Kelheim

liegt am Ausgang des Donaudurchbruchs unterhalb des Michelsberges an der Mündung der Altmühl in die Donau, kurz hinter der Stelle, an der die Donau die Fränkische Alb durchquert. Eine Besiedlungin der Umgebung von Kelheim kann durch Ausgrabungen in die Zeit der Neandertaler nachgewiesen werden. Im Stadtgebiet von Kelheim befinden sich Grab- und Siedlungsfunde von 2000 v.Chr. sowie ein bedeutendes Urnengräberfeld von 800 v.Chr.

Vor dem Stadttor von Kelheim werden wir von der Skulptur

„Gesichter einer Stadt“ begrüßt. Sie ist im Rahmen der Kelheimer Kulturtage entstanden und zeigt 106 Gesichter von Kelheimer Bürgern. Auch kleine Kunstwerke, wie ein „Schneider Weisse“ Glas, eine Miniatur der Stadtpfarrkirche sowie der Befreiungshalle sind neben den Gesichern zu finden.

Im Bräugraben, der ebenfalls vor dem Stadttor liegt, rätseln wir „will der uns anspucken“? Der Künstler nennt es: Sysiphos.

Dieser nette Kelheimer Bürger lädt uns dann doch zu einer Stadtbesichtigung ein.

Geschichte

Bereits seit der Altsteinzeit leben Menschen in der Gegend um Kelheim. So haben Kelten, Germanen, Römer und Bajuwaren ihre Spuren hinterlassen. Die Blütezeit von Kelheim war im Mittelalter. Zu sehen sind heute noch die mittelalterlichen Stadttore. So z.B. das

Altmühltor, das Mitte des 13. Jahrhundert errichtet wurde. Auf der Südseite ist das Kelheimer Stadtwappen mit Rebenzweigen und blauen Weintrauben, wie es von 1410 bis 1809 verwendet wurde, zu sehen. Kelheim galt im Spätmittelalter als eines der wichtigsten Anbaugebiete des Baierweins. Auch das

Donautor stammt aus dem 13. Jahrhundert und zeigt auf der Nordseite das erste Stadtwappen. Im 15. Jahrhundert war hier der Sitz der „Pflasterzolleinnahme“, bei dem jedes Fuhrwerk Zoll für die Stadt bezahlen musste. Das

Mittertor ist ein im 14. Jahrhundert erbauter Wehrturm. Im Wandbild wird die Gefangennahme eines Metzgermeisters aus Kelheim im Jahr 1705 dargestellt.

Geht man durch das Altmühltor, sieht man bereits die Stadtpfarrkirche

Mariä Himmelfahrt

die ab 1420 erbaut wurde. Die erste Pfarrkirche von Kelheim soll bereits um das Jahr 1000 entstanden sein, zu jener Zeit als Kelheim Marktrechte verliehen wurden.

Schöne Glasfenster und Malereien kann man in der 1888 erbauten,

Evangelisch-Lutherschen Pfarrkirche St. Matthäus, sehen.

In der um 1460 entstandenen Franziskanerkirche Am Kirchensteig kann man heute das

Orgelmuseum besuchen.

Sehenswerte Gebäude

Dieses Gebäude war der ehemalige herzogliche Getreidekasten.

Er wurde um 1480 aus den abgetragenen Buckelquadern (Natursteinen) der Herzogsburg Kelheim erbaut. Heute ist hier das Archäologische Museum untergebracht.

Schöne Fassaden

Beim Spaziergang durch Kelheim sind viele Renaissancefassaden zu bestaunen. Schön restauriert ist das

Alte Rathaus, die ehemalige Stadtschreiberei sowie

das Neue Rathaus, das aus dem 16. Jahrhundert stammt. 1879 hatte man die städtischen Amtsräume vom alten ins neue Rathaus verlegt. 1912 wurde das Gebäude völlig umgebaut und erhielt seinen Giebel und das Gemälde „Bürger- und Bauernschaft huldigt der Befreiungshalle“.

Ansicht Neues Rathaus mit Befreiungshalle im Hintergrund

Brunnen

Am Ludwigsplatz, dem Marktplatz zwischen Neuen Rathaus und der Sparkasse symbolisiert ein Brunnen den Zusammenfluss von Donau, Altmühl und Kanal.

In der Mitte des Brunnens ist eine 7 m hohe Säule zu sehen, auf der eine Nachbildung von Münchens Patrona Bavariae thront. Ein Ratsherr hat diese Säule um 1700 errichten lassen.

Weisses Brauhaus

Vor dem Weissen Brauhaus steht die Statue von

König Ludwig I. von Bayern im Krönungsornat. Er hält den Plan zum Bau der Befreiungshalle in der Hand. Die Statue wurde 1863 zum Gedächtnis an den Erbauer der Halle aus Kelheimer Marmor gefertigt.

Das Weisse Brauhaus zu Kelheim in der Emil-Otto-Str. 1 war ehemals das Kurfürstliche-Bayerische Brauamt. Heute ist es die Produktionsstätte der ältesten Weißbierbrauerei Bayerns. Sie wurde im Jahr 1607 von Herzog Maximilian I. als Kurfürstliches Weisses Hofbräuhaus gegründet und gehört seit 1928 zum Unternehmen der Schneider Brauerei.

Der Gründer der Schneider Brauerei, Georg Schneider I. war der erste Bürgerliche, der von König Ludwig II. von Bayern das Privileg erhielt, Weißbier brauen zu dürfen. Weißbier ist eine Biersorte, die sich ursprünglich nur auf die Abgrenzung zu Braunbier, Rotbier und Schwarzbier bezog. Die Bezeichnung „weiß“ bezieht sich auf das verwendete Getreide Weizen. Den Unterschied sieht man an der helleren Farbe bei obergärigem Bier, gegenüber dem braunen, untergärigen Gerstenbier.

In der Emil-Otto-Str. 2 steht das Brauereigebäude aus dem 18. Jahrhundert.

Im Biergarten erinnert ein Denkmal an die Grundsteinlegung der Befreiungshalle.

Das Unternehmen wird seit seiner Gründung im Jahr 1872 von einem männlichen Nachkommen der Familie Schneider mit dem Vornamen Georg geführt. Seit 2000 leitet Georg Schneider VI. die Brauerei.

Der Schleiferturm

wurde 1476 aus den Überresten des alten Herzogschlosses erbaut. Er war Teil der früheren Stadtbefestigung. Der Name wurde vermutlich vom Wohnviertel der Scherenschleifer hergeleitet. Seit 1931 ist im Turm das Kriegerdenkmal untergebracht.

Industriedenkmal

Sehr sehenswert ist der Alte Kanalhafen, ein 600 m langes Industriedenkmal. Er erinnert an den Ludwig-Donau-Main-Kanal aus dem 19. Jahrhundert.

Der in Mauern gefasste Kanal enthält die Schleuse Nr. 1,

das Hafenbecken mit Kran sowie die ehemalige Lagerhalle und das Schleusenhäuschen. Der Hafen ist heute noch voll funktionsfähig.

Die Befreiungshalle

steht auf dem Michelsberg. Die Gedenkstätte wurde von König Ludwig I. in Auftrag gegeben. Es soll erinnern an die siegreichen Schlachten gegen Napoleon in den Befreiungskriegen 1813-1815. Der Bau wurde von Friedrich Gärtner in Anlehnung an antike und christliche Bauideen begonnen und 1863 von Leo von Lenze vollendet.

Auf den Pfeilern der Außenfassade stehen 18 Statuen der deutschen Volksstämme. Die Zahl 18 versinnbildlicht auch das Datum der Völkerschlacht bei Leipzig (18.10.1813), an dem die Truppen Napoleons von der Koalition vernichtend geschlagen wurden.

Im Innenraum reichen sich 34 Siegesgöttinnen aus weißem Marmor die Hände zu einem feierlichen Reigen. Sie stützen sich auf 17 vergoldete Schilde, die aus der Bronze eingeschmolzener Geschütze gefertigt sein sollen.

Ludwigsbahn

Ein kleiner Tipp: Bequem fährt man mit der Ludwigsbahn den steilen Anstieg hoch. Der weiß-blaue Minizug startet regelmäßig an der Schiffsanlegestelle Donau.

Mit ihm fährt man mühelos auf den Berg, kann die schöne Aussicht auf die Stadt genießen und erfährt unterwegs auf viel Wissenswertes.

Bootsfahrt

Unseren Besuch in Kelheim krönen wir mit einer Sonntags-Brunch-Bootsfahrt an Bord der MS Renate.

Nach der freundlichen Begrüßung werden wir zu unserem Tisch gebracht, der bereits mit einem Frühstück für uns gedeckt ist.

Zusätzlich zum Frühstück kann man wählen zwischen Weisswürsten mit Breze, Wienern, Debrezinern oder Rührei soviel und so oft man will. Nach dem ausgiebigen Frühstück geht es rauf auf’s Sonnendeck, denn wir sind bald am

Donaudurchbruch

bei Weltenburg. Der Donaudurchbruch ist eine Engstelle des Donautals im Landkreis Kelheim. Der Talabschnitt wird offiziell „Weltenburger Enge“ genannt und ist als Naturschutzgebiet und Geotop anerkannt. Bereits 1840 wurde es unter König Ludwig I. als Naturdenkmal ausgewiesen. Die Ausdehnung des Schutzgebiets beträgt etwa 560 Hektar, ist 5,5 Kilometer lang und etwa 400 Meter breit.

Ein Felsgebilde beim Donaudurchbruch wird der „Bayerische Löwe“ genannt. Der Bootsführer sagt uns die Namen der einzelnen weiteren Felsgebilde auf. Mit viel Fantasie können wir in Felsformationen wie eine Bischofsmütze, zwei sich Küssende oder einen unverschämten Mann, erkennen.

Vom „Römerfelsen“ erzählt die Sage, hätten die Römer in schwindelnder Höhe eine Brücke aus Lederriemen über den Strom gespannt. Dann biegt die Donau scharf links ab, so dass man glauben könnte in eine Felsschlucht ohne Ausweg zu fahren. Die „Stille“ und „Lange Wand“ rücken näher.

Die „Lange Wand“ trägt in verschiedenen Höhen schwere eiserne Ringe. An diesen Ringen haben die Schiffer ihre Zillen mit einem Haken flussaufwärts gezogen. Zillen sind zwischen 5 und 30 m lange, einfach konstruierte Boote mit einem flachen Boden und geraden Seitenwänden.

Auch der Schutzpatron, der Heilige Nepomuk hat sein Zuhause in einer Felsennische an der „Langen Wand“. Er galt als Schutzpatron der Gewässer, der vor Überschwemmungen schützte.

Kloster Weltenburg

taucht oberhalb des Donaudurchbruchs in einer Donau-Schlinge auf. Das Kloster ist eine Benediktinerabtei (Abtei vom heiligen Georg) mit dem Aufgaben der Pfarrseelsorge und der Aufnahme von Gästen in der „Begegnungsstätte St. Georg“.

Die Geschichte besagt, das bereits 45 n.Chr. bei Weltenburg der Ausgangspunkt einer römischen Grenze- und Militärstraße lag. Sie führte stromaufwärts bis zum Kastell Hüsingen bei Donaueschingen und war lange Zeit eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen nördlich der Alpen.

Kloster Weltenburg wurde von iroschottischen-kolumbanischen Wandermönchen um das Jahr 600 gegründet und ist somit die älteste klösterliche Niederlassung in Bayern. Dass Mönche in Weltenburg Bier brauten, ist erstmals im Jahr 1050 belegt, weshalb Weltenburg mit der Bezeichnung „Älteste Klosterbrauerei der Welt“ wirbt.

Ein Besuch des Biergartens war uns „Corona bedingt“ leider nicht möglich.

Seilfähre

Mit der Seilfähre Weltenburg – Stausacker

kommt man ganz bequem ohne Motorkraft über die Donau und läßt sich ein Stück mit der Strömung treiben. Die Fähre ist bei Einheimischen, Wanderern und Radfahrern sehr beliebt. Dieses besondere Erlebnis kostet pro Person nur € 1,50.

Die Einsiedelei Klösterl im Bruderloch

aus dem Jahr 1454 ist umgeben von der Donau, Wäldern, Felsen und Höhlen. Es war ursprünglich ein Franziskanerkloster. Besichtigen sollte man die

einzigartige Felsenkirche mit Fresken, die Schlafhöhlen, die Nikolauskapelle und die Terrakottafigur des Heiligen Nikolaus im Felsen.

Bevor die Bootsfahrt zur Stadtbesichtigung von Regensburg unterbrochen wurde, bekamen wir das Mittagessen serviert.

Wieder auf der MS Renate bekamen wir Kaffee, Kuchen, Obstsalat, Eis und Pudding angeboten.

Ein wunderschöner, erlebnisreicher Tag mit abwechslungsreichem, leckeren Essen.