Augsburg Teil 5: vieles vom und um den Dom

Der Hohe Dom,

der auch „Hoher Dom Mariä Heimsuchung“ genannt wird, ist die Kathedrale des Bistums Augsburg. Der Dom, eine fünfschiffige Basilika, ist neben der Basilika St. Ulrich und Afra, der Moritzkirche und der Kirche St. Anna, der bedeutendste Kirchenbau in Augsburg.

Das Hauptportal

vom Dom ist das figurenreichste Portal in Süddeutschland. Es zeigt Szenen aus dem Leben dem Dompatronin Maria. Am Mittelpfosten ist die Muttergottes fast lebensgroß. Seitlich von ihr sind die zwölf Apostel. Es dauerte Jahrzehnte, bis die Figuren angebracht waren.

Das Südportal vom Langhaus

hat neue Bronzetüren. Das alte Bronzeportal wurde 2002 ausgebaut, um es vor weiterer Zerstörung durch Luftschadstoffe zu schützen. Es wurde zwischen 995 und 1006 für den neu erbauten Dom geschaffen. Das Portal ist eines, von zwölf bedeutenden romanischen Bronzeportalen in Europa und zählt zu den besten Zeugnissen mittelalterlicher Gießkunst nördlich der Alpen. Die Bilder des alten Portals kann man nicht genau deuten. Vermutet wird, daß es sich um die Sünde und Erlösung handelt. Das Portal wurde bis 2004 restauriert und ist heute im Augsburger Diözesanmuseum St. Afra zu sehen.

Das neue Portal wurde im Jahr 2000, dem „Heiligen Jahr“ eingebaut. Das Portal besteht aus 28 Bronzereliefs mit dem Thema Gottes Schöpfung. Der Bildhauer hat mit dem Portal eine Bilderbibel in der Tradition der klassischen „bibla pauperum“ (Armenbibel) geschaffen.

Geschichte vom Dom

Im 5. Jahrhundert n. Chr. war an der Stelle vom Dom eine Wohnbebauung innerhalb der Stadtmauer, der ehemaligen römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum.

Bei Ausgrabungen im Jahr 1978 im Bereich des Diözesanmuseums St. Afra, das hinter dem Dom liegt, wurden Fundamente entdeckt. Es wird vermutet, daß es sich bei den Fundamenten um eine frühchristliche Kirche mit einem Bischofssitz aus der Übergangszeit von der Spätantike in das Frühmittelalter handelt. Bewiesen ist es nicht. Die Ausgrabung im Diözesanmuseum wurde zur Besichtigung offen gelassen.

Der erste Augsburger Bischof war Wikterp. Er wird in einem Schreiben von Gregor III. an die Deutschen Bischöfe erwähnt. Der Bischof hat einen ersten Dombau im 8. Jahrhundert veranlasst. Im Jahr 805 wurde der Dom von Bischof Simpert als Bischofskirche geweiht. Unter „Mariendom“ wird er erstmals 822 urkundlich erwähnt. Bei den Ungarneinfällen wurde der Dom stark beschädigt. Bischof Ulrich ließ die Schäden 923 beseitigen.

Im Jahr 994 stürzte der Westbau vom Dom ein. Mit Unterstützung von Kaisern Adelheid begann Bischof Liutold mit dem Neubau. Zuerst entstand der Westchor und das nördliche Querhaus. Bereits 1006 war auch das Mittelschiff fertiggestellt. Das Mittelschiff und das Westquerhaus bilden noch heute den Kern vom Dom.

Die fünf Prophetenfenster

befinden sich im Mittelschiff rechts oben. Die wertvollen Glasgemälde sind um das Jahr 1140 entstanden. Es handelt sich um die ältesten Glasgemälde der abendländischen Kunst, die noch an ihrem Bestimmungsort erhalten sind. Bis zum Mittelalter waren auch die Fenster auf der gegenüberliegenden Seite bunt verglast. Vermutlich standen sich hier Apostel und Propheten gegenüber. In den Glasgemälden sind Jonas, Daniel, Hosea, König David und Moses dargestellt.

Es folgten Baumaßnahmen unter Bischof Heinrich II., die sein Nachfolger Embriko mit der Einweihung von Hauptaltar im Westchor 1065 beendete. Im 14. Jahrhundert wurde der Dom durch Stiftungen vom Domherrn Konrad von Randegg gotisch. Zunächst wurde die Westapsis, die Andreas- und Hilariakapelle zwischen 1325 und 1343 neu gebaut. Der Westchor, die Querarme und das Mittelschiff wurden eingewölbt und die Seitenschiffe angebaut. Um 1356 wurde mit dem Bau des Ostchors begonnen. Die Bauarbeiten haben sich über 100 Jahre hingezogen. Der Ostchor wurde im Jahr 1431 geweiht. Der Dom hatte viele Baumeister. Er sollte dem Kölner Dom gleichkommen.

Der Ostchor

Die Kreuzigungsgruppe im Ostchor stammt vom einem Münchner Künstler aus dem Jahr 1962. Die Bronze zeigt Christus am Kreuz mit den zwölf Aposteln. Die Propheten unterhalb vom Kreuz sind erst 1985 dazugekommen. Die Kreuzigungsgruppe ist umrahmt von modernen Glasfenstern, die sich an eine mittelalterliche Form- und Farbgestaltung anlehnen. Das Glasfenster über der Kreuzigungsgruppe ist aus dem Jahr 1954. Es zeigt die Heimsuchung Mariä. Das einfache Chorgestühl entstand um das Jahr 1430.

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An der linken Seite vom Alter befindet sich der steinerne Bischofsstuhl. Der rote Teppich und das rote Stuhlkissen wurden bereits für die Weihe vom neuen Bischof Dr. Bertram Meier vorbereitet.

Der Bischofsthron im Augsburger Dom: Am Samstag nimmt dort Bertram Meier erstmals nach seiner Weihe Platz.

Vor dem Hauptaltar ist die Mariensäule mit der bekanntesten holzgeschnitzten Mariendarstellung im Dom. Die Marienfigur steht über einem Engel mit einer Handorgel.

Beim Bildersturm verwüsteten Protestanten den Dom. Bei der Gegenreformation wurde die zerstörte Ausstattung wieder ersetzt. Die beiden Türme wurden im romanischen Stil erhöht und es kamen Kapellenanbauten hinzu.

Von 1852 bis 1863 wurde der Dom vom Barock in die Neugotik rückgebaut. Es wurden mittelalterliche Gemälde und Plastiken gekauft. Ab 1983 wurde der Dom umfassend restauriert und saniert. Am 3. Mai 1987 feierte Papst Johannes Paul II. bei seinem Augsburg Besuch die heilige Messe im Dom.

1999 fand man bei Reparaturarbeiten am Südturm in der Turmkugel Dokumente, die bis 1490 zurückgehen. Im Jahr 2018 wurde bei Reparaturarbeiten die Turmkugel von der Nordturmspitze abgenommen und geöffnet. Hier wurden Dokumente aus den Jahren 1598, 1848 und 1952 gefunden, die bei Bauarbeiten in den jeweiligen Jahren hinterlassen wurden. Die Dokumente sind im Diözesanmuseum St. Afra ausgestellt.

Chorhalle

In Nischen der Chorhalle stehen Terrakotta-Figuren vom Bildhauer Veit Escher aus dem Jahr 1591 mit Christus am Ölberg. In der Umgangshalle befinden sich mehrere Kapellen.

Kapellen im Dom

Beim Chorumgang sieht man Kapellen mit prachtvollen Ziergittern. Die barocken Altaraufbauten, die in den Kapellen standen, wurden bei der Renovierung 1860 an verschiedene Dorfkirchen verkauft und durch Flügelaltäre ersetzt.

In der Lukaskapelle befindet sich ein Altar aus Rotmarmor. Er wurde um 1595 von Bischof Johann Otto von Gemmingen gestiftet. Der Bischof wurde 1598 vor dem Altar bestattet.

In der Antoniuskapelle sieht man ein Tafelbild mit der Muttergottes zwischen zwei Päpsten, das um 1500 entstanden ist. Das Holzrelief mit der Auferstehung Christi wurde um 1490 geschaffen. Die Kreuzigung zeigt ein Gemälde, das um 1660 entstanden ist. In der Kapelle ist das Grabmal von Bischof Alexander Sigismund von Pfalz-Neuburg.

Die Annakapelle hat einen neugotischen Altaraufbau mit der Figur der heiligen Anna. Der Aufbau wurde um 1500 geschaffen. An den Flügeln sind Heiligenfiguren. Das Tafelbild stammt aus dem Jahr 1520 und zeigt die „Anbetung der heiligen drei Könige“.

In der St. Konradskapelle hat der neugotische Altar ein Altarbild, das die „Heimsuchung Mariä“ darstellt. Hier befindet sich das Grabmal von Bischof Wolfhard von Roth. Der Bischof war Domkanoniker, Domprobst und Wirtschafter der Finanzen des Hochstifts. Seine Fürsorge galt insbesondere dem Dominikanerinnenkloster St. Margareth. Das in Bronze gegossene Grabmal, zählt zu den ungewöhnlichsten Werken des 14. Jahrhunderts. Es stellt Wolfhard nicht als Würdenträger dar, sondern zeigt einen alten Mann mit tiefen Falten, eingefallenen Wangen und geschlossenen Augen, einen Toten also. Durch die Kleidung ist das Skelett des Bischofs zu sehen.

Das zweite Grabmal in der St. Konradskapelle, mit Relief von Bischof Johann Golf von Knöringen, wurde aus Rotmarmor angefertigt.

Bischof Wolfhard

Die Mittelkapelle ist der Heiligen Gertrud geweiht. Ursprünglich eine kleine Stiftskirche auf dem Areal des Ostchors vom heutigen Dom. Die Kirche stand bei der Erweiterung vom romanischen Dom im Weg und wurde abgetragen. Als Ersatz erhielten die Chorherren im neuen, 1431 fertiggestellten Hochchor, die Gertrudkapelle.

Der doppelstöckige Flügelaltar stammt aus dem Jahr 1510. Das Relief im Mittelschrein stellt den Tod Marias dar. Die vierzehn Nothelfer befinden sich auf den Flügeln vom Altar.

In der Augustinuskapelle stellen die Tafelbilder im neugotischen Alter „Szenen aus dem Marienleben“ dar. Auf den Flügeln ist die „heilige Sippe“ abgebildet. Im linken Grabmal ist Bischof Kardinal Peter von Schaumburg begraben. Auf der Steinabdeckung ist das Skelett des verwesenden Leichnams und eine Grabplatte mit einer Bronzeinschrift. Rechts in der Kapelle ist das Hochgrab von Bischof Johann von Werdenberg mit der Darstellung des Verstorbenen.

Die Wolfgangskapelle hat einen neugotischen Altaraufbau. Das Altarbild zeigt „Maria mit dem Kind“, die Bistumspatrone Ulrich und Afra und die sieben Begleitfiguren aus der Afralegende. Hier ist das Marmorgrabmal von Bischof Johann Christoph von Freiberg.

Gegenüber der Wolfgangskapelle hängt eine „Türkenfahne„. Sie wird „Blut- oder Sturmfahne“ genannt. Die Fahne besteht aus den Farben purpurrot, gold, grün und schwarz. Auf der zur Kircheninnenseite zugewandten Seite steht: „Muhammad ist der Prophet Allahs, Hilfe von Allah und naher Sieg“. Auf der anderen Seite ist das Glaubensbekenntnis des Islam geschrieben. Die Flagge stammt aus dem Jahr 1689 und soll von Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden (Türkenlouis genannt) in der Schlacht von Nissa/Serbien erbeutet worden sein. Das Beutestück wurde am 21. Oktober 1689 im Dom aufgehängt. Als das Original brüchig wurde, ersetzte man die Fahne 1992 durch eine originalgetreue Kopie. Es gab auch in anderen Kirchen solche Trophäen. Sie wurden jedoch entweder abgehängt oder sind verschwunden.

Die Marienkapelle ist am 30. Juni 1722 geweiht worden. Errichtet wurde die Kapelle von Hofbaumeister Gabriel de Gabrieli. Dargestellt werden Szenen aus dem Marienleben. Der Altar wurde von Graf Pollheim zum Andenken an seine verstorbene Frau gestiftet. 1988 wurde die Rekonstruktion und Wiederherstellung der Fresken abgeschlossen.

Der Herz-Jesu-Altar

befindet sich im südlichen Seitenschiff. Hier finden die meisten Gottesdienste statt. Im Herz-Jesu-Alter, der auch Sakramentsaltar genannt wird, ist der Tabernakel der Kathedrale. Die Figur am Altar ist der „gegeißelte Jesu“ von Georg Petel aus dem Jahr 1630. Der neu gestaltete Altar wurde 2016 geweiht.

Das Langhaus

In den Arkaden vom Langhaus befinden sich Tafelgemälde, die von Hans Holbein dem Älteren aus dem Jahr 1493 stammen. Sie wurden für einen Flügelaltar im Kloster Weingarten hergestellt. Als die Gemälde 1860 aus dem Kloster entfernt wurden, konnten sie für den Augsburger Dom erworben werden. Dargestellt ist immer eine Hauptszene und im Hintergrund eine kleine Nebenszene. Eine Hauptszene zeigt die Zurückweisung des Tempelopfers des heiligen Joachim, gefolgt von der Geburt Maria, ihrem Tempelgang und der Beschneidung Christi.

Im südlichen Querhaus

beeindruckt die große, spätgotische Wandmalerei des heiligen Christophorus aus dem Jahr 1491. Christophorus trägt auf seinen Schultern Christus, den Weltenherrscher und Erlöser. Christophorus, der Schutzpatron der Reisenden und Patron gegen einen unvorbereiteten Tod, wurde deshalb beim Ausgang zum ehemaligen Domfriedhof platziert. Neben dem großen Gemälde wurden Spuren gefunden, die auf eine etwa 200 Jahre ältere Wandmalerei hinweisen.

Im gleichen Raum befindet das Salomonfenster, das größte Glasfenster im Dom. Es ist zwischen 1330 und 1340 entstanden. Das Fenster zeigt den Thron der Weisheit, bei dem Maria als Verkörperung der höchsten Weisheit, in eine Reihe mit Propheten und dem weisen König Salomon gestellt wird.

Von hier kann man in die um 1325 gebaute Andreaskapelle sehen.

Im Westchor

wurde der Altar 1447 aus Bronzeguss geschaffen. Es gibt keinen vergleichbaren Altar aus dieser Epoche. Das Chorgestühl im Westchor ist weitgehend noch im Originalzustand. Es wurde um 1495 hergestellt und zeigt Schnitzgruppen in kämpferischen Szenen aus dem alten Testament. Bei den Darstellungen geht es um den Sieg des Guten gegen das Böse. Betreten kann man den Westchor nur, wenn Messen oder Taufen abgehalten werden.

Im Westchor befindet sich ein Bischofsthron aus Marmor mit zwei Löwen. Der Thron wurde bereits um das Jahr 1000 aufgestellt und zählt zu den ältesten in Deutschland.

Halariakapelle

Neben einem Baldachin im Westchor, kann man durch eine Gittertür in die Hilariakapelle sehen. Hilaria war, der Legende nach, die Mutter der heiligen Afra. In der Kapelle steht ein Rokokoaltar, der aus einer nicht mehr bestehenden Kapelle aus Dillingen stammt.

Am Kreuzaltar

hängt ein Kruzifix, das um das 1500 angefertigt wurde und eine Grablegungsgruppe, die aus dem Jahr 1520 stammt.

In der Bischofsgalerie

befinden sich Portraits aller 78 verstorbenen Bischöfe. Ob die Gesichtszüge bei den Porträts aus dem 15. Jahrhundert stimmen, kann nicht gesagt werden. Die neueren Porträts sind jedoch alle lebensecht.

Der Altar in der Bischofsgalerie war seinerzeit der „heiligen Thekla“ gewidmet. Sie ist im heutigen Altar nicht mehr dargestellt. Bei der großen Domrenovierung um 1860, wurden wertvolle Schnitzfiguren und Reliefs aus unterschiedlichen Beständen erworben und im Altaraufbau miteinander verbunden. Er wird heute der Passion Christi gewidmet. Sehr schön ist die figurenreiche Kalvariengruppe und das kleine „Beweinungsrelief“ darunter.

Das Grabmal in der Bischofsgalerie hat eine Rotmarmorplatte und erinnert an den 1425 verstorbenen Augsburger Privatmann Konrad Hirn und seine Gattin Afra. Das Grabmal stand bis zum 19. Jahrhundert in der Goldschmiedekapelle der evangelischen Annakiche.

Die Westkrypta

wurde um 1000 vollendet. Sie ist der älteste Bau vom Dom. In der Altarnische steht eine spätromanische Madonna.

Die Ostkrypta

wurde im 12. Jahrhundert angebaut. In der vierschiffigen Krypta erinnern freigelegte Wandmalereien aus der Spätromanik und Frühgotik daran, daß hier einmal ein Altar stand. Der Altarstein, der sich in einer Altarnische befindet, ist noch vom karolingischen Dom aus der Zeit vom heiligen Simpert erhalten.

In der Krypta ist die Gruft von Bischof Viktor Josef Dammertz, dem 82. Bischof von Augsburg, der am 2. März 2020 verstorben ist sowie seinem Vorgänger, Bischof Josef Stimpfle, verstorben am 12. September 1996.

Die Orgeln

Im Augsburger Dom gibt es zwei Orgeln. Die Marienorgel stammt aus dem Jahr 1904. Die Magnifikat-Orgel ist von 1988.

Im Kreuzgang

befinden sich Grabdenkmale von der Gotik bis zum Barock. Hier sind 401 Werke von bedeutenden Meistern der schwäbischen Spätgotik und Renaissance zu sehen. Der Bestand im Kreuzgang vom Dom gilt als der reichhaltigste in Deutschland. Schon seit dem Mittelalter wurden im Kreuzgang nicht nur Domherren, sondern auch bedeutende Augsburger Bürgern bestattet. Heute werden im Innenhof nur noch die Domkapitulare beigesetzt.

Die Katharinenkapelle,

ist vom Westflügel aus zugänglich und stammt aus dem Jahr 1300. Im Inneren die Kapelle sind Reliefs aus Kalkstein zu sehen, die Szenen aus dem Marienleben darstellen.

Die Römermauer

am Vorplatz vom Augsburger Dom, wurde 1954 aus Backsteinen mit einer Überdachung errichtet. Bei den, in der Mauer eingelassenen Funden aus der römischen Zeit von Augsburg, handelt es sich um Nachbildungen.

Fronhof - Augsburg

Am Dombrunnen

auf dem Domvorplatz stehen lebensgroße Bronzefiguren der Bistumspatrone von Augsburg, dem heiligen Bischof Ulrich, der heiligen Afra und dem heiligen Bischof Simpert.

Kirche St. Johann

Im Süden vom Domvorplatz ist eine große Öffnung im Boden. Hier hat man einen Blick auf die Fundamente der ehemaligen Kirche St. Johann.

Stadtplan

Der Augsburger Dom und der Fronhof vor 500 Jahren mit handschriftlichen Vermerken von Konrad Peutinger. Sein Haus (rechts) kennzeichnete er mit seinem Namen.

Das Bischofshaus

befindet sich direkt gegenüber vom Dom. Teile des Gebäude, insbesondere der Dachstuhl, stammen noch aus dem 16. und 18. Jahrhundert. Zum Bischofshaus gehört eine Kapelle.

Das Gebäude am Hohen Weg 22, war Amtssitz von Bischof Bertram Meier während der Renovierung vom Bischofshaus.

Das Diözesenmuseum St. Afra

befindet sich zwischen dem gotischen Domkreuzgang, dem romanischen Kapitelsaal des alten Domklosters sowie den Resten des karolingischen Doms. Es wurde 2000 eröffnet und präsentiert sakrale Kunst aus 17 Jahrhunderten. Das Museum kann auch als Domschatzkammer bezeichnet werden. Hier befinden sich zahlreiche Augsburger Goldschmiedearbeiten von liturgischen Geräten und Reliquien. Die Ulrichgewänder aus dem 10. Jahrhundert und das ottnische Bronzeportal vom Dom sind ebenfalls im Museum ausgestellt.

Die Augsburger Domsingknaben

haben bereits eine, bis ins 15. Jahrhundert zurückreichende Tradition. Im Jahr 1439 wurden erstmals Knabenstimmen, die den Gregorianischen Choral in der Kathedrale St. Marien pflegten, urkundlich erwähnt. Durch die Säkularisation wurde der Chor 1802 aufgelöst. Im Jahr 1976 erfolgte die Neugründung als eine Einrichtung der Diözese Augsburg.

Im Haus St. Ambrosius werden etwa 350 Domsingknaben musikalisch gefördert. Die Ausbildung beginnt bereits für 5-jährige mit der musikalischen Früherziehung. Mit sieben Jahren muss von den Jungen eine Eignungsprüfung abgelegt werden. Je nach musikalischer Begabung geht es weiter in den Vorchor, zum Nachwuchschor. Es finden ein- bis zweimal wöchentlich Chorproben, Stimmbildung in Kleingruppen oder Einzelunterricht statt. Nach einer intensiven Ausbildung werden die Jungen Mitglied der Augsburger Domsingknaben. Ab dem Stimmbruch folgt die Mutantenklasse, bevor sich die Ausbildung in den Männerstimmen der einzelnen Chorgruppen fortsetzt.

Die Augsburger Domsingknaben geben regelmäßig Konzerte in ganz Deutschland und Europa. Konzertreisen führten sie nach Japan, Kanada, Ecuador, in die USA, nach Südafrika und 2016 zu einer 4-wöchigen Tournee nach China. Sie haben bereits mehrmals für den Papst im Vatikan gesungen und treten bei offiziellen Anlässen beim Bundespräsidenten im Schloss Bellevue auf.

Haus St. Ambrosius

Das Gebäude vom Haus St. Ambrosius ist ein ehemaliges Domherrenhaus mit einem Wirtschaftshof, Garten und Pavillon. Es wurde zwischen 1750 und 1760 erbaut. Die Rokoko-Fassade am Haus galt als eine der besten in Augsburg. Vermutlich ist das Haus älter, denn es wurde im Treppenhaus die Jahreszahl 1491 gefunden.

Im barocken Gartenpavillon befindet sich ein Deckenfresko das im 18. Jahrhundert entstanden ist.

Die Karl-Kraft-Gesellschaft e.V.

befindet sich auch im Gebäude St. Ambrosius. Die Gesellschaft will das Gedenken und die Musik von Karl Joseph Kraft lebendig halten. Karl Kraft war ab 1925 bis 1976 Domorganist und verfasste fast 1000 verschiedene Kompositionen. Er schrieb Chorstücke, Zyklen für Gesang und Instrumente, Orgelmusik, Kammermusik und Bühnenmusik. Beflügelt wurde Kraft von geistigen und künstlerischen Größen wie Ludwig Thoma (Schriftsteller), Dore Hoyer (Sängerin und Choreografin) und Romano Guardini (Priester).

Das Grotz-Haus

steht neben dem Haus St. Ambrosius. Das Gebäude wurde 1899 von Rudolf Grotz sen. erworben und wird seitdem das „Grotz-Haus“ genannt. Erbaut wurde das Anwesen zwischen dem 16./17. Jahrhundert. Im Jahr 2000 wurde es vollständig renoviert.

Vor Rudolf Grotz hatte das Haus mehrere hochrangige Besitzer. Im Gebäude lebte ein Bürgermeister. Später wurde es zum Domherrnhof des Freiherren von Baader. Durch die Säkularisation kam es in Besitz eines königlichen Advokaten, der es wiederum dem königlichen Rittmeister Graf Maximilian von Waldburg-Hohenems verkaufte.

Bischöfliches Konsistorium

Geht man um den Dom in Richtung Diözesanmuseum St. Afra, ist man in der Frauentorstraße. Unter der Hausnummer 3 findet man das Bischöfliche Konsistorium der Diözese Augsburg (Bischöfliches Kirchengericht). Im Gebäude, das um 1480 entstanden, im Kern jedoch älter ist, befand sich einst der Kornspeicher und danach die Domschule.

Nordportal vom Dom mit Bischöflichem Konsistorium

In der Peutinger Straße

befinden sich noch einige sehenswerte Häuser aus dem 16. Jahrhundert. Unter der Haus Nummer Peutinger Straße 1 steht ein Zinslehenshaus, es folgen Kanonikerhäuser (Stifts- oder Chorherren-Häuser), das Wohnhaus von Konrad Peutinger und das ehemalige fürstbischöfliche Kastenamt (heute Finanzamt).

Der Fronhof

ist eine Grünanlage, die im Norden und Westen von der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz, im Osten vom Augsburger Dom mit dem Domvorplatz und der Römermauer und im Süden von einer Häuserzeile der Peutinger Straße mit dem Burggrafenturm umschlossen ist.

Der Fronhof wurde unterschiedlich genutzt. Er war ursprünglich ein Herrenhof, der zur einstigen Bischofspfalz, der späteren fürstbischöflichen Residenz gehörte und als Fest- und Turnierplatz diente. Daher auch der Namen „Fron“, weil das Anwesen einem geistlichen oder weltlichen Herren gehörte. Von 1400 bis 1550 wurden im Fronhof rund 45 Turniere, meist beim Besuch eines Kaisers oder Königs, ausgetragen. Zum „Paradeplatz“ wurde der Fronhof, als die Residenz 1806 zum Königreich Bayern kam. Für den Paradeplatz wurden drei Kapellen abgebrochen und zwei Friedhöfe aufgelassen.

Im Jahr 1876 wurde ein Sieges- und Friedensdenkmal anläßlich des beendeten Deutsch-Französischen-Krieges errichtet. 1878 erfolgte die Umgestaltung zum Park. Die Römermauer, die den Fronhof vom Domvorplatz abtrennt, wurde 1954 errichtet. Später wurde zwischen dem Burggrafenturm und der Residenz ein schmiedeiserner Gitterzaum samt Tor und Betonpfeilern aufgebaut. Der Rokoko-Gitterzaun befand sich vorher im Innenhof der Schüleschen Kattunfabrik vor dem Roten Tor.

Am Fronhof 4 befindet sich das Fürstbischöfliche Ordinariat, ein Gebäude von 1898.

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Bischöfliches Ordinariat

Im Gebäude Fronhof 8 war das ehemalige Hofzahlamt und Marstallgebäude von 1739. Die Wagenremise wurde im Jahr 1751 angebaut. Heute ist hier das Landesamt für Finanzen.

Die Fürstbischöfliche Residenz

ist seit 1817 Sitz der Regierung von Schwaben. In der Residenz waren die Fürstbischöfe von Augsburg, deren geistlicher Amtsbereich das Bistum Augsburg und das weltliche Herrschaftsterritorium das Hochstift Augsburg war.

Der mächtige Bau mit dem erhöhten Pfalzturm bestand ursprünglich aus drei Häusern aus der Zeit des Mittelalters bis zum Jahr 1507. Unter Fürstbischof Johann Christoph von Freyberg wurden die Häuser zu einem einheitlichen Gebäude zusammengefaßt. Die einheitliche Fassade erhielt das Gebäude unter Fürstbischof Joseph Landgraf von Hessen-Darmstadt. Die Pläne für das dreigeschossige Gesamtbauwerk erstellte der Eichstätter Baudirektors Gabriel de Gabrieli.

1743 wurde der Hauptflügel der heutigen Residenz und 1752 der Nordflügel im Stil des Barock umgebaut. Der Pfalzturm wurde nicht umgebaut. Zwischen 1784 und 1789 wurde der von Säulen getragene Balkon über dem Ostportal angefügt. Er soll an den Besuch von Papst Pius VI. im Jahr 1782 erinnern. Der Erweiterungsbau über der ehemaligen Pfalzkapelle und das Gardistengebäude sind 1902 entstanden.

Die Fürstbischöfliche Residenz ist seit 1965 für Besucher zugänglich. Das repräsentative Treppenhaus, den „Prunkaufgang“ sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Fresken stammen vom Direktor der Reichsstädtischen Kunstakademie Johann Georg Bergmüller aus dem Jahr 1752. Die Bemalung zeigt an den Seitenwänden die drei Hauptflüsse des Hochstifts, Danubius (Donau), Lycus (Lech) und Vinda (Wertach). Auch die „platonischen“ Kardinalregeln sind verewigt: Prudentia (Klugheit), Justitia (Gerechtigkeit), Fortitudo (Tapferkeit) und Temperantia (Mäßigung) und über allem wacht an die Decke die „Providentia Divina, die göttliche Vorsehung.

Nach dem Bestaunen der Treppe gelangt man in den Rokoko-Festsaal. Der Festsaal war früher der Raum des Augsburger Domkapitels, in dem am 25. Juni 1530 die „Confessio Augustana“, das „Augsburger Bekenntnis“ der lutherischen Protestanten vorgelesen und an Kaiser Karl V. überreicht wurde.

Der Pfalzturm an der Residenz erinnert nur noch neben dem Burggrafenturm an die mittelalterliche bischöfliche Pfalz. Er wurde 1507/08 erhöht und ansonsten nicht mehr wesentlich verändert. Vom Pfalzturm mit einer schönen Deckenmalerei kommt man auch in den Festsaal.

Der Burggrafenturm

ist auf den Trümmern der Römersiedlung entstanden. Er gehörte zur burgähnlichen Anlage mit Dom, Fronhof und bischöflicher Pfalz. Der Burggrafenturm wurde 1507 unter Bischof Heinrich IV. von Lichtenau für den höchsten Beamten der Burgstadt, den Burggraf neu aufgebaut. Im 15. Jahrhundert wird das damals wichtige Amt in der reichsstädtischen Gerichtsordnung nicht mehr erwähnt. Besonderheit ist der achteckige Erker und ein Gewölbegang, in dem eine Gedenkstätte für vermisste Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg eingerichtet wurde.

Nach der Säkularisation fiel der Turm als Teil der Fürstbischöflichen Residenz an das Königreich Bayern. 1850 wurde im Burggrafenturm die erste Augsburger Telegrafenstation in Betrieb genommen. 1880 unterstellte man die Station dem königlich-bayerischen Ober-Postamt in Augsburg und verlegte sie an das Ober-Postamt-Gebäude an der Grottenau.

Seit 1977 wird der Burggrafenturm vom Deutschen Alpenverein genutzt.

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Der Hofgarten

ist ein Teil der ehemaligen Fürstbischöflichen Residenz. er wurde zwischen 1739 und 1744 von Johann Caspar Bagnato angelegt. Der Hofgarten ist 1817 in das Eigentum des Königreichs Bayern übergegangen und wurde 1878 und 1898 erneuert. Seit 1963 ist die Stadt Augsburg Mieter vom Hofgarten. Die Stadt ließ den Garten zur Parkanlage umgestalten und für die Öffentlichkeit öffnen.

Die Stadt Augsburg bezahlt bis 2032 jährlich nur € 55,00 Miete für den Hofgarten. Im Gegenzug kommt die Stadt für den Unterhalt der Gartenanlage, des Brunnens, der Wege und der Eingangstreppen auf.

Der Hofgarten wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Renovierung 1964 nur als Obstgarten genutzt. Seit der Öffnung für die Allgemeinheit sind hier Ginkgobäume, Hibiskussträucher, Blauregen und Blumenbeete. Im Seerosenteich leben Zierfische und Wasserschildkröten.

Die fünf barocken Zwergenfiguren aus Sandstein stammen aus der Sammlung des Münchner Hofrats Sigmund Röhrer. Es handelt sich um „Groteskfiguren“, die in ähnlicher Form auch im „Zwerglgarten“ des Bastionsgartens in Salzburg zu sehen sind. Die Figuren stellen kleinwüchsige Menschen dar, die in den europäischen Fürstenhöfen in der Barockzeit zur „Belustigung“ gehalten wurden.

der Hofgartenbrunnen

Die katholische Heilig-Kreuz-Kirche

ist eine ehemalige Stiftskirche des Augustiner-Chorherren-Klosters Heilig Kreuz und Wallfahrtskirche. Von 1932 bis 2020 war die Dominikanerprioratskirche und wurde 2020 Filialkirche der Dompfarrei.

Schon zu Zeiten von Bischof Ulrich war die Heilig-Kreuz-Kapelle vor der Stadt, neben der im Jahr 1143 ein Hospiz gegründet wurde. 1160 hat Bischof Konrad von Hirscheck das Hospiz den Augustiner-Chorherren übertragen, die dann auch eine Kirche errichten ließen.

1194 soll sich in der Kirche ein „Hostienwunder“ ereignet haben. Aus einer Überlieferung geht hervor, daß eine Frau ihre Hostie heimlich aus ihrem Mund genommen habe. Sie nahm sie mit nach Hause und umhüllte sie mit Wachs. Später hatte sie Gewissensbisse und beichtete die Tat. Weil sich die Hostie zwischenzeitlich merkwürdig verändert hatte informierte man den Bischof. Er ließ die Hostie in den Augsburger Dom bringen. Während der Messe vor den Augen vieler Menschen, sei die Hostie angeschwollen, daß sich das Wachs ablöste und die Hostie blutrot wurde. In einer feierlichen Prozession brachte man die Hostie nach Heilig-Kreuz zurück und bewahrte sie mit der Wachshülle in einer Kristallschale auf. Es begann die Wallfahrt zum „Wunderbarlichen Gut“.

Jedes Jahr wird am 11. Mai in der Kirche das „Fest des Wunderbarlichen Gutes“ gefeiert. Im 13. Jahrhundert stiftete die Adelsfamilie von Rechberg einen silbernen Schrein, der noch heute der Aufbewahrungsort (Monstranz) des Heiligtums ist. 1494 fand eine genaue Untersuchung durch Bischof Friedrich II. von Zollern statt. Es wurde festgestellt, dass nach fast 300 Jahren eine sehr dicke, fleisch- und blutähnliche Gestalt vorhanden sei.

ausgestellt im Diözesanmuseum St. Afra

1314 brannte die Kirche. Sie wurde wieder neu aufgebaut. Der untere Teil des heutigen Turms stammt vermutlich noch aus dieser Zeit. Er könnte ein Teil der Augsburger Stadtmauer gewesen sein. Im Pfarrhof stand seit 1210 die Katharinenkapelle, die 1445 durch die Ottmarskapelle ersetzt wurde. Die Ottmarskapelle ist der Vorgängerbau der heutigen evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche.

1492 bis 1508 entstand der spätgotische Kirchenbau unter den Augustiner-Chorherren als Stiftskirche. Der romanische Bau wurde abgerissen. Kaiser Maximilian I. stiftete der neuen Kirche ein Fenster. Der Turm wurde ein erstes Mal erhöht.

In der Reformationszeit übergab der Rat der Stadt die Ottmarskapelle der neu entstandenen, evangelischen Gemeinde als Predigthaus. Der Probst der Kirche beschaffte 1627 neue Altäre, Stühle und eine Kanzel, 1677 begann die Barockisierung. Der Turm erhielt eine barocken Zwiebelaufsatz.

Zwischen 1716 und 1719 wurde auch der Innenraum im Stil des Barock umgestaltet. Vorbild war der Umbau der Pfarrkirche St. Moritz. Als Wolfgang Amadeus Mozart 1777 auf seiner Durchreise nach Paris in Augsburg Halt machte, spielte er hier auf der Orgel.

Aus der Kirche sollte ein Theater werden. Dies wurde durch den Protest aus der Bevölkerung verhindert. 1877 erfolgte die Restaurierung der Kirche. 1932 wurde die Heilig-Kreuz-Kirche von Bischof Joseph Kumpfmüller den Dominikanern übertragen und zur Dominikanerprioratskirche erhoben.

Das Kloster Heilig Kreuz

entstand um 1143, als Bischof Walter den Sitz von einem Hospiz, das am Perlachberg in der Augsburger Vorstadt lag, an diesen Standort verlegte. Später beauftragte Bischof Konrad die Augustiner-Chorherren von 1159 bis 1167 mit der Betreuung des Spitals.

Unter dem Heilig-Geist-Patrozinium (Schutzherrschaft) wurde von 1239 bis 1245 eine Neugründung des Klosters vollzogen. Anfangs wurde es von Laienbrüdern vom Heilig-Geist-Spital, das seinen Sitz in der Spitalgasse am Roten Tor hatte, mit betreut.

Nachdem während der Reformationszeit eine katholische Messe verboten war, ging die Ordensgemeinschaft nach Dillingen ins Exil. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1802 aufgelöst und in eine Kaserne umgewandelt. Von 1894 bis 1925 war in den Klostergebäuden eine Baugewerkeschule (heute Hochschule) untergebracht. 1932 wurde die Klosteranlage Heilig Kreuz vom Dominikanerorden übernommen.

ehemaliger Prälatenbau des Stifts Heilig Kreuz

Die evangelisch-luthersche Heilig-Kreuz-Kirche

entstand 1652, als die Ottmarskapelle abgerissen wurde. Im Jahr 1210 ließen die Augustiner-Chorherren auf dem Gelände des Klosters Heilig Kreuz eine Kapelle unter der Schutzherrschaft der heiligen Katharina von Alexandrien errichten. Sie wurde für die Bevölkerung als Leutekirche (Gemeindekirche) gebaut. Mit dem Bau konnte man die Stiftskirche den Chorherren vorbehalten.

Nach einer Renovierung im 15. Jahrhundert wurde die Schutzherrschaft auf den heiligen Ottmar übertragen (Ottmarskapelle). Im Jahr 1525 wurde die Ottmarskapelle vom Rat der Stadt der neu entstandenen evangelischen Gemeinde als Predikthaus zugeteilt. 1561 verzichteten die Augustiner-Chorherren auf ihre früheren Rechte. So konnten die Protestanten die Kapelle erweiterten. Es folgte die Umbenennung in Heilig-Kreuz-Kirche.

Mit dem Restitutionsedikt von 1629 von Kaiser Ferdinand II. wurde ohne Einverständnis der evangelischen Reichsstände, der geistliche Besitzstand wieder auf den Stand von 1552 gebracht. Die Protestanten wurden aus ihrer Kirche vertrieben. Die evangelische Heilig-Kreuz-Kirche wurde abgebrochen. Bis 1653 besaß die Gemeinde keine eigene Kirche mehr.

Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 erhielten die Protestanten das Gelände wieder zurück. Augsburg hat den Status einer paritätischen Reichsstadt erhalten. Damit konnte die evangelische Kirche nun als Doppelkirche neben der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche neu errichtet werden.

Finanziert wurde der Neubau durch Spenden der wichtigsten evangelischen Fürsten Mitteleuropas und der großzügigen schwedischen Königin Christina. Durch die große Spendenbereitschaft kam ein Betrag von 46.407 Gulden für den Bau zusammen. Die Grundsteinlegung für den barocken Kirchenbau, mit der zweigeschossigen Fassade und drei Portalen im Stil einer evangelischen Predigtkirche war 1652. Es war der erste protestantische Kirchenbau in Augsburg und wurde im Laufe der nächsten Jahrzehnte mit vielen Werken namhafter Künstler geschmückt.

Kanzel mit Passionsgruppe

Während kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich wurde die Kirche als Lager für Heu, Stroh und Pulver genutzt. Nach der Schlacht bei Ulm 1805 war die Kirche Gefangenenlager für mehr als 1.200 österreichische Kriegsgefangene, die von der französischen Armee hier untergebracht waren.

Nach der Reparatur der Schäden konnte ab 1807 wieder Gottesdienst abgehalten werden. 1809 „missbrauchte“ man sie kurzzeitig als Vorratslager. 1814 wurde die Evangelische Heilig-Kreuz-Kirche zur Filialkirche von St. Anna. Seit dem Jahr 1841 ist sie wieder eine selbständige Pfarrei. 1979 fand eine komplette Renovierung der Kirche statt.

Fortsetzung Teil 6: Innenstadt folgt