Augsburg Teil 2: Persönlichkeiten, Gebäude

Agnes Bernauer

ist um 1410 in Augsburg geboren. Sie war die Tochter eines Augsburger Baders. In einem Badhaus im Mittelalter war viel geboten. Es wurde geheilt mit Aderlass und Schröpfen, gebadet, massiert, Zähne gezogen, ein Arm geschient, gesund gerieben, gegessen, getrunken und geliebt.

Vermutlich hat Agnes im „Badhaus“ ihres Vaters den bayerischen Herzog Albrecht III. nach einem Turnier auf dem Domplatz in Augsburg, im Jahr 1428 kennengelernt. Der Herzog verliebte sich in Agnes und holte sie zuerst auf seinen Sitz in Vohburg an der Donau. Dieser lag abseits vom höfischen Treiben der Residenzstadt München, wo jeder über jeden redete.

Agnes Bernauer in München

Im Jahr 1432 holte der Herzog „seine“ Agnes dann an den Münchner Hof. Ein Raubritter namens Münnhauser wurde bei einem Pferdediebstahl erwischt. Er sollte in die Stadt gebracht werden. Der Pferdedieb konnte jedoch in den Turm der Alten Feste vom herzoglichen Schloß fliehen. Somit war er für die städtische Gerichtsbarkeit nicht erreichbar. Nur die Landesherren, der Herzog Ernst oder sein Sohn Albrecht, konnten seine Verhaftung anordnen. Die hielten sich aber gerade in Straubing auf. Agnes Bernauer war sehr verärgert, daß sie sich mit einem Dieb unter einem Dach aufhalten mußte und veranlasste seine Festnahme. Sie wohnte nicht nur im Schloß, sondern trat auch sehr selbstbewußt auf.

Wenig später wurde die Schwester von Albrecht, Pfalzgräfin Beatrix und ihr Gemahl Johann, von einem Stadtrat zu einem festlichen Essen eingeladen. Auch Agnes war, sehr zum Ärger der Pfalzgräfin, anwesend. Ein Eintrag in den städtischen Büchern, den die Pfalzgräfin nach dem Essen geschrieben hatte, ließ viele Fragen offen. Ersichtlich ist nur, daß man am Hof von der Liebesbeziehung von Albrecht zur „Bernawerin“ wußte, diese jedoch äußerst missbilligte. Beatrix hat auch nicht eindeutig geschrieben, ob Albrecht und Agnes verheiratet waren. Was Beatrix mit „hoch und großfeist“ gemeint hat, ist auch nicht sicher. War Agnes schwanger? Sicher ist nur, daß Agnes Bernauer dem Herzog eine Tochter namens Sybilla geboren hat.

Den alten Herzog Ernst hat die Beziehung seines Sohnes zur Verzweiflung getrieben. Er war als Herrscher für sein Herzogtum verantwortlich. Nicht standesgemäße Kinder konnten nicht Herzog werden und in die Erbfolge treten. Aus Unterlagen ist ersichtlich, daß er Agnes Geld geboten hatte und sie in ein Kloster gehen sollte. Agnes lehnte ab.

Als ihm kein anderes Mittel mehr einfiel um Agnes loszuwerden, ließ er sie wegen Zauberei anklagen. Begründung war: sie hätte durch ihre Zauberkunst den Herzog Albrecht dazu gebracht, sie zu heiraten oder mit ihr eine Liebesbeziehung einzugehen, um dem Haus Wittelsbach zu schaden. In einem Nacht- und Nebel-Prozeß im Straubinger Schloß wurde Agnes unter Ausschluss der Öffentlichkeit zum Tode verurteilt. Für Hexen kamen zwei Hinrichtungsarten in Betracht: Verbrennen oder Ertränken. Für Agnes wurde Ertränken gewählt. Bei ihrer Hinrichtung am 12. Oktober 1435 durfte das Volk zuschauen. Albrecht war beim Prozeß und der Hinrichtung nicht in der Stadt. Er war zu einer Jagd eingeladen.

Schließlich wurde Agnes 1435 in einem Schauprozess zur Hexin erklärt und zum Tod verurteilt.

Als Gnadenakt wurde ihr der Scheiterhaufen erspart. Stattdessen wurde sie von der Donaubrücke von Straubing geworfen und ertränkt.

Herzog Ernst ließ kurz nach der Ermordung im Petersfriedhof in Straubing, die noch heute bestehende Agnes-Bernauer-Kapelle errichten. Der Herzog wollte Sühne leisten für das Verbrechen, das er an Agnes Bernauer begangen hatte. Aus der Kasse des Herzogs wurde auch der Kaplan bezahlt, der für die Instandhaltung des Grabes und einer täglichen Messe am Grab der Bernauerin zuständig war.

Sibylla, das einzige Kind, das Albrecht III. mit Agnes hatte, wurde von ihrem Vater als leibliche Tochter anerkannt und lebte wohlumsorgt in seiner Nähe. Sie erinnerte ihren Vater stets an seine einzige, wirkliche Liebe.

In Straubing finden die Agnes-Bernauer-Festspiele statt. In Augsburg gibt es eine Agnes-Bernauer-Realschule für Mädchen. Sehr lecker soll die Agnes-Bernauer-Torte sein.

Konrad Mörlin

ist um 1451 in Augsburg geboren. Er war Benediktiner und Abt zu St. Ulrich und Afra.

Ab 1485 wurde er zweimal Prior bei St. Ulrich und Afra und 1496 als Ulrich II. zum Abt gewählt. Unter seiner Regierung erlebte das Augsburger Kloster St. Ulrich und Afra eine Blütezeit. Er beschäftigte die besten Künstler der Stadt, wie Hans Holbein den Älteren, Gregor Erhard oder Georg Seld. Konrad Mörlin verehrte den Heiligen Simpert. Er setzte sich sehr für die Überführung der Gebeine in seine Klosterkirche ein, was ihm auch gelang. Für den Schädel vom Heiligen Simpert ließ er ein kostbares Reliquiar (Behältnis) anfertigen.

Kaiser Maximilian I. schätzte Abt Ulrich II. Mörlin sehr und ernannte ihn zum kaiserlichen Rat. Hans Holbein der Ältere porträtierte ihn.

Leider konnte der Abt nicht mit Geld umgehen. Durch seine hohen Ausgaben gab es Auseinandersetzungen mit dem Konvent. Bei seinem Tod hinterließ Abt Ulrich II. im Jahr 1510 ein reich ausgestattetes Kloster, jedoch auch Schulden von 14.000 Gulden. Dies warf einen schweren Schatten auf sein erfolgreiches Wirken zugunsten der Pflege von Frömmigkeit und Wissenschaft.

Portrait von Hans Holbein dem Älteren

Georg Seld

wurde 1454 in Augsburg geboren und war Goldschmied. Er wird erstmals in Steuerbüchern der Stadt im Jahr 1478 erwähnt.

Er arbeitete für die Stadt in der Basilika St. Ulrich und Afra und bekam in dieser Zeit das Meisterrecht verliehen. Bekannt wurde Seld durch einen Stadtplan aus dem Jahr 1521, der seinen Namen erhielt. Das Werk von Jörg Seld kann man als Vorläufer der 3D-Stadtmodelle bezeichnen. Es entstand damals nicht im reichsstädtischen Auftrag, sondern musste sich durch den Verkauf an reiche Bürger finanzieren.

Sein Hauptwerk war der Silberaltar des Augsburger Doms. Der Altar ist nicht erhalten.

Seld-Plan 1521 Augsburg aus der Vogelperspektive

Ulrich Langenmantel vom Sparren,

wurde um 1410 als Sohn des Augsburger Patriziers Hartmann II. Langenmantel geboren. Er trat in den geistlichen Stand und wurde Stiftsherr zu St. Moritz in Augsburg. Langenmantel studierte in Wien, Bologna und Padua. Im Jahr 1436 wird er in Bologna Prokurator der deutschen Studenten, Doktor der Philosophie und Magister der Rechtswissenschaft.

1464 stiftete er Geld für das Studium von fünf armen Theologiestudenten. Zur Bedingung machte er, daß die Studenten Augsburger Bürgersöhne sein mußten oder aus dem Bistum Augsburg stammen. Dies war die erste Studienstiftung in Augsburg.

Ab 1537 finanzierte die zwischenzeitlich der Reformation anhängende Reichsstadt Augsburg aus der Stiftung von Langenmantel, das städtische Gymnasium, das heutige Gymnasium bei St. Anna. Später erhielten wieder katholische Theologiestudenten Gelder aus der Stiftung. Die Institution existierte noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Sein Großneffe, Christoph Langenmantel, half Martin Luther bei der Flucht aus Augsburg.

Das Gymnasium St. Anna

wurde in der Reformationszeit 1531 als protestantische Lehranstalt (Lateinschule) gegründet. Es zählt zu den ältesten Gymnasien in Augsburg. St. Anna hat einen neusprachlichen und humanistischen Zweig. Es war ursprünglich in den Räumen des ehemaligen Karmeliterklosters St. Anna untergebracht und erhielt deshalb den Namen.

Wie bereits erwähnt, wurde die Lateinschule ab 1537 aus der Studienstiftung von Ulrich Langenmantel vom Sparren finanziert.

Im „Annahof“ wurde 1562/63 ein Gebäude für die Augsburger Stadtbibliothek errichtet. Der Grundstock der Stadtbibliothek stammt aus den Bibliotheken des aufgelösten Karmeliterklosters St. Anna und weiteren Klöstern. Die Bibliothek war nicht nur räumlich mit der Lateinschule verbunden. Der jeweilige Schulrektor war jahrhundertelang auch der Augsburger Stadtbibliothekar.

Im Jahr 1582 ermöglichte eine Stiftung die Eröffnung eines Schulinternats, das Anna-Kolleg. Elias Holl erbaute von 1613 bis 1616 auf dem Nachbargrundstück des ehemaligen Klosters, neben der Stadtbibliothek, ein Gebäude für die Lateinschule St. Anna, im Stil der Renaissance. Im „Holl-Bau“ war die Schule für die nächsten 351 Jahre. Die sprachliche und humanistische Lateinschule erwarb im 18. Jahrhundert den Ruf einer Eliteschule.

der Holl-Bau im Annahof

Nach der Säkularisation wurde die protestantische Schule bei St. Anna, mit dem aufgelösten katholischen Jesuitenkolleg St. Salvator, in den Räumen von St. Anna zusammengelegt. Auf Wunsch von Bürgern wurde durch Spenden ein Gebäude angekauft und die Schulen 1835 wieder getrennt. Die katholischen Schüler zogen in das Gymnasium bei Sankt Stephan, in die neu gegründete Benediktinerabtei St. Stephan. Seit 1967 ist das Gymnasium in einen Neubau an der Schertlinstraße in Augsburg gezogen.

Die Gebäude vom Gymnasium in der Innenstadt stehen unter Denkmalschutz. Im Holl-Bau finden Seminare und Veranstaltungen vom Evangelischen Forum Annahof statt. Der Erweiterungsbau an der Fuggerstraße ist heute ein Gerichtsgebäude.

Erweiterungsbau St. Anna Gymnasium

Konrad Peutinger

ist 1465 in Augsburg geboren. Er stammte aus einer angesehenen Kaufmannsfamilie der Reichsstadt Augsburg. Nach seinem Studium in Bologna und Padua, wo er zum Doktor promovierte, begann eine Laufbahn als Jurist. Dabei lernte er die Bewegung des Renaissance-Humanismus kennen, die in lebenslang begleiten sollte.

Die Humanisten traten für eine umfassende Bildungsreform ein. Die Humanistische Bildung sollte den Menschen befähigen, seine wahre Bestimmung zu erkennen. Ihr besonderes Augenmerk galt der Pflege des sprachlichen Ausdrucks. Im humanistischen Bildungsprogramm fiel der Sprach- und Literaturwissenschaft eine zentrale Rolle zu. Mittelpunkt war dabei die Dichtkunst und die Rhetorik.

1493 wurde Peutinger Syndikus in Augsburg. Als Abgeordneter nahm er an mehreren Reichstagen teil und wurde von Kaiser Maximilian I. zum kaiserlichen Rat ernannt. Von 1497 bis 1534 war er Stadtschreiber in Augsburg.

Im Jahr 1499 heiratete er Margarete Welser. Sie brachte ein beträchtliches Vermögen aus der Familie Welser mit in die Ehe. Aus der Ehe gingen mindestens acht Kinder hervor. Im Jahr 1515 erwarb er das, bis heute erhaltene Haus von der Patrizierfamilie Ilsung.

Konrad Peutinger pflegte Kontakte zu humanistischen Gelehrten in Rotterdam und Italien. Er ließ sich zahlreiche juristische und humanistische Bücher zukommen. Peutinger hatte auch Kontakte zu den Druckern in Augsburg, Basel und Straßburg. So kam er zu einer, für damalige Verhältnisse, außergewöhnlich großen Bibliothek. Zu seinen Freunden zählte der Nürnberger Kaufherr und Humanist Willibald Pirckheimer, der wiederum mit Albrecht Dürer befreundet war.

Peutinger beim Reichstag zu Worms

Konrad Peutinger war auf dem Reichstag zu Worms im Jahr 1521 während der Verhandlung der Causa Lutheri (der Fall Luther) anwesend. Sein Bericht für den Augsburger Rat über die Verhandlung ist bis heute erhalten. Er ist für den tatsächlichen Verlauf der Verhandlung, in der Martin Luther die Leugnung seiner Schriften ablehnte, ein wichtiger Nachweis.

Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 wurde Nürnberger Kaufleuten und den Fuggern Zinswucher und Monopolmissbrauch vorgeworfen. Konrad Peutinger trat als Verteidiger der Kaufleute auf. Er sprach sich gegen Eingriffe des Staates in die Preisbildung aus. Peutinger argumentierte mit dem Recht auf freies Unternehmertum. Seine Argumentation sollte später die Grundlage des Kapitalismus und der freien Marktwirtschaft werden. Trotzdem hat der Reichstag ein Monopolverbot beschlossen. Gegenüber den Fuggern und Welsern wurde aufgrund ihrer Bedeutung für Kaiser Karl V. das Verbot nie ausgeübt.

Eine Sammlung römischer Steindenkmäler von Konrad Peutinger wurde der Grundstock des Römischen Museums in Augsburg. Teile seiner Sammlung sind auch in seinem Augsburger Wohnhaus, dem Peutingerhaus zu sehen.

Auch unter Kaiser Karl V. konnte Peutinger seine Position behaupten. Erst im Jahr 1534, als die Reformation in Augsburg war, trat er von seinem Amt als Stadtschreiber zurück. Vor seinem Tod 1547 wurde er von Kaiser Karl V. in den erblichen Adelsstand erhoben.

In Augsburg erinnert das Peutinger-Gymnasium und die Peutingerstraße, in der sich das Peutingerhaus befindet, an ihn.

Das Peutinger Gymnasium

befindet sich An der blauen Kappe. Es ist ein sprachliches, naturwissenschaftliches-technologisches und sozialwissenschaftliches Gymnasium. 1864 wurde es als Realgymnasium gegründet und 1865 nach dem Politiker, Humanisten und Stadtschreiber Konrad Peutinger benannt.

Hans Holbein der Ältere

ist vermutlich zwischen 1460 und 1470 in Augsburg geboren. Holbein war ein Maler der Renaissance. Er war der Senior einer berühmten Malerfamilie, zu der sein Bruder Sigmund und seine Söhne Ambrosius und Hans Holbein der Jüngere gehörten.

Selbstportrait von Hans Holbein dem Älteren

Hans Holbein der Ältere war Sohn eines Gerbers. Er erlernte das Malerhandwerk in Augsburg und am Oberrhein, wanderte nach Köln und in die Niederlande. 1493 ließ er sich wieder in Augsburg nieder und behielt hier seinen Wohnsitz bis 1517. Aufgrund seiner zerrütteten Vermögensverhältnisse verließ er 1517 Augsburg (sein Bruder veranlasste mehrmals Pfändungen gegen ihn) und ließ sich im Elsaß nieder. Von Kaiser Maximilian soll er einen Freibrief erhalten haben. Dies könnte erklären, warum ab 1514 von Holbein keine Steuerzahlungen mehr erfolgten. Holbein der Ältere ist 1524 im Elsaß verstorben.

Holbein schuf Altar- und Andachtsbilder, Porträtdarstellungen und Glasgemälde. Seine erhaltenen Skizzenbücher weisen in als hervorragenden Zeichner aus. Einige seiner Werke sind in der Staatsgalerie Alte Meister in Augsburg zu finden.

In Augsburg erinnert das Holbein Gymnasium an Hans Holbein den Älteren.

Das Holbein Gymnasium

ist ein naturwissenschaftlich-technologisches und sprachliches Gymnasium. Es ist ein Teil der Augsburger Altstadt. Im Holbein-Gymnasium werden ca. 1200 Schüler von rund 100 Lehrkräften unterrichtet. Es ist das größte, der zehn Augsburger Gymnasien.

Ursprünglich stand auf dem Gelände vom Holbein-Gymnasium das Domikanerinnenkloster St. Katharina. Im Mittelalter wurden hier die Töchter namhafter Augsburger Familien unterrichtet. 1349 hat die Reichsstadt Augsburg die Schirmherrschaft für das Kloster übernommen. Im Jahr 1381 erfolgte die Aufnahme in das Augsburger Bürgerrecht. Durch Zuwendungen des schwäbischen Adels und später den Augsburger Patrizierfamilien, wurde das Kloster unterstützt.

Von 1498 bis 1503 wurde ein zweiter Klosterbau errichtet. Für den Kapitelsaal neben dem Kreuzgang ließen die Nonnen den „Basilikazyklus“ von Hans Holbein dem Älteren, Hans Burgkmair und einem unbekannten Meister malen. Die Bilder hängen heute in der Staatsgalerie Altdeutscher Meister direkt neben der Schule. Holbein schuf auch einen Katharinen- und Sebastianalter für das Kloster.

Basilika Santa Maria Maggiore von Hans Holbein dem Älteren von 1499

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1802 aufgelöst. Es wurde als Lagerhalle genutzt. 1834 ist die Königliche Polytechnische Schule und eine Gewerbeschule (heute Hochschule Augsburg) im Klostergebäude eingezogen. An der Hochschule wurde 1851 die älteste Studentenverbindung der heutigen Technischen Universität München gegründet. Die Studentenverbindung hat den Namen Corps Cisaria, benannt nach der Stadtgöttin Cisa von Augsburg. Die polytechnische Schule wurde 1864 zur Maschinenbauschule und 1870 eine Industrieschule.

Aus der Gewerbeschule wurde 1877 die Kreisrealschule und 1907 die Kreisoberrealschule. Im Jahr 1924 hat die Stadt die Schule übernommen. Von 1956 bis 1964 wurde sie unter Einbeziehung der ehemaligen Mauthalle erneuert und zur Holbein-Oberrealschule. Seit 1965 ist es das Holbein-Gymnasium.

Die 1808 von König Maximilian I. im ehemaligen Klostergarten errichtete Mauthalle wird heute als „Neubau“ im Schulgebäude genutzt.

Hans Holbein der Jüngere

ist 1497 oder 1498 in Augsburg geboren. Er war, wie sein Vater und Bruder Ambrosius Holbein, Maler. Die Brüder erhielten ihre Ausbildung in der Werkstatt ihres Vaters. Gemeinsam gingen sie nach Basel. Sie hatten die Hoffnung auf ein gutes Einkommen, in der damals blühenden Buchdruckerstadt als Illustratoren.

Selbstbildnis Holbein der Jüngere kurz vor seinem Tod 1542

1519 heiratete er Elsbeth von Binsenstock, die Witwe eines Basler Gerbers. Durch die Heirat konnte er der Basler Malerzunft beitreten und im Jahr 1520 Bürger von Basel werden. Sie bekamen vier Kinder. Seine Ehefrau und die beiden ersten Kinder hat Holbein in einem Bildnis verewigt. Es gilt als eines der ersten Bilder, die ein Künstler von seiner eigenen Familie gefertigt hat.

seine Frau Elsbeth mit den Kindern Philipp und Katharina

In Basel schuf Holbein seine berühmten Madonnenbilder, die Darmstädter und die Solothurner Madonna. 1521 erhielt er den Auftrag zur Bemalung vom Grossratssaal in Basel. Er malte in Frankreich und England und kehrte als begehrter und bekannter Maler für vier Jahre nach Basel zurück. Nach dem protestantischen Bildersturm 1529 und dem damit verbundenen Verbot religiöser Darstellungen, verließ er Basel endgültig Richtung England.

1533 entwarf er die Dekoration für die Hochzeit von König Heinrich VIII. und wurde 1536 Hofmaler des Königs. Der König war Holbein wohl gesonnen. Als sich ein Lord einmal über eine Beleidigung des Malers beim König beschwerte, antwortete der König: „Wisset, daß ich aus sieben Bauern in einer Minute sieben Lords, wie ihr es seid, machen kann, daß ich aber aus sieben Lords von eurem Schlage, nicht einen einzigen Holbein machen kann“.

Hans Holbein der Jüngere starb 1543 an der, seinerzeit in London grassierenden Pest. Seine Gemälde hängen in den bedeutendsten Kunstmuseen der Welt.

Darmstädter Madonna

Solothurner Madonna

Hans Burgkmair der Ältere

ist 1473 in Augsburg geboren. Er war ein bedeutender Maler, Zeichner und Entwerfer für Holzschnitt im 16. Jahrhundert. Burgkmair gilt, neben Holbein dem Älteren und Holbein dem Jüngeren, als wichtigster Augsburger Künstler zwischen Spätgotik und Renaissance.

Burgkmair kam schon früh mit der Malerei in Kontakt. Er lernte die Techniken in der Werkstatt seines Vaters. Seine Lehrzeit von 1488 bis 1490 führte ihn nach Colmar. 1490 entstand sein frühestes Werk, das Bildnis des Predigers am Straßburger Münster, Johann Geiler von Kaysersberg und ein Porträt von Bischof Friedrich II. von Zollern.

Hans Burgkmair mit seiner Frau Anna

Bereits 1498 wurde er als Meister in die Zunft der Augsburger Maler, Glaser, Bildschnitzer und Goldschlager aufgenommen. Beim Augsburger Reichstag von 1500 konnte er erste Kontakte zum deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I., durch Vermittlung von Konrad Peutinger, knüpfen. Im Jahr 1516 erhielt Burgkmair ein Wappen vom Kaiser verliehen. Zwischen 1501 und 1504 malte er drei, der sechs Basilikenbilder für den Kapitelsaal des Augsburger Dominikanerinnenklosters St. Katharina.

Im Jahr 1508 stellte er erste Farbholzschnitte her. Später folgten graphische Arbeiten und Entwürfe für Holzschnittserien für Kaiser Maximilian.

Hochzeitsbild von Jakob Fugger mit Sybilla Artzt von 1498
Musikantendarstellung, Holzschnitt von 1517

Geschichte der Esther von 1518

Familie Ilsung

Die Familie gehörte zu den ältesten und vornehmsten Familien in Augsburg. Ein Konrad I. Ilsung, der ab 1319 erwähnt wird, ist der erste, sicher einzuordnende Vertreter der Familie. Sein Sohn „Ulrich bei St. Moritz“ war im Augsburger Rat und später Baumeister. Konrad I. Ilsung brachte es als Fernhändler zu großen Wohlstand. Als seine einzige Tochter ins Kloster ging, gab er einen Großteil seinen Vermögens für wohltätige Zwecke aus. Ab 1355 stiftete er Altäre bei St. Jakob, St. Moritz und am Dom. Mit einem Kapital von 1240 Pfund Pfennigen, gründete er die erste Augsburger Armenspende.

Der Zweig „Ilsung auf dem Stein“

Konrad III. war der Neffe von Konrad I., der sich ab 1350 „Ilsung auf dem Stein“ nannte, weil er im „Haus auf dem Stein“ mit der Kapelle St. Leonhard (heute Karolinenstraße 21) wohnte. Er erbte ein „Mannlehen“ und das Gebäude vom späteren Weberhaus. Ein „Mannlehen“ konnte nur an einen wehrfähigen Mann vererbt werden. Konrad III. Ilsung zählte zu den führenden politischen Köpfen und hatte fünfmal das Amt als Stadtpfleger (Bürgermeister) inne. Die Söhne von Konrad III. sind vor ihm verstorben, so daß der Zweig der Familie „Ilsung auf dem Stein“ nach seinem Tod 1409 erloschen war.

Das „Haus auf dem Stein“ wurde 1422 zum Stammhaus der Welser. Es ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Die wertvollen gotischen Gewölbe der Leonhadkapelle konnten gerettet werden. Sie sind im Senioratshaus der Fuggerei im Kellergeschoss eingebaut.

Leonhardskapelle im „Haus auf dem Stein“, erbaut um 1350 erbaut von den Patriziern Ilsung, Foto von 1910

Der Zweig der „Ilsung bei St. Johann bzw. Ilsung von Tratzberg

bestanden ab 1409 alleine weiter. Den Stammbaum der Familie vor 1409 von diesem Zweig kann ich nicht nachvollziehen.

Fest steht, daß ein Sebastian ab 1405 sechsmal Stadtpfleger in Augsburg war. Er wurde von einem Peter Rehlinger ermordet. Der Täter wurde geächtet, doch auch die Familie des Toten mußte 1427 Augsburg verlassen. Sein Neffe, Georg I. Ilsung, kehrte 1432 nach Augsburg zurück. Georg I. Ilsung ist 1437 verstorben.

Georg I. hatte zwei Söhne, Sebastian II. und Sigmund I. Die beiden gehörten zu den Ratgebern von Kaiser Friedrich III. Eine diplomatische Mission im Auftrag von Papst Felix V. im Jahr 1446 führte Sebastian II. nach Santiago de Compostela.

Ein Sohn von Sigmund I., der den Name Sebastian III. hatte, war Richter des Schwäbischen Bundes. Er spendete für die Augsburger Kirche St. Peter am Perlach eine Madonna aus Terrakotta, die bis heute erhalten ist. Sigmund I. und sein Bruder Achilles gaben ihre Bürgerrechte in Augsburg ab und traten in herzogliche bayerische Dienste.

Ihre Schwester Anna heiratete den Augsburger Stadtpfleger (Bürgermeister) Georg Langenmantel vom Sparren. Sie wurden die Eltern des späteren bayerischen Geheimrats Ulrich Langenmantel vom Sparren und dem Pfarrer Christoph Langenmantel, der Martin Luther 1518 zur Flucht aus Augsburg geholfen hat.

Georg Ilsung von Tratzberg

ist 1510 in Augsburg geboren. Er war Finanzagent für die Kaiser Maximilian I. und Rudolf II. Ermöglicht wurde ihm dies, durch die vielen reichen Kaufleute in Augsburg. Georg Ilsung erhielt bereits 1544 ein Gehalt von 500 Gulden pro Jahr und führte den Titel eines kaiserlichen Rats.

Ilsung wurde ab 1553 „kaiserlicher Pfennigmeister“ und übernahm das Amt des oberdeutschen Reichspfennigmeisters, nachdem er die Stellung des eigentlichen Amtsinhabers untergraben hatte. Ein „Pfennigmeister“ wurde notwendig, nachdem auf dem Reichstag in Worms von 1495 die Einführung einer allgemeinen Reichssteuer, des „Gemeinen Pfennigs“ beschlossen wurde.

1568 wurde Ilsung von Kaiser Maximilian II. zu Reichsritter erhoben. Bereits ein Jahr später erhielt er das Recht, im Namen des Kaisers Wappenbriefe an Bürger auszustellen, uneheliche Kinder und Adoptionen zu legitimieren, Dichter zu krönen, den Doktortitel zu vergeben oder Notare zu ernennen.

Er erwarb das Schloss Tratzberg in Tirol. Georg Ilsung war das bedeutendste Mitglied der Familie der Familie Ilsung. Seine Söhne Markus und Friedrich folgten ihm im Amt des Landvogt, wurden zu Freiherren erhoben und nannten sie nun „Ilsung von Tratzberg“. Die Tochter von Georg heiratete 1570 Jakob Fugger III.

Georg Ilsung von Tratzberg ist im Jahr 1580 verstorben. Er galt von 1549 bis 1577 als einer der größten Kreditgeber der Kaiser mit rund 283.000 Gulden. In Augsburg ist die Ilsungstraße nach der Familie benannt. In der St.-Anna-Kapelle des Augsburger Doms ist ein, von der Familie Ilsung gestifteter, wappengeschmückter Flügelalter, eine Inschrifttafel und ein Wappenstein der Familie, die früher „Ilsung-Kapelle“ hieß.

Schloß Tratzberg

ist heute im Besitz von Ulrich Goëss-Enzenberg und seiner Frau Katrin Goëss-Enzenberg. Die auffällige Fassadenmalerei im Innenhof vom Schloß ist nach mehrmaliger Restauration noch heute zu sehen. Sie geht auf Georg Ilsung und seine Familie aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück.

Christoph Schissler

ist um 1531 geboren, war ein gelernter Gürtler und wurde Instrumentenbauer. Bereits 1552, mit gerade mal 22 Jahren, fertigte er seine Meisterarbeit und erhielt die Meisterwürde. Er bezeichnete sich als „Geometrischer und Astronomischer Werkmeister zu Augspurg.

Christoph Schissler fertigte Instrumente, wie Astrolabien (ein scheibenförmiges, astronomisches Rechen- und Messinstrument), Quadranten und Armillarsphären an (ein astronomisches Gerät zur Darstellung der Bewegung von Himmelskörpern).  

Astrolabium von al-Sahl al-Nisaburi

Armillarsphäre
Armillarsphäre

1561 erhielt Christoph Schissler vom Augsburger Magistrat den Auftrag zur Konstruktion und den Einbau von vier Sonnenuhren am Perlachturm. Schissler erhielt dafür 400 Gulden und seine Frau, als Hilfskraft, 6 Gulden. Die Uhren sind im Perlachturm bis zur Renovierung im 20. Jahrhundert erhalten geblieben.

links Perlachturm

Christoph Schissler erfand eine tragbare Sonnenuhr. Die Sonnenuhr konnte man so einstellen, daß sie auch in den verschiedenen Breitengraden zwischen England und Italien die Zeit korrekt anzeigte. Er war einer der besten und einfallsreichsten Hersteller von Zirkeln, Sonnenuhren und Globen, Spähren und und und. Die Werke Schissler bestechen durch Präzision und reiches Dekor. Sie sind heute in zahlreichen Museen ausgestellt.

1571 war er am Hof von Kurfürst August von Sachsen in Dresden. 1583 am Hof von Kaiser Rudolf II. in Prag. Er reiste nach München und Wien, um die bei ihm bestellten Geräte abzuliefern. Ab 1598 beschäftigte er sich mit der Vermessung der Stadt und Vogtei Augsburg. Er schuf damit die Grundlage, daß ein Stadtplan und Plan der Landvogtei Augsburg als Kupferstich anfertigt werden konnte. Die Änderung der Stadtpläne vom Augsburger Goldschmied Jörg Seld aus dem Jahr 1521 und Hans Rogel von 1563 wurde aufgrund städtebaulicher Veränderungen notwendig.

Sein letztes Werk steht im Augsburger Maximilianmuseum, eine Armillasphäre, auf der die Figur des Heiligen Michael steht. Es trägt seine Signatur: Christoph Schissler, Bürger zu Augsburg, Hersteller geographischer und astronomischer Instrumente schuf dieses Werk im Jahr 1605 nach Christi Geburt im Alter von 75 Jahren.

Hans Rogel

ist um 1520 in Augsburg geboren. Rogel war Lehrer, Formenschneider, Kupferstecher und Zeichner in Augsburg. 1548 veröffentlichte er ein Lehrbuch über das Schreiben und 1551 ein Unterrichtsbuch zum Rechnen. Hans Rogel war 1559 ein vereidigter „Gerichtswaibel“ (Gerichtsdiener) am Stadtgericht und führte Anordnungen des Gerichts aus.

Von 1560 bis 1563 schuf er von Augsburg ein maßstabgerechtes Modell von Augsburg, das heute im Maximilianmuseum ausgestellt ist. Er fertigte Holzschnitte für Flugblätter, Kalender, Glückwunschbilder und Buchillustrationen an.

Stadtmodell von Hans Rogel

1565 entwickelte Rogel die „Augsburger Meilenscheibe“. Eine Meilenscheibe ist ein Gerät zur Entfernungsermittlung zwischen Orten. Es war eine praktische Übersicht für Reisende. Sie listete Straßenverbindungen von einem angegebenen Hauptort zu anderen Städten auf. Die erste und älteste Meilenscheibe war die „Nürnberger Meilenscheibe“ von 1492.

Augsburg als Mittelpunkt der Welt: Auf dieser Meilenscheibe wurden in den Spalten die Entfernungen zu Nachbarstädten angegeben.

Wendel Dietrich

ist um 1535 in Augsburg geboren. Er war Holzschnitzer. Im Jahr 1562 wurde ihm der Prozeß gemacht, weil er sich den verbotenen „Täufern“ angeschlossen hatte. Täufer waren Anhänger einer radikalreformatorisch-christlichen Bewegung, die nach 1520 in den deutsch-niederländischsprachigen Teilen Europas entstand und zum linken Flügel der Reformation gerechnet wird.

Dietrich wurde aus dem städtischen Gewahrsam erst entlassen, als er den Täufern abgeschworen und sich zur lutherischen Lehre bekannt hatte. Ab 1567 hatte er mehrere Ehrenämter innerhalb der Zunft der „Kistler“ (Holzschnitzer).

Er kam zu großem Ansehen, als er immer mehr Aufträge von Hans Fugger erhielt, der Dietrich auch an der Münchner Herzogshof weiter empfahl. Wendel Dietrich fertigte die Türen im Stadthaus von Hans Fugger an. 1573 erhielt er von Hans Fugger den Auftrag, einen Entwurf für seinen Schlossneubau in Stettenfels bei Heilbronn zu erstellen. 1578 beauftragte ihn Marx Fugger mit dem Bau für einen Altar und ein Chorgestühl für seine Grabkapelle in St. Ulrich und Afra. 1582 fertigte Dietrich im Auftrag der Fuggerbrüder einen hölzernen Gang an, der von ihren Wohnhäusern zum Katharinenkloster führte. Der hölzerne Gang wurde benötigt, da Kaiser Rudolf II. beim Augsburger Reichstag von 1582 im Haus der Fugger Quartier bezog.

Das Hauptwerk vom „Kistler“ Wendel Dietrich ist die Zedernholzhängedecke und die Portale des Zedernsaals von Hans Fuggers Schloss in Kirchheim.

Salomon Idler

ist 1610 in Cannstatt geboren und 1670 in Augsburg verstorben.

Salomon Idler kam in seiner Wanderzeit als Schuster nach Augsburg. Er heiratete 1635 eine Schusterwitwe aus Augsburg und erhielt so das Bürgerrecht und konnte eine Werkstatt übernehmen. Neben seiner Arbeit war er Poet, Possenreißer, Schauspieler, Tüftler und Flugpionier. Er plante bei seinem ersten Flugversuch, mit zwei selbstgebauten Flügeln an den Armen, vom 70 Meter hohen Perlachturm herunterzufliegen. Ein Geistlicher konnte ihn überreden, aus einer niedrigeren Höhe zu springen. Beim seinem Flugversuch von einem Schuppen verlor er die Kontrolle über sein Fluggerät und stürzte auf ein Holzgestell, das durch die Wucht des Aufpralls zusammenbrach. Unter dem Holzgestell waren vier Hühner, die durch die Wucht des Aufpralls verstarben. Der missglückte Flugversuch brachte ihm den Namen „der fliegende Schuster“ ein. Bei der zweiten Eheschließung von Salomon Idler war Elias Holl Trauzeuge.

Später versuchte sich Salomon Idler als Dresseur von jungen Pferden, Gaukler und Theaterdirektor. Er verstarb total verarmt. Im Augsburger Univiertel ist eine Straße nach dem ersten Augsburger Flieger benannt.

Salomon Idler oder das Fliegen in Augsburg - Die Gästeführer -  Serviceportal des BVGD

Christian von Münch

ist 1690 in Frankfurt am Main geboren und 1757 in Augsburg verstorben.

Christian von Münch stammte aus einer renommierten Frankfurter Bankiersfamilie. Im Jahr 1708 nahm er eine Tätigkeit beim Wechsel- und Handelshaus Johann Thomas Rauner des Älteren in Augsburg an. 1713 heiratete von Münch Anna Barbara von Rauner und gründete mit seinem Schwager, Johann Thomas Rauner dem Jüngeren, das Wechsel- und Silberhandelshaus Rauner & Münch. Es wurde zu einem der wichtigsten Bank- und Handelshäuser in Süddeutschland.

Durch die Heirat mit der Tochter eines Patriziers erwarb Christian von Münch 1713 die „Stubenfähigkeit“. Eine Stubengesellschaft war ein Zusammenschluss von Adeligen und wohlhabenden Bürgern mit dem Ziel, auf die lokale Politik Einfluß zu nehmen, Geschäfte abzuschließen und Heiraten anzubahnen. Die Bezeichnung kommt von der ursprünglichen „Trinkstubengesellschaft“. 1731 wurde Münch und damit auch seine Nachkommen, bei den ratsfähigen Augsburger Patriziern aufgenommen.

Rauner & Münch kauften 1727 die Fuggerhäuser in der Maximilianstraße und richteten das Kontor des Bankhauses ein. Bereits drei Jahre später kaufte Marquard Eustachius Fugger, Graf zu Kirchberg und Weißenhorn, den ehemaligen Familienbesitz zurück.

Das Bankhaus war, außer im klassischen Bankgeschäft in Handels-, Speditions- und Maklergeschäften tätig und stieg in den Salzhandel ein. Zu ihren Kunden gehörte der Wiener Hof, der Silberwaren und Uhren in beträchtlicher Höhe bei ihnen kaufte.

Johann Thomas Rauner ist 1728 verstorben. Christian Münch führte das Bankhaus alleine weiter. Durch einen Vertrag mit der Hofkammer konnte er, gegen einen Festpreis, Kupfer aus der kaiserlichen Mine in Maydanpek beziehen.

1731 lieh sich der bayerische Kurfürst Karl Albrecht immer wieder hohe Beträge. Erst als der Kurfürst römisch-deutscher Kaiser wurde, erhielt Münch seine Außenstände zurück und wehrte danach den großen Geldbedarf des nunmehrigen Kaiser Karl VII. geschickt ab.

1729 kaufte Münch die Herrschaft Aystetten mit dem Dorf Neusäß von Franz Octavian Langenmantel ab. 1740 ließ er das Schloß Aystetten auf die doppelte Größe erweitern und umgestalten. Er ließ das bis heute erhaltene Porzellanzimmer mit Fayencen à la Chinoise (nach chinesischer Kunst) ausstatten.

1858 übernahm Johann Paul von Stetten, Inhaber der Stetten-Halder-Bank und Urenkel von Christian von Münch, Schloss und Liegenschaften.

Auf den Ländereien, die zum Schloß gehören, ließ er eine Maulbeerplantage anlegen und eine Seidenraupenzucht aufbauen. Für die Gewinnung und Verarbeitung der Rohseide hat Münch Arbeiter aus Italien und Tirol angeworben. Mit diesem Unternehmen hatte er jedoch keinen Erfolg.

1749 erwarb er Schloß Filseck. Die Ehefrau von Münch erbte 1735 mit ihren acht Geschwistern die väterlichen Herrschaften Hohen- und Niedermühringen mit vier Dörfern als „Fideikommiss“. Das Fideikomiss ist eine Einrichtung im Erb- und Sachenrecht. Durch eine Stiftung soll das Vermögen einer Familie, meist Grundbesitz, erhalten werden. Nur ein Familienmitglied, der Fideikommissbesitzer, hatte das Niessbrauchsrecht. Später konnte Münch noch weitere Anteile von Miterben erwerben, wurde jedoch nie Eigentümer der gesamten Herrschaft.

Im Jahr 1731 wurde Münch von Kaiser Karl VI. in den Reichsadelsstand erhoben und nannte sich fortan Christian von Münch auf Aystetten.

Mehrere Augsburger Patrizier, zu denen auch Münch gehörte, gründeten 1750 eine Stiftung zur Unterstützung hilfsbedürftiger Witwen und Nachkommen. Als 1810 das Patritziat abgeschafft wurde, erneuerte man den Stiftungsbrief und es entstand die „Stiftung einiger augsburgerischen, protestantischen, adligen Familie zur Unterstützung ihrer notleidenden Mitglieder“ mit einem Stiftungskapital von 74.045 Gulden.

Leopold Mozart,

der Vater von Wolfgang Amadeus Mozart, ist in Augsburg in der Frauentorstraße im Jahr 1719 geboren. Er war der Sohn eines Buchbinders und wurde in St. Georg auf den Namen Johann Georg Leopold getauft.

Er besuchte das Jesuitenkolleg St. Salvator in Augsburg und studierte ab 1737 in Salzburg Philosophie. Ein Studium in Jura beendete er nicht, da er mehr an Musik interessiert war. Leopold Mozart war ein Jugendfreund und Kommilitone vom Augsburger Patrizier und späteren Bürgermeister Jakob Wilhelm Benedikt von Langenmantel.

Im Jahr 1740 wurde Mozart Geiger und Kammerdiener vom Reichsgrafen und Salzburger Domherrn Johann Baptist von Thurn und Taxis. In den Folgejahren kam er über das Amt des Vizekapellmeisters nicht hinaus. Unter Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian wurde Mozart 1743 vierter Violinist in der Salzburger Hofkapelle und unterrichtete die Kapellhausknaben im Violinspiel. Im Jahr 1746 verdiente Leopold Mozart zuerst 5, später 11 und dann 20 Gulden im Monat. 1747 wurde er „Hof- und Kammer-Componist“.

Heirat von Leopold Mozart

Im Salzburger Dom heiratete er 1747 Anna Maria Perth, mit der er sieben Kinder hatte. Nur zwei Kinder erreichten das Erwachsenenalter. Es sind die bekannten musikalischen Wunderkinder Maria Anna (das Nannerl genannt) und Wolfgang Amadé (das Wolferl), der einer der bedeutendsten klassischen Komponisten wurde. 1755 mußte Leopold Mozart sein Augsburger Bürgerrecht aufgeben.

Mit einem Dekret von 1763 wurde er Vizekapellmeister mit einer jährlichen Besoldung von 400 Gulden und einem Wein- und Brotdeputat (aus Naturalien bestehender Teil vom Lohn) im Wert 96 Gulden. Als die Karriere seiner Kinder begann, beantragte Mozart immer öfter längerfristige Urlaube. Dies führte dazu, daß er am 1. September 1777 aus dem Hofdienst entlassen wurde. Mit der Zusicherung von Leopold Mozart, „dass er sich mit dem Kapellmeister und anderen bei der Hofmusik angestellten Personen ruhig und friedlich betragen werde“ wurde er am 26. September 1777 wieder eingestellt. Bis zu seinem Tod, im Jahr 1787 blieb er im Hofdienst.

Der Komponist Leopold Mozart

Neben Kirchenmusik schrieb er eine große Anzahl von Werken der Instrumentalmusik. Unter seiner Feder entstanden 48 Sinfonien, sechs Divertimenti (Stücke mit heiterem, unterhaltsamen, bis tanzbaren Charakter), fünf Flötenkonzerte, drei Klaviersonaten und vieles mehr. Es war also nicht nur Förderer und Erzieher seines Sohnes Wolfgang Amadeus.

Im Leopold-Mozart-Haus,

einem Handwerkerhaus aus dem 17. Jahrhundert, ist heute ein Museum in der „Mozartstadt Augsburg“. Seit 1937 ist hier eine Ausstellungs- und Gedenkstätte zur Geschichte der Familie Mozart eingerichtet.

Zur Sammlung gehören Bücher, Briefe, Stiche, Notenblätter und Musikinstrumente. Auf dem, im Original erhaltenen Hammerflügel von 1785, aus der Werkstatt von Johann Andreas Stein, haben beide Mozarts gespielt.

Von 2018 bis 2020 wurde das Gebäude restauriert. Heute können die Besucher im neuen Museum die Welt von Leopold Mozart aktiv kennenlernen. Zu sehen ist eine begehbare Reisekutsche, ein barockes Zimmertheater, Komponierwürfel, Geigen zum Ausprobieren und ein Raum zum sinnlichen Musikerleben.

Maria Anna Thekla Mozart

ist 1758 in Augsburg geboren. Ihr Rufname war Marianne. Sie war eine Cousine von Wolfgang Amadé Mozart. Im Jahr 1777 begegnete sie Wolfgang Amadé Mozart. Er befand sich auf einer Reise von Süddeutschland nach Paris. Zwischen den beiden entwickelte sich ein sehr harmonisches, vermutlich intimes Verhältnis. Von ihrer Korrespondenz sind nur zehn Briefe erhalten, die berühmten „Bäslebriefe“. Marianne begleitete ihn nach seiner Rückkehr aus Paris, im Januar 1779, für etwa zweieinhalb Monate nach Salzburg. Sie erhoffte sich möglicherweise eine Ehe mit Wolfgang. Der Wunsch zerschlug sich. Die Beziehung kühlte ab. Das letzte Wiedersehen ergab sich 1781.

Zielscheibe beim Bölzlshießen, Wolfgang und das Bäsle bei seiner Abreise nach Paris

Marianne galt als schön, liebenswert, klug, humorvoll und lebenslustig. 1784 brachte sie eine uneheliche Tochter zur Welt. Der Vater war Domkapitular Dr. Theodor Franz de Paula Freiherr von Reibeld, der Mutter und Kind großzügig versorgte. Marianne hat nie geheiratet.

Wolfgang Amadé Mozart

war 1763, 1766, 1777, 1781 und 1790 in Augsburg. Dabei besichtigte er den Goldenen Saal im Rathaus, musizierte im Konzertsaal der Fuggerhäuser und logierte im Hotel „Weißes Lamm“ im Domviertel. Er besuchte den Orgelbauer Johann Andreas Stein in der Maximilianstraße und spielte auf Orgeln in der Barfüßer- und Ulrichskirche.

Das Jesuitenkolleg St. Salvator

gab es von 1582 bis 1807 in der „Unteren Stadt“ in der Nähe vom Dom, in der Jesuitengasse. Die Neffen des 1579 kinderlos verstorbenen Christoph Fugger stifteten aus ihrem Erbe 30.000 Gulden zur Gründung des Jesuitenkollegs. Auch der Baugrund wurde von den Fuggern zur Verfügung gestellt. Im Jahr 1584 war die Kirche St. Salvator fertiggestellt. 1763 wurde das Kolleg durch den Kauf des angrenzenden Wohnhauses erweitert. 1765 konnte die neue Aula Mariana eingeweiht werden.

Der Jesuitenorden wurde 1773 aufgehoben. Das Kolleg bestand bis 1807 weiter. Im Gebäude war zunächst eine Kaserne und die Kirche wurde zur Reitschule der Garnison. Im Jahr 1828 integrierte man die Schule in das Gymnasium bei St. Stephan. Die meisten Gebäude wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts abgerissen. Erhalten blieb nur die Aula Mariana, der heutige

Kleine Goldener Saal.

Er ist nicht mit dem Goldenen Saal im Rathaus zu verwechseln. Wie bereits erwähnt, war in dem Gebäude das Mannschaftsquartier von bayerischen Truppen. Die dabei entstandenen Schäden und Spuren aus dieser Zeit wurden mit Restaurierungen in den Jahren 1832, 1949 und 2004 beseitigt.

Seit der Wiedereröffnung, im Jahr 2004, wird der Saal für Konzertaufführungen, insbesondere im Rahmen der Mozartfeste, genutzt. Die Stadt Augsburg vermietet den Saal für private kulturelle Veranstaltungen.

Beeindruckend ist das 1765 von Matthäus Günther geschaffene Deckenfresko.

Jakob Wilhelm Benedikt von Langenmantel

besuchte zusammen mit Leopold Mozart das Jesuitenkolleg St. Salvator. Beide gingen 1737 nach Salzburg um Philosophie zu studieren.

Langenmantel ist der Familienname einer alten Augsburger Patrizierfamilie mit zwei Hauptzweigen. Den „Langenmantel von Sparren“ und den „Langenmantel vom RR“. Jakob Wilhelm Benedikt von Langenmantel wurde 1720 geboren und gehörte zum Geschlecht der Langenmantel RR.

Er wurde 1743 Senator der Stadtregierung, 1757 Zeit- und Proviantherr (verantwortlich für die Verteidigung der Stadt), 1761 Ungeldherr (Verwalter des städtischen Steuerwesens) und 1774 Kaiserlicher Geheimer Rat, Landvogt und Stadtpfleger (Bürgermeister). Landvogt und Stadtpfleger war er bis zu seinem Tod im Jahr 1790.

Erinnerungen an die Familie Langenmantel

In Augsburg gibt es in der St. Moritz Kirche eine Langenmantelkapelle, eine Stiftung der Familie, die es bereits seit 1272 in Augsburg gibt. Die Kapelle wurde zur Marienverehrung und als Grablege errichtet.

Die Gemeinde Westheim bei Augsburg, in der die Langenmantel Ortsherren vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert waren, trägt noch heute das Wappenzeichen der Langenmantel im Gemeindewappen. Ebenso die Stadt Neusäß.

Karl Langenmantel von Westheim ließ 1587 als Dank für seine Genesung die Kapelle Kosmas und Damianus bauen, die heute noch besteht. Die beiden Patrone sind Ärzteheilige. Sein Nachfahre, Jakob Wilhelm Benedikt von Langenmantel, ließ sie 1777 renovieren und erweitern.

In Augsburg erinnert die Langenmantelstraße an die Familie.

Benedikt Adam Freiherr von Liebert, Edler von Liebenhofen

wurde 1731 in Augsburg geboren. Er war der Sohn des Kaufmanns und Silberhändlers Johann Adam Liebert. Johann Adam Liebert hatte gute Beziehungen als Silberlieferant an den Wiener und Münchner Hof. Er brachte seine Familie zu großem Wohlstand.

Benedikt erlernte die Kaufmannschaft zuerst bei seinem Vater, dann auf verschiedenen Kontoren in Augsburg. 1754 betrieb er auf eigene Rechnung in Arbon und Livorno einen erfolgreichen Wechselhandel und baute Handelsbeziehungen nach Venedig auf. Sein Hauptgeschäft wurde der Münz-, Silber- und Wechselhandel.

Geadelt wurde Benedikt Adam Liebert 1763, als sein Vater mit dem Titel „Edler von Liebenhofen“ als Reichsritter in den erblichen Adelsstand und ins Augsburger Patriziat erhoben wurde.

Benedikt kaufte ein Patriziergebäude an der Augsburger Maximilianstraße und ließ ein Rokokopalais errichten, das später Schaezlerpalais genannt wird.

1767 wurde das kaiserliche und königliche Münzamt in Günzburg errichtet. Hier wurde der Maria-Theresia-Taler geprägt, der auch noch heute hergestellt wird. Im Jahr 1769 erhielt Liebert, wie auch drei weitere Handelshäuser in Augsburg, das „Talermonopol“ und konnte Auftragsprägungen ausführen. Sein Augsburger Stadtpalais wurde der Hauptsitz der k.u.k. privilegierten, ausländischen Silberhandlung. Aufgrund seiner großen geschäftlichen Erfolge wurde er 1770 in den Freiherrenstand erhoben.

Im Jahr 1791 trat Johann Lorenz Schaezler als Handlungsgehilfe im Bankhaus von Benedikt Adam Freiherr Liebert von Liebenhofen ein. Zwei Jahre später heiratete Schaezler Marianna Barbara, die Tochter vom Freiherrn Liebert und wurde in die Leitung des Bankhauses aufgenommen. Eine letzte Ehrung erhielt Liebert zwei Jahre vor seinem Tod. Er wurde zum Königlich bayerischen Finanzrat durch König Maximilian I. ernannt. Im Jahr 1810 ist er in Augsburg verstorben.

Johann Lorenz Freiherr von Schaezler

wurde 1762 in Ansbach geboren. Hier besuchte er das evangelische Gymnasium. Danach machte er eine Kaufmannslehre in Frankfurt am Main. Ab 1781 arbeitete er in einem Frankfurter Wechsel- und Warenhaus und einige Jahre später in einer Tuchfabrik in Aachen. Er baute sich in Aachen eine eigene Stickereifabrik auf und übernahm 1789 die kupfer- und silberhaltigen Bleibergwerke in Trarbach an der Mosel. Seine Unternehmen waren erfolglos. Er verlor fast sein gesamtes Vermögen.

Wie bereits geschrieben, war er ab 1791 im Bankhaus von Freiherr Liebert von Liebenhofen beschäftigt. Hier vergab er Kredite an das Bayerische Königshaus und wurde königlicher Finanzrat. Im Jahr 1821 wurde er in den erblichen Freiherrnstand erhoben. Er kaufte „Hofmarken“ in Sulzemoos bei München und Scherneck bei Augsburg. Hofmarken bedeutet, daß hier, unabhängig vom Landesherrn, Recht gesprochen und Fronarbeiten eingefordert werden konnten.

Freiherr von Schaezler war überzeugter Vertreter der konstitutionellen Monarchie, d.h. daß die Macht eines Monarchen durch eine Verfassung geregelt und beschränkt wird. In dieser Eigenschaft gehörte er zu einer Abordnung der Reichsstadt Augsburg, die mehrfach mit Napoleon Bonaparte verhandelte. 1818 wurde er Vorstand der Gemeindebevollmächtigten und zugleich als Abgeordneter der Stadt Augsburg, in die Abgeordnetenkammer der Bayerischen Ständeversammlung, gewählt.

Geschlechtertanz im Schaezlerpalais

Der Freiherr engagierte sich sehr auf karitativem Gebiet. Er spendete große Summen für die Augsburger Suppenanstalt, das evangelische Waisenhaus, das allgemeine Krankenhaus und finanzierte die unentgeltliche Behandlung in der Armenanstalt.

Im Jahr 1821 initiierte Johann Lorenz Freiherr von Schaezler die Gründung der heutigen Stadtsparkasse Augsburg. In einem Schreiben vom 8. April 1821 schlug er dem Magistrat der Fuggerstadt vor, eine „Ersparnißkasse“ zu gründen. Der Freiherr hatte den Eindruck, daß mangelnde Vorsorge für die Zukunft in der Jugend und auch in Wohlstandszeiten zur Verarmung von Teilen der Bevölkerung führen würde. Mit der Ersparnißkasse sollten besonders Tagelöhner, Dienstboten und Handwerksgesellen ihr Geld sicher für spätere Notzeiten anlegen können.

Der Magistrat von Augsburg stellte auf Anregung von Schaezler bei der königlichen Regierung in Bayern einen Magistratsantrag. Der Antrag wurde am 31. Dezember 1821 genehmigt. Am 2. Februar 1822 nahm die, von einem Verein, getragene „Augsburgische Ersparnißkasse mit Verzinsung“ ihren Geschäftsbetrieb auf. Dem Verein gehörten alle namhaften Augsburger Bankhäuser als Bürgen an. Dies war die Geburtsstunde der „Stadtsparkasse Augsburg“, dem Arbeitgeber meiner Frau für 42 Jahre.

Andreas Christoph Graf

ist 1701 in Augsburg geboren und war Pädagoge, Schriftsteller und Autor.

Andreas Christoph Graf studierte Theologie und Philologie. Er wollte nach Beendigung seines Studiums eine Pfarrei übernehmen. Nachdem ihm dies nicht gelungen war, nahm er eine Stelle als Lehrer am Gymnasium bei St. Anna an.

Als Lehrer versuchte er, der Pädagogik eine heitere Seite und zugleich praktische Seite abzugewinnen. Er verfasste, zunächst anonym, im Jahr 1741 die Bücher „Der geplagte Schulmann“ und „Der höfliche Schüler“. Ein drittes Buch folgte 1769 mit dem Titel „Heilsame Hausmittel der verdorbenen Kinderzucht bei Zeiten zu begegnen“.

Das Buch „Der Höfliche Schüler“ ist ein echtes Benimmbuch. Andreas Christoph Graf wollte schon damals, der gelegentlich „aufmüpfigen“ Schülerschaft, durch eine amüsante Sammlung von Versen, Benehmen und Höflichkeit nahelegen. Es ist im offensichtlich nicht gelungen, wie sich unschwer aus dem Titel seines dritten Buches entnehmen läßt. Im Jahr 1770 hat sich Graf in den Ruhestand versetzen lassen.

Augustin Stark

ist 1771 in Augsburg geboren. Er war Naturforscher, Lehrer und Domherr.

Stark stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, besuchte das Gymnasium bei St. Salvator und trat 1790 in das Augsburger Augustiner-Chorherrenstift St. Georg ein. Bereits 1791 legte er sein Ordensgelübde ab. Er studierte bei der stiftseigenen Hochschule Theologie, Kirchenrecht, Mathematik und Physik, widmete sich dem Orgelspiel und gab Konzerte. 1798 wurde Augustin Stark Professor der Theologie.

Im Jahr 1807 war Stark bereits Professor der Mathematik und Physik und wurde Lehrer an der Augsburger Bürger-Realschule. Ab 1811 wechselte der Professor an das Gymnasium bei St. Anna und wurde dort 1812 Konrektor. Im Jahr 1821 nahm man ihn als Mitglied des Domkapitels am Augsburger Dom auf und ernannte Stark zum Geistlichen Rat.

Nebenbei war Augustin Stark Observator der Königlichen Meteorologischen Anstalt zu Augsburg. Als König Ludwig I. von seinen Fähigkeiten erfuhr, schenkte er ihm einen „Frauenhoferschen Refraktor“ (Fernrohr). Außerdem ließ der König für Stark im Jahr 1830 einen Turm zur Sternwarte mit wertvollen Instrumenten aufbauen. Der „Astronomische Turm“ entstand am Pfaffenkeller, in der Mitte des Klostergartens von St. Stephan. Augustin Stark erlaubte dem Gymnasium St. Stephan die Benutzung und vermachte dem Kloster und der Schule die gesamte Sternwarte.

Friedrich von Münch

wurde 1788 in Augsburg geboren. Er war Rittergutsbesitzer, Unternehmer, königlich bayerischer Kammerherr und Herr auf Mühringen, Schloss Filseck und Schloss Aystetten.

Schloss Hohenmühringen

Friedrich von Münch verfolgte den Fortschritt der Industrialisierung von Augsburg und nahm entscheidende Kapitalanlagen vor. Natürlich profitierte er von seinen familiären Beziehungen zum Augsburger Wirtschaftsbürgertum. Er gehörte zu den 47 Aktionären, die 1837 eine Mindesteinlage von 5000 Gulden investierten, als die Spinnerei und Weberei Augsburg gegründet wurde. Die Anleger waren zum größten Teil Augsburger Bankiers und deren nahe Verwandte. Ab 1851 war Münch Ausschussmitglied der äußerst profitablen Gesellschaft. Acht Jahre später wurde die Augsburger Kammgarnspinnerei in eine Aktiengesellschaft. Erneut war Münch unter den Aktionären.

Jacob Friedrich Benedict Schmid

ist 1807 in Augsburg geboren. Er war der Sohn des Bankiers Jacob Friedrich Schmid und seiner Ehefrau Susanna Johanna Elisabeth, geb. von Rad. Schmid war mit zahlreichen Familien des Augsburger Patriziats sowie des Wirtschaftsbürgertums verwandt.

Schmid besuchte das Humanistische Gymnasium St. Anna. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1824, mußte er sein begonnenes Studium der Rechtswissenschaften abbrechen. Zur Vorbereitung auf seinen Eintritt in das Bankhaus Erzberger & Schmid durchlief er eine Ausbildung in der Schweiz und Italien zum Kaufmann. Nach seiner Ausbildung arbeitete er in dem, von seinem Vater mitbegründeten Bankhaus und erhielt 1832 die Prokura.

1835 heiratete er Eugenie Forster, die Tochter von Carl Ludwig Forster, Inhaber der Kattunfabrik Schoeppler & Hartmann. Zunächst wohnten sie im Rad’sche Haus an der Grottenau 2 in Augsburg und zogen 1849 in ein angemietetes Bürgerhaus in der Maximilianstraße 65. Das Bankhaus Friedrich Schmid & Co. war ebenfalls in diesem Haus. Schmid kaufte, mit finanzieller Unterstützung seines Schwiegervaters, noch ein Gartengut in der Frölichstraße in Augsburg.

Dieter Erzberger sah Jacob Schmid nie als gleichberechtigten Partner an. Er war mit Catharina Barbara von Schüle, der Tochter des Augsburger Kattunfabrikanten Johann Heinrich von Schüle verheiratet und galt von Anfang an als der Hauptgesellschafter der Bank. Erzberger nahm seine Söhne als Gesellschafter auf, woraufhin Schmid 1849 aus der Privatbank ausgeschieden ist. Die Privatbank firmierte dann unter Erzberger & Co. und später Erzberger & Söhne. Im Jahr 1882 geriet die Bank in finanzielle Schwierigkeiten und mußte Konkurs anmelden.

Im gleichen Jahr gründete Schmid im Augsburger Schaezlerpalais das Bankhaus Friedrich Schmid & Co. und bezog wenig später das gegenüberliegende Stammhaus vom Bankhaus in der Maximilianstraße 65.

Als die Mechanische Baumwollspinnerei- und Weberei einen Zulieferer benötigte, gehörte Schmid zu den Initiatoren der Augsburger Baumwollspinnerei am Stadtbach. Seine Bank sorgte für die Platzierung der Aktien des neu gegründeten Unternehmens.

Ludwig August Riedinger

ist am 18. November 1809 in Schwaigern geboren und am 20. April 1879 in Augsburg verstorben. Er war Unternehmer.

Riedinger erlernte von 1824 bis 1927 den Beruf des Schreiners und arbeitete als Geselle in Ludwigsburg. Er kam 1829 als Modellschreiner in die Bauwollspinnerei der Gebrüder Hartmann in Heidenheim an der Brenz und wird 1932 im Zweigwerk Herbrechtingen Werkmeister mit dem Spezialgebiet Spinnereitechnik.

1839 tritt Ludwig August Riedinger als 1. Karderiemeister (Spinnmeister) neben Emil Boucart, als Spinnereidirektor in die Augsburger Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei (SWA) ein. Im Jahr 1842 wurde er technischer Direktor. Der Aufschwung der SWA ist im Wesentlichen ihm zu verdanken. Mit seiner Gründung einer betrieblichen Kranken- und Pensionskasse trug Riedinger zum Aufbau von Sozialmaßnahmen bei.

Unter Direktor Riedinger wurde die erste, von insgesamt 10 Dampfmaschinen No. 16 im Betrieb eingesetzt. Ende 1847 kaufte man die erste Baumwolle direkt in Amerika. 1848 konnte durch die „menschenfreundliche“ Haltung von Direktor Riedinger Unruhen unter den Arbeitern vermieden werden.

Riedinger besuchte 1851 die Weltausstellung in London und brachte Neuerungen mit, durch welche die Ware der Baumwollspinnerei und -weberei verbessert und verbilligt werden konnte. Nachdem Riedinger sich mit der Geschäftsleitung 1852 überwarf, schied er als Mitarbeiter aus. Seine großen Verdienste und Fähigkeiten fanden jedoch trotzdem volle Anerkennung. Anschießend war Riedinger Mitbegründer vieler mechanischer Spinnereien und Webereien in Deutschland.

Bereits als technischer Direktor bei der SWA war Riedinger für die Gasbeleuchtung der Textilfabrik zuständig. Er lernte Max von Pettenkofer kennen. Diese Bekanntschaft führte zu einer Zusammenarbeit der beiden auf dem Gebiet der Beleuchtung mit Holzgas. Mit Oberbaurat Pauli stellten Riedinger und Petternkofer 1851 die Beleuchtung des Hauptbahnhofs von München mir Holzgas fertig. 1852 errichtete Riedinger sein erstes Gaswerk in Bayreuth. Das Geschäft mit der Gasbeleuchtung florierte, so daß er für die Verwaltung seiner Gaswerke 1864 die Gesellschaft für Gasindustrie in Augsburg mit einem Aktienkapital von 2 Millionen Gulden gründete.

Zugleich gründete er 1857 in Augsburg eine Gasapparatefabrik, aus der die L.A. Riedinger Maschinen- und Broncewaaren-Fabrik Aktien-Gesellschaft entstand. In der Fabrik entstand 1894 der riesige Ringleuchter für das Reichstagsgebäude in Berlin.

Besuchskarte um 1905 von „L. A. Riedinger Augsburg“. Sie führt das Produktions-Sortiment der Bronzewarenfabrik auf.

1862 kaufte Riedinger das Imhofhaus in der Augsburger Innenstadt und ersetzte es durch einen Neubau im Neurenassancestil. 1878 ersteigerte er das Hotel Drei Mohren.

Für seine Verdienste erhielt Riedinger zahlreiche Ehrungen, wie das Bayerische Ritterkreuz vom Heiligen Michael und das Belgische Ritterkreuz und wurde Ehrenbürger der Städte Augsburg und Coburg.

Matthias Reischle

wurde am 12. Dezember 1813 in Augsburg geboren. Reischle stammte aus einer Augsburger Handwerkerfamilie. Er absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und sammelte erste Berufserfahrungen in Griechenland. 1845 kehrte er nach Augsburg zurück. Der Unternehmer Anton Riemenschneider warb Reischle 1850 für seine Münchner Likörfabrik an und stellte ihn als Prokurist ein.

Reischle kam im Betrieb von Riemerschmid zur Erkenntnis, daß Frauen für kaufmännische Tätigkeiten geeignet waren. Er überzeugte Riemerschmid von der Idee, gemeinsam eine Handelsschule für Mädchen zu gründen. Zu dieser Zeit gab es zwar weiterführende Schulen für Mädchen, jedoch keine Schule, in der junge Frauen auf einen praktischen Beruf mit guten Erwerbsmöglichkeiten vorbereitet werden konnten.

Sie gründeten 1862 die „Handelslehranstalt für Frauenzimmer“ mit dem Ziel, für Frauen neue Tätigkeitsfelder, bessere Verdienstmöglichkeiten und mehr Unabhängigkeit zu verschaffen. Riemerschmid besorgte die Räumlichkeiten und Geld für die neue Schule, in der Reischle erster Direktor wurde. Er führte diese Tätigkeit bis zu seinem Tod, fast 35 Jahre, unentgeltlich aus. Die „Riemerschmid-Reischlesche Handelslehranstalt“ fand großen Zuspruch. Die Abschlusszeugnisse der Schule waren anerkannter Beleg für besondere Befähigung der Absolventinnen.

Matthias Reischle vermachte der Stadt Augsburg ein Vermögen von 163.000 Mark, das für eine Handelsschule nach dem Münchner Vorbild verwendet werden sollte. Die Augsburger Städtische Handelsschule wurde 1905 gegründet. 1914 wurde das Vermächtnis von Reischle für den Bau eines Schulhauses verwendet. Sie existiert noch heute.

Aktuell

Heinrich von Buz

ist 1833 in Eichstätt geboren und 1918 in Augsburg gestorben. Er war Techniker und Industrieller. Heinrich von Buz besuchte die Königliche Kreis-Gewerbeschule in Augsburg und studierte am Karlsruher Polytechnikum bei Ferdinand Redtenbacher, dem Begründer des wissenschaftlichen Maschinenbaus.

1857 trat er in die, von seinem Vater und Carl August Reichenbach geführte, Maschinenfabrik Augsburg ein und wurde Direktor. Bis 1913 war von Buz Generaldirektor der zwischenzeitlich vereinigten Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN). Er war Mitbegründer der Augsburger Localbahn und der Lechelektritätswerke. Heinrich von Buz war in zahlreichen Aufsichtsräten und führend, im Augsburger Industrieverein tätig. Ab 1907 gehörte Heinrich von Buz zum Personaladel ( ein Verdienstadel).

In Augsburg gibt eine Heinrich-von-Buz-Realschule und eine Heinrich-von-Buz-Straße.

August Riedinger

ist 1845 in Augsburg geboren und 1919 in Augsburg verstorben. Er war Sohn des Augsburger Fabrikanten Ludwig August Riedinger. Nach seinem Studium trat er in die Maschinen- und Bronzewarenfabrik seines Vaters ein und übernahm hier 1883 die Leitung.

Riedinger arbeitete später mit August von Parseval und Hans Bartsch von Sigsfeld an der Entwicklung von lenkbaren Luftschiffen. 1897 gründete Riedinger die Ballonfabrik Augsburg. In der Fabrik stellte man die, vom Millitär genutzten Drachenballone her, die als Beobachtungs- und Spähballone genutzt wurden. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wurden 4000 Ballone hergestellt. Die Ballonfabrik wurde Weltmarktführer und hatte mehr als 800 Mitarbeiter.

Vom Gelände der Fabrik in der Sommestraße aus startete der Schweizer Physiker Auguste Piccard am 27. Mai 1931 zu einem Ballon-Höhenrekord. Mit eine Stratosphärenballon erreichte Piccard eine Höhe von 15.785 Meter. Die Druckkapsel des Ballons ist im Ballonmuseum in Gersthofen bei Augsburg ausgestellt.

1901 war August Riedinger Gründungsmitglied des Freiballonvereins Augsburg. In der Ballonfabrik von Riedinger wurde 1906 für das erste Parseval-Luftschiff, das sogenannte Versuchsluftschiff, die Hülle angefertigt.

Bis 1950 wurden überwiegend Freiluftballone hergestellt. Danach kam die Fertigung von Industrie- und Gasballonen sowie Rettungs- und Sicherheitsausrüstungen dazu. 2008 wurde die Firma von der Deutschen Schlauchboot GmbH übernommen und der Standort Augsburg geschlossen. Heute ist in dem Gebäude ein Kulturzentrum.

Eine Fabrik zur Herstellung von Blaugas gründete Riedinger 1910 in Augsburg. Aus Erdöl wurde nach einem Verfahren von Hermann Blau Kraftgas. Es wurde zum Heizen und Schweißen verwendet und diente dem Zeppelin als Brennstoff.

Sebastian Kneipp,

der Wasserdoktor, war mit seinem Förderer, dem Grönenbacher Kaplan Dr. Merkle in Augsburg, als der Kaplan in die Pfarrei St. Moritz versetzt wurde. Dr. Merkle bereitete den Bauernknecht Sebastian Kneipp für die Aufnahme ins Gymnasium vor. 1848 schaffte Kneipp das Abitur und konnte Theologie und Philosophie studieren. Im Dom zu Augsburg wurde Kneipp 1852 zu Priester geweiht.

Als Kneipp Lungenkrank wurde, lernte er in einem Selbstversuch die heilende Wirkung des Wassers kennen. Im Cholerajahr 1853 half er den Erkrankten mit Erfolg mit seinen Wasseranwendugen. Trotz erfolgreicher Heilung der Kranken kam er als Kurpfuscher vor Gericht. Kneipp wurde freigesprochen. Nach seinem Freispruch wurde er in die Pfarrei St. Georg in Augsburg versetzt. Von 1854 bis 1855 war er hier der dritte Kaplan der Pfarrei. Da im Pfarrhaus kein Platz für ihn war, wohnte er im St.-Georgen-Gäßchen 5, das man 1937 in Sebastian-Kneipp-Gasse umbenannte. Im Jahr 1855 wurde Sebastian Kneipp nach Bad Wörishofen versetzt. Hier entwickelte er seine Heilmethoden, die bis heute noch angewendet werden, weiter.

Augsburger Geschichte: Wie der "Wasserdoktor" Sebastian Kneipp in Augsburg  wirkte | Augsburger Allgemeine

Hans von Euler-Chelpin

ist 1873 in Augsburg geboren. Er ging zuerst in Augsburg ins Holbein Gymnasium und legte 1891 das Abitur im Wilhelmsgymnasium in München ab. Nachdem er ein Jahr als Freiwilliger im 1. Feldartillerie-Regiment der Bayerischen Armee war, studierte er an der Münchner Kunstakademie. 1893 wandte er sich dem Studium der Chemie zu.

Nach seiner Promotion 1895 und einem Kurzkursus über die physikalische Chemie in Berlin, wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Göttingen und ab 1897 in Stockholm. 1899 erhielt er die Habilitation (Lehrbefähigung) als Privatdozent für physikalische Chemie. 1906 folgte die Berufung zum Ordinarius für Allgemeine und Organische Chemie an der Universität Stockholm. 1929 wurde Euler-Chelpin Direktor des Instituts für Vitamine und Biochemie an der Universität in Stockholm.

Im Jahr 1929 erhielt Euler-Chelpin gemeinsam mit Arthur Harden den Chemie-Nobelpreis für die Erforschung der alkoholischen Gärung von Kohlenhydraten und die Rolle der dabei beteiligten Enzyme. 1941 erfolgte seine Emeritierung (altersbedingte Befreiung von der Pflicht zur Wahrnehmung der Alltagsgeschäfte). In seinem Ruhestand kümmerte sich Hans von Euler-Chelpin schwerpunktmäßig um die Krebsforschung.

Er war Mitglied in sehr vielen Akademien und erhielt eine Vielzahl von Auszeichnungen. In Augsburg gibt es eine Euler-Chelpin-Straße.

Sein Sohn, Ulf von Euler, wurde ein bekannter Physiologe und erhielt 1970 für seine Forschungen zur chemischen Natur von Noradrenalin an den Synapsen auch einen Nobelpreis. Noradrealin ist -so verstehe ich es- ein körpereigener Botenstoff, der als Stresshormon wirkt.

Karl Albert Gollwitzer

wurde 1839 in Meringerau bei Augsburg, heute Augsburg-Siebenbrunn, geboren. Er war der Sohn des Mauermeisters und Architekten Johann Georg Gollwitzer, der 1839 den ersten Augsburger Bahnhof baute. Im Jahr 1854 fertigte Gollwitzer den Aufriss für das Alte Hauptkrankenhaus an, das zwischen 1856 und 1859 erbaut wurde.

Die Ausbildung von Karl Albert Gollwitzer begann mit dem Besuch der Kreis-Gewerbeschule und Königlich Bayerischen Polytechnischen Lehranstalt Augsburg. 1864 übernahm er das Baugeschäft seines Vaters und betätigte sich als planender Bauingenieur und Architekt.

Karl Albert Gollwitzer war ein vielseitig tätiger Architekt. Seine Aufträge bestanden aus der Wohngebäudeplanung und -ausführung, Stadt- und Verkehrswegeplanung, sowie den Bau von Industrieanlagen und Kasernen. Bekannt wurde er durch seine großbürgerlichen Wohnbauten des Historismus mit orientalischen Stilelementen.

Gollwitzer plante ein „Hafenstadt-Projekt“. Das Hafenstadt-Projekt sah einen Ausbau des Stadtgrabens für Donauschiffe vor. Der Stadtgraben sollte direkt vom Lech bis zur Donau, an das internationale Wasserstraßennetz führen. Für den Industriestandort Augsburg war das Projekt von großer Bedeutung. Es wurde jedoch nicht verwirklicht. Er plante ebenso eine Bahnverbindung von Augsburg bis Innsbruck und weiter zum Brennerpass. Auch dieses Projekt wurde nicht verwirklicht.

Beteiligt war er 1867 beim Bau der Augsburger Kammgarnspinnerei im Augsburger Textilviertel mit Direktorenvillen und Gartenpavillon.

Im Jahr 1880 wurde von Gollwitzer in Augsburg-Göggingen, im Hessingpark, die Hessingburg gebaut. Sie diente als Gästehaus der einstigen Hessingschen Orthopädischen Heilanstalt. Eigentlich ließ Friedrich von Hessing die Burg für Kaiser Wilhelm II. errichten, da er hoffte, daß sich der Kaiser wegen seines verkürzten Armes zu ihm zur Behandlung begeben würde. Kaiserin Auguste Viktoria und Persönlichkeiten aus Politik, Adel sowie „Geldadel“ logierten in der Hessingburg. Das Erdgeschoss wurde als Grotte gestaltet. Der Springbrunnen diente als Quelle der Genesung.

In der Herwartstraße und an der Blauen Kappe entstand 1881 ein Wohnhauskomplex. Von 1885 bis 1890 ist der auf dem Foto abgebildete Wohnbaukomplex mit neugotisch-orientalisierender Putzdekoration in der Volkhartstraße entstanden.

Die Waldkuralpe Nervenheil, eine Gaststätte mit Hotel in Stadtbergen-Leitershofen, entstand 1886 und wurde 1964 abgerissen. Die „Villa Afra“ in Augsburg-Göggingen, mit maurischen Ornamenten am Balkon, ist im Jahr 1890 entstanden.

1894 ließ er in Augsburg-Göggingen, Am Klausenberg, die Villa Gollwitzer errichten.

1896 wurde im Bismarckviertel in der Alpenstraße ein Wohnhauskomplex gebaut.

Im Jahr 1905 verkaufte Gollwitzer seine Firma und zog sich ins Privatleben zurück. Er unternahm zahlreiche Reisen im Mittelmeerraum. Im Jahr 1917 ist er in Augsburg verstorben. Karl Albert Gollwitzer ist zusammen mit seiner Familie auf dem Protestantischen Friedhof an der Haunstetter Straße begraben. Sein Nachlass befindet sich im Architekturmuseum Schwaben.

Jean Keller

hatte eigentlich den Namen Johann Heinrich Cornelius und wurde 1844 in Darmstadt geboren und ist 1921 in Augsburg verstorben.

Jean Keller war ein Architekt des Historismus. Er gehörte zu den bekanntesten Architekten in Augsburg. Keller gestaltete auch Innenräume und entwarf Möbel. Jean Keller erhielt viele Aufträge von Friedrich von Hessing, den Begründer der seinerzeit europaweit größten orthopädischen Kur- und Heilanstalt in Augsburg-Göggingen.

Der Architekt war zusammen mit Karl Albert Gollwitzer für die Kammgarnspinnerei tätig. Keller errichtete ab 1870 zahlreiche Werksgebäude und gab der Fabrik ein einheitliches Erscheinungsbild. Viele Gebäude auf dem einst über 50 Hektar großen Gelände stammten von Jean Keller. Viele sind zerstört. Erhalten ist das Dampfmaschinenhaus von 1893, zwei Direktorenvillen mit Waschhaus, das ehemalige Wasch-und Badehaus der Arbeitersiedlung von 1879, das Sortierungsgebäude im Stil einer „Industrie-Basilika“, der Kopfbau der Nordwestsheds (Dachform) im Stil eines Fabrikschlosses. Hier ist heute das Textilmuseum „tim“ untergebracht.

1875 entstanden zwei Wohnhäuser in der Schaezlerstraße. Im Jahr 1894 erhielt Keller vom Textilunternehmer Martini den Auftrag zum Umbau des „Martini-Palais“. Martini war damals Besitzer der ehemaligen Schüleschen Kattunfabrik.

Die „Haag-Villa, eine Direktorenvilla der ehemaligen „Johannes Haag Maschinen- und Röhrenfabrik AG in der Johannes-Haag-Straße, ist ein Bau der Neurenaissance und wurde von Keller umgebaut. Sie ist heute im Besitz der Stadtwerke Augsburg. Seit 2016 befindet sich im oberen Geschoss Christian Grünwalds Zwei-Sterne-Restaurant „August“.

Weitere Projekte von Jean Keller waren das Mutterhaus und die Kapelle der Evangelischen Diakonissenanstalt, ein neugotischer Backsteinbau, die Vereinigte Schuhfabrik Berneis- Wessels und die Fabrik- und das Verwaltungsgebäude von J.N.Eberle & Cie., der ersten Laubsägenfabrik der Welt, ein Backsteinbau im Jugendstil. Es folgte 1910 der Bau der Versicherungsanstalt für Schwaben, im Stil italienischer Paläste, in der Holbeinstraße 10 und ein Wohngebäude der Versicherungsanstalt Schwaben in der Holbeinstraße 12, in dem sich heute das Sozialgericht befindet.

Seinen größten Auftrag erhielt Jean Keller wohl von

Hofrat Friedrich von Hessing,

dem Gründer der Hessing-Kliniken. Friedrich Hessing, der 1913 zum Ritter von Hessing wurde, ist am 19. Juni 1838 in Schönbrunn bei Rothenburg ob der Tauber geboren und am 16. März 1918 in Göggingen bei Augsburg verstorben. Friedrich von Hessing war Orgelbauer und Pionier auf dem Gebiet der Orthopädietechnik. Er war Besitzer und Leiter der orthopädischen Heilanstalt in Göggingen, des Wildbades Rothenburg, Pächter des Badebetriebes in Bad Kissingen und Bad Bocklet und Eigentümer mehrerer Villen in Bad Reichenhall.

In seinem Auftrag entstanden mehrere Bauten in romanisch-neubarocken Stilformen der Gründerzeit. Das Hauptgebäude der Hessingklinik wurde ab 1868 in der Hessingstraße 17 erbaut und ist bis heute erhalten. Der Ehrenhof, eine Drei-Flügel-Anlage mit „Milchkuranstalt“ am Klausenberg 8, entstand 1875. Der Ostflügel ist noch erhalten.

noch erhaltene Ost- und Südflügel der einstigen Hessing’schen Ökonomie- und Heilanstalt

Wandelhalle mit vier Pavillons im Park der Klinik von 1869

Das Multifunktionstheater am Klausenberg 6, wurde 1885 in Glas-Eisen-Stein-Bauweise errichtet. Es war ein Gesellschaftshaus, Kurhaus, Theater, Palmenhaus und Wintergarten. Es ist das einzige, erhaltene Bauwerk dieser Art aus der Gründerzeit. Von 1988 bis 1998 wurde es originalgetreu restauriert und wird heute von der Parktheater GmbH genutzt.

Die Anstaltskirche St.Johannes, heute Kapelle der Hessing-Klinik in der Wellenburger Straße, entstand 1890. Sie ist außen im Neubarock Stil und innen neugotisch.

Rudolf Christian Karl Diesel

ist am 18. März 1858 in Paris geboren und am 29. September 1913 zuletzt lebend, an Bord des Fährschiffs „Dresden“, auf dem Ärmelkanal bei der Überfahrt von England gesehen worden. Er war ein Ingenieur und Erfinder des Dieselmotors.

Sein Vater war Theodor Diesel, ein Lederwarenhersteller, der in Augsburg geboren war und 1848 nach Paris auswanderte. Nach dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 wurde die Ausweisung aller Nichtfranzosen aus Frankreich angeordnet. Die Familie verließ Paris in Richtung London.

Im November 1870 reiste Rudolf Diesel alleine von London nach Augsburg. Sein Onkel, Christoph Barnickel, ein Professor an der Augsburger Königlichen Kreis-Gewerbeschule, und seine Frau Betty, nahmen ihn für fünf Jahre als Pflegekind auf. Er besuchte die Gewerbeschule seines Onkels und entschied sich im Jahr 1872, Mechaniker zu werden. Er schloss die Gewerbeschule 1873 als Bester ab und besuchte die Industrieschule, einen Vorläufer der Hochschule Augsburg. Als Primus beendete er 1875 diese Ausbildung und begann ein Studium an der Polytechnischen Schule in München, die heutige Technische Universität München. Er wurde Mitglied der Studentenverbindung AMIV (Akademischer Maschinen-Ingenieur-Verein) die Rudolf Diesel später eine Ehrenmitgliedschaft verlieh. Ab 1878 hörte sich Diesel Vorlesungen bei Carl Linde an. Er sammelte Erfahrungen bei der Herstellung von Carl Lindes Eismaschinen. 1880 machte er sein Abschlussexamen an der Technischen Hochschule München mit der besten Leistung seit Bestehen der Hochschule.

Im gleichen Jahr reiste Diesel zur Gründung der Linde’schen Eisfabrik nach Paris und wurde Volontär im Unternehmen. Bereits im folgenden Jahr war er Direktor der Eisfabrik. Sein erstes Patent wurde 1881 angemeldet. Es war ein Verfahren zur Herstellung von Klareis in Flaschen, das zu einem großen Erfolg wurde. 1883 baute er die erste Klareisanlage für die Pariser Eisfabrik. Diesel bekam von Carl Linde eine Anstellung in Berlin angeboten. Er wurde 1890 Vorstand der neu gegründeten Aktiengesellschaft für Markt-und Kühlhallen.

Rudolf Diesel meldete am 27. Februar 1892 ein Patent auf eine „Neue rationelle Wärmekraftmaschine“ beim Kaiserlichen Patentamt zu Berlin an. Er erhielt das Patent am 23. Februar 1893 unter der Nr. DRP 67 207 mit dem Betreff „Arbeitsverfahren und Ausführungsart für Verbrennungskraftmaschinen.

Das erste Patent war die Ausgangsidee von Rudolf Diesel. Sie bestand in einer „Wärmekraftmaschine“ nach der Theorie von Sadi Carnot. Bei dem damals herrschenden Stand der Technik, wurde die Machbarkeit aus technischer Sicht angezweifelt. Die von Diesel berechneten, hohen Drücke galten als nicht beherrschbar. Später wurde genau dies als „Triumph der Theorie“ gesehen.

Diesel ließ sich ein zweites Patent für die Modifikation des ursprünglichen Carnot-Prozesses mit dem Gleichdruckprozess erteilen. Bei seinen ersten Experimenten verwendete Rudolf Diesel Petroleum. Nachdem dies nicht funktionierte, wich er auf Benzin aus, um Zündungen zu erreichen. Weitere technische Einzelheiten zur Funktion eines Motors muß ich, mangels technischem Verständnis, auslassen.

Durch sein Buch „Theorie und Konstruktion eines rationellen Wärmemotors zum Ersatz der Dampfmaschinen und der heute bekannten Dampfmaschinen“ fand Diesel Kontakt zu Heinrich von Buz. Buz war Generaldirektor der Maschinenfabrik Augsburg aus der 1908 die MAN AG (Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg) hervorging. Mit finanzieller Beteiligung von der Firma Friedrich Krupp entwickelte Rudolf Diesel im Jahr 1893 bei MAN den ersten Dieselmotor. Die erste Zündung im Motor gab es am 10. August 1893. Das erste Mal aus eigener Kraft lief der Motor am 17. Februar 1894.

Es folgte die Gründung der Dieselmotorenfabrik Augsburg und der Allgemeinen Gesellschaft für Dieselmotoren. Die ersten Dieselmotoren wurden in den Vereinigten Staaten gebaut und ein Sulzer-Dieselmotor in der Schweiz. Auf der Weltausstellung in Paris wurde der Dieselmotor mit dem Grand Prix ausgezeichnet. Im Jahr 1910 erhielt das Forschungsschiff Fram als erstes Hochseeschiff einen Dieselmotor. 1912 lief in Kopenhagen das erste hochseetüchtige Dieselmotor-Frachtschiff vom Stapel. Die erste Diesellokomotive stammt auch aus dem Jahr 1912.

Am 29. September 1913 ging Rudolf Diesel in Antwerpen an Bord des Fährschiffs Dresden um in London ein einem Treffen teilzunehmen. Nachdem er abends den Esstisch verlassen hatte, wurde er nicht wieder gesehen. Das Bett in seiner Kabine war unbenutzt.

Eine Büste von Rudolf Diesel steht in der Ruhmeshalle in München. In zahlreichen Städten gibt es eine „Rudolf-Diesel-Straße“. Im Augsburger Wittelsbacher Park wurde 1957 ein Rudolf-Diesel-Gedächtnishain, als erster japansicher Weingarten in Deutschland angelegt. Gestiftet wurde der Stein, der von Japan nach Augsburg transportiert wurde, vom Chef der Yanmar-Diesel-Werke, die in den japanischen Städten Amagasaki und Nagahama Dieselmotoren produzieren. In Augsburg gibt es auch das Rudolf-Diesel-Gymnasium.

Karl Goetz

ist 1875 in Augsburg geboren und begann im Alter von 13 Jahren eine Ausbildung beim Graveur Johannes Domina in Augsburg. Mit seinen Gesellenstücken wurde Goetz 1892 von der Stadt Augsburg ausgezeichnet. Als Geselle arbeitete er auf der Walz bis 1897 in Dresden, Leipzig, Berlin und Düsseldorf. Er ging nach Utrecht und danach nach Paris und kehrte 1904 nach München zurück. Seine Arbeiten in Paris schuf er überwiegend im Jugendstil. Er waren vor allem Porträts von Personen des Bürgertums, Ärzten, Industriellen oder kirchlichen Persönlichkeiten. Diese Medaillen gelten als die künstlerisch wertvollsten.

Goetz drückte in vielen seiner Arbeiten die Verbundenheit mit seiner Heimatstadt Augsburg, durch die Abbildung einer Zirbelnuss aus. Er arbeitete auch häufig für Augsburger Auftraggeber. So gestaltete er die Gussform für eine Bronzemedaille mit dem Porträt von Bischof Maximilian von Lingg, eine Bronzegussplakette des Augsburger Turnlehrers Josef Georg Grotz und eine Medaille für das 100-jährige Firmenjubiläum der Lotzbeck’schen Tabakfabrik Augsburg.

Im Ersten Weltkrieg von 1913 bis 1923 erstellte Goetz eine Serie von 82 Medaillen, die heute als die „satirischen Medaillen“ bekannt sind. Einige seiner Medaillen tragen deutlich rassistische Züge. So zeigt eine Prägung „Die schwarze Schande“, eine, an einen behelmten Phallus gefesselte Frau, auf der anderen Seite ist der Kopf eines afrikanischen Soldaten dargestellt. Die Medaille richtete sich gegen die, bei der Besetzung des Rheinlands eingesetzten, afrikanischen Verbände der französischen Armee.

Die bekannteste Arbeit von Goetz ist die Lusitania-Medaille, die die Versenkung des Passagierschiffs RMS Lusitiania durch deutsche U-Boote von 1915 zeigt. Es war ursprünglich eine private Prägung. Als das Exemplar vom britischen Außenministerium entdeckt wurde und die New York Times eine Abbildung veröffentlichte, die großes Aussehen erregte, beschloss die britische Regierung, die Medaille zur Gegenpropaganda zu nutzen. Es wurden über 300.000 Nachprägungen herausgegeben. Sie ist heute weltweit Bestandteil vieler Museumssammlungen.

Versenkung der Lusitiania

Nach der deutschen Niederlage fertigte Goetz kritische Motive. Während der Weimar Republik folgten satirische Medaillen. Er stellte die Putschisten beim Hitlerputsch als tanzende Zwerge mit Hakenkreuz dar, die den Sozialdemokraten in die Hände spielen. Von seiner kritischen Haltung gegenüber den Nationalsozialisten ist in seinen späteren Werken nichts mehr zu sehen. Er passte sich der Kunst im Nationalsozialusmus an. Goetz fertigte Porträt-Medaillen von Politikern, wie Adolf Hitler, Paul von Hindenburg oder Franz von Papen und bekannten Soldaten, wie Manfred von Richthofen an.

Der Sohn von Karl Goetz, Guido Goetz, trat in die Fußstapfen seines Vaters als Medailleur. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden von ihm, unter Anleitung seines Vaters, Erinnerungsmedaillen zu bedeutenden Ereignissen der Nachkriegszeit. Es entstanden Medaillen zur Berliner Luftbrücke, der Währungsreform 1948 und der Gründung der NATO.

Max Welcker

ist 1878 in Augsburg als Sohn einer bekannten Augsburger Musikerfamilie geboren. Welcker hat den Weg seiner Eltern eingeschlagen und wurde zum volkstümlichsten Komponisten von Bayern.

Welcker besuchte die Schule von St. Georg. Er wurde schon mit acht Jahren von seinem Vater im Violine spielen unterrichtet. Mit 10 Jahren wechselte er in die Domschule (heute Gymnasium St. Stephan) und erhielt Klavierunterricht. Max Welcker sollte Lehrer werden, deshalb schicken ihn seine Eltern mit zwölf nach Mindelheim in die Präparandenschule (Vorbereitung zur Volksschullehrerausbildung). Seine Ausbildung führte ihn 1894 zum königlichen Lehrerseminar in Launigen. Aufgrund seiner musikalischen Fähigkeiten wurde er dort zum „Musikwärter“ ernannt und überwachte die Einhaltung der Übungsstunden der Seminaristen, spielte Orgel und dirigierte den Schülerchor. In Lauingen entstanden seine ersten Werke.

Der Musikverlag Anton Böhm & Sohn in Augsburg druckte im Jahr 1902 für Welcker das Marienbild „O heiligste der Frauen, Maria sei gegrüßt“. Dies war der Beginn der Zusammenarbeit mit dem, für Welcker wichtigsten Musikverlag. In den folgenden Jahrzehnten erschienen 495 Werke bei Böhm & Söhne von ihm. Es waren Bearbeitungen anderer Komponisten und Sammlungen, bei denen Welcker als Herausgeber fungierte.

Welcker bereiste ab 1904 die Länder von Europa und lernte viele Chorleiter, Lehrer, Geistliche und Organisten kennen. Nach dem ersten Weltkrieg beschäftigte er sich mit dem Weihnachtslied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ und verarbeitete es z.B. in seiner Weihnachtslegende. Er komponierte mehr als 40 Weihnachtslieder, 13 Weihnachtsspiele für Kinder und Klavierstücke für die Jugend. Ab den 1920er Jahren entstanden mehr als 150 Kompositionen und zahlreiche Bearbeitungen von Werken wie Händel, Haydn, Mozart, Schubert u.a. und es beginnt die Zusammenarbeit mit dem Münchner Humoristen Fredl Weiss. Welcker schrieb „das Lied vom Zwetchg’n-Datschi“ und das Aschauerlied. Beeinflußt von Ferdl Weiss schreibt Welcker zahlreiche humoristische Lieder.

Weit verbreitet wurden seine Kompositionen über den Rundfunk mit dem „Welcker-Quartett“. Es bestand aus Mitgliedern des Kirchenchors von St. Max. Sie präsentierten bis in die 50er Jahre unter der Leitung von Welcker seine einfallsreiche, volkstümliche Musik.

Auch als Chorleiter betätigte sich Welcker. Er leitete die Sängergesellschaft „Einigkeit“ in Haunstetten. Dirigierte das „Sängerkränzchen“ des Vereins „Katholisches Kasino“, leitete die Sängergesellschaft „Lyra“ und dirigierte den Kirchenchor der Pfarrei St. Max. Nach 60 Jahren legte er den Taktstock nieder und wurde zum Ehrenchormeister ernannt. Im Jahr 1948 wurde Max Welcker pensioniert. Er ist 1954 verstorben und wurde im Westfriedhof in Augsburg beerdigt.

Die meisten Ausgaben seiner Werke befinden sich in den Bestandsverzeichnissen der Bayerischen Staatsbibliothek München, der Österreichischen Nationalbibliothek Wien, der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, der Deutschen Nationalbibliothek, der Staatlichen Bibliothek Regensburg und der Schweizer Stiftsbibliothek. Viele seiner Werke sind auf CD’s und beim Musikverlag Böhm & Sohn in Augsburg zu erwerben.

Bertold Brecht

wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg mit dem Namen Eugen Berthold Friedrich Brecht geboren. Er war ein einflussreicher Dramatiker, Librettist und Lyriker des 20. Jahrhunderts.

Ab 1900 wohnte die Familie in der Augsburger Klaucke-Vorstadt, die auch „Bleich“-Viertel genannt wird. Die Wohnung mit sechs Zimmern gehörte zu einer Stiftung der Papierfabrik Haidl Papierfabrik. Hier wohnten hauptsächlich verdiente Arbeiter und Angestellte der Papierfabrik. Die Familie Brecht hatte sogar ein Dienstmädchen. Zu den Aufgaben von Brecht’s Vater zählte die Verwaltung der Stiftung.

Brecht besuchte ab 1904 die Volksschule und ab 1908 das Augsburger Realgymnasium, heute Peutinger Gymnasium. Er brachte gute, wenn auch nicht sehr gute Zeugnisse nach Hause. Brecht erhielt Klavier-, Geigen- und Gitarrenunterricht. Bereits früh litt er unter Herzbeschwerden und hatte deshalb einige Kuraufenthalte.

Mit fünfzehn Jahren gab Brecht mit seinem Freund, Fritz Gehweyer, die Schülerzeitung „Die Ernte“ heraus, in der er die meisten Beiträge selbst verfasste. Brecht schrieb für die Schülerzeitung Gedichte, Prosatexte und ein einaktiges Drama „Die Bibel“. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 schrieb er für lokale und regionale Medien meist patriotische Reportagen von der Heimatfront, Gedichte und Prosatexte. Er bezeichnete sie als „Augsburger Kriegsbriefe“, die in der München-Augsburger-Abendzeitung und den Augsburger Neuesten Nachrichten veröffentlicht wurden. In den Zeitungen gab es eine literarische Beilage „Der Erzähler“, in der er seine Beiträge mit „Berthold Eugen“ zeichnete.

Brecht ließ in seinen Texten bald von der patriotischen Verklärung des Krieges ab, die Produktion für die Lokalzeitungen ließ nach. Brecht schrieb einen Aufsatz über den Horaz-Vers „Süß und ehrenvoll ist’s, fürs Vaterland zu sterben“. Wegen des Aufsatzes mußte er beinahe das Gymnasium verlassen. Ab 1916 entstanden von Brecht 14 Gedichte, die 1927 in die Sammlung „Bertolt Brechts Hauspostille“ aufgenommen wurden. Für die 14 Gedichte schrieb er Noten dazu. Sein erstes Lied war von der „Eisenbahntruppe Fort Donald“.

Caspar Neher war der beste Freund von Brecht. Neher war bis zu Brechts Tod sein Grafiker, vor allem Bühnenbildner und enger Mitarbeiter. Zu seinen Freunden zählten auch Georg Pfanzelt und der Mediziner, Schriftsteller und Volkskundler Hanns Otto Münsterer. Zusammen entwarfen sie Texte, Gedichte und Melodien von Liedern, die Brecht dann mit seiner Gitarre vortrug. Lion Feuchtwanger, der Schriftsteller vom bekannten Roman „Jud Süß“, dem Finanzrat von Herzog Karl Alexander von Ludwigsburg, gehörte ebenso zu den Freunden von Brecht. Mit ihm zusammen schrieb er „Leben Eduards des Zweiten von England“. Seine literarischen Texte mußten für ihn einen „Gebrauchswert“ haben.

In Zusammenarbeit mit Kurt Weill entstanden eine Reihe von sogenannten Lehrstücken mit avantgardistischer Musik. Es entstand das Stück „Lindberghflug“, die Schuloper „Der Jasager“ und nach einer Diskussion mit Schülerinnen und Schülern „Der Neinsager“ und „Die Maßnahme“.

Bertold Brecht schrieb 1928 die „Dreigroschenoper“, die von Kurt Weill vertont wurde. Es war eine der größten Theatererfolge der Weimarer Republik. 1928 lernte Brecht den österreichischen Komponisten, Hanns Eisler kennen, der zum wichtigsten Komponisten seiner Stücke und Lieder wurde. Aus der Bekanntschaft wurde eine enge Freundschaft und eine der wichtigsten Dichter-Musiker-Partnerschaften des 20. Jahrhunderts.

Unter den Nationalsozialisten 1930 wurden Brechts Aufführungen ständig gestört. Im Jahr 1933 wurde eine Aufführung von der Polizei unterbrochen und der Veranstalter des Hochverrats angeklagt. Brecht floh mit seiner Frau, Helene Weigel, die er 1930 geheiratet hatte, nach Prag, Wien, Zürich und Paris und schließlich nach Dänemark. Brecht stand auf der „Schwarzen Liste“. Seine Bücher wurden 1933 verbrannt und verboten. Die deutsche Staatsbürgerschaft wurde ihm 1935 aberkannt. 1941 erhielt er ein Einreisevisum für die USA. Hier lebte er fünf Jahre in der Nähe von Hollywood. Brecht wollte im Filmgeschäft als Drehbuchautor arbeiten. Dies gelang ihm aber auf Grund seiner Abneigung gegenüber den USA und seiner Abkapselung nicht. Er hatte keine Möglichkeiten zu literarischer oder politischer Arbeit und bezeichnete sich als „Lehrer ohne Schüler“.

Nach dem Kriegseintritt der USA musste sich Brecht als feindlicher Ausländer registrieren lassen und wurde vom FBI überwacht. Am 30. Oktober 1947 wurde Brecht vom „Ausschuss für unamerikanische Umtriebe“ befragt. Einen Tag später reiste er nach Paris und später nach Zürich. Hier hielt er sich ein Jahr auf, da die Schweiz das einzige Land war, in dem er eine Aufenthaltserlaubnis erhielt.

1948 kam Brecht auf Einladung des „Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ in die sowjetischen Besatzungszone nach Ostberlin. Eine Einreise in die westlichen Besatzungsgebiete blieb ihm untersagt. Zusammen mit Erich Engel inszenierte Brecht das Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“. Die Premiere 1949 war ein außerordentlicher Erfolg. Im gleichen Jahr begann er mit der Arbeit am „Jedermann“.

Im Oktober 1951 erhielt Brecht den Nationalpreis der DDR I. Klasse. Es hiess: Brecht habe mit seinen Werken geholfen „den Kampf für Frieden und Fortschritt und für eine glückliche Zukunft der Menschheit zu führen“. 1952 ist er in ein Haus in Buckow eingezogen und erklärte: „Ich gehöre jetzt zu einer neuen Klasse – den Pächtern“.

Im März 1954 eröffnete Brecht mit seiner Frau, Helene Weigel, das Theater am Schiffbauerdamm mit Molières „Don Juan“. Das Theater wurde zur Spielstätte des, von Weigel und Brecht gegründeten, „Berliner Ensembles„. Im Dezember 1954 wurde Brecht mit dem Internationalen Stalin-Friedenspreis ausgezeichnet. Brecht wurde Vizepräsident der deutschen Akademie der Künste.

Theater am Schiffbauerdamm am Bert-Brecht-Platz

Bertolt Brecht ist am 14. August 1956 verstorben und wurde, nach seinem eigenen Wunsch, im Dorotheenstädtischer Friedhof in der Chauseestraße 126, in der Nähe von seinem Wohnhaus in der Berliner Chauseestraße 21 beerdigt. Auch seine 1971 verstorbene Frau, Helene Weigel-Brecht, wurde hier beerdigt.

Das Leben und die Werke von Bertold Brecht sind so umfassend und interessant, daß ich sie in unserem Blog nur in Stichpunkten wiedergeben kann.

Brechts Nachlass besteht aus mehr als 500.000 Brecht-Dokumenten. Darunter sind 200.000 Handschriften und Manuskripte. Sie gehört als Dauerleihgabe zum Archiv der Akademie der Künste in Berlin. Der gesamte Nachlass ist einer der umfangreichsten literarischen Nachlässe in deutscher Sprache.

Das Brecht-Weigel-Museum wurde zu Brechts 80. Geburtstag, am 10. Februar 1978, in der Chauseestraße 125 in Berlin eröffnet. Jeweils drei Räume der Wohnungen sind im Originalzustand erhalten.

Sein Geburtshaus „Brechthaus“ in Augsburg, ist seit 1990 eine Gedenkstätte und Museum. Seit 2006 wird in Augsburg jährlich das „Brechtfestival“ veranstaltet.

Auch in Dänemark, in der Stadt Svendborg, wird vom dortigen Brechtverein das „Brecht hus“ als Künstler und Forscherwohnung zur Verfügung gestellt. Hier hielt sich die Familie Brecht während ihrer Flucht auf.

In der Märkischen Schweiz in Bockow nahe Berlin, findet man ebenfalls eine Gedenkstätte, das „Brecht-Weigel-Haus“. Es erinnert mit Ausstellungen und Veranstaltungen an den Autor der „Buckower Elegien“.

Bebo Wager

Josef „Bebo“ Wager wurde am 29. Dezember 1905 in Augsburg geboren. Wager war ein deutscher Widerstandskämpfer.

Bebo Wager machte eine Ausbildung zum Dreher bei der Firma Riedinger in Augsburg. 1923 wurde er Mitglied im Metallarbeiterverband. Nach der Ausbildung arbeitete er zuerst als Dreher und später als Elektriker bei der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN).

Im Alter von 17 Jahren trat er in die sozialistische Arbeiterjugend ein. Hier war er Ortsgruppenleiter in der Jakobervorstadt im Jugendausschuss der Sozialdemokratischen Partei Deutschland tätig. Im Jahr 1934 begann sein Engagement für die Widerstandsgruppe „Revolutionäre Sozialisten“. Wager wurde 1942 verhaftet. Im Prozeß vor dem Volksgerichtshof in Innsbruck wurde er 1943 wegen Hochverrats zum Tod verurteilt. Im Stadelheimer Gefängnis in München wurde Bebo Wager am 12. August 1943 hingerichtet.

Bebo Wager ist in einem Ehrengrab im Augsburger Westfriedhof bestattet. In Augsburg ist im Stadtteil Pfersee eine Straße nach ihm benannt. Ein Berufsschulzentrum trägt auch seinen Namen. Die Arbeiterwohlfahrt in Augsburg unterhält eine, nach Bebo Wager benannte Einrichtung für physisch Kranke.

Die Augsburger SPD, die Arbeiterwohlfahrt Augsburg und Schwaben verliehen anläßlich des 100. Geburtstags den Bebo-Wager-Preis. Mit dem Preis wurden Schülerprojekte ausgezeichnet, die sich mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzten.

Magda Schneider

hiess mit vollem Namen Magdalena Maria Schneider und ist am 17. Mai 1909 in Augsburg geboren. Die Schauspielerin war die Mutter von Romy Schneider.

Sie wohnte mit ihren Eltern in den Augsburger Stadtteilen Kriegshaber und Firnhaberau. Magda Schneider besuchte eine katholische Realschule und später die Handelsschule. Danach arbeitete sie als Stenotypistin in einer Getreidehandlung in Augsburg.

Am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg absolvierte Magda Schneider eine Gesangsausbildung und lernte am Augsburger Stadttheater Ballett. Ihre ersten Auftritte hatte sie am Stadttheater in Augsburg und am Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz als Soubrette. Vom österreichischen Liedertexter Ernst Marischka wurde sie an das Theater an der Wien berufen.

Im Jahr 1930 wurde Magda Schneider für den Film entdeckt. 1935 ist sie nach Schönau an am Königssee ins „Haus Mariengrund“ gezogen. Bei Dreharbeiten lernte sie ihren ersten Ehemann Wolf Albach-Retty kennen, den sie 1937 heiratete. Aus dieser Ehe stammt Rosemarie, genannt Romy, und Wolf-Dieter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sie erst 1950 wieder Filmangebote. Ihr Interesse galt nun hauptsächlich der Karriere ihrer Tochter, mit der sie mehrere Filme drehte. Zusammen spielten sie in „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“, „Mädchenjahre einer Königin“, „Robinson soll nicht sterben“, „Die Deutschmeister“ und den drei „Sissi“-Filmen.

Magda Schneider wurde 1982 mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet. Sie lebte bis zu ihrem Tod 1996 in Schönau am Königssee und wurde dort auf dem Bergfriedhof beerdigt.

Anna Lang

ist am 5. Mai 1911 in Augsburg Lechhausen geboren und hier am 27. September 2019 verstorben. Mit ihren 108 Jahren war sie die zweitälteste Augsburgerin. Sie wurde bekannt durch den Dokumentarfilm „Wie ich 107 wurde“, aus der Reihe Lebenslinien.

Anna Lang arbeitete im Alter von 13 Jahren in der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg als Weberin. Später trat sie als Schauspielerin auf. Anna Lang spielte in Theaterstücken, rezitierte Melodramen mit Klavier- und Orgelbegleitung und trat im Konzertsaal Ludwigsbau in Augsburg auf.

Bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) war sie 55 Jahre Mitglied. Im hohen Alter von 108 besuchte sie noch die Versammlungen AWO. Mit 105 berichtete sie als Zeitzeugin von ihrer Tätigkeit als Weberin im Augsburger Staatlichen Textil- und Industriemuseum.

Anna Lang ging mit 107 Jahren wöchentlich zum Turnen, tanzte, kochte selbst, benutzte ein Smartphone und ist leidenschaftlich gerne Kettenkarussell gefahren. Mit 81 Jahren wurde sie Witwe und sagte: „Erst danach fing mein Leben an“.

Hans Sachs

ist am 26. Februar 1912 in Augsburg geboren. Er war Jurist und Oberstaatsanwalt. Bekannt wurde Sachs durch seine Fernsehauftritte in der Ratesendung „Was bin ich?“ mit Robert Lembke. Er formulierte seine Fragen immer mit „gehe ich recht in der Annahme?“ und hatte immer eine Fliege an.

Hans Sachs gehörte, neben Eduard Zimmermann, zu den Begründern des Opferhilfevereins „Weißer Ring“.

Ernst Lehner

ist am 7. November 1912 in Augsburg geboren und am 10. Januar 1986 in Aschaffenburg verstorben. Er war ein Fußballspieler für Schwaben Augsburg und während der Zweiten Weltkriegs für Blau-Weiß 90 Berlin aktiv.

Lehner war Mitglied der Breslau-Elf, die 1937 beim Spiel in Breslau Dänemark mit 8:0 schlug. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1934 in Italien hatte er seinen größten sportlichen Erfolg. Er war mit der deutschen Nationalmannschaft auf dem dritten Platz. Insgesamt war Lehner von 1933 bis 1942 65 Mal im Einsatz. Durch seine Schnelligkeit und präzisen Flanken wurde er in den Kader zur Fußball-Weltmeisterschaft 1934 in Italien berufen. Beim Spiel in Neapel um den dritten Platz, erzielte er sein erstes Tor. Das Tor fiel bereits nach 25 Sekunden, das Spiel für Deutschland endete mit einem Sieg von 3:2. Ernst Lehner erzielte in seinen 31 Länderspielen 31 Tore und war sowohl Rekordnationalspieler des DFB von 1936 bis 1941 als auch Rekordschütze in der Kriegszeit. Bis zum Jahr 2006 gehörte er zu den Top-10-Torjägern der Nationalmannschaft. Durch Tore von Miroslav Klose und Michael Ballack fiel er auf Platz elf zurück.

Von 1945 bis 1947 spielte Lehner wieder für Schwaben Augsburg und erzielte in 48 Spielen 19 Tore. Nachdem ihn im städtischen Sportamt in Aschaffenburg eine Stelle angeboten wurde, wechselte er zu Viktoria Aschaffenburg. Für Aschaffenburg bestritt er 40 Oberligaspiele, in denen er vier Tore erzielte. 1952 beendete Ernst Lehner seine Spielertätigkeit und wurde Trainer in Aschaffenburg.

Sein Stammverein, Schwaben Augsburg, gab ihrem Stadion den Namen Ernst-Lehner-Stadion. 1971 erhielt Ernst Lehner das Bundesverdienstkreuz am Bande. 1972 wurde ihm der Ehrenbrief der Stadt Aschaffenburg verliehen.

Ernst Cramer

wurde 1913 in Augsburg geboren. Er war Journalist und Vorstandsvorsitzender der Axel-Springer-Stiftung.

Der Vater von Ernst Cramer war der jüdische Unternehmer Martin Cramer, der 1922 zusammen mit Bertolt Brecht die Literarische Gesellschaft Augsburg gründete. Martin Cramer verarmte während der Weltwirtschaftskrise, so daß sein Sohn Ernst die Schule nicht abschließen konnte. Ernst Cramer mußte arbeiten, um Geld für seine Familie zu verdienen. Sein Wunsch Lehrer zu werden, blieb unerfüllt.

Ernst Cramer war Mitbegründer des Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend. 1938 wurde er im Konzentrationslager Buchenwald interniert. Im Jahr 1939 konnte er in die Vereinigten Staaten emigrieren. Sein Bruder und seine Eltern wurden ermordet.

In den Staaten arbeitete Cramer auf einer Farm für Flüchtlinge und nahm ein Studium am Mississippi State College auf. Nach Kriegsende kehrte Cramer nach Deutschland zurück.

Ernst Cramer wurde 1948 stellvertretender Chefredakteur der Neuen Zeitung München. Es war eine amerikanische Zeitung für die deutsche Bevölkerung. Ab 1954 arbeitete er in den Vereinigten Staaten bei der Nachrichtenagentur UP. Im Jahr 1958 erhielt Cramer vom Axel Springer Verlag eine Anstellung und wurde stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“. Ernst Cramer war engster politischer und publizistischer Mitarbeiter sowie Ratgeber von Axel Springer.

Ernst Cramer ist am 19. Januar 2010 verstorben. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof im Augsburger Stadtteil Hochfeld beigesetzt. In Augsburg benannte man eine Straße nach ihm. Zu seinen vielen Ehrungen zählt das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland und die Ehrenbürgerschaft der Stadt Augsburg.

George Bush sen. zum Tod von Ernst Cramer - Politik - Bild.de

Sepp (Josef) Mastaller

ist am 30. September in Augsburg-Oberhausen geboren und am 26. September 2004 in Stadtbergen nahe Augsburg verstorben. Er war Bildhauer.

Nach seiner Ausbildung zum Steinmetz und Bildhauer besuchte Mastaller die Kunstschule Augsburg und studierte ab 1935 in München, an der damaligen Staatsschule für angewandte Kunst. Mastaller konnte, bedingt durch seine Kriegsgefangenschaft, erst ab 1948 seine Tätigkeit als Bildhauer wieder aufnehmen.

Sepp Mastaller bereiste, außer vielen europäischen Ländern auch Ceylon, Indien, Thailand und Kambodscha. Ab 1947 gehörte er dem Vorstand der Augsburger Künstlervereinigung „Die Ecke“ an.

Mastaller hat mehr als 50 Brunnen, viele Skulpturen und Werke für sakrale Bauten geschaffen. Er arbeitete mit Bronze, Stein oder Beton. Seine Werke stehen in deutschen Städten, in Japan und den USA.

Sepp Mastaller erhielt 1967 den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg. Im Stadtteil Augsburg-Kriegshaber wurde eine Straße nach ihm benannt.

Mutter und Kind in Augsburg-Kriegshaber

Wolfgang Lettl

ist am 18. Dezember 1919 geboren. Er war ein surrealistischer Maler.

Als Wolfgang Lettl im Zweiten Weltkrieg seinen Wehrdienst ableistete, war er als Nachrichtensoldat in Paris. Hier lernte er die surreale Kunst kennen und malte in seiner Freizeit Aquarelle.

In Augsburg arbeitete er von 1945 bis 1948 als freischaffender Kunstmaler und machte seine ersten surrealistischen Versuche. Später mußte er seinen Lebensunterhalt als Bau- und Lagerarbeiter verdienen. Ab 1954 war er wieder als freischaffender Maler im Bereich Wandmalerei, Sgraffto (Dekorationstechnik), Mosaik, Farbfenster und Porträt tätig. Während dieser Zeit entwickelte er seinen eigenen surrealen Stil.

Sgraffito

Ab 1963 hat Lettl an der Großen Kunstausstellung in München, im Haus der Kunst teilgenommen. Er wurde Mitglied der „Neuen Münchener Künstlergenossenschaft“. Das Licht in seinem Zweitwohnsitz in Italien inspirierte ihn zu impressionistischen Bildern. Von 1986 bis 1990 gestaltete Lettl die Titelseiten der Buchbeilagen für „Die Welt“.

Manfredonia im italienischen Apulien

1992 machte Wolfgang Lettl anläßlich einer Ausstellung in der Toskanischen Säulenhalle im Augsburger Zeughaus der Stadt Augsburg das Angebot, eine Auswahl seiner Bilder als Dauerleihgabe zu überlassen. Im gleichen Jahr wurde der „Verein zur Förderung surrealer Kunst e.V.“ gegründet. Durch den Verein soll das Werk Lettls erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ein Lettl-Atrium „Museum für surreale Kunst“, ist in den Räumen der Industrie- und Handelskammer Schwaben in Augsburg entstanden.

Im Jahr 2000 fand eine große Sonderausstellung über Lettls Lebenswerk „Lettl-80 Jahre“ statt. In diesem Zusammenhang entstand das Projekt „Lettl in motion“, in dem fünf Multimedia-Studenten der Hochschule Augsburg das Werk Lettls multimedial umsetzten.

Wolfgang Lettl verstarb am 10. Februar 2008. Er wurde auf dem katholischen Friedhof an der Hermanstraße in Augsburg beigesetzt. An seinem Grab ist eine Bronzefigur seines Sohnes Florian Lettl.

Zu seinem Nachlass zählen über 1000 Werke, circa 500 im Stil des Surrealismus. 2019 wurde das „Lettl-Museum für surreale Kunst“ in der Zeuggasse 9 in Augsburg eröffnet.

Werner Haas

ist am 30. Mai 1927 in Augsburg geboren. Haas war Motorradrennfahrer und drei Mal Motorradweltmeister auf NSU. Die Rennfahrerkariere von Werner Haas begann auf einer alten NSU 500 SS (NSU Bullus).

Otto und Werner Haas

Josef (Sepp) Wiedemann, ein Augsburger Ardie-Händler unterstützte den Rennfahrer. Wiedemann stellte ihm seine Werkstatt sowie eine 125-cm³-Ardie zur Verfügung und vermittelte ihm eine Stelle als Versuchsfahrer bei Ardie.

NSU Bullus

1952 fährt Werner Haas einen Eigenbaurahmen mit 125 cm³ Puch 2-Vergaser Motor. Mit dieser Maschine erringt Haas beim Feldbergrennen den 4. Platz hinter drei NSU Werksmaschinen und erregt Aufsehen bei der NSU Rennleitung. Als die Werksfahrer von NSU im Jahr 1952 im Training beim Solitude-Rennen gestürzt waren, bekam Werner Haas am Abend vor dem Rennen eine Rennfox von NSU angeboten. Haas nahm das Angebot an, konnte die internationale Konkurrenz schlagen und gewann das Rennen. Dies war sein Durchbruch. Haas erhielt einen Vertrag als Werksfahrer bei NSU.

Bei der Motorrad-Weltmeisterschaft im Jahr 1953 war Werner Haas auf der Rennfox in der 125-cm³-Klasse und der Rennmax in der 250-cm³-Klasse unschlagbar. Haas wurde Weltmeister und deutscher Meister in beiden Klassen. Durch seinen Erfolg wurde er zum Sportler des Jahres gewählt.

Werner Haas gewann 1954 nochmals die 250-cm³-Weltmeisterschaft. Sein Teamkollege Rupert Hollaus, holte sich den Titel in der 125er-Klasse. Hollaus ist beim Training vor dem Rennen in Monza im gleichen Jahr tödlich verunglückt. Im gleichen Jahr erhielt Werner Haas von Bundespräsident Theodor Heuss das Silberne Lorbeerblatt überreicht. Dies ist in der Bundesrepublik Deutschland die höchste staatliche Auszeichnung für einen Sportler.

Im Jahr 1956 zog sich Haas vom Zweiradsport zurück. Mit seinem, aus zwei Unfallwagen, selbst gebauten Mercedes-Benz 300 SL „Gullwing“, nahm er noch am Rallyesport teil. Im gleichen Jahr erwirbt Haas eine Privatpiloten-Lizenz und beginnt mit der Fliegerei.

Am 13. November 1956 führte Werner Haas auf dem Flugplatz in Neuburg an der Donau Wartungsarbeiten am Motor seiner Jodel D9 aus. Haas flog eine Platzrunde zum Testen. Beim Landeanflug stürzte seine Maschine aus einer Höhe von 50 Metern ab. Dieser Absturz beendete das Leben des erfolgreichsten deutschen Motorradrennfahrers.

Werner Haas wurde im Augsburger Nordfriedhof beerdigt. In Augsburg und Neckarsulm wurde eine Straße nach ihm benannt.

Ernst Ammann

ist am 11. Oktober 1928 in Augsburg geboren und am 1. Januar 1982 auch in Augsburg gestorben. Ammann war Bühnenbildner und Schauspieler.

In München studierte Ammann Bühnenbildner. Nach dem Studium wurde er Ausstattungsassistent am Staatstheater in Stuttgart. Später arbeitete er als Bühnenbildner am Landestheater Tübingen. Als er ans Theater in Reutlingen wechselte, begann er mit dem Schauspiel in meist komischen Rollen. Am Theater in Ulm wurde Ammann Ausstattungsleiter und war auch als Schauspieler tätig.

Als Ammann zur Augsburger Puppenkiste wechselte, wurde er dem breiten Publikum bekannt. Ernst Ammann entwarf für die Puppenkiste die Fernsehausstattung. Vielen Figuren lieh er seine Stimme. Er sprach für „Schusch den Schuhschnabel“ in Urmel auf dem Eis, den „Roten Heini“ in Bill Bo und seine Kumpane, den „Klamotte“ in Klo-Kla-Klawitter und das böse Erdmännchen „Quere“ in Kleiner König Kalle Wirsch.

Fernsehen: Gangsta-Rapper im Schweinekostüm - Kino - FAZ
Schusch der Schuhschnabel

Arthur Brauss

ist am 24. Juli 1936 in Augsburg geboren und lebt heute in München-Schwabing. Er ist Schauspieler und Synchronsprecher.

Als Jugendlicher war Brauss ein talentierter Stabhochspringer. Er brachte es 1954 bis zum deutschen Jugendmeister. In Augsburg machte Brauss das Abitur und absolvierte anschließend eine kaufmännische Lehre. Von der University of Wyoming (USA) erhielt Brauss ein Stipendium und studierte Mathematik und Volkswirtschaft. Auf der Studentenbühne von der Uni entdeckte Brauss sein Interesse für die Schauspielerei.

1960 kehrte Brauss nach Deutschland zurück und arbeitete bei Infratest und Radio Free Europa. Unter der Regie von Rolf Hädrich gab er 1963 sein Kinodebüt im Film „Verspätung in Marienborn“ unter dem Namen „Art Brauss“. Als Erster Offizier auf einem Schiff trat „Art Brauss“ in der Kinderserie „Timm Thaler“ 1979 auf.

Bundesweit bekannt wurde Brauss als Polizeibeamter „Richard Block“ in der Fernsehserie „Großstadtrevier“. Er spielte in neun Tatort- und zehn Folgen von „Der Alte“ mit. Im Café Meineid, Münchner Geschichten und und und hatte Arthur Brauss Gastauftritte. Vom Fernsehen hat sich Brauss zurückgezogen und arbeitet vorwiegend am Theater.

Ruth Gassmann

ist am 1. März 1935 in Augsburg geboren und am 7. August 2020 in München verstorben. Sie war eine Schauspielerin, Sängerin und Regierassistentin.

Ruht Gassmann machte eine Schauspiel- und Gesangsausbildung. 1956 assistierte sie im Film „Durch die Wälder, durch die Auen“. Ihre erste tragende Rolle hatte sie im Jahr 1963 als Ärztin im Kinofilm „Teufel im Fleisch“, in dem das Thema Geschlechtskrankheiten aufgegriffen wurde.

1964 belegte sie die weibliche Hauptrolle bei „Die Baßgeige“. Bekannt wurde Ruth Gassmann im Jahr 1967, als sie die Hauptrolle im Aufklärungsfilm „Helga“ bekam. Der Film wurde auf Veranlassung von Käthe Strobel, der damaligen Gesundheitsministerin, gedreht. „Helga“ wurde zum Kassenschlager mit fast fünf Millionen Kinobesuchern in einem Jahr in Deutschland. Weltweit haben den Film 40 Millionen Menschen gesehen.

Wen wundert es, denn der Film, in dem die Vorschau viel nackte Haut zeigte, wurde von einem Sprecher als „der Film, auf den Sie schon immer gewartet haben“, angekündigt. Bei der Darstellung des Geburtsvorgangs im Film, sind viele Zuschauer in Ohnmacht gefallen. Dies führte dazu, daß bei den Vorführungen das „Deutsche Rote Kreuz“ anwesend war.

Ruth Gassmann - IMDb

Kurt F. Viermetz

ist am 27. April 1939 in Augsburg geboren worden. Er war Bankmanager.

Viermetz besuchte das Klosterinternat der Knabenrealschule Heilig Kreuz der Herz-Jesu-Missionare in Donauwörth. Anschließend machte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und arbeitete dann bei der Deutschen Bank AG. Zu J.P. Morgan & Co. wechselte er 1965. Hier leitete Viermetz das internationale Geschäft der Pariser Niederlassung als Vice President. Ab 1977 war Viermetz für den weltweiten Devisenhandel von J.P.Morgan in New York City verantwortlich. 1980 wechselte er in die Frankfurter Niederlassung der Bank und war für das kontinentaleuropäische Geschäft von J.P. Morgan zuständig. 1990 wurde er zum Vice Chairman des Boards of Directors (Vizepräsident des Verwaltungsrats) der J.P. Morgan Gruppe berufen, dem er bis 1999 angehörte.

Es folgte von 1999 bis 2002 der Vorsitz im Aufsichtsrat der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und ab 2003 wurde Viermetz Aufsichtsratsvorsitzender der Hypo Real Estate Holding AG.

Die Hypo Real Estate Holding AG geriet in der Bankenkrise von 2008 in eine Liquiditätskrise und wurde verstaatlicht. Nachdem der Vorstandsvorsitzende der Hypo Real Estate Holding seinen Rücktritt erklärt hatte, trat auch Viermetz als Vorsitzender das Aufsichtsrats zurück. Auch vom Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Börse, das er seit 2005 innehatte, trat Viermetz 2008 zurück.

Gegen ihn und andere Manager der Hypo Real Estate Holding AG Bank wurde im Rahmen der Verstaatlichung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, das jedoch eingestellt wurde.

Kurt F. Viermetz, der Mäzen der Stadt Augsburg wurde Ehrenbürger von Augsburg. Er gehörte dem Kuratorium des Vereins „Atlantik-Brücke“ an und war Stiftungsvorstand in der von ihm und seiner Ehefrau am 16. Dezember 2003 gegründeten „Kurt und Felicitas Viermetz“ Stiftung. Er verstarb am 25. November 2016 in München und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Hermanfriedhof in Augsburg.

Das Maximilianmuseum Augsburg erhielt aus dem Vermächtnis von Viermetz seine umfangreiche Sammlung von Gold- und Silberexponaten, die Werke aus der Zeit der Renaissance, des Barock und des Rokoko enthält. Im Maximilianmuseum gibt einen „Viermetzhof“, in dem die berühmten Originalplastiken der Augsburger Prachtbrunnen aufgestellt sind. Der „Viermetzhof“ zählt zum Glanzpunkt im Maximilianmuseum.

Kurt F. Viermetz erhielt im Jahr 2000 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 2004 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Augsburg und 2007 den Bayerischen Verdienstorden.

Helmut Haller

ist am 31. Juli 1939 in Augsburg geboren. Er war Fußballspieler. Haller begann 1948 mit dem Fußballspiel in der 4. Schülermannschaft des BC Augsburg. Helmut Haller galt als Nachwuchstalent. Er kam 1957 in die erste Mannschaft des BC Augsburg und erzielte sein erstes Punktspiel-Tor beim Auswärtsspiel gegen die Offenbacher Kickers.

Bereits 1962 wechselte Helmut Haller für ein „Handgeld“ von 300.000 DM zum italienischen Erstligisten FC Bologna. In der Saison 1963/64 wurde er mit der Mannschaft des FC Bologna italienischer Meister. Durch Vermittlung von Vereinspräsident und Fiat-Boss, Giovanni Agnelli, wechselte Haller 1968 zu Juventus Turin. Mit Helmut Haller wurde „Juve“ 1971/72 und 1972/73 italienischer Meister. 1974 kam Juventus Turin bis ins Endspiel der Landesmeister um den Europapokal, mußte sich aber gegen Ajax Amsterdam mit 0:1 geschlagen geben. Daraufhin kehrte Haller wieder nach Deutschland zurück.

In Augsburg hatte der BCA und der TSV 1847 Schwaben Augsburg zwischenzeitlich zum FC Augsburg fusioniert. Die Rückkehr von Helmut Haller löste in der gesamten Region eine wahre Fußballbegeisterung aus. Das Rosenaustadion war bei Heimspielen ausverkauft. Das Spiel gegen TSV 1860 München, im Münchner Olympiastadion wollten mehr Zuschauer sehen, als Plätze vorhanden waren.

Von 1974 bis 1976 spielte Haller in der neu geschaffenen 2. Bundesliga für den FCA. Dem Sportidol Haller verdanken der BCA und FCA insgesamt 96 Tore. Sein letztes Heimspiel bestritt er am 28. April 1979 mit einer 1:2 Niederlage gegen den TSV 1860 München.

Helmut Haller spielte in der deutschen Fußballnationalmannschaft von 1958 bis 1970 und erzielte in 33 Länderspielen 13. Treffer.

Helmut Haller – Wikipedia
Briefmarke aus Adschman, Vereinigte Arabische Emirate

2014 wurde der Bahnhofsvorplatz im Stadtteil Augsburg-Oberhausen offiziell in den Helmut-Haller-Platz umbenannt. Der Platz befindet sich gegenüber seinem Elternhaus.

Helmut Haller ist am 11. Oktober 2012 verstorben. Er wurde auf dem Nordfriedhof in Augsburg beerdigt. Unter den vielen Trauernden waren die Nationalmannschaftskollegen Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Hans Tilkowski und Sepp Maier sowie die, fast komplette Augsburger Meistermannschaft von 1973/74. Wolfgang Niesbach, DFB-Prädisent, verlas eine Kondolenzbotschaft des UEFA-Präsidenten, in der er Haller eine „Legende“ nannte. Die italienischen Vereine Juventus Turin und FC Bologna entsandten eine Delegation. Der Sprecher des FC Bologna sagte: „er war der größte Spieler, den wir je gehabt haben“.

Zu seiner Erinnerung spielte die deutsche Fußballnationalmannschaft am 12. Oktober 2012 in Dublin bei der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 mit Trauerflor. Mit einer Gedenkminute am 16. Oktober 2012, vor den Spiel Deutschland-Schweden, wurde Haller im Berliner Olympiastadion geehrt.

Der Ball des WM-Finales von 1966

In die Schlagzeilen der „The Sun“ kam Helmut Haller nach dem Endspiel bei der WM 1966 zwischen England und Deutschland durch den „Turnierball“. Bei dem Spiel wurde Deutschland Zweiter, bei einem Spielstand von 4:2 nach Verlängerung. Die Pflichten des Schiedsrichters wären nach Schlusspiff gewesen, den Ball in Empfang zu nehmen und dem Schützen des Hattricks als Souvenir zu übergeben. Nach dem Schlusspfiff schnappte sich aber Haller den Ball und erklärte dem Schiedsrichter, daß nach deutschen Gepflogenheiten der Verlierer eines Endspiels den Ball bekäme. Mit dem Ball unter dem Arm schüttelte er Königin Elisabeth II. die Hand, als er die Silbermedaille erhielt. Bei den anschließenden Festlichkeiten ließ Haller noch einige Persönlichkeiten wie Uwe Seeler, Bobby Moore und Pelé auf dem Ball unterschreiben.

Der ″Ball-Dieb″ von Wembley | Sport | DW | 21.07.2009

Zuhause schenkte er den Ball seinem Sohn Jürgen zum fünften Geburtstag. Gelegentlich wurde mit dem Fußball auch gespielt und an Gastwirte oder Geschäftsleute ausgeliehen.

Im Jahr 1996, kurz vor der Fußball-Europameisterschaft, wurde in der Boulevardzeitung „The Sun“ eine Kampagne losgetreten mit dem Ziel, daß der Ball seinem „rechtmäßigen Besitzer“, Geoff Hurst, zu übergeben ist. Laut Hurst bekommt der Ball einen „Ehrenplatz“ in seinem Haus. Vermutlich nach finanziellen Verhandlungen ist der „Ball“ neben dem Sitzplatz von Jürgen Haller (Sohn) nach London geflogen. Laut Sun soll Helmut Haller für die Übergabe 80.000 Britische Pfund erhalten haben. 20.000 Pfund soll er an Einrichtungen, die sich mit krebskranken Kindern befassen, gespendet haben.

Der Fußball, ein Gemeinschaftseigentum von Daily Mirror, Eurostar und Virgin Group, die den Ball „für die Nation gerettet haben“, befindet sich in einem Museum in Manchester.

der Finalball im Museum, Unterschriften?

Roy Black

ist am 25. Januar 1943 in Straßberg bei Augsburg geboren. Mit seinem bürgerlichen Namen hieß er Gerhard Höllerich. Er war Schlagersänger und Schauspieler.

Er besuchte das Holbein-Gymnasium in Augsburg, machte das Abitur und wollte Biologie studieren. Aus finanziellen Gründen entschied er sich für ein Betriebswirtschafts-Studium, das er jedoch nicht abschloss.

1963 sang er im Fasching in der Augsburger Kneipe Charlys Affenstall mit der Band „The Honky Tonks“, erstmals öffentlich. Im gleichen Jahr gründete er mit Augsburger Musikern die Rock ’n‘ Roll Band „Roy Black and his Cannons“. Sein Pseudonym „Roy Black“ kommt von seinem schwarzen Haar. Er hatte auch den Spitznamen „Blacky“. Sein erster Auftritt mit der Band Cannons war im Dezember 1963 im Augsburger Tanzclub Femina. Sie spielten auch als Cover-Band Lieder von Elvis Presley bis zu den Beatles in den drei großen US-Kasernen in Augsburg. Roy Black and his Cannons gewannen bei einem Schülerball im Augsburger Moritzsaal einen Talentwettbewerb.

Der Polydor-Produzent, Hans Bertram, erfuhr von dem Auftritt und nahm mit Gerhard Höllerich Kontakt auf. Gerhard Höllerich erhielt seinen ersten Plattenvertrag und erhielt den Namen „Roy-Black“.

Die ersten Singles wurden wurden 1964 aufgenommen. Sie hießen „Sweet Baby mein“ und „Darling my Love“. Die dritte Single „Du bis nicht allein“, die Black ohne die Cannons sang, wurde sein erster Hit und landete in den Top Ten der deutschen Hitparade. Besonders Elisabeth Bertram, die Ehefrau des Produzenten, die bei Radio Luxemburg großen Einfluß auf das Programm hatte und die Platten ihres Mannes auflegen ließ, hat die Karriere von Roy Black „beschleunigt“.

Mit „Ganz in Weiß“ wurde Black endgültig zum Schlagerstar. Von der Single wurden rund 2,5 Millionen verkauft. 1967 wirkte er erstmals in einem Musikfilm „Paradies der flotten Sünder“ mit, der 1968 im Kino lief. Die erste Hauptrolle erhielt Roy Black an der Seite von Uschi Glas im Film „Immer Ärger mit den Paukern“. Uschi Glas und Roy Black spielten noch in einigen Kinofilmen zusammen.

Bis 1969 landeten alle Singles von Roy Black in den Top Ten und waren regelmäßig in der, von Dieter Thomas Heck moderierten, ZDF-Hitparade vertreten. Mit dem Titel „Schön ist es auf der Welt zu sein“ mit der zehnjährigen Norwegerin Anita Hegerland, hatte Roy Black seinen letzten großen Erfolg. Der Titel war 18 Wochen in den deutschen Top Ten.

1974 trennte sich Roy Black vom Produzentenehepaar Bertram. Im April 1974 heiratete er das Fotomodell Silke Vagts, die als Layouterin beim Magazin „Bravo“ tätig war und bekam mit ihr 1976 Sohn Torsten. In den 70er Jahren absolvierte er einen Live-Auftritt nach dem anderen. Er kam auf über 250 Auftritte. Black hatte erhebliche finanzielle Probleme, da er sein Vermögen unredlichen Beratern anvertraute, die in ihre eigene Tasche wirtschafteten.

Unter seinem neuen Tourmanager, Wolfgang Kaminski, konnte Roy Black wieder an seine ehemaligen Erfolge anknüpfen. Mit einem Orchester startete Roy Black eine Bädertour an der Nord- und Ostsee. Nach einem Konzert in der Royal Albert Hall in London und einer Tournee durch die DDR, hatte Roy Black wieder beruflichen Erfolg. 1985 wurde er von seiner Frau geschieden. 1986 erschien „Herzblut“, seine Lieder „Wahnsinn“ und „In Japan geht die Sonne auf“ wurden wieder populär. 1986 brach er infolge eines Herzfehlers zusammen und erhielt wenige Wochen später zwei neue Herzklappen.

Von RTL plus bekam Roy Black 1989 eine Hauptrolle in der Fernsehserie „Ein Schloß am Wörthersee“ angeboten. In der Serie, in der zahlreiche Gaststars mitwirkten, spielte er den Hotel-Chef Lennie Berger. Seine letzten Single-Erfolge waren Auskopplungen aus seinem letzten, von Dieter Bohlen produzierten Album „Rosenzeit“. Sein letzter Fernsehauftritt war am 18. September 1991 in der ZDF-Hitparade.

Am 9. Oktober 1991 starb Roy Black in seiner Fischerhütte in Heldenstein (Oberbayern) an Herzversagen. Er wurde unter seinem bürgerlichen Namen Gerhard Höllerich in seinem Geburtsort Straßberg bei Augsburg beigesetzt. Das Grab wurde zur Pilgerstätte für Roy-Black-Fans. Jährlich finden in Augsburg, Bobingen und Straßberg Gedenkfeiern statt, zu denen seine Fans aus ganz Deutschland anreisen.

Im Jahr 2004 wurde in der RTL-Show „Die ultimative Chartshow“ ermittelt, daß Roy Black der erfolgreichste Sänger der letzten vierzig Jahre war. Von Radio Luxemburg bekam er insgesamt 13 goldene Löwen. Seit 2012 wird in Augsburg der „Roy“ als Augsburger Pop-Preis verliehen.

Hans W. Geißendörfer

ist am 6. April 1941 in Augsburg geboren. Sein Geburtsname lautet Wilhelm Max Geißendörfer. Er ist Regisseur, Autor und Filmproduzent.

Nach seinem Abitur studierte er von 1962 bis 1967 Germanistik, Theaterwissenschaften, Psychologie und afrikanische Sprachen in Marburg, Erlangen, Wien und Zürich. Er reiste durch Europa, Asien und Afrika. Geißendörfer machte auf seinen Reisen 16-mm-Filme, die von Fernsehanstalten gekauft und überarbeitet ausgestrahlt wurden. 1968 zog er nach München und erweiterte mit anderen Filmemachern seine Filmkenntnisse. Er arbeitete kurz als Regieassistent und konnte seine ersten Fernsehfilme drehen.

1971 gründete er mit anderen Filmen des Neuen Deutschen Films den „Filmverlag der Autoren“. Es entstanden anspruchsvolle Literaturverfilmungen, Thriller und Filme mit historischen Stoffen. Mit dem Film „Die gläserne Zelle“ war Geißendörfer 1979 für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.

1982 gründete er seine eigene Produktionsgesellschaft, die „Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion GmbH“ kurz uff GmbH genannt. Er produzierte von 1985 bis zum Jahr 2019, in Zusammenarbeit mit dem WDR, die wöchentlich ausgestrahlte Dauerserie „Lindenstraße“. Inspiriert wurde er zu dieser Serie durch seine Kindheit in einem Mehrfamilienhaus in Neustadt an der Aisch. Die letzte Folge der Lindenstraße mit der Nr. 1758 wurde am 29. März 2020 um 18.50 Uhr gesendet.

Geißendörfer trägt immer eine Wollmütze. Nach seinen Worten hatte er als Kind einen schweren Nebenhöhlenkatarrh und erhielt den ärztlichen Rat, immer eine Kopfbedeckung zu tragen. Zu seiner jetzigen Kappe wurde er vom Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ inspiriert, in dem der Hauptdarsteller, Jack Nicholson, ein ähnliches Modell trägt.

Erhard Wunderlich

wurde am 14. Dezember 1956 in Augsburg geboren. Er war ein Handballspieler.

Vom FC Augsburg wechselte Wunderlich 1976 zum VfL Gummersbach. 1978 gehörte er als jüngster Spieler dem Team an, das im Endspiel gegen die Sowjetunion Weltmeister wurde. Zu seinen Mitspielern gehörte Heiner Brand und Joachim Deckarm.

Von 1976 bis 1986 spielte er in der deutschen Nationalmannschaft und erzielte in 140 Spielen 504 Tore. Bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles gewann die Nationalmannschaft mit Wunderlich die Silbermedaille. Beim VfL Gummersbach wurde Wunderlich in der Saison 1981/82 und 1982/83 Torschützenkönig der Handball-Bundesliga. Mit dem VfL Gummersbach gewann er alle internationalen und nationalen Vereinstitel. Er krönte seine Titelsammlung mit dem VfL im Jahr 1983, mit dem Gewinn des Europapokals der Landesmeister (dem Vorläufer der Champions League) und der Europameisterschaft der Vereinsmannschaften. 1981 und 1982 wurde Wunderlich zum „Handballer des Jahres“ und 1999 zum „Handballspieler des Jahrhunderts“ gewählt. In den Jahren 1978, 1983 und 1984 erhielt er das Silberne Lorbeerblatt. 2012 wurde die Augsburger Sporthalle in Erhard-Wunderlich-Sporthalle umbenannt. Die Stichstraße zur Sporthalle wurde zur Erhard-Wunderlich-Allee.

Erhard Wunderlich ist am 4. Oktober 2012 mit nur 55 Jahren gestorben. Er wurde im Augsburger Westfriedhof beigesetzt.

Bemerkung noch am Rande, gegen Erhard Wunderlich habe ich als Jugendlicher mit meinem damaligen Verein, dem TSV Haunstetten, Ende der 60er Jahre auch gespielt.

Schlussbemerkung

In Augsburg gibt es noch weitaus mehr Persönlichkeiten, die in der Stadt geboren wurden oder gestorben sind und Wichtiges geleistet haben. Ich habe hier über die Menschen geschrieben, die ich für Interessant gehalten habe. Jede, der über 300 Persönlichkeiten, hätte vielleicht eine Erwähnung verdient, doch das würde den Rahmen sprengen.

Fortsetzung Teil 3: Rathausplatz bis St. Ulric