Augsburg Teil 3: Rathausplatz bis St. Ulrich

Augsburg hat mit seiner 2000 Jahre alten Geschichte sehr viele Sehenswürdigkeiten. Am besten ist, man nimmt an einer Stadtführung teil. Mein Spaziergang beginnt am

Rathausplatz

dem ehemaligen „Eiermarkt„. Zum Rathausplatz mündet der „Eisenberg“ rechts vom Rathaus. Der „Fischmarkt“ befindet sich zwischen dem Rathaus und der Kirche St. Peter. Der Fischmarkt war ein zentraler Verkaufs- und Umschlagplatz der Augsburger Stadtfischer. Heute sind die Stadtfischer auf dem Stadtmarkt. Leider wird der Platz seit geraumer Zeit von Umweltaktivisten „belagert“. (Keine Sehenswürdigkeit, eher Schandfleck!)

Am Fischmarkt stand das Narrenhäusle. Hier wurden Betrunkene ausgenüchtert oder Diebe festgehalten.

Die „Steingasse“ führt vom Rathausplatz zur „Annastraße“. Geht man „Unter dem Bogen“ durch, ist man ebenfalls in der Annastraße.

Der Augustusbrunnen

steht auf dem Rathausplatz. Er ist einer der drei Prachtbrunnen in Augsburg und soll den „Herrenstand“ repräsentierten. Der Brunnen wurde in den Jahren 1588 bis 1594 nach Modellen des niederländischen Bildhauers Hubert Gerhard vom Stadtgießer Peter Wagner gegossen. Wagner verwendete beim Guss Bronze und Messing. Das Becken und die Brunnensäule bestehen aus Marmor.

Die Brunnenfigur stellt den Stadtgründer, den römischen Kaiser Augustus als 50jährigen Mann dar. Die erhobene rechte Hand symbolisiert eine feierliche Ansprache. Der Lorbeerkranz auf seinem Kopf ist das Zeichen des Ruhms, der Ehre und des Friedens. An den Füßen von Augustus befindet sich das Stadtwappen von Augsburg und der Pinienzapfen (die Zirbelnuss). Zwei Steinbockköpfe weisen auf das Sternzeichen von Augustus hin.

Die weiblichen Hermen am Brunnenpfeiler nennt man auch Pflockweiber. Aus ihren Brüsten sprüht Wasser. Sie sind Sinnbilder des Überflusses und des Reichtums. Die vier Wassergottheiten am Beckenrand symbolisieren die Flüsse Lech, Wertach, Brunnenbach und Singold. Die nackten heidnischen „Götzen“ sorgten für viel Aufregung in der Stadt. Kritiker hatten jedoch keine Chance. Augsburgs führende Familien waren am Brunnenbau beteiligt. Die Fugger erteilten Künstlern den Auftrag mit der Gestaltung des Brunnens. Hans Welser war als Stadtpfleger für die Aufstellung mitverantwortlich. Der prächtige Augustusbrunnen sprudelt nun bereits seit dem Jahr 1594.

Der Neue Bau

steht am Rathausplatz 8. Er stammt von Elias Holl aus dem Jahr 1614. Nach schweren Beschädigungen in der Bombennacht 1944 wurde das Haus wieder hergestellt.

Das große Gebäude am Rathausplatz, mit vier Geschossen und vier Flügeln sowie zwei Erkern wurde 1900 im Stil des Augsburger Renaissance gebaut.

Geht man durch den Innenhof, kommt man von der Maximilianstraße in die Philippine-Welser-Straße. Das Eingangsportal wird von Säulen eingerahmt. Es war das Polizeigebäude. Heute gehört es als Verwaltungsgebäude der Stadt Augsburg.

Die Augsburger Börse

Den Rathausplatz in seiner heutigen Form gibt es erst seit 1960. Vorher war auf dem Platz die Augsburger Börse. Sie entstand 1540 auf Betreiben der Fugger. Zusammen mit der Nürnberger Börse war sie die erste Institution dieser Art in Deutschland. 1935 wurde von den Nationalsozialisten die Fusion mit der Münchner Börse erzwungen. Noch heute gibt es die Bayerische Wertpapierbörse mit Sitz in München. Die Augsburger Börse wurde geschlossen. Der Blick wurde frei auf das

Rathaus

Es ist mit dem Perlachturm, das Wahrzeichen von Augsburg. Das Rathaus zählt zu den bedeutendsten Bauten der Renaissancearchitektur nördlich der Alpen. 

Bereits 1260 stand hier ein aus Holz gebautes Rathaus, das abgebrannt ist. 1385 entschied sich man sich für den Bau eines Gebäudes aus Stein. Im 17. Jahrhundert sollte das Rathaus umgebaut werden. Die Stadtregierung beauftragte 1609 den Baumeister Elias Holl mit dem Umbau des gotischen Gebäudes. Er brauchte sechs Jahre für den Umbauplan. Die Stadträte lehnten den Plan jedoch ab. 1614 beauftragte man Holl mit dem Abriß des Gebäudes. Er sollte einen prächtigen Neubau errichten. Der Neubau mußte den Ansprüchen der Reichstage, die in der Stadt abgehalten wurden, entsprechen. Die Grundsteinlegung war am 25. August 1615. Gemäß den Stadtvätern sollte das Rathaus keine Türme bekommen. Elias Holl setzte sich aber mit dem Bau von Zwiebeltürmen durch.

1620 waren die Außenarbeiten abgeschlossen. Es war eine Pionierleistung von Elias Holl. Das Rathaus galt bei seiner Fertigstellung als weltweit einziges Gebäude mit mehr als sechs Stockwerken.

Der an der Frontseite gemalte Reichsadler symbolisiert die Reichsunmittelbarkeit der Stadt. Die kupferne Zirbelnuss steht für die antike Gründung der Stadt Augsburg. Sie ist als römische Schmuckform bekannt und symbolisiert Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit. Seit 1237 ist die Zirbelnuss auch das Motiv des Stadtsiegels. Die Baukosten für das einzigartige Gebäude beliefen sich auf 100.000 Gulden.

Besichtigung von Rathaus

Geht man durch die rechte Pforte neben dem Hauptportal, befindet man sich im „Unteren Fetz“. „Fletz“ bedeutet Hausflur. Bereits seit 400 Jahren tragen die Marmorsäulen die Gewölbedecke in dem großen Saal. Im Jahr 1616 ließ Elias Holl die Säulen aus Rotscheck-Marmor aus dem Salzburger Land importieren. Zwei Treppen führen von hier in die oberen Stockwerke.

Der „Obere Fletz“ im ersten Obergeschoss war für die Amtszimmer der Augsburger Ratsherren bestimmt. Seit dem Zweiten Weltkrieg wird das Stockwerk als Sitzungssaal des Stadtparlaments genutzt. Die Fraktionsbüros der im Stadtrat vertretenen Parteien sind auch auf der Etage. Das „Obere Fletz“ kann man nicht besichtigen. Prunkstück des Rathauses ist der

Goldene Saal.

Er erstreckt sich über zwei Stockwerke, umfaßt eine Fläche von 552 Quadratmetern und ist 14 Meter hoch. Sehr überwältigend sind die sechs vergoldeten Portale. Über dem südlichen Portal ist eine goldene Gedenktafel. Seitlich der großen Gedenktafel prunken goldene Gottheiten die kleine, vergoldete Tafeln festhalten. Auf den Tafeln ist in goldenen Lettern der Name Fugger (Fuggero) und Welser (Versero) geschrieben.

Die Wände des Goldenen Saals sind mit Gemälden der römisch-deutschen Kaiser und aller am Bau beteiligten Baumeister geschmückt.

Über dem Portal am Ein-/Ausgang ist ein Gemälde der Stadtgöttin Augusta mit Reichsadler und den vier Augsburger Flüssen Lech, Wertach, Singold und Brunnenbach dargestellt.

Ein besonderes Prachtstück im Goldenen Saal ist die Kassettendecks mit zahlreichen Deckengemälden. Das Hauptgemälde stellt die Sapientia (Weisheit) dar. Das 24 m² große ovale Hauptgemälde wird von einem lateinischen Spruchband geziert: „Durch mich herrschen die Herrscher“. Ein Rundbild zeigt Elias Holl mit dem Rathaus. Das Spruchband hierzu lautet: „Städte werden gegründet“. Umrahmt ist das Bild von vier Frauengestalten die Wissen, Fruchtbarkeit, Fleiß und Frömmigkeit darstellen. Es ist noch ein Rundbild zum Thema der Wahrhaftigkeit der Reichsstadt Augsburg zu sehen. Umrahmt ist es von den Frauengestalten Heilkunst, Redlichkeit, Gerechtigkeit und Wohlstand. Das Spruchband hierzu heißt: „Feinde werden abgewehrt“.

Sehr schön ist auch der „historische“ Marmorboden im „Unteren Fletz“ und im „Goldenen Saal“. Unterschied ist nur, daß der Fußboden im Goldenen Saal erst 1983 exakt nach den Plänen von Elias Holl aus dem Jahr 1617 verlegt wurde. Die verbauten Platten stammen aus den gleichen Steinbrüchen wir vor rund 400 Jahren.

Die Fürstenzimmer

grenzen an den Goldenen Saal. Die Zimmer dienten den wichtigen Gästen des Augsburger Stadtrates als Aufenthalts- und Rückzugsmöglichkeit. Sie waren eher gemütlich und nicht prachtvoll eingerichtet. Die ca. 150 m² großen Zimmer waren ausgestattet mit Kassettendecken, holzgetäfelten Wänden, Parkettböden und einem Kachelofen. Für die Gäste standen schöne Schreibpulte, Tische, Sessel und Stühle zur Verfügung.

Im zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben die Fürstenzimmer. Seit 1980 rekonstruiert man sie wieder. Ein Zimmer ist bereits fertiggestellt. Gerne lassen sich Brautpaare hier trauen. Der Mietpreis für die Dauer der Trauung beträgt € 150,00 incl. MwSt. Auch für Veranstaltungen kann man den Saal anmieten.

Der Ratskeller

Nach der Trauung im Fürstenzimmer kann die Hochzeitsfeier gleich im Keller des Rathaus abgehalten werden.

Um jedoch im Traditionsgasthaus Ratskeller einkehren zu können, muss man erst die Stufen vom Eisenberg neben dem Rathaus hinunter oder vom Elias-Holl-Platz hinauf gehen. Der Eingang vom Ratskeller liegt genau in der Mitte vom Eisenberg.

Der Eisenberg ist mit den 57 Stufen die zweitlängste steinerne Treppe in der Fuggerstadt. Seinen Namen bekam der Eisenberg von dem, nach der Treppe gelegenen Gefängnis. Hier wurden die Häftlinge „in Eisen gelegt“. Die Gefangenen bekamen Eisenschellen um die Fußknöchel und wurden mit Ketten an Eisenringen an der Wand oder einer schweren Eisenkugel angeschmiedet. Eine Flucht war unmöglich.

Der Elias-Holl-Platz

liegt an der Rückseite des Augsburger Rathauses. Hier sieht man den Höhenunterschied zwischen der Augsburger Hochterrasse und dem Lechviertel deutlich. Der Elias-Holl-Platz liegt einige Meter tiefer als der Rathausplatz und so erscheint das Rathaus von dieser Seite um ein Stockwerk höher. Auf der ganzen Breite des Rathauses befindet sich eine Terrasse. Sie wird im Sommer vom Ratskeller bewirtschaftet. Das war jedoch nicht immer so.

Als das, von Elias Holl geplante Rathaus gebaut wurde, mußte er auf Anordnung des Rates den „Eisenhof“ an das Gebäude anbauen. Dazu ließ Elias Holl vier Häuser mit Wohnungen für Ratsdiener, Eisenmeister und Stadtknechte abreissen. Es entstanden in 14 Bauten zwölf beheizbare Zellen und Dienstwohnungen. Tageslicht bekamen die 14 Anwesen von kleinen Höfen. Der gesamte Platz war überbaut. 1807 wurde das Stadtgefängnis geschlossen. 1880 erwarb die Stadt das Gebäude und ließ es 1884 abbrechen.

Der Elias-Holl-Platz entstand erst 1890 auf Wunsch mehrerer Bürger. Die Augsburger waren vom freien Blick auf die Rückseite vom Rathaus begeistert und wollten den Anblick auch dauerhaft erhalten. Durch Spenden aus der Bevölkerung wurden Bäume gepflanzt, Rasen- und Pflanzenflächen und ein Flanierweg angelegt.

Bei der letzten Sanierung im Jahr 2009 erhielt der Platz sein heutiges Flair. Bei einem Architektenwettbewerb war die Vorgabe einen „urbanen italienischen Platz bei multifunktionalen Nutzungsmöglichkeiten“ zu schaffen.

Auf dem Elias-Holl-Platz wurde 1968 ein Denkmal in Form eines Obelisken errichtet.

File:Augsburg Elias-Holl-Denkmal 02.jpg - Wikimedia Commons

Bei den Gebäuden um den Elias-Holl-Platz handelt es sich überwiegend um Handwerkerhäuser die im Kern aus dem 16. Jahrhundert stammen.

Wir gehen den Eisenberg wieder hinauf und können am Ende der Treppe an der Wand vom Rathaus und dem gegenüberliegenden Gebäude Reliefs sehen. In torkelnden Lettern steht geschrieben „also geht’s in der Welt“. Ein Zunftmeister hat die Inschrift erstellen, nachdem er von seiner Frau betrogen worden war. Die ganze Geschichte um die Tafeln kann ich hier natürlich nicht wiedergeben.

Der Perlachturm

wurde im Jahr 989 als 30 m hoher Wachturm zur Ausschau nach Feuer und Eindringlingen errichtet. 1348 wurde eine 76 Zentner schwere Feuerglocke im Turm installiert. Mit der Glocke warnte der Stadtvogt die Bürger vor Gefahren. 

Erst im Jahr 1526 baute man den Turm um und stockte ihn auf 63 Meter auf. Einige Jahre später erhielt der Perlachturm ein Uhrwerk mit Glocke. Mit den viertelstündlichen Glockenschlägen wurde der Bevölkerung die Uhrzeit angezeigt.

Der Perlachturm, wie er heute zu sehen ist, stammt aus der Zeit von 1612 bis 1618 vom Stadtbaumeister Elias Holl. Der Baumeister passte den Turm optisch an den Neubau des Rathauses an. Holl ließ den Turm auf seine heutige Höhe von 70 Metern aufstocken. Dazu wurden dem Turm 10 Säulen, eine Kuppel mit Laterne und eine Zwiebelhaube aufgesetzt. Die vergoldete Wetterfahne stellt die heidnische Stadtgöttin Cisa dar, die insbesondere in Augsburg verehrt wurde.

260 Stufen führen zur Aussichtsplattform vom Perlachturm. Belohnt wird man mit einem wunderbaren Rundblick über Augsburg. Spielt das Wetter mit, sieht man bis in die Alpen. Statt dem „anstrengenden“ Aufstieg bietet es sich auch an, um 11, 12, 17 oder 18 Uhr gemütlich einem Glockenspiel vom Perlachturm zu lauschen. Es erklingen, je nach Jahreszeit, wechselnde Melodien, die auf dem gesamten Rathausplatz zu hören sind. Eine Melodie davon ist das Glöckchenspiel aus Mozarts Zauberflöte.

Der Perlachturm und das „Turamichele“

auf hochdeutsch: Turm-Michael, ist der Name eines mechanischen Figurenspiels im Perlachturm. Es zeigt den Erzengel Michael im Kampf mit dem Teufel. Das Turamichele ist nur um den 29. September, dem Michaelitag zu sehen. Zu jeder vollen Stunde zwischen 10 und 18 Uhr erscheint der hölzerne St. Michael am, mit Blumen geschmückten Fenster des Perlachturms. Michael sticht im Takt der Stundenschläge mit einer Lanze auf den, zu seinen Füßen liegenden Teufel ein.

Das Turamichele wird schriftlich erstmals in einer Familienchronik von 1616 erwähnt. Der Brauch etablierte sich als Symbol der „Gegenreformation“. Mit der Darstellung sollten die prostestantischen Gegner verhöhnt werden. 

Heute ist das Turamichele-Fest ein großes Kinderfest. Es versammeln sich stündlich viele Kinder und Erwachsene vor dem Perlachturm und warten gespannt auf das Erscheinen der Michaels-Figur. Alle zählen laut die Lanzenstiche des Erzengels mit. Traditionell lassen Kinder Luftballone mit angehängten „Augsburger Friedensgrüßen“ in den Himmel steigen.

Schade ist, daß der Jahrhunderte alte Brauch in der Kritik steht. Das mache ich normalerweise nicht, doch hier muß ich zitieren: „Der Brauch verträgt sich nicht mit den Grundsätzen einer offenen, freiheitlich-demokratischen Gesellschaft. Das Turamichele gilt traditionell als Symbolfigur für den teilweise mit kriegerischen Mitteln geführten Kampf gegen Heiden und andere Konfessionen, sowie aus nationalistischer Sicht für die angebliche Überlegenheit des deutschen Volkes und seiner Kultur. Die blutige Darstellung der totalen physischen Vernichtung des Gegners sei inhuman und nicht kindgerecht“. Ist doch gut, daß unser Fernsehprogramm „kindgerecht“ ist. 

Nicht auf der Kippe steht der jährlich stattfindende „Perlachturmlauf“. Er gehört zu den bekanntesten Turmläufen in Deutschland.

Die Kirche St. Peter

und der Perlachturm wurden vermutlich zusammen um das Jahr 1060 errichtet. Der Perlachturm hatte eine Funktion als Wach- und Kirchturm. Der Zugang zum Turm war nur über eine Treppe in der Kirche möglich. Die südliche und mittlere Kapelle von St. Peter befindet sich im Erdgeschoss vom Perlachturm. Der Eingang in die Kirche St. Peter befindet sich am Fischmarkt.

Der Vorsteher der St. Peter Kirchengemeinschaft wurde seinerzeit vom Papst selbst ernannt. Das läßt darauf schließen, das die Kirche eine bedeutende Rolle in Augsburg gespielt hat. Mit Schenkungen von Augsburger Patrizierfamilien ist der Reichtum der Gemeinschaft rasch angestiegen.

Das Gebäude stand nicht innerhalb der Stadtmauer und wurde öfters zerstört. 1182 stürzte die Kirche während des Gottesdienstes ein. Die heutige Kirche wurde im Ziegelbaustil errichtet. Sie zählt zu den ersten, in diesem Stil erbauten Gotteshäusern in Süddeutschland. Vor der Kirche war ab 1260 ein Fischmarkt. Der Platz, der der Kirche gehörte, wurde als Richtplatz genutzt.

1385 und 1622 wurde festgelegt, daß vor der Wahl des Bürgermeisters ein Gottesdienst in St. Peter stattzufinden habe. Bis heute ist es Tradition, daß die Bürgermeister und Stadträte nach der Sommerpause einen ökumenischen Gottesdienst in der „Ratskirche“ feiern.

Besitzverhältnisse von St. Peter

sind nicht ganz einfach und vermutlich einmalig. Die Außenmauern von St. Peter gehören dem Freistaat Bayern. Dem „Bürgerverein St. Peter am Perlach e.V. gehört das Kircheninnere. Die Vereinigung wurde von vier Augsburger Familien bereits im Jahr 1780 gegründet. Sie konnten den Abriss der Kirche nach der Säkularisation verhindern. Der Perlachturm ist im Besitz der Stadt Augsburg. Die große Sakristei (früher Kapelle der heiligen Katharina und der heiligen Felicias) ist in Privateigentum.

Neben dem Perlachturm ist der Perlachberg, der zur Stadtmetzg führt. Gleich am Anfang vom Perlachberg ist rechts eine kleine Gasse mit dem Namen „Hinterer Perlachberg“. Hier war einst das Gasthaus „Zur finsteren Stube“. Vom Hinteren Perlachberg aus, sieht man die Treppe, über die man wieder zum Fischmarkt kommt.

Kunstwerke in St. Peter

In der romanischen Hallenkirche steht im Eingangsbereich eine kleine Terrakotta-Figur. Sie stellt Jesus Christus dar, der sich den Menschen segnend zuwendet. Die Darstellung des thronenden Christus (Pantokratur) ist um das Jahr 1200 entstanden.

Das Gemälde „Maria die Knotenlöserin“

ist mehr in der Welt als in Augsburg bekannt. Es stammt vom Augsburger Künstler Johann Georg Melchior Schmidtner. Das barocke Gnadenbild wurde im Jahr 1700 vom Augsburger Patrizier Hieronymus Ambrosius Langenmantel, Stiftsherr beim Stift St. Peter, in Auftrag gegeben. Langenmantel stiftete es für den Altar der „Mutter vom Guten Rat“. Das Gemälde zeigt die, auf einer Mondsichel stehende Madonna, wie sie Knoten von einem langen weißen Band löst. Maria steht mit dem Fuß auf dem Kopf einer Schlange. Die Schlange symbolisiert den Teufel und die Erbsünde. Der Tritt mit dem Fuß auf die Schlange zeigt, daß der Südenfall rückgängig gemacht wird. 

Der Legende nach hat Langenmantel das Bild für einen Verwandten malen lassen, der sich von seiner Frau scheiden lassen wollte. Der Priester erteilte genaue Anweisungen, wie der Maler das Bild ausführen sollte. Es entstand ein schönes warmherziges Bild, das mit viel Liebe angefertigt worden war. Langenmantel schenkte das Bild den Eheleuten. Sie beteten vor dem Gemälde, retteten ihre Ehe und waren von nun an glücklich.

Maria Knotenlöserin in Argentinien

Der Priester Jorge Mario Bergoglio, der heutige Papst Franziskus bekam eine Postkarte mit dem Bild der Knotenlöserin. Das Bild gefiel ihm so gut, daß er eine Kopie von der Malerin Ana Betta de Berti anfertigen ließ. Seit dem 8. Dezember 1996 hängt diese Kopie in der Kirche San José del Talar in Buenos Aires. An jedem 8. des Monats, dem Tag der Knotenlöserin, pilgern tausende Gläubige in die Kirche. Sie bitten um Hilfe bei Krankheiten, Beziehungsproblemen, eigentlich bei allen Problemen, die „gelöst“ werden sollen.

Für das Gästehaus im Vatikan hat sich Franziskus eine Kopie des Gemäldes anfertigen lassen. Durch die Verehrung von Papst Franziskus wurde „Maria die Knotenlöserin“ in der ganzen Welt bekannt.

Moritzplatz

Wir gehen die Maximilianstraße weiter und kommen zum Moritzplatz. Er hat seinen Namen von der, an den Platz grenzenden St. Moritz-Kirche.

Die St. Moritzkirche

ist eine der ältesten Kirchen in Augsburg. Der Augsburger Bischof Bruno, ein Bruder von Kaiser Heinrich II., gründete 1019 ein Kollegiatstift zu Ehren des Ritterpatrons Mauritius und seinen Gefährten. Es war die vierte geistliche Gemeinschaft in Augsburg nach dem Dom, der Basilika St. Ulrich und Afra und St. Stephan. Nach einem Brand 1084 und einem teilweisen Einsturz 1299 wurde die Kirche 1314 etwas größer wieder aufgebaut. 

Papst Julius II. genehmigte Jakob Fugger dem Reichen im Jahr 1510 mit einer Zahlung von 1000 Gulden, daß eine Stiftsherren-Stelle in eine Prädikatur-Stiftung umgewandelt wurde. Die Prädikaturstiftung beinhaltet ein Vorschlagsrecht über die Prediger- und Pfarrstelle in St. Moritz. Die immer noch bestehende Prädikatur wird heute vom Fuggerschen Seniorat wahrgenommen. Die Familie Fugger unterstützt die Kirche mit Geld bei Vorhaben ohne Gegenleistung.

1714/1715 ließen die Stiftsherren die gesamte Kirche im Stil des Barock umgestalten. Das Kollegiatstift wurde in der Säkularisation 1803 aufgehoben. St. Moritz war nur noch Pfarrkirche. 

In der Bombennacht vom 24. /25. Februar 1944 brannte die Kirche aus. Zwischen 1946 und 1950 wurde St. Moritz in einfacher Form wieder aufgebaut. In den Jahren 2010 bis 2013 entstand unter dem Londoner Architekten John Dawson der „Kirchenraum der Zukunft“. 

Die Moritzkirche ist heute nicht nur Pfarrkirche, sondern auch Sitz der „City-Seelsorge des Bistums Augsburg“. Zur Kirche gehört der „Moritzpunkt“, ein Café am Ostchor der Kirche.

Die Schranne

befindet sich an der Nordseite der Moritzkirche. Die Kornschranne war das Lager für Getreidevorräte. Bis 1899 wurde sie von der Feuerwehr als Unterstand für Löschfahrzeuge genutzt. 1906 mußte die baufällige Halle wegen der Verkehrsführung der neuen Bürgermeister-Fischer-Straße weichen. Man stellte nur noch Sitzbänke auf. Eine Balustrade war die Abgrenzung zur Straße.

Von 1979 bis 1980 entstand für 900.000 DM Baukosten die neue Schranne. Damals ein Vermögen. Die Schranne erhielt eine Holzdecke aus Mahagoni mit eigens gestalteten Hängeleuchten. Das Dach der Halle wurde in Kupferblech gearbeitet. Auf den Giebeln ist die Augsburger Zirbelnuss angebracht. Heute sind in der Schranne kleine Geschäfte. Sie ist die Wartehalle für die Straßenbahn- und Bushaltestelle „Moritzplatz“.

Kleiner Tipp: Gleich neben der „Schranne“ ist eine Eisdiele „Der goldene Erker“. Hier muß man sich unbedingt eine Tüte Eis holen. Die Auswahl an Eissorten ist riesig. Einfach lecker! Im 1. Stock ist ein nettes, kleines Café.

Das Weberhaus

ist gegenüber der Schranne am Moritzplatz. Das erste Weberhaus war aus Stein und Holz. Es wurde 1389 erbaut und war Sitz der Weberzunft. Nach Aufhebung der Zünfte 1548 wurde es der Sitz der „Herren ob dem Weberhaus“. Es waren vom Rat eingesetzte Herren, die die Oberaufsicht über alle Einrichtungen des Weberhandwerks hatten. Hier fand die Qualitätsprüfung und der Verkauf der Weberwaren statt. Es war der zentrale Punkt des mittelalterlichen Textilhandels in Augsburg. Schon damals hatte das Gebäude eine farbige Bemalung. Die Fassade wurde von 1605 bis 1607 mit Fresken verziert.

Im Jahr 1863 wurde das Weberhaus versteigert. Nach der Versteigerung wurde es im Inneren völlig umgestaltet. Man baute die, im Jahr 1457 von Peter Kalthoff bemalte Holzverkleidung der Zunftstube aus. Sie ist seitdem im Besitz des Bayerischen Nationalmuseums.

Das alte Weberhaus war bei der Planung der neuen Bürgermeister-Fischer-Straße im Weg. Man ließ es trotz vieler Proteste abreissen. Reste der Originalfresken konnten beim Abbruch gesichert werden. Sie können im Maximilianmuseum besichtigt werden.

Im Jahr 1913 wurde ein neues Weberhaus gebaut. Die alte Fassadenbemalung wurde rekonstruiert. Bereits 1935 wurde das Weberhaus in einem völlig anderen Stil neu bemalt. Bei der Bombardierung 1944 wurde das Weberhaus zerstört. 1959 baute man es wieder originalgetreu auf.

Bei einem Brand des Dachstuhls im Jahr 2004 wurden wesentliche Teile des Gebäudes und der Außenbemalung in Mitleidenschaft gezogen. Mit Hilfe eines Fördervereins wurde von 2007 bis 2008 der Zustand des Weberhauses wieder wie vor dem Brand hergestellt.

Der Merkurbrunnen

am Moritzplatz ist der zweite Prachtbrunnen von Augsburg. Er soll den „Kaufmannsstand“ repräsentierten. Den Auftrag zum Bau des Brunnens erteilten im Jahr 1596 die Stadtpfleger Johann Welser und Oktavian Sekundus Fugger. Der Merkurbrunnen wurde in den Jahren 1596 bis 1599 vom Niederländer Adriaen de Vries modelliert und vom Augsburger Stadtgießer Wolfgang Neidhardt gegossen.

Bereits in der Antike wurde Merkur in Augsburg verehrt. Er galt als Erfinder der Künste und Begleiter auf Wegen und Reisen. Als Gott des Handels (Götterbote) sollte er auf die Bedeutung der Stadt als Handelsmetropole aufmerksam machen. Der vierseitige Brunnen steht auf einem zehneckigen Becken aus Marmor. Das Wasser fließt aus Bronzen am Pfeiler. Es sind 2 Hundeköpfe, zwei Medusenhäupter, zwei Löwenmasken und vier Adlerköpfe. Die Bronzen stehen als Symbol der Gefahren, die den Handel und Verkehr bedrohen. Gott Merkur soll vor diesen Gefahren schützen.

Auf der Brunnensäule steht nur ein Bronzeabguss der Merkurfigur. Im Maximilianmuseum ist das Original zu besichtigen.

Geht man von der Maximilianstraße durch das Apothekergäßchen sieht man das prächtige

Zeughaus.

Erbaut wurde das Zeughaus von 1602 bis 1607 von Elias Holl. Über dem Portal an der Ostseite des Gebäudes befindet sich die beeindruckende Bronzegruppe St. Michael. Sie zeigt den Erzengel St. Michael im Kampf mit dem Satan. Das gleiche Motiv findet man beim „Turamichele“ am Perlachturm wieder.

Das Gebäude war ein Waffenarsenal. Es konnten 3000 Soldaten untergebracht werden. Nach dem Ende der Augsburger Reichsfreiheit ging das Gebäude in das Eigentum des Königreichs Bayern über. Die Nutzung blieb gleich. 1893 kaufte die Stadt Augsburg das Anwesen für 195.000 Goldmark zurück. Es wurde die städtische Feuerwache.

Die Bombennacht 1944 überstand das Zeughaus fast unversehrt. Ende 1960 wollte der Stadtrat das Gebäude an einen Kaufhauskonzern verkaufen. Engagierte Augsburger haben den Verkauf verhindert.

1975 ist die Augsburger Feuerwehr in ihre neue Hauptfeuerwache an der Berliner Allee gezogen. Ab 1978 wurde das Zeughaus umfassend renoviert. Heute findet man im Anwesen ein Bildungs- und Begegnungszentrum der Stadt Augsburg. Im historischen Bau gibt es Versammlungs- und Ausstellungsräume. Verschiedene Räume sind von der Sing- und Musikschule Mozartstadt Augsburg belegt.

Die Toskanische Säulenhalle befindet sich hinter dem Hauptportal im Erdgeschoss vom Zeughaus. Das ehemalige Waffenlager nutzt man heute für Ausstellungen. Seit 2015 wird vom Römischen Museum Augsburg die Ausstellung „Römerlager“ gezeigt.

In den Zeughausstuben befindet sich eine Gaststätte. Zur Gaststätte gehört ein großer Biergarten. Durch die großen Kastanienbäume findet man hier immer ein schattiges Plätzchen. Nach einer kurzen Pause gehen wir wieder in die

Maximilianstraße,

die meist als Maxstraße bezeichnet wird. Sie zählt zu den kunsthistorisch bedeutenden Straßen in Süddeutschland. Das Teilstück der Straße vom Rathaus zum Merkurbrunnen liegt auf der Via Claudia Augusta und war ein Wallfahrtsweg zum Grab der heiligen Afra. Wollte man einst vom Rathaus zur Kirche St. Ulrich und Afra gehen, so passierte man den Merkurbrunnen, den Brot-, Holz- und Weinmarkt. Am Weinmarkt wurde im übrigen nicht nur Wein gehandelt.

Der Weinmarkt war um 1560 der größte zentrale Platz der Stadt. Er spielte eine wichtige Rolle bei Veranstaltungen wie den Reichstagen, Prozessionen und Turnieren. Den Platz „Weinmarkt “ nannte man ab 1771 die „Königliche Straße“. Erst im Jahr 1809 erhielt die Straße zu Ehren des bayerischen Königs Maximilian I. den Namen Maximilianstraße.

Durch den Aufstieg von Augsburg zur mächtigsten Finanzmetropole in Europa siedelten sich Patrizierfamilien, Bankiers und Kaufleute am Weinmarkt an. Es entstanden repräsentative Bauten wie die Fuggerhäuser, das Schaezlerpalais, der Roeck-Haus. Das palastartige Hotel „Zu den drei Mohren“ wurde errichtet.

Der Preis für einen Bauplatz an der Straße war horrend. Für ein Haus war zudem eine Gebäudesteuer zu entrichten. Die Steuer errechnete sich nach der Länge der Frontfassade des Gebäudes. Bei den meisten Häusern ist die Fassade schmal, sie sind in die Länge gebaut worden. Zur Auflockerung baute man einen Innenhof in das Anwesen.

Die Bürgerhäuser sind zum Teil aus dem 16. Jahrhundert. Über alle Gebäude, die sich in der Maximilianstraße befinden, kann ich im Blog nicht schreiben. Ich werde mich auf die wesentlichen beschränken.

Kino Capitol

Das Gebäude vom einstigen Lichtspieltheater „Capitol“ ist vermutlich schon über 400 Jahre alt. Aus den Grundstücksakten ist zu entnehmen, daß das Anwesen 1596 von Jakob Fugger dem Älteren an einen Braumeister verkauft wurde. Von 1646 bis 1851 war hier die „Brauerei zu goldenen Löwen“. Aus der Brauerei wurde die Wirtschaft „Zum Gambrinus Keller“. Im Jahr 1919 wurde aus dem stadtbekannten Lokal ein Kino. Seit dieser Zeit stehen über dem Eingang vier weiße Steinfiguren und weitere vier weiße Statuen über der obersten Fensterreihe der Fassade. Der Kinobetrieb wurde 1999 eingestellt. Heute befindet sich in dem Gebäude wieder eine Gaststätte.

Noch ganz interessant ist, daß bei der Katasteruraufnahme, die von Napoleon 1808 angeordnet wurde, das Anwesen Judengasse 2, also der ehemalige Brauereigasthof und das spätere Capitol und nicht das Rathaus die Flurstück Nr. 1 erhielt.

Die Stern-Apotheke

befindet sich neben dem Capitol. Die Geschichte des Gebäudes ist seit dem Jahr 1659 dokumentiert. 1659 ist das Gründungsjahr der Apotheke „Zum Goldenen Stern“ von Johann Kaspar Welsch.

Bankhaus Hafner

Neben der Stern-Apotheke befindet sich seit 1918 das Bankhaus Hafner. Anton Hafner hat das Bankhaus mit einem Startkapital von 30.000 Mark eröffnet. In dieser Zeit gab es in Augsburg bereits 30 Privatbanken. Seit 1935 ist das Bankhaus Mitglied der Münchner Wertpapierbörse. Dadurch konnte sich die Bank während der Wirtschaftskrise in den 20er Jahren behaupten. Weit über die Grenzen von Augsburg bekannt ist das Bankhaus auch durch den Handel mit Gold- und Silbermünzen. Anton Hafner zog sich mit 86 Jahren vom Bankgeschäft zurück. Sein Bruder Hans räumte erst mit 91 Jahren seinen Schreibtisch. Ihr Lebensmotto war „Sparsamkeit, Fleiß und Selbstdisziplin“. Dies verlangten sie auch von ihren Mitarbeitern.

Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich die „Fuggerhäuser“. Die Fuggerhäuser habe ich bereits unter „die Fugger“ ausführlich beschrieben.

Hotel Maximilian’s ehemals „Hotel Drei Mohren“

Ein Gasthaus, dessen Name nicht bekannt ist, gab es bereits 1344 in der Stockhausgasse. Erste Übernachtungen sind erst ab dem Jahr 1495 dokumentiert. Der Augsburger Gastwirt Ulrich Minner soll, der Legende nach, drei dunkelhäutigen Mönchen aus Abessinien Obdach gewährt haben. Sie befanden sich auf der Reise in den Süden. Durch einen strengen Frost wurden sie gezwungen, in Augsburg zu überwintern. Ursprünglich hatten sie zu viert die Reise angetreten. Ein Mönch starb aber bereits im Hochfeld. Bevor die Mönche im Frühjahr wieder abreisten, ließ der Wirt eine Tafel mit einem Bildnis der drei Mönche anfertigen. Diese Tafel hängte er als Gasthausschild auf.

Der Weinwirt und Hausherr der Herberge “ Zu den drei Mohren“, Andreas Wahl, suchte nach einem größeren Haus für mehr Gäste und Kutschen. Er kaufte im Jahr 1722 ein altes Anwesen, das gegenüber dem Gasthof in der Stockhausgasse lag. Es ist der heutige Standort vom Hotel in der Maximilianstraße.

Vorbesitzer des Grundstücks vom Drei Mohren

Kurz die Geschichte vom „alten“ Anwesen: Das am Weinmarkt gelegene Gebäude war 1511 im Besitz der Patrizierfamilie Herwart. Im Jahr 1575 verkaufte Hans Paul Herwart das Anwesen für 7000 Gulden an die Fugger. Sie nutzten es als Gästehaus. Im Jahr 1714 zerstörte ein großer Brand das Herwart-Haus und ein Nachbarhaus, das der Fuggerfamilie gehörte. Graf Johann M.J. Fugger, der damalige Besitzer, wohnte nicht in Augsburg. Er hatte keinerlei Interesse, die Gebäude wieder aufbauen zu lassen.

Neugestaltung vom „Herwart-Haus“ 1722

Andreas Wahl ließ den Gebäudekomplex vom Münchner Baumeister Johann Baptist Gunetzrhainer neu gestalten. Das Gebäude erhielt eine prächtige Rokokofassade. Der Baumeister ließ einen Balkon am Haus anbringen. Über dem Balkon befanden sich Büsten von „drei Mohren“. Es war das einzige Gebäude am Weinmarkt mit einem Balkon.

Das Haus erhielt auch innen eine edle Ausstattung. Neben den Gästezimmern gab es einen Speiseraum, einen Rittersaal, einen Raum zum Tanzen und eine Hauskapelle.

38 Kaiser und 18 Könige übernachteten seit der Eröffnung im Drei Mohren. Es erhielt den Beinamen „Fürstenherberge“. Auch namhafte Künstler, wie Johann Wolfgang von Goethe und Wolfgang Amadeus Mozart übernachteten im Hotel. Bis 1804 gehörte das Anwesen den Nachkommen von Andreas Wahl.

Weltruhm erhielt das Drei Mohren nicht nur durch seine Gästeliste. Ab 1804 pflegte der Hotelier Johann Georg Deuringer einen Weinkeller. Deuringers Weinliste galt als der Leitfaden erlesener Tropfen.

Palasthotel Drei Mohren

1874 veräußerte der Enkel von Johann Georg Deuringer das Anwesen. Neuer Besitzer wurde die Aktiengesellschaft „Hotel zu den Drei Mohren Augsburg“. Man nannte es nun auch „Palasthotel“. 1875 bis 1877 baute man das Gebäude erneut um. Der Architekt erweiterte das Hotel. Er ließ ein ehemaliges Gebäude der Fugger abreissen. Den alten Fassadenschmuck bezog er jedoch in den neuen Hotelbau ein. Es entstand der „Palmengarten“ in dem sich heute die „Teehalle“ befindet.

1878 ersteigerte der Industrielle Ludwig August Riedinger das Hotel. 1898 installierte man im Gebäude einen der ersten Dieselmotoren der Welt, der Storm für das Hotel erzeugte. Im Jahr 1915 fand erneut ein Umbau und eine Sanierung statt. Die Kutschenremisen und Stallungen wurden für Automobile umgebaut.

In der Bombennacht 1944 wurde das Hotel schwer getroffen und brannte ab. Im Jahr 1947 ließ die Drei Mohren AG das Gebäude am gleichen Ort neu errichten.

1979 wurde der Hotelbetrieb von der „Drei Mohren AG“ an die Steigenberger Hotel AG übertragen. 2009 kündigte die Steigenberger AG den Vertrag nach dreißig Jahren.

Bis zum heutigen Tag ist die Drei Mohren AG, die mittlerweile die Drei Mohren GmbH ist, der Besitzer des Hotels. Im Jahr 2011 hat man das Hotel für ein Jahr geschlossen. Es wurde unter Wahrung der Tradition grundlegend modernisiert. Diese Modernisierung war erforderlich, um weiterhin das erste Haus am Platz zu bleiben. In das Gestaltungskonzept hat man große Kunstsammlung des Hauses mit eingebunden.

Räumlichkeiten vom Hotel

Das Hotel verfügt über 132 Zimmer, davon sind fünf Suiten. Es hat einen 360 qm großen, im orientalischen Stil gehaltenen Spa-Bereich. Der Veranstaltungsbereich ist 1200 qm groß.

Die „Teehalle“ bietet Platz für bis zu 600 Personen. Der Saal hat eine jahrzehntelange Tradition. Ich war hier vor vielen Jahren beim Faschingsball der Perlachia. Über der Teehalle befindet sich eine Glaskuppel. Sie ist der Augsburger Zirbelnuss nachempfunden. Durch die Glaskuppel ist in der Teehalle Tageslicht. Bei Nacht kann man den Sternenhimmel beobachten. Uns war allerdings Tanzen wichtiger. Das Restaurant Sartory ist mit einem Michelinstern ausgezeichnet. Die Bar trägt den Namen 3M.

Umbenennung 2020 in Maximilian’s

Der Hotelname wurde immer wieder mit Rassismus in Verbindung gebracht. Im Jahr 2018 startete die Amnesty Jugend Augsburg eine Petition zur Umbenennung des Hotels. Von nun an konnte man fast täglich über das „Drei Mohren“ in Zeitungen lesen. Von der „Jugend“ kam doch dann tatsächlich der Vorschlag, daß sich das Traditionshotel in den äußerst albernen Namen „3 Möhren“ umbenennen sollte. Im August 2020 wurde dann die Umbenennung des Hotels in „Maximilian’s“ bekanntgegeben. Für uns Augsburger wird es jedoch immer das „Drei Mohren“ bleiben.

Und wer ist für alles verantwortlich?

Die drei netten Herren, die jetzt im Foyer des „Maximilian’s“ zuhause sind.

Das Schaezlerpalais

liegt direkt am Herkulesbrunnen in der Maximilianstraße. Es ist das besterhaltene private Wohn- und Geschäftshaus in Augsburg aus dem 18. Jahrhundert. Heute befinden sich im Schaezlerpalais städtische und staatliche Kunstsammlungen.

Geschichte vom Schaezlerpalais

Bereits im Blog unter den „Welsern“ habe ich erwähnt, daß an der Stelle vom Schaezlerpalais ein Patrizierhaus aus dem Spätmittelalter stand, in dem Philippine Welser geboren wurde. Das Geburtshaus von Philippine wechselte des öfteren den Besitzer. Zeitweise war es im Eigentum der Patrizier von Rehlinger, Sulzer und von Stetten.

Im Jahr 1764 erwarb der Augsburger Bankier Benedikt Adam Liebert von Liebenhofen das Anwesen. Der Bankier ließ das Patrizierhaus abreissen. Ab 1765 entstand das jetzige Gebäude. Auch beim Schaezlerpalais kann man deutlich sehen, daß die Gebäudefassade zur Maximilianstraße mit nur 19 Metern, sehr schmal ist. Die an der Katharinengasse verlaufende Hausfront hingegen hat eine Länge von 107 Metern.

Der Bau wurde nach den damals in Augsburg gültigen Vorschriften, von einem heimischen Hofmaurermeister ausgeführt. Für die Innendekoration wurden nur die besten Handwerker und Künstler verpflichtet. Beim Innenausbau waren auch Künstler aus Italien beteiligt. Es entstand ein glänzendes Augsburger Stadthaus.

Nach dem Tod von Liebert erbte sein Schwiegersohn, Johann Lorenz Baron von Schaezler, das Palais. Am 4. Oktober 1958 stiftete der Urenkel von Baron von Schaezler, Dr. Wolfgang Freiherr von Schaezler und seine Frau Hilda das Palais der Stadt Augsburg. Die Stiftung diente zur Erinnerung an seine beiden, im Krieg gefallenen Söhne Dietrich und Lorenz. Zur Auflage machten sie, daß das Anwesen niemals verkauft werden darf und nur für kulturelle Zwecke genutzt wird.

Räume vom Schaezlerpalais

Im Ausstellungsraum im Erdgeschoss wird eine umfangreiche Sammlung von Hinterglasmalereien präsentiert. Die kleinformatigen Werke, die aus den Jahren 1559 bis 1850 stammen, wurden der Stadt Augsburg von Wolfgang und Gisela Steiner zur Verfügung gestellt. Augsburg gehörte im 18. Jahrhundert zum Zentrum in Kunst der Hinterglasmalerei. Es handelte sich meist um religiöse Motive.

Die Deutsche Barockgalerie,

im 1. Stock ist in Themengruppen unterteilt ist. Neben Gemälden aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sind hier auch Grafiken aus dem 15. Jahrhundert ausgestellt. Ungefähr 100 Meisterwerke stammen aus Beständen der Stadt Augsburg sowie verschiedenen Leihgebern. Die meisten Werke haben Künstler aus Augsburg oder Schwaben gemalt. Einige Künstler der hier ausgestellt sind, wurden durch Deckenfresken oder Altarbilder in Kirchen berühmt.

Die Standuhr im ehemaligen Speisesaal ist um 1785 entstanden. Das Klavier stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es ist eine Schenkung aus privater Hand.

Besonders sehenswert ist der Festsaal, der sich über zwei Stockwerke erstreckt, mit einem beeindruckenden Deckengemälde. Gemalt hat es Gregorio Guglielmo, ein Künstler aus Rom. Das Gemälde trägt den Namen „Merkur und der Welthandel“.

Die glanzvolle Einweihung vom Festsaal fand 1770 statt. Besonderer Gast war Marie Antoinette, die sich auf ihrer Brautfahrt nach Versailles befand und Station in Augsburg machte. Der Legende nach, soll sie im Saal ein Paar roter Schuhe durchgetanzt haben. Vieles in diesem Saal ist noch im Original erhalten.

Das Gemälde im Treppenhaus stammt auch von Guglielmo.

Die schöne große Treppe führt in den 2. Stock, in dem sich die

Karl und Maria Haberstock-Stiftung

mit Gemälden von bedeutenden Barock-Künstlern befindet. Karl Haberstock stammt aus einer Augsburger Bankiersfamilie. 1907 eröffnete er in Berlin eine Galerie. Er handelte überwiegend mit Kunstwerken aus dem 19. Jahrhundert.

Ab 1920 widmete er sich den „Alten Meistern“. Durch den Ersten Weltkrieg und die Inflation hatte Haberstock die Möglichkeit, einige Sammlungen aufzukaufen. Er legte sein Kapital in „sicheren“ Sachwerten an.

Im Dritten Reich zählte er zu den bedeutendsten Kunsthändlern. Haberstock trat 1933 in die NSDAP ein. Durch seine Parteimitgliedschaft bekam er Einfluß. Er konnte bei der nationalsozialistischen Kunstpolitik mitwirken. Ihm gelang es, ein Gesetz verhindern, das der Reichskulturkammer die Macht gegeben hätte, die Preise im Bilderhandel festzulegen.

Der Kunsthändler setzte er sich bei Hitler für jüdische Familien ein, mit denen er in Geschäftskontakt stand. Beim Entnazifizierungsverfahren wurde er als Mitläufer eingestuft. Es hieß, daß seine Beziehungen im Dritten Reich rein geschäftlicher Natur gewesen waren. Haberstock konnte als Kunsthändler weiterarbeiten.

Karl Haberstock und seine Ehefrau wurden zu Mäzenen in Augsburg und erhielten hohes Ansehen in der Stadt. Nach dem Tod von Karl Haberstock wurde die „Karl und Magdalene Haberstock-Stiftung“, wie in seinem Testament gewünscht, gegründet. Die Stiftung besteht aus Werken von bedeutenden Barock-Malern. Auch die Bibliothek der Eheleute gehört zur Stiftung. Sie soll der Förderung von Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung dienen. Seit 1957 steht die Stiftung unter der Verwaltung der Stadt Augsburg. Zu seinen Ehren wurde im Stadtteil Kriegshaber eine Straße nach ihm benannt.

Der Garten vom Schaezlerpalais

ist für jedermann zugänglich. Auf einer Parkbank im Arkadenhof oder im französischen Garten kann man die absolute Stille in Mitten der Stadt genießen.

Seit dem Frühjahr 2013 hat das ehemalige Hühnerhaus des Schaezlerpalais neue Bewohner. Ein Bienenvolk, mit bis zu 60.000 Bienen ist eingezogen und produziert in der warmen Jahreszeit reichlich Honig. Den Honig gibt es im Museums-Shop zu kaufen. Vielleicht schmeckt der „Stadthonig“ ja besonders gut. Wir haben ihn noch nicht probiert.

Die Staatsgalerie Altdeutscher Meister

ist in den Räumen des ehemaligen Katharinenklosters. Viele nennen sie die „Staatsgalerie in der Katharinenkirche“. In der Galerie ist, neben der Alten Pinakothek, die kostbarste Sammlung altdeutscher Malerei in Bayern zu sehen. Die Ausstellung wurde 1835 in den leerstehenden Räumen der Katharinenkirche eingerichtet. Dies war ein Jahr vor der Alten Pinakothek in München. Die Augsburger Staatsgalerie ist somit die älteste staatliche Kunstsammlung in Bayern. In vier Räumen werden 100 Gemälde präsentiert.

Die große Sammlung verschafft einen Einblick in die Augsburger und schwäbische Kunst um 1500. Es war die Blütezeit der Fugger und Welser. Die meisten Gemälde und Tafelbilder stammen aus der sogenannten „Augsburger Schule“ des späten Mittelalters und der frühen Renaissance. Nur wenige Gemälde tragen den Namen von Künstlern aus den benachbarten Reichsstädten.

Highlight der Ausstellung ist das weltbekannte Porträt von Jakob Fugger dem Reichen, das Albrecht Dürer 1519 angefertigt hat. Das Gemälde ist bereits im Blog unter den „Fuggern“ zu sehen. Weil es so geschichtsträchtig ist, füge ich es auch hier ein.

Die Bilderfolge (Reproduktionen) der römischen Basiliken von Hans Holbein dem Älteren und Hans Burgkmair im Kapitelsaal ist sehr beeindruckend.

Das Höhmannhaus

liegt direkt neben dem Schaezlerpalais. Erbaut wurde es von Elias Holl. Der Name stammt von der ehemaligen Besitzerfamilie Hans und Anna Höhmann. Im ersten Stock des Anwesens war die Augenklinik von Hans Höhmann. Ihre Tochter war Ruth Höhmann. Sie war die letzte Eigentümerin des Gebäudes.

Zuvor wurde das Gebäude als „Castellsches Palais“ bezeichnet. Es gehörte Philipp Adler, einem der zehn reichsten Bürger um 1500 in Augsburg. Auch Kaiser Maximilian I. zählte zu seinen Kunden. Der Kaiser nahm für den Augsburger Reichstag von 1500 einen Kredit bei Philipp Adler auf. Sein Porträt wurde 1513 von Hans Holbein dem Älteren gemalt. Das Gemälde hängt im Kunstmuseum in Basel.

Ruth Höhmann

war eine Kunstliebhaberin. Sie verstarb mit 89 Jahren, war nie verheiratet und hatte keine Kinder oder Verwandte. In ihrem Testament vermachte sie vier Millionen Euro dem Diakonissenkrankenhaus in Augsburg. Der Stadt Augsburg vererbte sie unter gewissen Auflagen ihr Elternhaus.

Ruth Höhmann teilte die Raumnutzung in drei Kategorien ein. Sie bestimmte Mieträume, Geschäftsräume und Räume, die für Kunstsammlungen zu nutzen sind. Das Inventar durfte nach ihrem Willen versteigert werden. Der Erlös wurde in ihre 320 qm große Wohnung investiert. Die Wohnung vom Ruth Höhmann kam schon zu ihren Lebzeiten einem Museum gleich. Einige Möbelstücke befinden sich im „Höhmann-Zimmer“ im Schaezlerpalais.

Das Grafische Kabinett im Höhmannhaus

stellt Handzeichnungen, Kupferstiche und Radierungen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert aus. Die Sammlung besteht aus ca. 40.000 Arbeiten auf Papier. Sie stammen von Künstlern, die in der Barockzeit in Augsburg und Süddeutschland tätig waren.

In der Grafischen Sammlung befindet sich eines der frühesten und wertvollsten Blätter von Hans Holbein dem Jüngeren. Hans Holbein zählt auch zu den berühmtesten Söhnen der Stadt. Von Elias Holl sind Entwürfe für Goldschmiedearbeiten sowie Zeichungen und Skizzen ausgestellt.

Die Neue Galerie im Höhmannhaus

ist das internationale Forum für zeitgenössische Kunst in Augsburg. Künstlerinnen und Künstler können hier ihre aktuellen und auch zeit- oder situationsbezogenen Projekte präsentieren.

Es finden jährlich bis zu vier wechselnde Ausstellungen statt. Gezeigt wird meist internationale Kunst aus den Malerei, Fotografie, Konzept- und Medienkunst.

Das Höhmannhaus führt durch 500 Jahre der Kunstproduktion in Augsburg. Für das Grafische Kabinett und die Neue Galerie ist der Eintritt dauerhaft frei. Schön, daß es noch Kunst zum Nulltarif gibt.

Der Herkulesbrunnen

ist der dritte Prachtbrunnen von Augsburg und repräsentiert den „Handwerkerstand“. Der Brunnen steht in der Maximilianstraße direkt vor dem Schaezlerpalais.

Markus Welser hat den Herkulesbrunnen entworfen. Er soll die Bezwingung der Wasserkräfte durch die Technik symbolisieren. Das Wasser war ein wesentliches Element für den Wohlstand in Augsburg.

Modelliert hat den Herkulesbrunnen von 1597 bis 1600 Adriaen de Vries. Von Wolfgang Neidhardt wurde er in Augsburg gegossen. Die beiden Künstler gestalteten bereits den Merkurbrunnen. Im Jahr 1602 wurde der Brunnen auf dem Weinmarkt vor dem Siegelhaus aufgebaut. Er ist dreieckig angelegt und sollte von allen Seiten betrachtet werden.

Beschreibung vom Brunnen

Auf dem Mittelpfeiler aus weißem Marmor steht eine Bronzefigurengruppe. Sie ist drei Meter hoch. Die größte Figur ist der nackte, muskulöse, bärtige Halbgott Herkules. Er erschlägt mit seiner Flammenkeule die siebenköpfige Wasserschlange Hydra.

Am Pfeiler sind drei vergoldete Reliefs mit Szenen aus der Stadtgeschichte zu sehen. Eines davon zeigt die Stadtgründung durch die Römer. Ein Stier und eine Kuh, die in einem Joch eingespannt sind, ziehen den Furchenpflug, mit dem die Grenze der Stadt in die Erde gegraben wurde.

Das weitere Relief zeigt das Bündnis von „Roma“ und „Augusta Vindelicorum“. Die Roma sitzt auf einem Felsen. Zu ihren Füßen ist Romulus und Remus und der Tiber. Sie reicht der, auf sie zukommenden Augusta, die Hand. Das dritte Relief zeigt die Stadtgöttin Augusta Vindelicorum, die auf einem Triumpfwagen in ihre neue Stadt einzieht. Die Namen der Fugger und Welser sind auch am Brunnen zu lesen.

Lebensgroße Najaden waschen sich über Venusmuscheln. Die Männer unter den Muschelschalen stellen Meeresgötter dar. Unter den Muschelschalen befinden sich drei Männer. Sie halten Muscheln und Fische in den Händen, die sie als Meeeresgötter ausweisen. Die mit Gänsen kämpfenden Knaben ahmen den Kampf von Herkules nach.

Am Brunnen sind heute nur noch Replikate zu sehen. Die Originale der Bronzen sind wettergeschützt im glasüberdachten Maximilianmuseum untergebracht. Im Winter werden alle Brunnen in Augsburg mit Holz verkleidet. So sind sie vor Frost geschützt.

Der Herkulesbrunnen ist heute Mittelpunkt der Partyszene in Augsburg. Sehr schade ist, daß viele Leute ihren Abfall im Brunnen entsorgen. Nicht schlecht wäre, wenn Herkules von seinem Pfeiler steigen und mit der Flammenkeule für Ordnung sorgen könnte. Die Polizisten, die hier ständig im Einsatz sind, wären bestimmt sehr dankbar.

Das Siegelhaus und die Wein- und Salzstadel

bildete eine lange Bauzeile zwischen der Heilig-Grab-Gasse und dem Ulrichsplatz. Es war der größte Handelsplatz von Augsburg mit immensen Umsätzen.

Eine große Einnahmequelle der Stadt war das „Ungeld“ (Steuer) von „schwankender Ware“. Bier, Wein, Branntwein, Honig usw. bezeichnete man als „schwankende Ware“. Der Salzhandel war die weitere Steuereinnahmequelle. Alle in der Stadt ankommenden Salzfuhrwerke mußten unverzüglich zum Salzstadel. Das Salz wurde geprüft und registriert.

Danach mußten sie im Siegelhaus, das von Elias Holl 1604 errichtet wurde, das Ungeld bezahlen. Die Ware erhielt das „Bezahlt-Siegel“ und war für den Verkauf freigegeben. Das Siegelhaus war das „Ungeldamt“. „Ungeld“ ein sehr passendes Wort für „Steuer“.

Das Siegelhaus und die Wein- und Salzstadel wurden im Auftrag der königlich-bayerischen Stadtregierung abgetragen. Es entstand im Garten des Dominikanerklosters ein Hall- und Maut-Inspektions-Gebäude.

Der Herkulesbrunnen steht heute noch am gleichen Platz.

Das Roeck-Haus

befindet sich in der Maximilianstraße 51. Es wird auch als „Haus zur Himmelsleiter“ bezeichnet. Die Fassade im Rokokostil, wie es heute zu sehen ist, erhielt das Haus 1768.

Das Gebäude hat jedoch eine viel längere Geschichte. Der Vorgängerbau war ein spätmittelalterliches Gebäude aus dem Jahr 1480. Es wurde für Lukas I. Fugger, einem Vetter von Jakob Fugger dem Reichen errichtet. Die Deckenfresken im Hausgang und im Treppenhaus waren für Fugger „Der Traum von der Himmelsleiter“.

Im 18. Jahrhundert kaufte das Haus ein venezianischer Handelsherr und später ein Augsburger Bankier. 1927 hat Morton McDonald Roeck das Gebäude erworben.

Das Reichsstädtische Kaufhaus

in der Maximilianstraße 67 wurde 1611 von Elias Holl errichtet und im 18. Jahrhundert verändert. Ursprünglich war an der Stelle der Mündung von der Heilig-Grab-Gasse auf den ehemaligen Weinmarkt die Heilig-Grab-Kapelle, die 1128 geweiht wurde. Das Kirchlein behinderte den Fuhrverkehr. Es wurde deshalb nach einem Tauschhandel mit dem Domkapitel und der Stadt 1608 abgetragen. Auf den Kapellenfundamenten entstand das reichstädtische Kaufhaus. Der Platz reichte für das Kaufhaus nicht aus, deshalb mußte vier weitere Privathäuser dem Neubau weichen.

Das Standesamt

von Augsburg befindet sich in der Maximilianstraße 69. Wer das Gebäude erbauen ließ, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Es stammt vermutlich aus dem 16./17. Jahrhundert und wurde im 19. Jahrhundert renoviert. Dokumentiert ist, daß Isidor Obermayer das stattliche Palais 1821 erworben hat. Isidor Obermayer war Bankier und Eisenbahnpionier. Er besorgte Schienen und Lokomotiven aus England und trug maßgeblich zum Bau der ersten bayerischen Überlandbahn von Augsburg nach München bei.

Nach seinem Tod erbte sein Sohn Carl das Anwesen. Carl von Obermayer war Oberst beim bayerischen Militär. Er befehligte die Augsburger Landwehr. Mit diesem Dienstgrad gilt er als ranghöchster jüdischer Offizier der bayerischen Militärgeschichte. Obermayer fungierte als Berater der Preußischen Regierung. Im Jahr 1846 wurde er zum Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Bayern ernannt. Sein Wohnhaus war auch sein Amtssitz.

1853 trat er die Nachfolge seines Vaters als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Augsburg an. Der König von Württemberg adelte Carl Obermayer im Jahr 1869. In Bayern wurde ihm der Titel jedoch verwehrt. Daraufhin verließ Obermayer Augsburg und zog nach Wien. In Wien ist er 1889 verstorben. Man überführte Carl Obermayer von Wien nach Augsburg und bestattete ihn im Jüdischen Friedhof in Augsburg-Kriegshaber.

Wann das Gebäude in den Besitz der Stadt Augsburg gekommen ist, weiß ich nicht. Ganz genau weiß ich jedoch, daß wir am 09.09. im letzten Jahrtausend hier geheiratet haben.

Das Wohnhaus Philipp Eduard Fugger

steht in der Maximilianstraße 58. Es wurde im 16. Jahrhundert erbaut und 1690 und 1730 umgebaut. Philipp Eduard Fugger stiftete zusammen mit seinem Bruder Oktavianus Secundus Fugger das heute noch bestehende Augsburger Jesuitenkolleg San Salvador. Er wurde in der Bartholomäuskapelle von St. Ulrich in Augsburg beigesetzt.

Stiermannhaus – ehem. Palais Montgelas

Geht man beim Stiermannhaus nach der äußeren Erscheinung wurde es um das Jahr 1700 erbaut. Aus dem Gebäudekern kann angenommen werden, dass das Haus bereits um 1465 entstanden ist. Insgesamt wechselte es 16mal den Besitzer. Unter ihnen waren reiche Handelsleute, ein Bürgermeister und der Verleger der „Augsburger Originären Zeitung“. Ernst Freiherr von Molitor-Mühlfeld, königlich-bayerischer Kämmerer und „Major a la Suite“ zählte auch zu den Eigentümern. Der Major a la Suite kommt aus dem Militärwesen. Es ist eine Person, die zum Tragen einer Regimentsuniform berechtigt aber ohne dienstliche Stellung war.

Seine Nachfahren verkauften das baufällige Anwesen 1970 an Walter Stiermann. Er rettete das Patrizierhaus vor dem Abriss und entschloß sich zur Wiederherstellung. Während der Instandsetzung wurden einmalige Renaissance- und Rokokodecken im Treppenhaus entdeckt. Nach der Entfernung der Raumteilung im 1. Obergeschoß kam ein prächtiger barocker Freskensaal zum Vorschein.

Heute befinden sich im Innenhof vom Stiermannhaus verschiedene Geschäfte und die Weinstube „Bürgermeister“. In den Kellergewölben war die „Welser-Kuchel“. Leider senkte das Bauordnungsamt wegen Sicherheitsbedenken die Zahl der Sitzplätze von 85 auf 35. Ein wirtschaftlicher Betrieb war somit nicht mehr möglich. Nach 40 Jahren mußten die Mägde, Knechte und Musikanten leider ausziehen. Auch wir waren hier ein einige Male zum „Kräutergans-Essen“. Die Gans wurde nach dem Rezept von „Philippine-Welser“ zubereitet. Gegessen haben wir, wie vor 450 Jahren, nur mit einem Messer. Es war lecker, urgemütlich und sehr lustig. Ein Knecht spielte auf einer Leier mittelalterliche Lieder.

Die Drei-Kaiser-Gesellschaftsräume

befinden sich im ersten Stock im Freskensaal. Sie wurden nach Kaiser Maximilian I., Karl V. und Ferdinand I., den für Augsburg bedeutsamen Kaisern benannt. In den Räumen fanden Feste mit gehobener Gastronomie statt.

2020/21 wurde der schöne Festsaal als Corona-Test-Zentrum genutzt. Dank Corona sind die edlen Räume nun für jedermann zugänglich.

Alle Häuser der Maximilianstraße kann und will ich im Blog nicht beschreiben. Ich kann nur empfehlen, die Gebäude an der Straße selbst zu erkunden. Es gibt viel, auch in den Hinterhöfen, zu entdecken. Viel Spaß!

Das Kathan Haus

befindet sich zwischen der Maximilianstraße und der Kapuzinergasse 10. Das genaue Datum der Erbauung ist nicht bekannt. Nach dem Augsburger Grundbuch war das Bürgerhaus bis 1656 im Besitz von Johann Franz Fugger-Kirchberg. Nachfolger wurde der „Leopold Fuggersche Hausmeister“ Hans Geiger. Nach mehreren Wechseln wurde der wohlhabende Kaufmann Johann Baptist Schger Hausbesitzer. In dieser Zeit erhielt das Gebäude die prächtige Rokoko-Fassadenbemalung. Das Haus wird oft bei Stadtführungen gezeigt. Die Bemalung ist allerdings nicht mehr im Original.

Im Jahr 1847 ging es in den Besitz des Kaufmanns und Bunt- und Goldpapierfabrikanten Peter Kathan über. Es wird heute noch als das „Kathan Haus“bezeichnet.

Wohnhaus von Elias Holl

Im Haus in der Kapuzinergasse 14 lebte Elias Holl ab 1618 bis er im Jahr 1645 verstorben ist.

Datei:Augsburg-508-Kapuzinergasse 14-gje.jpg

Der Ulrichsplatz

wurde 1806 zu Ehren des bayerischen Königs in Maximiliansplatz umbenannt. Ab 1808 war hier der Kornmarkt. Der Getreidehandel war vorher in der Kornschranne am Moritzplatz.

beginnt mit der Nr. 1, einem Eckbau mit neugotischer Fassade. Das Gebäude schließt direkt an das letzte Haus der Maximilianstraße mit der Nr. 89 an.

Die Gebäude am Ulrichsplatz stammen im Kern aus dem 16./17. Jahrhundert. Die Häuser befinden sich in privater Nutzung. Deshalb nur Fotos von den, meiner Ansicht nach, schönsten Fassaden.

Das „Martini-Palais“, ein ehemaliges Bürgerhaus, war im Besitz von Bürgern, Grafen, Stadtschreibern und Handelsherren. Auch der Kattunfabrikant Johann Jakob Schüle zählte zu den Besitzern. In seinem Auftrag wurde durch den Umbau von drei Einzelhäusern im Jahr 1874 das Palais geschaffen. Ende des 19. Jahrhunderts erwarb die Familie Martini das Anwesen. Die Familie Martini war, wie auch Schüle, in der Textilverarbeitung tätig.

Das Bürgerhaus mit den zwei Ecktürmen ist das Geburtshaus von Hans Karl von Euler Chelpin. Er erhielt im Jahr 1929 den Chemie-Nobelpreis. In Augsburg-Lechhausen ist eine Straße nach ihm benannt. Im Innenhof des Anwesens befindet sich ein kleiner Brunnen.

Das bedeutendste Gebäude am Ulrichsplatz die Basilika

St. Ulrich und Afra.

Auf der linken Seite befindet sich der Pfarrhof von St. Ulrich und Afra. Er stammt im Kern aus dem Jahr 1522.

Reste der St. Godehard Kapelle

befinden sich auf einer öffentlich nicht zugänglichen Grünfläche vor St. Ulrich und Afra. Sie stammen aus der Merowinger- und vorromanischen Zeit. Sie war jahrhundertelang vergessen. Erst nach einem Bombeneinschlag 1944 wurden die Umfassungsmauern der Kapelle wieder entdeckt.

Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Ulrich

mit ihren Zwiebeltürmchen findet 1220 erste Erwähnung. Die St. Ulrichskirche ist ein Teil der besonderen Geschichte der Religion in Augsburg. Neben der großen, römisch-katholischen Basilika St. Ulrich und Afra wirkt die evangelische St. Ulrichskirche sehr klein.

Die Kirche war eine Art Markthalle für Wallfahrer und Augsburger Bürgern diente es als Grabgelege. 1457 erfolgte der Umbau zu einem Predigthaus der Benediktiner für die Gemeinde St. Ulrich. Im Jahr 1526 wurde die Kirche den Protestanten als Pfarrkirche übertragen. Im Jahr 1537 war hier der „Bildersturm“, eine Begleiterscheinung der Reformation. Danach wechselte die Kirche mehrmals ihren Besitzer. Erst mit dem „Westfälischen Frieden“ 1648 wurde St. Ulrich endgültig evangelisch.

Im Jahr 1710 wurde die Kirche wegen Einsturzgefahr „fast“ neu errichtet. Mit Stiftungen von Bürgern konnte eine neue Kanzel gebaut werden. Es entstand ein evangelisches „Barock-Schatzkästlein“. 2002 bis 2007 mußte die Kirche erneut wegen Einsturzgefahr renoviert werden.

Die Basilika St. Ulrich und Afra

ist eine katholische Stadtpfarrkirche in Augsburg. Es war ehemals die Stiftskirche der Benediktiner. Auf dem Gelände der Kirche standen bereits vom 8. bis 15. Jahrhundert Kirchenbauten. Sie dienten der Wallfahrt zu den Augsburger Heiligen Ulrich, Afra und Simpert.

Die Entstehung der Kirche

Das erste Kirchengebäude war eine spätrömische Kirche, die im 7. Jahrhundert durch eine Anlage der Merowinger ersetzt wurde. Um 800 wurde die Kirche karolingisch umgebaut. Die karolingische Kirche mußte 1064 einem frühromanischen Gotteshaus Platz machen.

Die Klosterkirche war 1466 baufällig und mußte abgetragen werden. Mit dem Neubau der Kirche in spätgotischer Form wurde 1467 begonnen. Ein Sturm vernichtete jedoch den Neubau. Die Kirche im Backsteinbau, wie sie heute zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 1474.

In den Jahren 1489 bis 1499 entstand das nördliche Seitenschiff und das Langhaus. Der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian legte 1500 den Grundstein für den Chorbau seines „Reichsgotteshauses“. Beim „Bildersturm“ wurde die Kirche schwer beschädigt. Nach den Glaubensauseinandersetzungen wurde die Ausstattung der Kirche wieder erneuert. Im Jahr 1594 bekam der Turm seine Kuppel. Mit seinen 93 m war er der höchste Kirchturm in Augsburg.

Im Jahr 1601 baute man über der Sakristei die Muttergotteskapelle. 1526 wurde die Vorhalle, die den Pilgern als Markthalle und den Augsburger Bürgern als Grablege diente, den Protestanten übertragen. Beim Westfälischen Frieden wurde die Kirche endgültig den Protestanten als Pfarrkirche zugesprochen.

1643 wurde St. Ulrich und Afra zur Abteikirche erhoben. Im Jahr 1698 baute man an der Sakristei die Allerheiligenkapelle an. 1712 wurde die Ulrichsgruft errichtet und 1714 die Simpertkapelle neu gestaltet. Am 4. Mai 1782 feierte Papst Pius VI. in der Basilika eine Messe. Am 4. Mai 1987 besuchte Papst Johannes Paul II. das Gotteshaus.

Das Kloster und der Reichsstift wurden 1802 bei der Säkularisation aufgehoben. Es wurde dem bayerischen Staat zugeschlagen. Das Kurfürstentum Bayern verzichtete auf das Areal und so ging die Landeshoheit auf die Reichsstadt Augsburg über. 1810 wurde das Gotteshaus zur Stadtpfarrkirche. Am 4. Juli 1937 erhielt St. Ulrich und Afra den Titel einer Päpstlichen Basilika.

Der Innenraum von St. Ulrich und Afra

ist vollständig mit Stern- und Netzgewölben überspannt.

Im Mittelschiff steht vor dem Altar eine bronzene Kreuzigungsgruppe. Sie stammt vom Bronzegiesser Wolfgang Neidhardt, der auch den Markus- und Herkulesbrunnen und die Michaelsgruppe vor dem Zeughaus gegossen hat.

Die Kanzel und Choraltäre sind zwischen 1604 und 1607 vom Weilheimer Holzschnitzer Hans Segler entstanden.

Der rechte Altar ist der Ulrichsaltar. Er zeigt den Heiligen mit Diakonen und Engeln. Die Auferstehung Christi ist im Mittelschrein zu sehen.

Der Hochaltar hat Geburt und Auferstehung Christi als Motiv. Im Mittelschrein ist die Geburt Christi in der Art einer Krippe dargestellt. 

Der linke Seitenaltar ist der Heiligen Afra gewidmet. In diesem Altar birgt der Mittelschrein das Pfingstwunder – den Heiligen Geist.

Die Kanzel aus Eichenholz ist auf die Altäre abgestimmt. Sie wird von zwei Säulen getragen. Zwei Engel stützen die Kanzelhaube auf der Jesus als Knabe von Engeln umgeben wird.

Die Kapellen in der Basilika

In den beiden Seitenschiffen befinden sich jeweils vier Kapellen. Von den Fuggern wurden fünf Grabkapellen gestiftet.

Die Benediktuskapelle

hat im Sterngewölbe das Wappen von der Kaufmannsfamilie Stammler von Ast. Die Familie Stammler war mit der Fuggerfamilie verwandt. Ulrich von Ast war der Schwiegervater von Andreas Fugger. Um 1460 beteiligt sich ein Wolfgang von Ast an der Einrichtung der kostspieligen Klosterdruckerei St. Ulrich und Afra. 1590 wurde die Kapelle zur Grablege für Octavians Decundus Fugger und seine Familie ausgebaut.

Bei den Altarfiguren werden Petrus und Paulus dargestellt. Auf dem Altarbild ist Benediktus und Franziskus zu sehen.

In der Simpertuskapelle

stehen auf den Arkaden Terrakottastatuen von Christi und den Aposteln. In der Kapelle werden die Gebeine vom Bischof Simpert aufbewahrt. Über der Simpertuskapelle lag ehemals eine Abtkapelle.

Die Andreaskapelle

wurde von der Familie Fugger 1480 gestiftet. Von 1578 bis 1584 war der Ausbau als Grabkapelle für Markus Fugger. Der Flügelaltar aus vergoldetem Holz zeigt die Kreuzigung von Christi. Die Kapelle wird mit der Simpertuskapelle durch eine Arkadenschranke von 1582 abgeschlossen.

Der Flügelalter wurde 1582 geweiht. Das Gemälde ist eine Darstellung der Kreuzigung, der Auferstehung und der Himmelfahrt Christi.

Auch die Georgskapelle

wurde 1563 zur Grabkapelle von Georg Fugger umgewidmet. Die Grabinschrift war ursprünglich für Johann Jakob Fugger und Ursula von Harrach für die Dominikanerkirche entstanden. Im Altarbild ist Maria mit Engeln und die Heiligen Ulrich und Afra dargestellt.

Die Bartholomäuskapelle

stiftete ein Konrad Vögelin. Anton Fugger hat sie 1589 erworben. 1596 ließ Philipp Eduard Fugger in einer Ecke der Kapelle ein Grablege für sich und seine Frau ausgestalten.

Die Marienkapelle

über der Sakristei stammt aus dem 1600. Man nennt sie auch „Schneckenkapelle“. Den Namen“Schneckenkapelle“ erhielt sie durch den engen, steilen Zugang über eine Wendeltreppe mit 44 Stufen. Aus Votivtafeln ist ersichtlich, daß die Kapelle von 1702 bis ins 19. Jahrhundert ein beliebtes Wallfahrtsziel war. Die Schnitzerei im Hochaltar stammt aus dem Jahr 1570.

Die Pietàkapelle

befindet sich unter dem Turm von St. Ulrich und Afra. Seit 2000 wird hier eine spätgotische Pietà in einem goldenen Rahmen ausgestellt.

Die Allerheiligenkapelle

ist im Jahr 1698 erbaut worden. Leider ist sie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Kapelle sollte als würdiger Aufbewahrungsort des Ulrichskreuzes dienen. Im Raum befinden sich zahlreiche verglaste Reliquienschreine mit den Gebeinen der frühen Augsburger Bischöfe.

In der Heiltumskammer

befinden sich bemerkenswerte Kirchenschätze. In einer Vitrine steht ein Elfenbeinkasten der einst Rippen und Gebeine enthielt. Zu sehen sind Abtstäbe und Funde aus einem merowingischen Klerikergrab bei St. Ulrich.

Die Ulrichsreliquien bestehen aus dem Sudarium (Schweißtuch), dem Ulrichskelch, einem Skyphos (Trinkschale), dem Ulrichskamm, der Grabplatte, dem Ulrichsholz, einem Säckchen mit Ulrichserde , dem Ostensorium (Schaugefäß) für das Ulrichskreuz und dem Ulrichskreuz.

Einen Splitter vom Holzkreuz sicherte man um 1320 in einem Silberkreuz. Im Jahr 1494 wurde es mit Gold und Edelsteinen verziert.

Das wertvolle Ulrichsgewand in der Heiltumskammer stammt aus dem 10. Jahrhundert. 1183 wurde es nach einem Kirchenbrand aus dem Grab des Bischofs geborgen. Das aus byzantinischen Seidenstoffen gefertigte Gewand zählt weltweit zu den am besten erhaltenen älteren Textilien.

Orgeln in der Basilika

Um das Jahr 1050 wurde für die romanische Vorgängerkirche von St. Ulrich die erste Orgel beschafft. Der Abt Konrad Winkler ließ um 1334 eine Orgel aufstellen. Eine dritte Orgel erwarb der Abt Juhann von Giltingen für 107 Gulden.

Im Jahr 1580 tritt Familie Fugger in die Geschichte der Orgeln von St. Ulrich und Afra ein. Jakob Fugger schloß mit dem Abt und einem Orgelbauer einen Vertrag ab. Im Vertrag wurde festgeschrieben, daß Jakob Fugger im nördlichen Seitenschiff die Michaels- oder Fuggerkapelle als Grablege für sich und seine Familie errichten durfte. In der Fuggerkapelle wurde dann ebenerdig die Fugger-Orgel platziert. Zur damaligen Zeit gab es noch keine Empore. Die Orgel kostete 2500 Gulden.

Im Jahre 1606 beschlossen die Stiftersöhne Georg, Hans, Max und Hieronymus Fugger, die Orgel an einem bequemeren Ort aufzustellen. Im Auftrag der Fugger errichtete ein Maurer für 744 Gulden die westliche Empore. Der Organist erhielt vom Kloster eine Wohnung zum jährlichen Mietpreis von 20 Gulden und 6 Klafter Holz. Die „Fuggerorgel“ wurde im Wechsel mit der Kloster- und Pfarrorgel gespielt. 

Die Fugger-Orgel mußte im Laufe der Zeit mehrfach gereinigt, überholt und umgebaut werden. Im Jahr 1769 wurde der bekannte Augsburger Orgelbauer Johann Andreas Stein mit der Wartung der Orgel beauftragt.

Die Heilige Afra

war eine Märtyrerin. Sie wird in der römisch-katholischen Kirche als Heilige verehrt. Afra ist Schutzpatronin von der Stadt und vom Bistum Augsburg. Auch in der evangelischen Kirche gilt sie als Glaubenszeugin.

Zum Leben der Heiligen Afra gibt es keine gesicherten Fakten. Alles beruht auf Legenden oder mündlichen Erzählungen. Afra wurde von ihrer Mutter als Dienerin der Göttin Venus bestimmt. Sie kam von Rom nach Augsburg und hat in der Stadt als Prostituierte gelebt. Bei der Christenverfolgung soll Bischof Narzissus im Haus von Afra Schutz gefunden haben. Der Bischof machte sie mit dem Christentum vertraut. Afra ließ sich taufen.

Als Afra eine Christin war, wurde sie einem Richter vorgeführt. Er verurteilte Afra zum Tod durch Verbrennen. Die Hinrichtung soll im Jahr 304 auf einer Flussinsel am Lech in der Nähe der Stadt Friedberg erfolgt sein. Die Kirche St. Afra im Felde wurde, der Überlieferung nach, am Platz ihrer Hinrichtung errichtet. Jedes Jahr findet am 7. August eine Wallfahrt zur Kirche der Heiligen Afra im Felde statt.

Eine andere Legende besagt, daß Afra an einen Baumstamm gebunden und enthauptet worden sei. Im Jahr 1064 wurde Afra von Papst Alexander II. heiliggesprochen.

Ihr Namenstag wird in der katholischen, wie auch evangelischen Kirche, am 7. August gefeiert. Die heilige Afra wird von Büßerinnen, „reuigen“ Freudenmädchen und bei Feuersnot angerufen. Ihr Sarkophag steht in der Basilika St. Ulrich und Afra.

In Augsburg gibt es eine Afrabrücke. Sie verbindet die Stadtteile Spickel-Herrenbach und Hochzoll. Sie wird auch Hochzoller Lechbrücke genannt. Eine hölzerne Brücke stand hier bereits im Jahr 1030. Sie war im Besitz des Ulrichstifts.

Bischof Simpert

ist um 750 geboren und 807 in Augsburg verstorben. Simpert wurde 778 Nachfolger vom Augsburger Bischof Tozzo. Er war Vertrauter von Karl dem Großen und überwachte Besitzübertragungen im Sinn des späteren Kaisers. Im 7. Jahrhundert ließ er über dem Grab der heiligen Afra eine neue Kirche bauen. Der Augsburger Dom wurde unter Simpert fertiggestellt und geweiht. Nach seinem Tod wurde er im Chor der Afra-Kirche, der heutigen Basilika St. Ulrich und Afra, bestattet.

Bischof Simpert werden mehrere Wunder zugeschrieben. Eine Legende besagt, daß ein Kind von einem Wolf verschleppt wurde. Auf Fürsprache von Simpert brachte der Wolf der betenden Mutter das Kind zurück. Simpert soll auch einen Mann gerettet haben, der im Sumpf eingesunken war. Ein „Simperthäubchen“ legte man bei Kopfleiden auf. Es soll geholfen haben!? Auf Bildern ist Bischof Simpert zusammen mit einem Wolf gemalt, der ein Kind im Maul trägt.

Papst Paul II. genehmigte 1468 die kultische Verehrung. 1492 wurden die Reliquien von Simpert in das rechte Seitenschiff der neuen Klosterkirche von St. Ulrich und Afra übertragen. Seit 1624 ist Simpert zweiter Bistumspatron und seit 2008 Patron der Jugendarbeit sowie aller Kinder und Jugendlichen in der Diözese.

Der Gedenktag an Simpert ist der 13. Oktober. In Augsburg gibt es eine Simpertstraße, Simpert-Schule, die Kirche St. Simpert und eine Katholische Kindertagesstätte, die seinen Namen trägt.

Der Heilige Ulrich I.

war von 923 bis 973 Reichsbischof in Augsburg. Ein Reichsbischof ist sowohl geistlicher als auch weltlicher Herr seines Gebiets. Als das Bistum Augsburg von König Heinrich I. an Bischof Ulrich übertragen wurde, litt die Stadt sehr unter den Einfällen der Ungarn. Wegen der ständigen Gefahr veranlasste Ulrich den Bau einer Mauer um die Stadt.

Bischof Ulrich hatte bei den deutschen Königen Heinrich I. und Otto I. hohes Ansehen. Ulrich war insbesondere enger Vertrauter und Weggefährte von König Otto und gehörte oft zu seinem Gefolge.

Im Jahr 955 zogen die Ungarn durch ganz Südeuropa und erreichten auch Augsburg. Die Stadt wurde belagert, konnte aber durch die Mauer, die Ulrich um die Stadt gebaut hatte, nicht eingenommen werden. Hoch zu Ross erteilte er Befehle an die Verteidiger der Stadt. Die Ungarn zogen ab und plünderten daraufhin im Umland. Auch die Kirche der heiligen Afra in Friedberg wurde zerstört. Die von den Ungarn verwüsteten Klöster ließ Bischof Ulrich wieder errichten.

Er nahm seine seelsorgerischen und staatlichen Aufgaben ernst und verstärkte die Missionsarbeit bei Klerus und Volk. Ulrich sorgte für Klöster und unterstützte die Armen. Starken Einfluß nahm er auf die Gestaltung der Liturgie.

Der Aufstieg von Ulrich

Endgültig in die obere Schicht der Mächtigen in Deutschland stieg Ulrich nach den Kämpfen bei der Schlacht auf dem Lechfeld. Die Tatsache, daß Bischof Ulrich die Ungarn in Augsburg erfolgreich abwehren konnte, war vermutlich für den triumphalen Sieg von Otto am 10. August 955 sehr wichtig. Aufgrund dieser Leistung erhielt Ulrich von König Otto das Privileg der Münzprägung.

Aus seinen eigenen Mitteln stiftete Ulrich 958 einen Schrein aus Gold und Silber für die Reliquien des heiligen Mauritius. Ab 960 begann Ulrich, sich mit spirituellen Aufgaben zu beschäftigen. Er pilgerte nach Rom und brachte heilige Reliquien mit nach Augsburg. Ulrich reiste viel durch sein Bistum, predigte selbst und spendete die Firmung. Er war im Volk sehr beliebt. Im Jahr 969 gründete Ulrich das Augsburger Kanonissen Stift St. Stephan.

Am 4. Juli 973 verstarb Bischof Ulrich. Er wurde in der Basilika St. Ulrich und Afra beigesetzt. Bereits im Jahr 993 hat Papst Johannes XV. Bischof Ulrich heilig gesprochen.

Der Patron Bischof Ulrich

Ulrich ist der Patron der Stadt und des Bistums Augsburg. Außerdem ist er der Schutzheilige der Reisenden, Wanderer, Fischer, Weber, Winzer und Sterbenden. Er wird angerufen bei schwerer Geburt, gegen Fieber, Körperschwäche, Tobsucht und Tollwut, Ratten- und Mäuseplagen, Wassergefahren und Überschwemmungen. Der Gedenktag an Ulrich ist in der katholischen Kirche der 4. Juli. Tradition dabei haben Männer- und Frauen-Wallfahrten. Seit 1955 findet zur Erinnerung an die Schlacht auf dem Lechfeld die Ulrichswoche in Augsburg statt.

Noch eine Geschichte zum Heiligen Ulrich. Er wird oft mit dem Ornat eines Bischofs mit einem Fisch in der Hand dargestellt. Die Legende erzählt, daß Ulrich einem Boten an einem Freitagmorgen ein Stück Bratenrest als Wegzehrung für seinen Rückweg mitgegeben habe. Es war der Rest seiner Abendmahlzeit vom Donnerstag. Als der Bote seinem Herrn, dem Herzog von Bayern, den Frevel zum Freitagsgebot durch Vorzeigen des Fleischstücks beweisen wollte, war das Fleischstück in einen Fisch verwandelt.

Das Ulrichskreuz

ist eine kostbar gefasste Kreuzreliquie. Die Reliquie wird mit Bischof Ulrich und der Schlacht auf dem Lechfeld in Verbindung gebracht. In der Neuzeit war es als militärisches Ehrenzeichen verbreitet.

Nach einer Legende soll Ulrich während der Schlacht von einem Engel ein Kreuz erhalten haben. Ulrich deutete das Kreuz als Siegeszeichen und hielt es während der Schlacht hoch. Den kämpfenden Soldaten wollte er mit dem Kreuz Mut und Zuversicht geben. Später wurde gesagt, daß die Schlacht mit Gottes Hilfe gewonnen wurde.

Im Laufe der Jahre wurde das Ulrichskreuz als Amulett mit teufelsbeschwörenden Sprüchen verbreitet. Es diente als Brustkreuz zum Schutz wie ein Talisman. Auch als Schmuck oder Ehrenzeichen von Soldaten ist es zu finden. Das Kreuz wird in verschiedenen Darstellungen hergestellt. Meist zeigt es Kaiser Otto im Augenblick des Sieges. Oft sieht man auch Bischof Ulrich im Moment der Kreuzübergabe durch den Engel. Ein Augsburger Pfarrer erwarb und katalogisierte ab 1887 mehr als 500 Ulrichskreuze.

Das Ulrichsfest

findet am ersten Samstag im Juli rund um die Kirchgasse im Ulrichsviertel statt. Besonderheit ist, daß Wäscheleinen über die Gassen gespannt sind, an denen allerlei bunte Wäsche hängt. Die Wäscheleinen sollen daran erinnern, daß das Ulrichsviertel in den Siebzigerjahren als ein „Scherbenviertel“ von Augsburg galt. Heute sind die Häuser wirklich schön renoviert. In den Gassen und Höfen gibt es ein Programm für Jung und Alt. Für das leibliche Wohl ist natürlich auch gesorgt. Ein nettes, kleines Fest.

Fortsetzung Teil 4: Ulrichs-Lechviertel