Nach der Zunftrevolte 1368, in der sich die Augsburger Handwerker eine größere Macht in der Stadt erstritten, schlossen sich die meisten Nachfahren von Bartholomäus I. Welser den Zünften an.

Die Welser im 15. Jahrhundert

Einige Nachfolger des im 15. Jahrhundert verstorbenen Bartholomäus I. wurden Bürgermeister in Augsburg. Bei den Welser gibt noch viele Nachkommen die den Vornamen Bartholomäus tragen. Alle Welser hatten, so kann man sagen, großen politischen Einfluß in der Stadt und der Welt.

Bartholomäus II. war als Kaufmann im Venedig-Handel tätig. Er importierte Baumwolle aus dem Orient nach Augsburg. Sein Sohn Lukas ist in den Safranhandel in Italien eingestiegen. Wegen der hohen Schwankungen bei den Ernten war dies ein sehr spekulatives Geschäft.

Im Mittelalter unterhielten die Welser in vielen Ländern Faktoreien. Sie führten Niederlassungen in Belgien, Portugal, Italien, Santo Domingo bis Venezuela. Mit ihren Handelsgeschäften kamen sie zu großem Reichtum. 

Es gibt eine Augsburger und eine Nürnberger Patrizierfamiie Welser. In Augsburg wird die Welsersche Handelsgesellschaft erstmals 1420 erwähnt. Anton Welser der Ältere verdiente sein Geld mit dem Handel von Pfeffer. Er stieg in den Waren- und Seehandel mit einer eigenen Flotte ein. Später begann er mit dem Geldverleih. Anton Welser beteiligte sich mit über 140.000 Gulden an den, von den Fuggern organisierten Kredit für Karl V. Mit diesem Kredit sicherte sich Karl V. seine Wahl zum König im Jahr 1519. 

Die Welser in Venezuela

Im Jahr 1528 überließ Kaiser Karl V. in einem Generalvertrag Bartholomäus Welser die Statthalterschaft über die spanische Provinz Venezuela. Im Gegenzug finanzierte Welser die Schiffsflotte, deren Besatzung und Ausrüstung vom Kaiser. Für Welser war die Kolonialgründung der sichere Stützpunkt für den Amerika- und Welthandel. Getreu nach dem Motto: Eine Hand wäscht die andere. So war es in dieser Zeit und ist noch heute so.

Vom spanischen Hof bekamen die Welser das Monopol, afrikanische Sklaven in die Kolonie Klein-Venedig in Venezuela zu liefern. Für das Monopol mußten sie eine Lizenzgebühr von 20.000 Dukaten entrichten. Damit wurden sie mit ihren Handels- und Expeditionsschiffen Teil des Sklavenhandels. Im Südamerikahandel waren außer Sklaven auch Gold, Perlen, Edelhölzer, Drogen und Medikamente sehr gewinnträchtig. Ein „Importschlager“ der Welser war das Guajakholz. Das Holz sollte gegen die, aus der „Neuen Welt“ eingeschleppte Syphilis wirken.

Bereits von den Mayas wurde Guajakholz bei Geschlechtskrankheiten, Rheuma und Gicht als Tee eingenommen. In Deutschland wird eine Aromaessenz aus dem Guajakholz in Kräuterlikören verarbeitet. Ob „Boonekamp-Trinker“ das wohl wissen? Verwendung findet das sehr harte Holz auch im Schiffsbau.

Das Ende der Welser Handelshäuser

Bartholomäus Welser wurde bei der Goldsuche im Inneren des Landes ermordet. Sein Tod führte zum Zusammenbruch der Welserherrschaft in Venezuela. Mit dem Rücktritt von König Karl V. im Jahr 1556 gingen auch noch die Handelsrechte verloren.

Die Augsburger Handelsgesellschaft der Welser war 1614 zahlungsunfähig. Ihre großen Schuldner waren die Länder Spanien, Frankreich und Niederlande. Die Staatsbankrotte der Länder führte zum Ruin der Welser. Im Jahr 1797 war die Augsburger Hauptlinie der Welser erloschen.

Von Jakob I. Welser und seinen Brüdern wurde bereits 1539 eine allgemeine Welsersche Familienstiftung gegründet. Durch die Stiftung konnten die Familienmitglieder nicht mehr einzeln über Güter verfügen. Im Jahr 1878 ist auch die Nürnberger Linie erloschen. Die Administration der Stiftung fiel an die, noch heute existierende Ulmer Linie.

Heute gibt es in Augsburg noch

die Welserpassage. Sie führt von der Maximilianstraße in die Philippine-Welser-Straße. In der Passage sind kleine Geschäfte und ein Café. Die Welser Schule in der Nähe vom Dom ist eine Kaufmännische Berufsschule. Aus dem Geburtshaus von Philippine Welser wurde das Schaezler Palais. In der Nähe vom Dom ist ein Fugger- und Welser Erlebnismuseum. Im Haus in der Philippine-Welser-Str. 13 lebte Philippine bis zu ihrer Heirat mit Ferdinand.

Philippine Welser

wurde 1527 im Palais Adler, im Haus ihres Großvaters in Augsburg geboren. Ihre Eltern waren Franz (Friedrich) Welser und Anna Adler, Freiin von Zinnenburg. Philippine heiratete im Jahr 1557 den Kaisersohn Erzherzog Ferdinand II. von Habsburg, Landesfürst von Tirol. Die Liebesheirat mußten sie vor dem Kaiser geheim halten.

Kaiser Ferdinand I. erfuhr im Jahr 1559 von der morganatischen (nicht standesgemäßen) Ehe seines Sohnes. Er gestattete die Heirat nachträglich mit der Bedingung, daß sein Sohn Ferdinand II. einen Verschwiegenheitseid leisten mußte. Ferner bestand der Kaiser darauf, den im Jahr 1558 geborenen Sohn von der habsburgischen Erbfolge auszuschließen. Das galt auch für alle weiteren Kinder des Paares. Die Kinder sollten durch den „Ankauf von Herrschaften“ (Gütern) versorgt werden. Erlaubt wurde ihnen nur, das Wappen der Habsburger zu führen. Für Philippine und die Kinder wurde eine finanzielle „Ausstattung“ vereinbart. Im Schloß wurden die Kinder offiziell als „Findelkinder“ bezeichnet.

Im Jahr 1576 war es dann mit der Geheimhaltung der Ehe vorbei. Der älteste Sohn Andreas sollte zum Kardinal erhoben werden. Hierfür benötigte er einen Nachweis seiner legitimen Herkunft. Ferdinand II. sprach beim Papst vor. Der Papst entband Ferdinand vom Verschwiegenheitseid, den er dem Kaiser gegenüber geleistet hatte. Er erhielt die Erlaubnis zur Offenlegung seiner, vor 19 Jahren mit Philippine geschlossenen Ehe.

Philippine in Tirol

Philippine lebte in Schloß Ambras in Tirol. Das Schloß ließ sie zu einem Renaissanceschloss umbauen. Ein Kräutergarten wurde extra für sie angelegt. Hier mischte sie mit ihrem Leibarzt und einem Apotheker Arzneimittel. Sie oder ihre Mutter haben ein Arzneibuch geschrieben. Ein Kochbuch soll auch von ihr oder ihrer Mutter stammen. Das Gebetbuch von Philippine mit vielen Zeichnungen ist bis heute erhalten. Philippine setzte sich für einfache Leute und hilfesuchende Adelige ein. So konnte sie sich vor der üblen Nachrede bezüglich ihrer nicht standesgemäßen Herkunft schützen. Ihr Mann Ferdinand, mit dem sie eine glückliche Ehe führte, überschrieb ihr mehrere Güter und beschenkte sie reichlich.

Das Kaufmannsgeschlecht Fugger

geht auf Johann Fugger, einem Webermeister aus Graben im Landkreis Augsburg zurück. Sein Sohn Hans Fugger ist im Jahr 1367 nach Augsburg ausgewandert. Hans Fugger war, wie sein Vater, Webermeister. Durch Fleiß, Geschäftssinn und Glück kam er zu Wohlstand und Einfluss. Er legte den Grundstein für den finanziellen und sozialen Aufstieg der Familie. Die Vermögenssteuer, die er bei seiner Ankunft in Augsburg bezahlen mußte, läßt bereits auf ein beträchtliches Vermögen schließen. Er heiratete die Webertochter Klara Widolf. Ihr Vater war Zunftmeister der Weber. Hans Fugger wurde Augsburger Bürger, Mitglied der Zunft der Weber und erhielt eine stattliche Mitgift. 

Nach dem Tod seiner ersten Frau Klara, heiratete er Elisabeth Gfattermann. Ihr Vater war ein Zunftmeister der Weber, reich und zudem Ratsherr. Hans Fugger wurde im Zwölferrat der Weber aufgenommen und auch gleich in den Vorstand gewählt.

Hans Fugger baute seine Weberei mit dem Textilhandel aus. Hier profitierte er insbesondere vom Barchent-Boom. Barchent ist ein Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen. Ende vom 14. Jahrhundert betrieb er einen Handel mit Leinentuch. Das Tuch kaufte er bayerischen Webern ab und exportierte es nach Italien.

Nachfolger von Hans Fugger

Nach dem Tod von Hans Fugger führte seine Frau Elisabeth die Weberei und den Textilhandel weiter. Elisabeth vermehrte das Vermögen. Sie baute ein Kupfermonopol auf. Ihre Söhne Andreas und Jakob erhielten eine Ausbildung im Goldschmiedehandwerk. Sie selbst unterrichtete die beiden im Weberhandwerk und brachte ihnen denTuchhandel bei. 

Andreas Fugger kam in den Rat der Stadt Augsburg und hatte großen Einfluß. Die Brüder besaßen 1448 das fünftgrößte Vermögen der Stadt. Ab 1455 gingen sie getrennte Wege.

Die „Fugger vom Reh“

Bald nach der Unternehmensspaltung starb Andreas Fugger. Die Söhne von Andreas Fugger führten das Unternehmen weiter. Im Jahr 1462 wurde ihnen ein Wappen mit dem Bild eines springenden Rehs verliehen. Ab 1462 bezeichnet man diesen Familienzweig die „Fugger vom Reh“. Ende des 15. Jahrhunderts war die Firma durch Erzherzog Maximilian I. zahlungsunfähig. Der Erzherzog verweigerte die Rückzahlung seines Kredits. Die von ihm gegebene Sicherheit stellte sich als wertlos heraus. Nach dem Bankrott waren nur noch wenige Nachkommen vom Familienzweig „Fugger vom Reh“ von Bedeutung.

Die „Fugger von der Lilie“

Stammvater der „Fugger von der Lilie“ war Jakob Fugger. Er wurde 1398 in Augsburg geboren und später „Jakob Fugger der Ältere“ genannt. Jakob Fugger heiratete 1441 Barbara Basinger, die Tochter eines Münzmeisters. Aus der Ehe mit Barbara Bäsinger gingen elf oder zwölf Kinder hervor. Zwei starben bereits im Kindesalter und drei als junge Erwachsene. Nach dem Tod ihres Mannes führte Barbara Fugger und danach die Söhne die Firma weiter. Unter Jakob Fugger „dem Reichen“ und seinem Neffen Anton erlangte die Firma Weltgeltung.

Jakob Fugger „der Reiche“

ist 1459 in Augsburg geboren. Er war das siebte und jüngste Kind von Jakob Fugger dem Älteren und seiner Frau Barbara. Bereits im Alter 12 Jahren besaß er eine Pfründe obwohl er nie im Kloster gelebt hat. Eine Pfründe ist das Einkommen aus einem kirchlichen Amt. Jakob Fugger entschied sich gegen eine kirchliche Laufbahn. Im Alter von 14 Jahren begann er eine kaufmännische Ausbildung in Venedig. Auch nach seiner Ausbildung hielt er sich bis 1487 überwiegend in Venedig auf.

Durch den Baumwollhandel war die Grundlage des Familienvermögens bereits geschaffen. Die Firma wuchs schnell, als die Brüder Ulrich, Georg und Jakob in Bankgeschäfte mit den Habsburgern und der Kirche eingestiegen sind. Sie investierten in die Montanwirtschaft in Tirol und den Abbau von Silber und Kupfer in Tschechien und der Slowakei. 

Nach 1487 führte Jakob Fugger die Firma alleine. Innerhalb eines Jahrzehnts wurde aus dem Handelsunternehmen ein europaweit tätiger Konzern. Durch Kreditgeschäfte mit vier Päpsten, Mitgliedern der Kurie und des Hochadels wuchs der politische Einfluß des Unternehmens. Jakob Fugger unterstützte Könige aus Ungarn, England und Portugal. Mit der Finanzierung des Aufstiegs von Kaiser Maximilian I. und der „Wiener Doppelhochzeit“ sicherte sich Fugger Bergwerke in der Slowakei. Zudem erhielt er vom Kaiser für 6 Jahre den Ertrag aus Tiroler Kupferminen. 

Wiener Doppelhochzeit

wurde 1515 glanzvoll im Wiener Stephansdom gefeiert. Bei der „Wiener Doppelhochzeit“ wurde zuerst der 56 Jahre alte Kaiser Maximilian mit der 12-jährigen Anna von Ungarn. stellvertretend für seinen ebenfalls 12-jährigen Enkel Ferdinand getraut. Anschließend wurde Ludwig II. von Ungarn (9 Jahre) mit Maria von Habsburg, der 10 Jahre alten Enkelin von Kaiser Maximilian verheiratet.

Das zwölftägige Fest verschlang die stolze Summe von 200.000 Gulden. Der gesamte Hochadel des Heiligen Römischen Reichs war bei der Hochzeit vertreten.

Die Eheschließung von Anna mit Ferdinand fand erst sechs Jahre nach dem Wiener Großereignis am 26. Mai 1521 in Linz statt. Ihre Ehe mit Ferdinand zählt zu den glücklichsten Ehen in der Geschichte der Familie Habsburg. Die „Pseudoehe“ mit Maximilian war null und nichtig.

Historisch heißt es: Die Wiener Doppelhochzeit verhinderte die Ausbreitung des Osmanischen Reichs.

Jakob Fugger der Monarch

1505 beteiligte sich die Firma an der ersten Seehandelsexpedition deutscher Kaufleute nach Ostindien. Es folgte die Beteiligung an einer spanischen Handelsexpedition zu den Molukken. Ebenfalls im Jahr 1505 baute er die Beziehung zum Papst aus. Er lieh dem Papst Geld zur Anwerbung der ersten Schweizer Garde.

Ab 1510 leitete Jakob Fugger die Firma wie ein Monarch. In den 15 Jahren bis zu seinem Tod vervielfachte er das Vermögen der Fugger. Zwischen der Bilanz vom Jahr 1511 bis 1527 ist das Kapital von knapp 200.000 Gulden auf mehr als 1,8 Millionen Gulden angewachsen. 

Beachtlich ist, daß kein Mensch jemals reicher war als Jakob Fugger. Auf heutige Verhältnisse hochgerechnet betrug sein Vermögen rund 400 Milliarden Dollar. Geld machte den Banker mächtiger als den Kaiser. Er scheute sich nicht, Kaiser Karl V., als er seinen Kredit nicht zurückbezahlte, ein Mahnschreiben zu schicken. Der Kaiser war ja „nur“ das Oberhaupt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, König von Spanien, König von Neapel, König von Jerusalem, Herzog von Burgund und Inhaber 76 weiterer Titel. Er galt, außer Jakob Fugger, als der mächtigste Mann des Abendlandes.

Familie Fugger

Mitglieder der Familie stiegen 1511 in den Adel auf. 1514 machte Kaiser Maximilian I. Jakob Fugger zum Reichsgrafen. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts nahmen sie hohe kirchliche und weltliche Ämter ein. Mehrere Angehörige aus dem Haus „Fugger von der Lilie“ wurden Fürstbischöfe oder Reichsfürsten. Wurde ein Fugger nicht Bischof oder Fürst, fand er seine Beschäftigung in hohen Staats- und Kirchenämtern.

Die Fuggerhäuser

in der Maximilianstraße sind zwischen 1512 und 1515 als Residenz der Familie entstanden. Jakob Fugger entwarf den Komplex selbst nach Plänen, die er auf seiner Reise nach Italien notiert hatte. Es ist der erste Profanbau nördlich der Alpen, der im Stil der italienischen Renaissance erbaut wurde. An der Fassade des Gebäudes sieht man den Reichtum der Fugger. Die Gebäudesteuer mußte nach der Länge der Frontfassade entrichtet werden. 

Durch das hohe, breite Tor, dem Adlertor, konnten große Pferdegespanne in das Anwesen fahren. Das Adlertor verweist darauf, daß die Fuggerhäuser kaiserliches Quartier waren. Für Kaiser Karl V. wurde ein Palladium errichtet, das auch von späteren Kaisern bei Reichstagen als Herberge diente. Das Adlertor ist heute der Haupteingang der Fürst Fugger Privatbank.

Auf Gedenktafeln ist zu lesen, daß in den Fuggerhäusern der Reformator Martin Luther von Kardinal Cejatan verhört wurde. Am Portal der Fuggerhäuser beim Zeugplatz ist ein prächtiges Fuggerwappen angebracht. In diesem Bereich befand sich der Konzertsaal der Fugger. Wolfgang Amadeus Mozart gab in diesem Saal im Jahr 1777 ein Konzert.

Die Badstuben

befinden sich hinter der Fassade der Fuggerhäuser am Zeugplatz beziehungsweise hinter der verglasten Loggia im Serenadenhof. Wer oder warum die ehemaligen Bibliotheks- und Sammlungsräume „Badstuben“ genannt wurden, ist nicht bekannt. Gestaltet sind die Badstuben im Stil der italienischen Spätrenaissance. Sie werden als „Raumkunstwerk“ bezeichnet. Die Malereien an den Wänden verkörpern Apollo und die neun Musen. In Nischen stehen Büsten römischer Kaiser, antiker Dichter und Philosophen.

Bis 1944 befand sich das Fuggermuseum in den Badstuben. In der Augsburger Bombennacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 wurde ein Großteil der Innenausstattung und eine wertvolle Musiksammlung zerstört. Von 1949 bis 1951 restaurierte man die Badstuben. Leider sind sie nur für wenige Besucher zugänglich.

Als Damenhof

bezeichnet man einen der vier Innenhöfe der Fuggerhäuser. Mit den toskanischen Säulen, den Arkadengängen und den bemalten Bögen zählt er zu den bedeutendsten und schönsten Innenhöfen in Deutschland. Der Damenhof war der „Garten“ der weiblichen Familienangehörigen der Fugger. Im Anwesen gibt es noch einen kleinen Zofenhof, den Serenadenhof und den Reiterhof.

Die Fuggerhäuser sind, mit Ausnahme der Innenhöfe, nicht öffentlich. Im Sommer ist der Damenhof bewirtet. Bei einem Drink oder Imbiss fühlt man sich hier wie in Italien.

im Damenhof

im Reiterhof

Einen Eindruck von den Räumlichkeiten der Fuggerhäuser kann man sich in der Buchhandlung Rieger & Kranzfelder verschaffen. Sie befindet sich nördlich des Adlertors.

Stiftungen von Jakob Fugger

Bleibende Erinnerungen verschaffte sich Jakob Fugger mit seinen Stiftungen in Augsburg. Gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich und im Namen seines 1506 verstorbenen Bruders Georg, stiftete er 1509 die Fuggerkapelle, eine prächtige Gedächtnis- und Grablege-Kapelle in der Kirche St. Anna. In dieser Zeit war die Kirche katholisch. 1521 sicherte Jakob Fugger den „ewigen“ Bestand der Fuggerkapelle juristisch ab. Im Jahr 1548 wurde St. Anna Kirche protestantisch. Die Fuggerkapelle ist jedoch katholisch geblieben.

Im Jahr 1525 ist Jakob Fugger als der wohl reichste Unternehmer von Europa verstorben. Er ist in der Gruft unter dem Fußboden der Fuggerkapelle beigesetzt. Der streng gläubige, katholische Jakob Fugger hat seine letzte Ruhestätte in einem protestantischen Gotteshaus. Die Fugger Stiftung kommt noch heute für den Unterhalt der Kapelle auf.

Die Fuggerei

ist die älteste erhaltene Sozialsiedlung der Welt. Sie wurde von Jakob Fugger dem Reichen, auch im Namen seiner Brüder Georg und Ulrich im Jahr 1521 für bedürftige Augsburger erbaut. Jakob Fugger dachte auch, daß er mit dem Bau der Siedlung seinen Aufenthalt im „Fegefeuer“ möglichst kurz halten könne. Vorgesehen war sie für Handwerker und Tagelöhner die in Not geraten waren und aus eigener Kraft keinen Haushalt führen konnten. Bettler wurden nach dem Willen des Stifters nicht aufgenommen. In die Siedlung durften nur „würdige Arme“ ziehen.

Zur „Reihenhaussiedlung“ gehören 67 Häuser mit 140 Wohnungen. Die Wohnungen sind etwa 60 qm groß. Jede Wohnung verfügt über einen eigenen Eingang. Im Erdgeschoss gehört zur Wohnung ein Garten. Zur Wohnung im Obergeschoss gehört ein Speicher. Alle Häuser sind heute am Fernwärmenetz angeschlossen.

An den meisten Hauswänden der Fuggerei wächst Wilder Wein. In der Herrengasse steht ein Schalenbrunnen aus dem Jahr 1744. Er wird als Fuggereibrunnen oder Markusbrunnen bezeichnet. Es gab noch mehrere Pumpbrunnen mit einem eisernen Schwengel. Einer ist erhalten geblieben. Er steht bei der Markuskirche.

Miete in der Fuggerei

In der Siedlung wohnen 150 bedürftige katholische Augsburger Bürger, die eine Jahresmiete von € 0,88 zu bezahlen haben. Jakob Fugger hatte sich 1516 mit dem Rat der Stadt Augsburg auf eine Mietobergrenze von einem Rheinischen Gulden verständigt. Ein Rheinischer Gulden entsprach damals dem Wochenlohn eines Handwerkers, der davon eine vier- bis fünfköpfige Familien zu ernähren hatte. Jakob Fugger legte dies auch für seine Erben fest, so daß die Miete bis heute gleich geblieben ist. Die Mieter haben noch die Nebenkosten, die sich seit 2013 auf € 85,00 belaufen, zu tragen.

Zur Bedingung machte Jakob Fugger, daß die Mieter einmal täglich das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis und ein Ave Maria für den Stifter und die Familie beten müssen.

Der berühmteste Bewohner in der Fuggerei war der Franz Mozart, der Urgroßvater von Wolfgang Amadeus Mozart.

Neben dem Zugang zur Mozart-Wohnung ist links der Eingang zum „Museum der Bewohner“. Hier kommen die wichtigsten Menschen der Fuggerei, die Bewohner, zu Wort. Im Museum kann man die letzte, im Originalzustand erhaltene Wohnung besichtigen. Sie ist im Stil des 18. Jahrhunderts eingerichtet. Witzig ist, daß die Türglocken immer noch mit dem Zug von damals betätigt werden, obwohl sie elektrisch sind. Um Wohnungen bei Dunkelheit nicht zu verwechseln, sind alle Gehänge und Handgriffe der Glocken unterschiedlich.

In der Ochsengasse ist eine komplett eingerichtete Schauwohnung. Hier sieht man, wie die Bewohner heute leben. Eine wirklich schöne Wohnung mitten in der Stadt für nur € 0,88 im Jahr. Verständlich, daß die Warteliste für eine Wohnung in der Fuggerei lang ist.

Der Bunker

Sehr interessant ist das Museum im „Weltkriegsbunker der Fuggerei“. Im erhaltenen Luftschutzbunker von 1943 wird die Entstehungsgeschichte des Bunkers in Bild und Schrift dokumentiert. Man kann über die Bombennacht vom 25./26. Februar 1944 lesen. Auf Fotos sind die Wiederaufbaujahre und die Erweiterung der Fuggerei bis 1973 zu sehen.

In der Fuggerei gibt acht Gassen, eine eigene Kirche und Stadtmauern mit mehreren Stadttoren. Die Ochsen- und die Saugasse haben ihren Namen von den Märkten für Schweine und Rinder, die in der Straße vor dem jeweiligen Tor abgehalten wurden. Die Gartengasse erhielt den Namen von der, in der Nähe liegenden Grünanlage. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Neue Gasse neu aufgebaut. Der Name für die Mittlere, Hintere Gasse und Finstere Gasse entstand aufgrund ihrer Lage. Diese drei Gassen hatten den Namen bereits zu Jakob Fuggers Zeiten. Die Ochsengasse ist erst während der Erweiterung unter Anton Fugger entstanden.

Für Besucher ist nur ein Tor geöffnet. Es wird jeden Abend von 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr morgens vom Nachwächter geschlossen. Die Aufgabe vom Nachtwächter übernehmen die Bewohner im wöchentlichen Turnus selbst. Der diensthabende Nachtwächter verbringt die Nächte in der Nachtwächterstube. Fuggereibewohner, die bis 24.00 Uhr über das Ochsentor nach Hause gehen, geben dem Nachtwächter € 0,50 als Obolus. Wird es noch später ist € 1,00 fällig. Man kann sagen, die Fuggerei ist eine „Stadt in der Stadt“.

Die Kirche St. Markus

oder auch Markuskapelle genannt, entstand zwischen 1580 und 1582. Den Auftrag zum Bau der Kirche erhielt der Maurermeister Hans Holl von Markus und Philipp Eduard Fugger. Der Bau wurde notwendig, weil die in der Nähe befindliche Barfüßer- und St.-Jakob-Kirche protestantisch wurde. Die St. Markus Kirche war die einzige katholische Kirche in der Jakobervorstadt. Der richtige Ort zum Abhalten des täglichen Gebets für den Stifter ist somit für die Bewohner gesichert. Der Pfarrer der Kapelle wohnt gleich neben dem Gotteshaus. Für ihn sind von jedem Haushalt noch extra 0,88 € zu entrichten. Da fällt mir spontan das Sprichwort ein: Umsonst ist der Tod und der kostet das Leben.

Hat der Rundgang hungrig gemacht, so bietet es sich an, den Biergarten oder das Restaurant der ehemaligen Fuggerstuben, heute „die Tafeldecker“ zu besuchen. Hier gibt es „bayerische Tapas“ sowie kalte und warme Brotzeiten. Ein gutes Augsburger Bier gehört natürlich auch zur Brotzeit. Prost!

Die Sozialsiedlung wird bis heute von der Fuggereistiftung finanziert. Leider sind die Erträge aus der Fuggerschen Forstwirtschaft zurückgegangen, aus denen die Fuggerei finanziert wird. Seit 2006 ist deshalb ein Eintrittsgeld von € 6,50 zu bezahlen. Wie auch immer: wer in Augsburg war und die Fuggerei nicht gesehen hat, war nicht in Augsburg.

Die Fugger in der Neuzeit

Auch die Fugger waren, wie die Welser, 1536 am Transport von Sklaven beteiligt. Sie errichteten in Santo Domingo eine Niederlassung. Die Niederlassung war für die Kontrolle der Sklaventransporte zuständig.

Im Jahr 1546 war Anton Fugger, der Neffe von Jakob Fugger, für das Firmengeschick verantwortlich. Zu dieser Zeit wies die Bilanz des Familienunternehmens ein Handelskapital von rund 5 Millionen Gulden aus. Es war das höchste Kapital, das sie je besessen hatten.

Die Augsburger Börse

entstand 1540 durch die Handelsaktivitäten der Fugger. Sie gehört mit der Nürnberger Börse zu den ersten Institutionen dieser Art in Deutschland. Die Börse befand direkt vor dem Rathaus am Ludwigsplatz, dem heutigen Rathausplatz. Von den Nationalsozialisten wurde 1935 die Fusion mit der Münchner Börse erzwungen. München wurde zum Sitz der neuen Bayerischen Wertpapierbörse. Die Augsburger Börse wurde geschlossen. Beim Luftangriff 1944 wurde das Gebäude schwer getroffen. Die Ruine wurde 1960 beseitigt.

Johann Jakob Fugger

war, wie schon sein Vater ein bekannter Förderer der Künste und Wissenschaften. Er erbte von seinem Onkel, Anton Fugger, die Handelsfirma. Johann hatte jedoch kein Glück in dem Geschäft und kam durch den Staatsbankrott von Spanien in große Bedrängnis. Er verließ die Firma. Johann Jakob mußte, bis auf seine Bibliothek, alles verkaufen. Die Firma übergab er seinem Vetter Markus. Johann Jakob Fugger war zweimal verheiratet und hatte sage und schreibe 19 Kinder.

Johann Jakob Fugger trat 1565 in die Dienste des Herzogs Albrecht V. von Bayern und wurde dessen Kammerpräsident. Er verkaufte seine Bibliothek an Albrecht V. von Bayern. Albrecht V. gründete aus der Bibliothek von Johann Jakob Fugger die Münchner Hofbibliothek. Dies war Grundstock für die heutige Bayerische Staatsbibliothek.

König Ludwig I. von Bayern ließ ein Standbild als Andenken von Johann Jakob Fugger errichten. Das Denkmal steht in der Philippine-Welser-Straße vor dem Maximilianmuseum. Seit dem Jahr 2009 heißt der Platz mit der Statue Johann Jakob Fugger der „Fuggerplatz“.

Das Ende der Kaufmannsfirma Fugger

Doch wie heißt es so schön: wie gewonnen so zerronnen. Die Schulden von Kaiser Karl V. wurden wegen des Schmalkalden Kriegs und des Fürstenaufstandes immer größer. Der Kaiser konnte seine Kredite, die er von Jakob Fugger erhalten hatte, nicht zurückzahlen. Mit dem ersten spanischen Staatsbankrott begann die Zeit der internationalen Finanzkrisen. Im Jahr 1550 versuchte Anton Fugger den Handel zu liqudieren. Nach dem Tod von Anton Fugger und nachdem Johann Jakob Fugger aus der Firma ausgetreten war, führte sein ältester Sohn Markus, meist Marx genannt, die Geschäfte weiter.

1560 führte Markus die Konsolidierung der Firma fort. Er stieß unrentabel gewordene Geschäfte ab und kaufte, zusammen mit seinen Brüdern, vermehrt Grundbesitz. Markus Fugger konnte Gewinne durch den Quecksilber- und Zinnoberbergbau in Kastilien und im Silberbergbau in Tirol erzielen. Um 1600 war die Firma im internationalen Wechsel- und Kreditgeschäft tätig.

1647 beendeten die Fugger die Pacht für den Quecksilber- und Zinnoberabbau in Spanien. Auch ihre Geschäftsbeziehungen in Venedig beendeten sie. Entschädigungslos gaben sie ihre Tiroler Bergwerkanteile an die Tiroler Landesherren zurück. Im Jahr 1658 hat die Familie Fugger die Entscheidung getroffen, die Firma nach fast 300 Jahren aufzulösen.

Der Verlust, den die Fugger durch die Habsburger im 17. Jahrhundert hatten, lag bei acht Millionen Gulden. Im Unterschied zu den Welsern, die 1603 zahlungsunfähig wurden, ging die Firma der Fugger niemals bankrott. Ob wohl der Spruch „Geld regiert die Welt“aus dieser Zeit stammt? Ich weiß es nicht.

Die Fugger heute

Es existieren noch drei Familienlinien der Fugger „von der Lilie“.

Die Fugger von Babenhausen bewohnen das Schloss Wellenburg. Das Schloss im Stil der Neugotik liegt im Stadtteil Augsburg-Bergheim. Das Fuggerschloss Babenhausen ist Sitz des schwäbischen Adelsgeschlechts der Fugger von Babenhausen, die 1803 in den Reichsfürstenstand erhoben wurden. Stammsitz der gräflichen Familie Fugger von Glött ist seit 1886 Schloß Kirchheim. Die Linie Fugger-Kirchberg-Weißhorn lebt im Schloß Kirchheim in Schwaben.

Angehörige der drei Linien sind im Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Familienseniorat ehrenamtlich tätig. Sie treffen Entscheidungen im Sinne der Stiftung und sind auch die rechtlichen Vertreter der Stiftung.

Über die Geschichte der Fugger zu lesen war sehr interessant und hat mir viel Spaß gemacht. Doch nun geht es wieder mit der Stadt Augsburg weiter.

Reformation und Reichstage 1518

Wie bereits erwähnt, gehörte Augsburg zum Heiligen Römischen Reich und es fanden Reichstage statt. Von besonderer Bedeutung sind die Reichstage 1518 zu denen Kaiser Maximilian I. nach Augsburg einlud. Er war bereits schwer erkrankt. Sein wichtigstes Anliegen war die Regelung seiner Nachfolge als Kaiser durch seinen 18 Jahre alten Enkel Karl, der 1516 bereits König von Spanien geworden war. Vor seinem Tod war es Maximilian nicht mehr gelungen, die Nachfolge im Reich im Sinne des Hauses Habsburg zu regeln. 

Der Kaiser lud auch Albrecht Dürer ein. Er wollte für sich und seine Nachwelt ein Portrait.

Martin Luther in Augsburg

Die „Sache Luther“ hatte der Kaiser an den Reichstagen in Augsburg nicht auf der Tagesordnung. Martin Luther war ein Augustinermönch und Theologieprofessor. Der Mönch Luther wollte die Fehlentwicklungen der Römisch-katholischen Kirche beseitigen und veröffentlichte am 31. Oktober 1517 in Wittenberg seine 95 Thesen.

Kaiser Maximilian I. erhielt von Kardinal Cajetan die Information, daß aus Luthers Kampf gegen das Ablasswesen ein Streit um die päpstliche Autorität geworden ist. Luther stellte sich mit seinen Äußerungen immer stärker gegen die Lehrmeinungen der Kirche. Nachdem Kaiser Maximilian es sich mit Papst Leo X. nicht verderben wollte, bezichtigte er Luther der Ketzerei.

Als der Kaiser aus Augsburg abgereist war, machte sich Luther von Wittenberg aus den Weg nach Augsburg, um sich vor Kardinal Cajetan zu verantworten. Martin Luther lebte für zwei Wochen im Kloster bei St. Anna. Die Gespräche mit Kardinal Cajetan und Martin Luther fanden vom 12. bis 15. Oktober 1518 im Stadtpalast der Fugger statt. Luther lehnte weiter den Widerruf seiner 95 Thesen ab. Bestärkt fühlte sich Luther durch Informationen aus dem Reichstag. Die Reichsfürsten kritisierten den Prunk und Missbrauch von Ablassgeldern. Sie wehrten sich erfolgreich, Gelder durch Steuern oder Ablässe für den Vatikan zu sammeln.

Luthers Flucht aus Augsburg

Um nicht von den kaiserlichen Soldaten verhaftet zu werden, beschloss Luther seine Flucht. Geholfen hat ihm Christoph Langenmantel, Domherr und Karmeliter in St. Anna und Sohn des amtierenden Bürgermeisters. Er führte Luther in der Nacht durch eine geheime Pforte in der Stadtmauer. Laut einer Überlieferung soll er zu Luther gesagt haben „da hinab“. Die Pforte am Gallusbergle wird heute noch so genannt. Aus Wittenberg schickte Martin Luther einen Dankesbrief an Langenmantel. Luther fürchtete sich sehr, als Ketzer auf einem Scheiterhaufen verbrannt zu werden.

Stichpunkte zum Reichstag in Worms

Kaiser Maximilian starb im Januar 1519. Karl der V. wird sein Nachfolger. Die Kurie nahm Martin Luthers Prozeß wieder auf. Luther wurde erneut von Cajetan verhört. Der Papst erließ eine Bannandrohung und setzte Luther nochmals eine Frist zur Unterwerfung. Im Dezember 1520 kam es zum endgültigen Bruch. Papst Leo ließ die Bücher von Luther verbrennen. Luther verbrannte daraufhin am Elstertor in Wittenberg mittelalterliche Urkunden (Bulle) und christliche Dogmen (Scholastik).

Luther wird „Vogelfrei“

Am 3. Januar 1521 wurde Luther mit der Bannbulle „Decet Romanum Pontificem“ von Papst Leo exkommuniziert. Luther war „Vogelfrei“. Dies und die reformatorischen Schriften machten Luther nun im ganzen Reich bekannt. Der Buchdruck, die allgemeine soziale Unzufriedenheit und die politische Reformbereitschaft verhalfen ihm zu großem Erfolg.

Von Luther erschienen die Schriften über Ehe, Gebet, Taufe, Wucher, Buße und Abendmahl. Bis zum Ende des Jahres 1521 wurden von Luther 81 Einzelschriften in insgesamt 653 Auflagen gedruckt. Luther übersetzte seine Schriften auch in andere Sprachen. In vielen Ländern waren ebenfalls Reformbestrebungen.

Kurfürst Friedrich der Weise erreichte durch hartes Verhandeln, daß Luther seine Thesen nochmals erläutern und verteidigen durfte. Der Niedergang der mittelalterlichen Macht von Papst und Kaiser war eingeläutet. Karl V. war der letzte Kaiser, den der Papst krönte.

Reichstag in Worms

Am 17. April 1521 stand Luther vor dem Reichstag zu Worms. Er wurde von den Fürsten und Reichsständen verhört und letztmals zum Widerruf seiner Thesen aufgefordert. Nach einem Tag Bedenkzeit und im Wissen, daß dies seinen Tod bedeuten könnte, lehnte er mit folgender Begründung ab: „Da mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen“. Der Reichstag verhängte am 26. Mai 1521 das auf den 8. Mai zurückdatierte und vom Kaiser unterzeichnete Wormser Edikt (Erlaß) über Luther. Im gesamten Reich wurde untersagt Luther zu unterstützen oder ihn zu beherbergen. Unter Androhung des Kirchenbanns wurde verboten, die Schriften Luthers zu drucken oder zu lesen. Kurfürst Friedrich hatte Luther freies Geleit zugesichert. Auf seinem Heimweg wurde Luther von Soldaten des Kurfürsten entführt auf der Eisenacher Wartburg festgesetzt.

Luther auf der Wartburg

Martin Luther verwandelte sich vom Mönch in den Ritter „Junker Jörg“. Er ließ sich Haare und Bart wachsen. Die Mönchskutte tauschte er gegen einen Ritterwams. Luther leidet sehr unter der Verbannung. Er fühlt sich wie „im Reich der Vögel“. Luther wird schwer krank. Auf Anraten seines Freundes Melanchthon übersetzt Luther in nur elf Wochen, vom 12. Dezember 1521 bis zum 1. März 1522 das Neue Testament in eine verständliche deutsche Sprache. Danach verließ er die Wartburg und ging nach Wittenberg.

In Wittenberg erschien 1522 die erste Bibelübersetzung von Luther. 1523 hatte er auch den ersten Teil des Alten Testaments fertig übersetzt. 1525 besaß ein Drittel der lesekundigen Deutschen dieses Buch. 1534 hatte Luther den Rest des Alten Testaments übersetzt. Das Alte und das Neue Testament zusammen bilden die berühmte Lutherbibel. Die Bibel, Luthers Theologie und Kirchenpolitik haben zu tiefgreifenden Veränderungen der Gesellschaft und Kultur in Europa und der ganzen Welt beigetragen.

Der Reichstag 1530

Luther war mit dem Wormser Edikt ein „Geächteter“. Deshalb hatte bereits beim Reichstag zu Speyer im Jahr 1529 Philipp Melanchthon die Rolle des theologischen Beraters für den sächsischen Kurfürsten übernommen. 

Nachdem die Einladung zum Reichstag in Augsburg von Kaiser Karl V. versöhnlich gehalten war, hatten die Lutheraner die Hoffnung, daß es zu einer gütlichen Einigung kommen könnte. Kurfürst Johann von Sachsen beauftragte Melanchthon mit dem Verfassen einer Verteidigungsschrift der Reformation. Luther hielt sich während dieser Zeit auf der Veste in Coburg auf. Melanchthon hielt zu seinem Freund Luther ständigen Briefkontakt. Luther konnte ihn auf dem Postweg beraten. So kommt es, daß das 

Augsburger Bekenntnis,

Confession Augustana, in wesentlichen Teilen von Melanchthon stammt. Das, für die reichsrechtliche Existenz des protestantischen Glaubens wichtige Augsburger Bekenntnis, wurde nach der Akzeptanz vom Reichstag auch von Martin Luther akzeptiert.

Zitate von Luther

„Armut ist in der Stadt groß, aber Faulheit ist viel größer.“ „Ein Rausch ist zu ertragen, die Trunkenheit aber nicht.“ „Nichts wird langsamer vergessen wie eine Beleidigung, eine Wohltat aber nicht.“ „Eine Lüge ist wie ein Schneeball, je länger man ihn wälzt, desto größer wird er.“ „Wer im zwanzigsten Jahr nicht schön, im dreißigsten nicht stark, im vierzigsten nicht klug, im fünfzigsten nicht reich ist, der darf danach nicht hoffen.“ „Ein williges Pferd soll man nicht zuviel reiten“. „Paßt wie die Faust auf Auge“.

Das Museum „Lutherstiege“

befindet sich in der St. Anna Kirche in der Augsburger Innenstadt. Der Eintritt ist frei.

So nebenbei

Nicht so wichtig, doch gut zu wissen ist, dass am Reichstag im Jahr 1530 in Augsburg die Entscheidung fiel, dass auf Druckwerken ab sofort Drucker und Druckort anzugeben sind. Beachtlich ist, dass diese Vorschrift nach 500 Jahren immer noch Gültigkeit hat.

Für verehelichte Priester ab diesem Reichstag „Acht und Bann“ ausgesprochen wurde. „Acht und Bann“ bedeutete den vollständigen Ausschluss aus der weltlichen und kirchlichen Gemeinschaft. Wer einem solch Aussätzigen half, machte sich strafbar. Nach dem Tod wurde die Leiche nicht bestattet, sondern den Vögeln oder Wölfen zum Fraß überlassen. So war es, in der guten alten Zeit.

Augsburger Reichs- und Religionsfrieden

Der Reichstag von 1555 wird als der Reichstag des „Augsburger Religionsfriedens“ bezeichnet. Durch das Gesetz wird den Anhängern der Confessio Augustana auf Dauer freie Religionsausübung zugestanden. Kaiser Karl V. hatte nicht den Mut, das Gesetz zu unterschreiben. Er ließ sich von seinem Bruder, Ferdinand I. vertreten.

Die Landesherren konnten die Religionszugehörigkeit ihrer Untertanen selbst bestimmen. Eine neue Stadtverfassung regelte die Gleichberechtigung und exakte Ämterverteilung zwischen Katholiken und Protestanten. 

Die Vereinbarung verhinderte mehr als 60 Jahre einen Kriegsausbruch. Erst mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges war die konfessionelle Gleichberechtigung wieder gefährdet.

1629 versuchte Kaiser Ferdinand III. die Religionsfreiheit mit einem Erlaß zu verbieten. Er ordnete die Rückkehr der Protestanten zum katholischen Glauben an. In Augsburg wurde der Erlaß des Kaisers nicht umgesetzt.

Im Jahr 1632 wurde Augsburg von Protestanten aus Schweden eingenommen. Mit Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1648, wurde mit dem „Westfälischen Frieden“ die Parität der Stadt wieder hergestellt. Augsburg wurde zur Paritätischen Reichsstadt.

Das Augsburger Friedensfest

Seit dem Jahr 1650 wird in Augsburg am 8. August das „Friedensfest“ gefeiert. Es beginnt mit einem ökumenischen Gottesdienst. Auf dem Rathausplatz wird eine große „Friedenstafel“ aufgestellt. Der Tausch mitgebrachter Speisen von zuhause soll ein friedliches Kennenlernen und Miteinander symbolisieren. Alle Glaubensgemeinschaften der Stadt übermitteln beim Fest ihre Friedensgrüße. Ein Kinderfest und das Festival der Kulturen runden das Programm ab. 

Mit dem Friedensfest, das jedes Jahr am 8. August stattfindet, hat Augsburg die meisten Feiertage in Deutschland.

Der Gregorianische Kalender

wurde im Jahr 1583 in Augsburg eingeführt. Es entstand ein heftiger Kalenderstreit. Die in Augsburg lebenden Protestanten lehnten die von Papst angeordnete Kalenderreform ab. Der Streit führte Augsburg an den Rand eines Bürgerkriegs.

Der Kalender erhielt den Namen von Papst Gregor XIII. Im Vergleich zum julianischen hat der gregorianische Sonnenkalender eine bessere Regelung bei den Schaltjahren. Er verhindert das weitere Auseinanderdriften vom Kalender- und Sonnenjahr. Der julianische Kalender hinkte der Sonne vom 4. bis zum 16. Jahrhundert bereits um zehn Tage nach. Der Papst ordnete den Ausfall dieser zehn Tage in einem Stück an. Das sorgte für große Irritation bei der Bevölkerung.

Augsburg in der frühen Neuzeit

Höhepunkt in dieser Zeit war unter der Diktatur von Ulrich Schwarz. Schwarz war ab 1459 Ratsherr der Zimmermannszunft. Im Jahr 1467 wurde er in den Führungszirkel der Ratsausschüsse aufgenommen und 1469 zum Stadtpfleger gewählt. Durch ihn wurde Augsburg aus der Schuldenfalle des 15. Jahrhunderts befreit. Er setzte sich für die Gleichstellung der Zünfte im Rat ein. 

1475 schickte Schwarz den Patrizier Johann Vittel als Gesandten an den kaiserlichen Hof. Als sich Vittel kritisch über die politischen Verhältnisse in Augsburg äußerte, wurde er von Ulrich Schwarz des Eidbruchs bezichtigt. Schwarz ordnete 1477 die Hinrichtung von Johann und seinem Bruder Leonhard Vittel auf dem Schafott an. Durch diese Entscheidung verlor Schwarz die Ratsherrenschaft. 1478 wurde er selbst mit dem Tod am Galgen bestraft.

Augsburg und der Buchdruck

Im Jahr 1468 blühte mit Günther Zainer der Buchdruck in Augsburg auf. Er gilt als erster Drucker der Inkunabelzeit. Als Inkunabeln werden mit beweglichen Lettern gedruckten Bücher und Einzelblätter bezeichnet.

Aus seiner Offizin (Werkstatt mit Verkaufsraum) stammen mindestens 80 Drucke, die meist der Klerus in Auftrag gegeben hatte. Zainer druckte aber auch volkstümliche Literatur in deutscher Sprache, Arzneibücher und Kalender. Im Jahr 1475 entstand in seiner Werkstatt die erste Bibelausgabe. Zainer schmückte sie mit großen, gedruckten Initialen.

Es siedelten sich weitere Drucker in der Stadt an. Zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert zählte Augsburg zu den namhaftesten Verlagsorten in Europa. Um das Jahr 1600 war Augsburg die wohl größte Stadt in Deutschland. Beendet hat die Ära des „goldenen Augsburgs der Renaissance“ der

dreißigjährige Krieg.

Der Krieg tobte von 1618 bis 1648 in Europa, vor allem in Deutschland. Er entstand durch den religiösen Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken. 

Die Stadt Augsburg war von bayerischen Truppen belegt. Sie verursachten wöchentliche Kosten von 8950 Gulden. Kaiser Ferdinand II. beschloss, daß die Protestanten die Kosten zu tragen hätten. Ohne Zustimmung der Reichsstände wurde ihr Besitz aufgelöst. Die Protestanten wurden aus dem Rat und den Schulen entfernt.

Am 19. April 1632 stand das schwedische Heer unter König Gustav Adolf vor den Toren der Stadt. Bereits am 20. April stimmte der Rat der Stadt der freiwilligen Übergabe gegen freien Abzug der bayerischen Besatzungstruppen zu. Die protestantischen Bürger erhielten ihre Rechte zurück. 

Die Schweden verloren den Krieg und zogen von Augsburg ab. Im Herbst 1634 wurde die Stadt von kaiserlich-katholischen Truppen eingekreist und abgeriegelt. Augsburg sollte ausgehungert werden.

Der steinerne Mann

Aus dieser Zeit stammt die bekannte Augsburger Sage „D‘ Stoinerne Ma“ (der Steinerne Mann). In der Sage heißt es, dass der Bäcker Konrad Hackher, die Stadt vor dem Hunger rettete. Weil es in der Stadt nicht genügend Lebensmittel gab, kam Konrad Hackher auf die Idee, die Truppen zu täuschen: Er backte Brote aus Sägemehl. Mit den „falschen“ Broten ging er zur Stadtmauer. Er kletterte auf die Mauer und sang ein Lied, damit man ihn bemerkte. Dann nahm er die Brote und schmiss sie vor den Augen der kaiserlichen Truppen von der Stadtmauer in den Stadtgraben.

Das überraschte die kaiserlichen Truppen. Sie dachten, dass die Menschen in Augsburg doch nicht an Hunger litten. Daraufhin wurden sie so wütend, dass sie auf Hackher mit einer Armbrust schossen. Ein Pfeil zerfetzte den Arm des Bäckers. Durch die Verletzung verstarb er am gleichen Tag. Der Sage nach war seine Tat erfolgreich: Die kaiserlichen Truppen glaubten nicht mehr an einen Sieg und zogen ab. Die mutige Tat des Bäckers rettete vielen Bürgern das Leben. Eine Skulptur von ihm steht in einer Nische der Stadtmauer beim Schwedenweg. Warum seine Nase schwarz ist, weiß ich leider nicht.

Augsburg in der Barockzeit

Im Jahr 1653 wurde Ferdinand IV. in Augsburg zum römischen König gewählt. Er starb bereits ein Jahr nach seiner Wahl an Pocken. 1690 fand die letzte Königswahl in Augsburg statt. Hier wählte man Joseph I. zum römischen König. Joseph I. mußte sich fünfzehn Jahre mit diesem „niedrigen“ Titel begnügen. Er wurde 1705 nach dem Tod seines Vaters Kaiser.

Georg Friedrich Brander

Im 18. Jahrhundert erlebte Augsburg eine Blüte in der Kunst der Instrumentenmacher. Sie ist eng mit dem Namen Georg Friedrich Brander verbunden. Der Präzisionsmechaniker belieferte europäische Höfe und Akademien mit wissenschaftlichen Präzisionsgeräten.

Brander fertigte 1737 Deutschlands erstes Spiegelteleskop an. Im Jahr 1775 baute er ein Fernrohr das er mit einer Sternkarte koppelte. Er bezeichnete es den „Sternenfinder“. Der Präzisionsmechaniker fertigte Barometer, Thermometer und eine Camera obskura an. Im Augsburger Stadtteil Oberhausen erinnert die Branderstraße an diesen historisch bedeutsamen Handwerker.

Johann Andreas Stein

war ein weithin bekannter Klavierbauer. Stein kam 1750 von Stuttgart nach Augsburg. Im Jahr 1752 schloss er sich der „Musikliebenden und -übenden Gesellschaft des Augsburger Bürgertums an. 1757 erhielt er das städtische Bürgerrecht. Er wohnte am Ulrichsplatz 10.

Zu den Kunden von Johann Andreas Stein zählte die Familie Mozart. Seine Tochter war Nannette Streicher. Sie erlernte die Klavierbauer Handwerkskunst von ihrem Vater, zog nach Wien und führte einen eigenen Musiksalon. Nanette Streicher war mit Ludwig van Beethoven eng befreundet. Angeblich hätte er ohne ihre Instrumente seine besten Werke nie geschrieben. Ob das stimmt?

Johann Heinrich Schüle – Erste Augsburger Kattunfabrik

Johann Heinrich Schüle war der erste Unternehmer in Deutschland der 1771 Kattunstoff mit Kupferplatten bedruckte.

Er errichtete in der heutigen Friedberger Straße am Stadtgraben, in der Nähe vom Roten Tor, die Schülsche Kattunfabrik. Teile der Fabrik existieren noch heute. Es ist der Sitz von der Hochschule Augsburg.

Das schlossartige Gebäude wurde in Form eines Hufeisens auf einem Gelände außerhalb der Stadtmauer errichtet. Im Kopfbau des Anwesens lebte die Familie in repräsativen Räumen. In den Flügeln befanden sich die Werkstätten der Modelldrucker, Kupferstecher und Maler.

Herstellung der Stoffe

Die Blumenprints auf den Stoffen der Schüle’schen Kattunfabrik wurden mit Modeln aufgedruckt und dann auf dem Stoff farbig ausgemalt.

Aus Kosten- und Qualitätsgründen transportiert er die Stoffbahnen zunächst nach Hamburg. In Hamburg wurden die Stoffe mit den Modeln der jeweiligen Muster bedruckt. Zum Ausmalen kamen die Stoffbahnen wieder nach Augsburg.

Auch für Mode interessierte sich Schüle. Seine künstlerisch wertvollen Stoffe, das sogenannte „Augsburger Zitz“ war weltweit begehrt. Kleidung, die aus den Stoffen von Schüle angefertigt wurde, war beliebt beim Adel und im Großbürgertum. Auch Kaiserin Maria Theresia interessierte sich für die Stoffe der Kattunfabrik Schüle.

Die heimisch produzierten Stoffmengen reichten bald nicht mehr aus. Schüle importierte große Mengen Kattun aus England und Ostindien. Die Einfuhrbeschränkungen seiner Grundstoffe ignorierte er völlig. Der Rat von Augsburg ließ deshalb im Jahr 1765 eine Hausdurchsuchung bei Schüle vornehmen. Es erfolgte die Beschlagnahmung von 5.330 ostindischen Kattunbahnen. Der Fabrikant Schüle wurde verhaftet. Er erhielt eine Strafe von 10.660 Gulden, da er die Waren nicht dem Weberschauamt vorgelegt hatte.

Aufgrund der Strafe der Stadt und dem Streit mit der Weber-Zunft hat Schüle Augsburg für zwei Jahre verlassen. Der Kaiser unterstützte die Rehabilitation von Schüle. Er erhielt sein Vermögen zurück und durfte weiter fremde Stoffe veredeln. Im Jahr 1771 betrug der Umsatz der Firma 3 Millionen Gulden. Kaiser Joseph II. erhob den erfolgreichen Unternehmer 1772 in den erblichen Adelsstand.

1792 gab der Vater den Betrieb an seine Söhne ab. Sie mußten jedoch ums Überleben der Firma kämpfen. Die Absatzmärkte waren während der französischen Revolution weggebrochen. Johann Heinrich Schüle trat nochmals in die Firma ein und versuchte die Firma zu retten. Nach seinem Tod war die Schülsche Kattunfabrik endgültig bankrott.

Die Weberunruhen,

im Jahr 1784 richteten sich gegen die Fabrikanten, da sie die Weber nur teilweise mit Bargeld bezahlten. Besonders verärgert waren sie, weil die Fabrikanten die Hälfte ihres Lohns mit dem Warenwert der Rohstofflieferungen verrechneten. Die Weber sahen sich in ihrer Existenz bedroht. Dies führte 1794 zum

Weberaufstand,

der von den städtischen Zunfthandwerkern angezettelt wurde. Nachdem der Rat der Stadt untätig bleib, beschlagnahmten die Weber Warensendungen an die Kaufleute. Man fand einen Kompromiss, doch der hielt nicht lange. Nachdem sich die Obrigkeit auf die Seite des „Kapitals“ gestellt hatte, stürmten die Weber das Rathaus. Sie nahmen den Bürgermeister als Geisel. Der Aufstand wurde am 24.Dezember 1794 von Truppen des Schwäbischen Reichskreises beendet. Die Soldaten blieben eineinhalb Jahre in der Stadt. Die Stationierungskosten waren von den Webern zu tragen. Viele Weber verließen die Stadt.

Augsburg im Königreich Bayern

Die Stadt verlor 1805 die Reichsfreiheit und fiel an das Königreich Bayern. Bis zu diesem Zeitpunkt herrschten sieben Patrizierfamilien in der Stadt. Augsburg war durch Besetzungen, Truppendurchzüge und eigene finanzielle Misswirtschaft finanziell am Boden. Ab 1806 unterstand Augsburg einer, aus München entsandten Verwaltung und erhielt einen Polizeidirektor. Die Stadt galt als militärische Festung.

Erst 1860 erhielt die Stadt die Genehmigung, die seit dem Mittelalter bestehende Befestigung aus Stadtmauern, Stadtgräben, Toren, Bastionen und Wällen unter König Maximilian II. zu durchbrechen. Grund war die wachsende Bevölkerung. Auch gesundheitliche Gründe wie zu wenig Licht, Luft und Sonne hinter den Mauern und die schwierige Abwasserentsorgung spielten bei der Öffnung der Mauern eine wesentliche Rolle. Begonnen wurde mit dem Abriss der Festungswerke beim Gögginger Tor.

1864 wurde ein „Generalplan“ entwickelt und ein erneuter „Befreiungsantrag“ an König Ludwig II, der seinem verstorbenen Vater Maximilian II. auf den Thron gefolgt war, gestellt. 1867 wurde der Antrag genehmigt. Es sollte nur erhalten werden, was der geplanten Verkehrserschließung, der Stadterweiterung und dem Luftaustausch nicht im Wege stand.

Von der „Entfestigung“ verschont bleib das Rote Tor, das Vogeltor, das Wertachbrucker Tor, der Rote Tor Wall, der Jakoberwall, der Oblatterwall, das Lueginsland und der Fünffingerturm sowie insgesamt vier Kilometer Stadtmauer.

Erwähnenswert ist, daß die Abbrucharbeiten versteigert wurden. Seinerzeit war auch schon Recycling angesagt. Die Baufirmen wurden nicht aus der Stadtkasse bezahlt, sondern boten für wieder verwendbares Material beachtliche Summen. Abbrechen und recyceln mußte sie auf eigene Kosten.

Entwicklung im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert war Augsburg Zentrum der Textilindustrie und des Maschinenbaus. Noch heute gibt es die Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg (MAN). Hier hat in den Jahren 1893 bis 1897 Rudolf Diesel den Dieselmotor entwickelt. Mit der Allgemeinen Zeitung von Johann Friedrich Cotta erschien in Augsburg die, in dieser Zeit bedeutendste deutsche Tageszeitung. 1881 wurde eine Pferdebahn auf Schienen eingeführt. Sie führte vom Perlach zum Hauptbahnhof. Im gleichen Jahr wurde die Strecke um 16 Kilometer erweitert. Es verkehrten sechs Linien auf der Pferdebahnstrecke. Im Jahr 1898 ging die elektrische Straßenbahn in Betrieb. Seit 1927 hat die Messerschmitt AG ihren Hauptsitz in Augsburg.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg in Augsburg

Mit Beginn der „Nationalen Revolution in Bayern“ 1933 begann der Terror gegen politische Gegner auch in Augsburg. Der gewählte Stadtrat wurde aufgelöst und neu besetzt. Mit der Neugliederung des Reiches wurde Bayern in sechs Gaue eingeteilt. Augsburg wurde Hauptstadt des Gaues Schwaben.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt Augsburg durch Luftangriffe schwere Schäden. Insbesondere die Produktionsstätten der Rüstungsunternehmen (Messerschmitt und MAN) wurden Ziel der Bombenangriffe. Die Stadt wurde mehr als zehnmal bombardiert. Der größte Bombenhagel war in der Nacht vom 25. auf 26. Februar 1944. Die Stadt wurde in eine Ruinenlandschaft verwandelt. Das US-Militär kündigte weitere Bombenangriffe auf die Stadt an. Dies trieb mutige Bürger an, durch Eigeninitiative eine kampflose Übergabe der Stadt zu erreichen.

Zur Augsburger Freiheitsbewegung

gehörte der Oberarzt des Hauptkrankenhauses, der Leiter vom Arbeitsamt und der Leiter der Blindenschule. Einige Dorfgeistliche konnten ebenfalls in den Plan mit einbezogen werden. Alle Beteiligen der Augsburger Freiheitsbewegung mußten das Vorhaben streng geheim halten. Die Kollaboration mit dem Feind galt als Kriegsverrat und wurde mit dem Tod bestraft. Am 27. April 1945 gelang es der Gruppe, mit Amerikanern telefonisch Kontakt aufzunehmen. Sie teilten im Gespräch mit, daß sich Augsburg kampflos ergeben werde.

Die Bürger verbreiteten im ganzen Stadtgebiet die Nachricht, dass sich die Stadt ergibt. Brücken- und Straßensperren wurden beseitigt, um den Amerikanern den Einmarsch zu erleichtern. Durch die Augsburger Freiheitsbewegung konnte die Sprengung von weiteren Betrieben und Brücken verhindert werden.

Am 28. April 1945 rückten Einheiten der 7. US-Armee in Augsburg ein. Die Befreier wurden mit weißen Fahnen von den Bürgern begrüßt. Auch am höchsten Turm der Stadt, dem Kirchturm von St. Ulrich und Afra, hing eine weiße Fahne. Es war der einzige Turm der nicht von Bomben zerstört war. Augsburg war von der NS-Herrschaft befreit.

Später wurde von den Amerikanern ein Stützpunkt mit mehreren Kasernen in Augsburg errichtet. Sie bezogen Wehrmachtskasernen, die im Zweiten Weltkrieg nicht beschädigt wurden. Die letzten Truppen sind 1998 abgezogen. Viele Augsburger haben den Abzug sehr bedauert. Unsere Taxifahrer traf es finanziell sehr. Die meisten Soldaten besaßen keinen PKW. Sie sind immer, auch zum Dienst, mit dem Taxi gefahren. Und nicht zu vergessen, der Dollar war im Wert höher als eine Mark.

Auch für uns war es schade. Einmal im Jahr fand ein Deutsch-Amerikanisches Volksfest statt. Wir haben es gerne besucht. Ganz begeistert waren wir vom amerikanischen Eis.

Doch selten ein Schaden ohne Nutzen: Aus den ehemaligen Kasernen wurden moderne Wohngebiete. Die Namen aus der Zeit der US-Garnisonen sind erhalten geblieben. So lebt man heute im Centerville-, Cramerton-, Reese-, Sheridan- oder Supply Park.

Elias Holl

war ein Baumeister der Renaissance in Augsburg. Er wurde am 28. Februar 1573 im Gebäude in der Bäckergasse 21 – Ecke Werbhausgasse 2 in Augsburg geboren. Schade ist, daß sein Geburtshaus heute sehr „verkommen“ ist. Das Haus wurde im Krieg 1944 zerstört und 1956 wieder aufgebaut. Beim Erker handelt es sich um eine Nachbildung eines Erkers, den ein Haus in der Maximilian schmückte und von Holl entworfen wurde.

Elias Holl wurde schon früh von seinem Vater, der Baumeister war, unterrichtet. Im Jahr 1596 legte Elias Holl seine Meisterprüfung ab. In den Jahren 1600/01 reiste Holl über Bozen nach Venedig. In Italien setzte sich Holl mit den Werken des bedeutendsten Architekten der Renaissance von Oberitalien, Andrea Palladio, auseinander.

Nach seiner Rückkehr wurde Holl 1602 „Werkmeister“ von Augsburg. Aufgrund seines protestantischen Bekenntnisses verlor Holl im Jahr 1629 sein Amt als Stadtbaumeister. Von nun an bezeichnete man ihn als „Stadtgeometer“.

Elias Holl hatte insgesamt 22 Kinder. Acht Kinder stammten aus seiner ersten Ehe mit Maria Burkhard. Mit seiner zweiten Frau, Rosina Reischle, hatte Holl 13 Kinder. Einige seiner Söhne erlernten auch das Bau- bzw. Goldschmiedehandwerk.

Zu den Werken von Elias Holl gehört das Augsburger Rathaus mit dem Goldenen Saal, der Perlachturm, das Zeughaus, das Wertachbrucker Tor, die Stadtmetzg, sowie das Gymnasium St. Anna, das Rote Tor, das Heilig-Geist-Spital und die einstige reichsstädtische Gießhalle im heutigen Gymnasium A.B. von Stettenschen Institut.

Elias Holl ist 1646 in der Kapuzinergasse, unweit seines Geburtshauses verstorben. Sein Grab befindet sich auf dem Protestantischen Friedhof in Augsburg.

Foto vom Grab von Elias Holl auf dem Protestantischen Friedhof

Fortsetzung folgt

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