Würzburg

wurde erstmals im Jahr 704 als Befestigungsanlage „Virteburh“ urkundlich erwähnt. Die Stadt war bereits im Mittelalter ein bedeutendes wirtschaftliches, christliches sowie hoheitliches Zentrum. Umgeben von Spessart, Rhön und Steigerwald liegt Würzburg im Maindreieck in einem Talkessel.

Der durch Würzburg fliessende Main gehört zu den bedeutendsten Fliessgewässern der Region und ist eine Bundeswasserstraße. Durch die Hanglage sowie die klimatischen Verhältnisse ist Würzburg ein renommiertes Weinbaugebiet.

Geschichte

Bereits um 1000 v.Chr. konnte durch die Urnenfelderkultur (Leichenverbrennung auf einem Scheiterhaufen, Beisetzung der Asche in einer Urne) eine keltische Fliehburg auf dem Marienberg nachgewiesen werden. Als Fliehburg – Fluchtburg – bezeichnet man eine burgähnliche, von Wällen umgebene Verteidigungsanlage die nicht dauerhaft bewohnt ist. Sie dient der ansässigen Bevölkerung als Rückzugsort bei Kriegsgefahr.

Im 5. Jahrhundert liessen sich nach den Völkerwanderungen die Alemannen nieder. Ab etwa 650 war Würzburg ein Herzogssitz des fränkischen Königsgeschlechts der Merowinger. In einer Schenkungsurkunde von Herzog Hedan II. für Bischof Willibrord, ausgestellt auf castello Virteburh vom 1. Mai 704, findet Würzburg die erste Erwähnung.

Am 13. Oktober 1030 wurde Würzburg Bischofsstadt. Der Würzburger Bischof erhielt damit das Münz,-Zoll- und Marktrecht. Mit diesem Recht war auch die Gewalt über die Mainfähre verbunden. Auch die Gerichtsbarkeit über die Bürger lag in seiner Hand.

Die Festung Marienberg

ist das bekannteste Wahrzeichen von Würzburg. Die Festung liegt hoch über dem Main und der Stadt. Hier war bereits 1000 v.Chr. eine keltische Fliehburg zur Hallstattzeit. Die Burg war im Mittelalter militärisch, heute ist sie akademisch. Sie war zugleich Bischofssitz und Residenz der Herzöge von Franken. Sie ist eine der größten Festungen in Europa.

Nach einem Bombenangriff 1945 drohte die Burg, die den 30jährigen Krieg überstanden hatte, niederzubrennen. Die Bürger von Würzburg haben sie gerettet.

Wir nehmen den Bus der Kulturlinie 9 und ersparen uns so den 100 Meter steil aufsteigenden Weg vom Meeviertel auf der Tellsteige. Die Tellsteige ist eine sehr enge Gasse am Ende mit vielen Treppen. Der Name kommt übrigens nicht von „Tell“ sondern von einer „Delle“ im Berg. Der Franke spricht kein „T“ sondern nur „D“.

Das Schönborntor

ist Teil der Befestigungsanlage der Festung Marienberg. Das Tor führt zu den Bastionen „Wer da?“ und „Cäsar“ von Norden auf das Burggelände. Benannt ist das Tor nach Johann Philipp von Schönborn. Im Torgiebel ist das Wappen von Schönborn angebracht. Das Wappen halten Engel im Torgiebel an der Innenseite des Tordurchgangs. Es zeigt die Jahreszahl 1649.

Die Tordurchfahrt ist deutlich gekrümmt. Ein Durchschiessen der geschlossenen Tore war so nicht möglich. Die Kugeln wären an der Wand abgeprallt.

Das ist die Wachstube an der Innenseite des Tors.

Das Neue Zeughaus

entstand 1709 unter Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau auf der Esplanade vor der Echterbastei.

Im Erdgeschoss des Zeughauses waren Kanonen gelagert. Durch die großen Tore konnten die Kanonen schnell hinausgefahren werden. Im Keller befand sich ein Lager für mehrere tausend Liter Frankenwein. Im Obergeschoss lagerten Musketen, Waffen und Munition. Zudem befand sich hier die Kleiderkammer für die Kavallerie und Infanterie. Der Hof vor dem Neuen Zeughaus wird auch Greiffenclauhof genannt.

In diesem Gebäude am Greiffenclauhof war die Kommandantur untergebracht. Gegenüber ist die Burgschänke. Hier ist der Zugang zum Mainfränkischen Museum.

Bei der Schwedenschanze

handelt es sich um mehrere Bastionen und Festungsbauwerke, deren Bau Gustav Adolf nach der Einnahme der Festung angewiesen hatte. Der Name „Schwedenschanze“ kommt von dem Weg, den der Schwedensturm 1631 genommen hatte. Sie befindet sich westlich des Neuen Zeughauses.

Das Höchberger Tor

führt durch dicke Schanzmauern. Das Tor konnte man mehrfach verschliessen. Es hatte davor einen Graben mit Zugbrücke.

Toransicht vom Parkplatz

Am Neutorgraben

ist eine Aussichtsplattform. Von hier hat man einen wunderschönen Blick auf die Alte Mainbrücke und die Altstadt

und das Käppele. Das Käppele werden wir auch noch besichtigen.

Die Festungsmauern

Sehr beeindruckt sind wir von den unglaublich mächtigen Verteidigungsmauern des zweiten Rings der Festung. Sie stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Die Säule mit dem Kreuz vor der Mauer ist die zweite „Zobelsäule“von denen es insgesamt drei gibt. Diese Säulen erinnern an den Fürstbischof Melchior Zobel von Giebelstadt. Er wurde hier im Jahr 1558, als er auf dem Weg von der Alten Mainbrücke zur Festung war, ermordet. Die erste Zobelsäule ist am Platz der Fischerzunft und die dritte nahe dem Schönborntor.

Die Erstürmung der Burg 1631 durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg veranlasste Johann Philipp von Schönborn, den Marienberg mit gewaltigen Bastionen zu umgeben. Von hier aus ist der Marienturm (im Vordergrund) und der Randersackerer Turm im Hintergrund) zu sehen.

Der Marienturm

trägt auf der Spitze eine goldene Marienfigur. Sie gilt als Patronin des Frankenlandes.

Im unscheinbaren Häuschen unterhalb des Marienturms an der Wolfskeelschen Ringmauer befindet sich der Husarenkeller. Hierbei handelt es sich um die „Bergstation“ eines Lastenaufzugs. Der schräge Aufzugsschacht führte hinab zur Oberen Mainmühle. Von hier wurde über zwei Leitungen Quellwasser in den Husarenkeller hochgepumpt. Der Schrägaufzug wurde in der „Bergstation“ durch Pferdekraft angetrieben.

Das Bauernkriegsdenkmal

aus Edelstahl symbolisiert eine ‚Ramme‘. Sie soll die tiefe und erdverbundene ‚Verwurzelung‘ der Bauern mit ihrer Heimat darstellen. Die Bauern verloren hier 1525 die Schlacht gegen den Schwäbischen Bund der Fürsten.

Das Neutor

ist eines von den zwei Hauptzugängen zur Festung Marienberg. Das Tor ist sowohl an der Innen- als auch Aussenseite schön gestaltet.

Löwen halten in der Mitte des Tors das Schönborn Wappen. Auf dem Giebel steht ein bewaffneter Wächter mit wachsamen Blick auf das Gelände. An den Schrägseiten des Giebels sitzen Löwen. Einem Sinnbild für Stärke.

Die Innenseite des Neutors ist wesentlich prunkvoller gestaltet. Hier halten Engel das Schönborn Wappen. Man sieht Figuren der Jugend und des Alters, viele Putten auf Girlanden, Frauengestalten und Engel. Im Torgiebel thront Herakles neben dem zu beiden Seiten Wachmänner mit Löwen die Tordurchfahrt bewachen.

Nach dem Neutor geht es auf dem steilen Weg des mittleren Rings der Festung zur

Wolfskeelschen Ringmauer.

Wir laufen an der unteren Ringmauer entlang neben der sich rechts der 12 Meter tiefe Halsgraben befindet.

Neben dem Halsgraben ist rechts die Wolfskeelsche Ringmauer. Sie umschließt die alte Burg von drei Seiten. Ihren Namen hat sie vom Fürstbischof Otto II. von Wolfskeel, der auf der Festung Marienberg geboren, getauft und erzogen wurde. Er ließ diesen Mauerring im 14. Jahrhundert errichten.

Um das Übersteigen der Mauer zu verhindern, war sie mit einem Gang und Rundtürmen versehen. So konnte von allen Seiten auf die Feinde geschossen werden.

Das Scherenbergtor

ist der einzige Torzugang zum Burghof der Hauptburg. Vor dem Tor ist eine Steinbrücke. Sie führt über den Halsgraben zur Echterschen Vorburg. Die Brücke war bis 1716 eine hölzerne Zugbrücke. Über dem Tor sind drei Frankenapostel und die Jungfrau Maria unter dem Wappen von Friedrich von Wirsberg.

Der Kiliansturm

begrenzt die Hauptburg der Festung Marienberg. An der Stelle des Kiliansturms stand bereits im 13. Jahrhundert ein Turm. Im Jahr 1606 erneuerte Julius Echter diesen Turm.

Der Randesackerer Turm

stammt aus dem Jahr 1308. Er befindet sich im Süden der Festung. Man nennt ihn auch „Sonnenturm“. Der Turm ist der älteste der drei Ecktürme. Im Keller des Turm befindet sich ein Gefängnis. Hier war der Ratsherr Tilman Riemenschneider eingekerkert. Er wurde nach dem Bauernkrieg nur aufgrund seiner künstlerischen Fähigkeiten nicht hingerichtet. Vor dem Turm ist das Brunnenhaus und auf der rechten Seite das Burgrestaurant.

Das Brunnenhaus

ließ der Fürstbischof Julius Echter über dem Schaft des 100 Meter tiefen Brunnen im Renaissancestil errichten. So konnte das damals sehr wertvolle Nass vor Verunreinigungen geschützt werden.

Die Bibratreppe

ist auf dem Foto im Hintergrund rechts zu sehen. Den achteckigen Treppenturm am Fürstenbau liess der Fürstbischof Lorenz von Bibra 1511 errichten. Die Wendeltreppe führte in die Wohngemächer des Bischofs.

Die Marienkirche

ist die älteste Kirche in Würzburg. Die 741 erbaute Kirche ist zugleich auch das älteste Gebäude auf der Festung.

In der Mitte der Kirche liegen 20 Grabplatten mit Reliefs von Würzburger Bischöfen.

Die Stuckaturen in der Kuppel stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Von 2016 bis 2019 fand die Generalsanierung der Kirche statt.

Die ungewöhnlich große Burg entstand ab 1200. Marienberg wurde im Spätmittelalter und in der Renaissance von verschiedenen Fürstbischöfen ausgebaut und erweitert.

Der Bergfried

mit seinen zum Teil bis zu 2,5 m dicken Mauern, erfüllte mehrere Zwecke. Er diente als Wachturm und war ein Zeichen der Macht.

Im meterhohen Kerkerraum, dem „Angstloch“ ließ man die Gefangenen hinab. Im Kerker waren sie ihrem Schicksal überlassen. Luft bekamen sie nur durch einen gemauerten Schacht.

Während des Bauernkrieges wurde der Turm mit Schnüren zu sämtlichen Wachposten verbunden. An den Schnüren waren Glöckchen zur Warnung vor Überraschungsangriffen angebracht.

Der Bergfried war außerdem Zufluchtsstätte der Burgbewohner wenn die Festung verloren war. Er war für Feinde nicht einnehmbar.

Die Echter’sche Vorburg

erreicht man durch das Echter Tor. In der Vorburg lebten und arbeiteten Handwerker, Knechte, Mägde die den Burgbetrieb am Laufen hielten. Es waren einfachere Wohnstätten sowie Scheunen und Werkstätten.

Auf dem großen Platz vor den Wirtschaftsgebäuden ist die beeindruckende Pferdeschwemme. Es war der Platz an dem die Pferde gesäubert, getränkt und ihr Futter bekamen. Im Sommer fanden die erhitzten Pferde in der Schwemme Abkühlung.

Auf der rechten Seite ist vor dem Scherenberg Tor ein Museumsladen.

Die 1000-jährige Geschichte der Festung Marienberg hat uns sehr beeindruckt. Wir erzählen in unserem Blog sehr verkürzt. Die vielen Namen der Bastionen, Wehrtürme und Verteidigungsmauern können wir uns ohnehin nicht merken. Das Museum und den Fürstengarten konnten wir wegen Corona nicht besuchen. Schaut mal selbst vorbei, es lohnt sich wirklich.

St. Burkard

liegt am Fuß der Festung Marienberg. Die römisch-katholische Pfarrkirche war die erste Klosterkirche in Würzburg. Benannt wurde nach ihrem Patron, dem 742 von Bonifatius zum ersten Würzburger Bischof geweihten heiligen Burkard. Seit dem Mittelalter ist die Pfarrei zuständig für das Mainviertel. Es war auch die Pfarrei des Militärhospitals.

Wir machen uns auf den Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit von Würzburg dem

Käppele.

Der Volksmund bezeichnet die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung auf dem Nikolausberg in Würzburg liebevoll „Käppele“. Bereits vor einigen Jahren waren wir in Würzburg. Abends sassen beim Weinfest junge Männer mit an unserem Tisch. Sie fragten: wart ihr schon auf dem Käppele? Nein, leider nicht. Ihr Kommentar war dann: wer nicht auf dem Käppele war, war nicht in Würzburg. Diesen Satz haben wir im Hinterkopf behalten. Wir sind mal wieder in Würzburg. Das Käppele wird besichtigt.

Die Wege zum Käppele

Es führen mehrere Wege zum Käppele. Da gibt es einen Aufstieg vom Mainufer zu Fuß. Dieser Aufstieg geht (je nach Zählung) über 247 oder 265 Stufen, fünf Terrassen und vierzehn Kreuzwegstationen zur Kirche hinauf. Auf dem Stationsweg wird das Leiden Christi, von seiner Verurteilung durch Pilatus bis zur Grablegung dargestellt.

Errichtet wurde die Treppenanlage von 1761 bis 1769 von Dominikus Ickelsheimer. Der Bau der Stationshäuschen war im Jahr 1764 von oben nach unten. Auf der untersten Treppenterrasse sind die vier Propheten Moses, David, Jesaias und Jeremias dargestellt.

Bei der zweiten Terrasse vom Kreuzweg ist eine Vertiefung zu sehen. Der Legende nach handelt es sich um einen Fussabdruck der Heiligen Maria auf ihrem Weg zum Käppele. Eigenartig ist, dass der Fussabdruck eine Schuhgröße zwischen 43 und 45 hat.

Wir entscheiden uns mit dem Womo über die Nikolausstraße, die uns an der Frankenwarte vorbei führt, zum Käppele zu fahren. Vom Parkplatz Nikolaushof führt ein Wanderweg hinunter zum Käppele.

Geschichte vom Käppele

Ursprung des Wallfahrtsortes war während des 30jährigen Kriegs. Ein fränkischer Fischersohn stellte 1640 ein geschnitztes Vesperbild am Nikolausberg auf. Ein Vesperbild ist die Darstellung der Mutter Maria mit dem Leichnam von Christi auf dem Schoß. Zu dem Vesperbild pilgerten Winzer und Bauern.

Angeblich kam es am Vesperbild zu wundersamen Heilungen. Zum Schutz des Bildes wurde die erste kleine Kapelle um das Bild gebaut. In der Folgezeit pilgerten immer mehr Menschen zur Kapelle. Der Pfarrer bat 1686 den Fürstbischof, die Kapelle zu erweitern. Der Wunsch wurde abgelehnt. In den Jahren 1685 bis 1693 gab es insgesamt sieben merkwürdige Erscheinungen. Es wurden Licht- und Feuererscheinungen und unerklärliches Glockenläuten beobachtet. Aufgrund dieser „Wunder“ stimmte der Fürstbischof der Erweiterung nun zu.

Vor dem Hauptportal ist eine große Terrasse. Wir haben einen wunderbaren Blick auf die Stadt und die Festung Marienberg.

Hier sehen wir das Ausmass der Festung Marienberg. Einfach riesig. Unten im Bild ist der Maschikuliturm zu sehen. Die Bezeichnung Maschikuli stammt vermutlich aus dem französischen Wort „machecoleis“ für zermalmen, zerdrücken, verwunden. Er wurde von 1724 bis 1730 zur Sicherung der Südseite der Festung errichtet.

Vor dem Eingang zum ehemaligen Kapuzinerkloster steht der Antoniusbrunnen. Die ersten Kapuzinermöche waren ab 1747 auf dem Nikolausberg. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Betreuung der Wallfahrer und der Seelsorge der Besucher. Im Jahr 2014 verliessen die Kapuziner aus „Personalmangel“ das Käppele.

Auf der Terrasse sehen wir links vom Hauptportal ein Kreuz aus der Werkstatt von Jacob van der Auwera aus dem Jahre 1713. Unter dem Kreuz steht die Gottesmutter.

Innenansicht

Der Hochalter und die zwei Seitenältere entstanden um 1798. Es wird die Heimsuchung von Maria abgebildet.

Die Säulen und Rundbögen am Altar sind vergoldet.

Die Kanzel ist aus vergoldetem Holz. Oben auf der Kanzel steht ein Engel mit einem großen Kreuz und einer Tafel mit den zehn Geboten. Sie entstand im 1800.

Die erste, ursprüngliche Orgel wurde in der Zeit des Rokoko zwischen 1752-1755 von Orgelbauer Johann Christian Köhler geplant und konstruiert. Über die Jahrhunderte wurden immer wieder Änderungen von verschiedenen Orgelbauern vorgenommen. 1991 wurde sie aus Unterlagen aus dem 18. Jahrhundert rekonstruiert.

Vom Hauptgebäude gehen wir in die Gnadenkapelle. Sie ist mit der Pieta, der Darstellung der trauernden Maria, die den Leichnam Christi im Schoss hält, der älteste Teil des Wallfahrtsorts. Die Pieta befindet sich in einem Glasschrein. Hier war im 17. Jahrhundert die erste hölzerne Kapelle.

Beim Käppele gibt es noch einen Mirakelgang. Im Mirakelgang sind Weihegaben aus dem 19. und 20. Jahrhundert in Virtrinen ausgestellt. Es handelt sich um Votivgaben aus Wachs. Sie sind Zeichen für eine Bitte oder den Dank für die Hilfe in einer Notlage.

Wir haben das Käppele ausführlich angeschaut und hier auch beschrieben. Jetzt machen wir uns auf den Weg zur

Frankenwarte

Die Entstehung kann man zum Teil bereits der Tafel entnehmen.

Ein Würzburger Buchhändler kam 1887 auf die Idee auf dem Nikolausberg an der höchsten Erhebung von Würzburg einen Aussichtsturm zu errichten. Er erwarb das Grundstück. Dies war der erste Schritt zur Verwirklichung des Aussichtsturms. Doch bereits 1889 verstarb der Buchhändler. Der Verschönerungsverein griff die Idee des Buchhändlers auf. Durch verschiedene Würzburger Bürger und eine Spendensammlung kam das benötigte Geld für die Baukosten zusammen.

Die Einweihung des Turms war am 30. Mai 1894. Der Verschönerungsverein veranstaltete ein großes Fest für ihre erste größere Unternehmung.

Der Turm ist 45 Meter hoch und hat 173 Stufen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf nur 14897,95 Mark. Die Kosten konnten durch Sachspenden, Arbeitskraft und verbilligte Preise bei Würzburger Unternehmen in Grenzen gehalten werden.

Der Turm war ein Besuchermagnet. Der Eintrittspreis belief sich auf 10 Pfennige. Später wurde ein Unterkunftshaus und ein Lokal errichtet.

Durch weitere Ankäufe war die Bepflanzung mit Bäumen möglich. Es entstand ein Landschaftspark.

Gegenüber dem Aussichtsturm befindet sich seit 2010 der Sendeturm des Bayerischen Rundfunks. Der 125 m hohe, freistehende Sendeturm wird auch „kleiner Eiffelturm“ genannt.

Wir haben jetzt alle Sehenswürdigkeiten auf dem Nikolausberg besichtigt und werden nun durch die Stadt bummeln.

Sehr nahe zur Straßenbahnhaltestelle Talavera oder zu Fuss in die Innenstadt liegt der Wohnmobilstellplatz Friedrichsbrücke.

Wir gehen zu Fuss am Main entlang.

Schneidturm

Auf der uns gegenüber liegenden Seite vom Main, sehen wir am Kranenkai den Schneidturm. Der Turm ist der Rest der zwischen 1333 und 1506 angelegten Vorstadtbefestigung. Der 30 Meter hohe Turm war der Kerker für Schwerverbrecher und hat den Beinamen „Faulturm“. Eine Sage erzählt, dass die Verurteilten durch eine Falltür in die Arme einer mit Dolchen und Messern bewaffneten Eisernen Jungfrau gestürzt wurden. Ihr Tod war fürchterlich.

Im 15. Jahrhundert nannte man den Turm „Häusleinsturm“. 1477 war ein Wärter eingezogen mit dem Namen Hewßlein. Ab 1685 wird vom „Schneidturm“ gesprochen in dem ein Frauengefängnis war.

Links vom Schneidturm ist das 1719 errichtete Würtzburg-Palais. Man bezeichnet es auch als das Barockhaus am Schneidturm.

Kranenkai

Auch auf der gegenüber liegenden Seite sehen wir den Kranenkai. Er ist Würzburgs erste Hafenanlage. Zum Kranenkai gehört das alte Zoll- und Hallhaus und die Kranenbastion. Der Alte Kranen ist ein Hafenkran der im barocken Stil von 1767 bis 1773 gebaut wurde. Er zählt auch zu den Wahrzeichen von Würzburg.

Beim Kranenkai ist die Schiffsanlegestelle für den Ausflugsverkehr der Weißen Flotte. Dann haben wir sie erreicht, die

Alte Mainbrücke.

Der Bau der Brücke wurde im 12. Jahrhundert begonnen. Sie war bis 1886 der einzige Übergang von der Stadt Würzburg zur Festung Marienberg. Die damalige Brücke wurde durch Hochwasser und die im Fluss schwimmenden Holzstämme teilweise zerstört. Nach 350 Jahren wurde die alte Brücke ersetzt. Baubeginn war 1476.

Auf der Brücke wurden ab 1728 zwölf Statuen von Heiligen errichtet. Heute stehen auf der Brücke Kopien der Statuen. Die Originale wurden durch die Verwitterung zerstört. Auch an den Statuen geht Corona nicht spurlos vorüber. Sie tragen Mundschutzmasken.

Der, bei den Würzburgern beliebte „Brückenschoppen“ kann leider nur sehr eingeschränkt getrunken werden.

Rathaus

Nach der Alten Brücke sind wir direkt in der Würzburger Altstadt. Bereits von der Brücke aus haben wir den 55 Meter hohen, romanischen Turm gesehen. Er gehört zum Grafeneckart, dem ältesten Teil des Würzburger Rathauses.

Ursprünglich war es der Sitz der bischöflichen Beamten. Im Jahr 1256 wird erstmals ein städtischer Rat erwähnt. Die Bürger wurden an der Verwaltung der Stadt beteiligt. Im Jahr 1316 erwarben der Bürgermeister und der Rat den Grafeneckart. Sie machten sich vom bischöflichen Landesherrn unabhängig.

Vor dem dem Grafeneckart steht der Vierröhrenbrunnen von 1765. Der spätbarocke Brunnen ist der bedeutendste Brunnen in Würzburg. Über dem Brunnenbecken sind auf vier Seiten wasserspeiende Delphine. Die Figuren darüber verkörpern Tapferkeit und Stärke sowie Weisheit, Mäßigung und Gerechtigkeit. Der Obelisk mit der Figur der Frankonia und einem Wappen schließt den Brunnen ab.

Der Rote Bau ist ein Teil des Gebäudekomplexes, der das heutige Würzburger Rathaus bildet. Er schließt an den Grafeneckart bzw. „Grünen Baum” an. Das Gebäude ist zurückversetzt und bildet den Eingang von der Seite des Vierröhrenbrunnens.

Das Gebäude aus roten Sandstein mit der Giebelfassade wurde 1659 fertiggestellt. Bauleiter war der Steinmetzmeister Sebastian Villinger. Die plastischen Details, wie z.B. die ausdrucksstarken Keilsteinfratzen der Arkaden stammen von Johann Philipp Preuß. Preuß war seinerzeit ein führender Würzburger Bildhauer. Im Saal des Roten Baus sind Reste des im Jahr 1672 geschaffenen Wand- und Deckenschmucks erhalten geblieben.

Am Eingang erinnern Jahreszahlen und Marken an besondere Hochwasserstände.

Kiliansdom

Die beiden Türme vom Kiliansdom sind bereits von der Alten Mainbrücke, wie auch der Turm vom Rathaus, zu sehen.

Der Dom ist die Bischofskirche des Bistums Würzburg. Er hat eine Länge von 105 Metern und ist das viertgrößte Kirchengebäude Deutschlands. Der Kiliansdom ist ein Hauptwerk der deutschen Baukunst zur Zeit der salischen Kaiser. Die Salier waren ein ostfränkisches Adelsgeschlecht im römisch-deutschen Reich des 10. bis 12. Jahrhunderts. 

Der Altarraum im Langhaus des Doms.

Wir stehen vor dem Hauptalter. Der Altar wurde im Jahr 1253 aus den Einnahmen von sechs Apothecarii, den heutigen Apotheken finanziert.

Die Kanzel wurde 1608 bis 1610 aus Sandstein, Holz und Alabaster erbaut. Am Fuss der Kanzel sind vier Evangelisten angebracht.

Der Altar im rechten Kirchenflügel ist der Apostelaltar mit Christus, Petrus und Andreas vom Tilmann Riemenschneider.

Der Marienaltar mit Madonna ist im linken Kirchenflügel.

Im rechten und linken Seitenschiff sind eine ganze Reihe von Gedenktafeln, Grabplatten und Grabmale zu sehen.

Im großen Kreuzgang sind die ehemals im Boden verbauten Grabplatten von Mitgliedern des Domkapitels nach einer Renovierung an der Wand angebracht.

Die Neumünsterkirche

eine Stiftskirche, steht nahe dem Kiliansdom. Es ist die Grabeskirche der drei Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan. Sie wurden hier aufgrund ihres Glaubens getötet und zunächst heimlich verscharrt. Der erste Bau am Ort der Märtyrer wird bereits im achten Jahrhundert erwähnt. Das Stift Neumünster wurde vom Bischof Adelbert im Jahr 1060 gegründet.

Ursprünglich war der heilige Kilian Patron der Neumünsterkirche. Das Domkapitel, eine Gemeinschaft von Priestern, duldete keine zweite Kilianskirche. Ab dem 12. Jahrhundert wurde deshalb Johannes der Hauptpatron des Neumünsters. Die Verehrung der Kilian-Grabstätte in der Neumünster-Westkrypta blieb jedoch erhalten.

Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche völlig umgestaltet. 1803 kam sie im Zuge der Säkularisation in Bayern in Staatsbesitz. Zeitweilig verwendete man sie als Munitionsdepot. Bei der Bombardierung 1945 bleiben nur die Gewölbe erhalten. Zwischen 1949 und 1952 erfolgte der Wiederaufbau.

Von 2007 bis 2009 wird der Innenraum wieder neugestaltet.

Die drei Büsten vor dem Hauptaltar stellen die Frankenapostel Totnan, Kilian und Kolonat dar. Es sind Kopien der 1945 verbrannten Büsten von Tilmann Riemenschneider.

Rechts vom Hochalter in der Seitenkapelle ist der Marienaltar. Die spätgotische Madonna stammt von 1470.

Links vom Hochalter, in der Seitenkapelle ist der Apostelalter auch Peter- und Paul-Altar genannt. Er stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Die Orgel auf der Empore stammt von 1949.

Krypta

In der Krypta unter der Kirche befindet sich die „Kiliansgruft“ und der Kilianssarg. Hier werden auch die Gebeine der drei Frankenapostel aufbewahrt. Die Schädel sind jedoch im Kiliansdom im Alter untergebracht. Rechts im Foto ist der Barockbrunnen zu sehen. Dem Wasser des Brunnens wurden früher heilende Kräfte zugeschrieben.

An einer Wand der Krypta steht der Kilianssarg aus dem achten Jahrhundert. Über dem Sarkophag hängt das Gemälde „Triumphator“ von Michael Striegel aus dem Jahr 1993.

In dieser Gruft liegt der Bischof Matthias Ehrenbrief. Er sprach sich seinerzeit mutig gegen das Treiben der Nazis aus.

Auch das Urnengrab des jüngsten Märtyrers aus Franken, des Pfarrers Georg Häfner, der am 20. August 1942 im KZ Dachau den Hungertod starb, befindet sich in der Krypta. Eine lebensgroße Statue aus Corten-Stahl stellt den Priester dar.

Besonders auffällig ist der von Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen geschaffene zwölftürmige Radleuchter.

Die Marienkapelle

befindet sich am Marktplatz von Würzburg. Die aus dem 14. Jahrhundert stammende Kapelle ist eine Nebenkirche der Pfarreien Dom und Neumünster. Sie befindet sich im Besitz der Marienkapellenstiftung. Es verwundert, dass es sich bei der Größe des Baus nicht um eine Kirche handelt. Grund ist, dass die Kapelle von Bürgern gebaut wurde und nie pfarrkirchliche Rechte erhalten hat.

Liest man über die Geschichte der Marienkapelle, so erfährt man dass die Kapelle im Zusammenhang mit der Vernichtung der jüdischen Gemeinde in Würzburg steht. Die Juden wurden für den Ausbruch der Pest 1347/48 verantwortlich gemacht. Es wurde behauptet, dass sie die Brunnen vergiftet hätten. Sie wurden 1349 ermordet. Die Reste des Judenviertels wurden vernichtet und ein Marktplatz angelegt.

Zum Zeichen des Siegs des Christentums baute man an der Stelle der Synagoge eine hölzerne Marienkapelle.

Auf dem Altar liegen in einem Silberschrein die Reliquien des Heiligen Makarius.

Die Marienkapelle war die Lieblingskirche von Balthasar Neumann. Er hat sie oft besucht und wollte hier auch begraben werden.

Die Bleiglasfenster wurden durch Spenden vom Domförderverein restauriert.

Auffällig sind die, um die Kirchenmauer gebauten Geschäfte. Die Kramläden werden „Schwalbenlädle“ genannt. Sie befinden sich seit 1437 hier und brachten der Kirche erhebliche Mieteinnahmen ein. In einem dieser Läden befindet sich das kleinste Café von Würzburg.

Falkenhaus

Das Haus zum Falken steht auch am Marktplatz. Es war das Wohnhaus des Dompfarrers. Ab 1629 wurde es zum Gasthaus „Hof der Burgpfarre“. Die Rokoko-Fassade wurde 1751 errichtet. Bis ins 19. Jahrhundert war es der einzige Konzert- und Tanzsaal von Würzburg. Heute ist hier die Tourist Information.

Der Obeliskbrunnen oder auch Marktbrunnen wurde im Jahr 1802 erbaut. Links neben dem Brunnen stehen Marktstände mit einem Glasdach. Leider habe ich hier das schlechteste Backfischbrötchen meines Lebens erhalten. Nach meiner Reklamation erhielt ich für die bereits bezahlten € 5,50 ein Bismarckheringbrötchen. Allerdings auch nicht besonders gut.

Die Juliusspital Stiftung

wurde vom Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Meselbrunn gegründet. Er erkannte, dass in seiner Residenzstadt zu wenig Kranken- und Armenhäuser zur Verfügung standen. 1576 legte er den Grundstein für den Spitalbau. Er finanzierte den Bau aus seinem Privatvermögen.

Zur Stiftung gehört das Juliusspiptal, ein Krankenhaus mit 365 Betten. Im dazugehörigen Seniorenstift leben 150 Bewohner. Ferner gehört das Weingut Juliusspiptal, das zweit größte Weingut in Deutschland und das Kloster Vogelsburg mit seinen Weingütern an der Volkschor Mainschleife zur Stiftung.

Echter kaufte Gärten und Lagerplätze auf. Er ließ den Judenfriedhof einebnen, den die Jüdische Gemeinde eigentlich auf ewige Zeiten gekauft hatte. Ein riesiges Anwesen, wie man heute noch sehen kann.

Gegenüber vom Julius Spital steht die Statue von Julius Echter.

St. Johannes im Stift Haug

Das Kollegiatstift St. Johann zu Haug lässt sich auf eine Gemeinschaft der „Herren vom Berg“ von 1002 zurückführen. Der Name Haug kommt von houc – Hügel.

Über dem Altar ist ein Kreuzigungsbild von 1585 zu sehen.

An einem Pfeiler ist das Denkmal für Heinrich I., dem Gründer vom Stift-Haug mit der Figur des Evangelisten Lukas angebracht.

Auf dem Foto ist auch die Orgel über dem Hauteingang zu sehen. Sie ersetzte 1971 die ursprüngliche Orgel aus dem Jahr 1688, die bis zu ihrer Zerstörung 1945 die größte Orgel der Stadt war.

Im rechten Seitenschiff steht ein altes Taufbecken mit der Büste von Johannes dem Täufer von 1700. In der Nische darüber steht der Heilige Johann von Nepomuk. Auf der gegenüber liegenden Seite ist eine Figur des Evangelisten Lukas.

Die Residenz

ist ein Barockbau am Rand der Innenstadt von Würzburg. Auf dem Gelände der heutigen Residenz stand das sogenannte Schlösslein. Es war als Zweitresidenz zum Marienberg gedacht. Der Bau war 68 Meter lang und hatte zwei Stockwerke. Aufgrund statischer Mängel und der Tatsache, dass das Schlösslein für Regierung- und Repräsentationswecke viel zu klein war, wurde es nie bezogen.

Der Bau der Würzburger Residenz wurde unter Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn 1720 begonnen. Den Auftrag zum Bau erteilte er Balthasar Neumann. Schönborn starb bereits vier Jahre später, ohne die Fertigstellung des Baus erlebt zu haben. Balthasar Neumann vollendete 1744 unter dem Bruder des ersten Bauherrn, Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn den Rohbau.

Die Innenausstattung ist unter der Regie von Balthasar Neumann entstanden und wurde im Jahr 1781 fertiggestellt. Die Residenz war bis zur Säkularisation der Sitz der Würzburger Bischöfe. Bei der Säkularisation handelt es sich um die Entziehung des kirchlichen Besitzes durch weltliche Amtsträger.

Die UNESCO hat die Residenz einschließlich des Residenzplatzes 1981 zum Weltkulturerbe erhoben. Begründet wurde die Aufnahme ins Weltkulturerbe damit, daß die Würzburger Residenz das einheitlichste und außergewöhnlichste Barockschloß und der strahlendste Fürstenhof von Europa sei. Insbesondere das von 1979 bis 1987 rekonstruierte Spiegelkabinett, das Paradezimmer des Kaisers, sei das „vollkommenste Raumkunstwerk des Rokoko“.

Wir konnten die Residenz bereits vor einigen Jahren im Rahmen einer Führung besichtigen. Dieses Jahr gab es wegen Corona keine Museumsführungen. Im Kaisersaal wurden wir darauf hingewiesen, dass fotografieren verboten ist. Schade!

Die Ansicht der Residenz vom Residenzplatz.

Die Gartenfront der Residenz.

Der Frankoniabrunnen

vor der Residenz wurde von der Stadt Würzburg zu Ehren des im Jahr 1821 in der Residenz geborenen Prinzregenten Luitpold errichtet. Die Frauengestalt am Brunnen stellt die Frankonia dar. Zu ihren Füssen sitzen die drei berühmtesten Künstler in Franken. Der Lyriker Walther von der Vogelweide, der Maler und Graphiker Matthias Grünewald und Tilman Riemenschneider, der bedeutende Bildhauer und Bildschnitzer.

Das schmiedeeiserne Tor ist das Oeggtor. Es ist benannt nach dem Schmied und Hofschlosser Johann Georg Oegg.

Oegg wurde vom Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn zur Ausstattung der im Bau befindlichen Residenz nach Würzburg berufen. Sein Arbeitsgebiet war in erster Linie die Herstellung von Beschlägen und Schlössern für die Innenräume der Residenz. Im Jahr 1736 wurde er in die Schlosserzunft Würzburg aufgenommen. Ab dieser Zeit begann er mit dem Bau der Gitter an der Residenz und dem Hofgarten. In seiner großen Werkstatt waren 1739 bereits 26 Gesellen beschäftigt.

Innenausstattung

Die Höhepunkte der Innenausstattung fällt in die Jahre 1749 bis 1754. Unter der Herrschaft von Karl Philipp von Greiffenclau entstand das größte, zusammenhängende Deckenfresko der Welt von Giovanni Battista Tiepolo. Auch der Kaisersaal und die Hofkirche sind von Tiepolo. Antonio Giuseppe Bossi gestaltete den Kaiser- und Gartensaal. Der

Gartensaal

liegt an der Ostseite der Einfahrtshalle und stammt aus dem Jahr 1744. Er fungiert als Empfangsraum oder Ballsaal. Grundriss und Größe sind dem Kaisersaal gleich. Der rechteckige Raum hat abgeschrägte Ecken. Das Deckengewölbe wird nicht nur von den Wänden getragen. Zwölf Marmorsäulen, die im Raum verteilt sind, stützen das Gewölbe zusätzlich ab. Das Deckengewölbe sieht aus wie ein Baldachin. Die Stuckarbeiten führte Antonio Bossi zu Beginn des Jahres 1749 aus. Von Johannes Zick ist das Deckenfresko mit dem „Göttermahl“ und die „Rast der Jagdgöttin Diana“.

Vestibül

Besonders beeindruckt sind wir von der gewaltigen Zufahrt und der Treppe, die uns in den oberen Stock führt. Hier kann man sich heute noch vorstellen, wie die Gäste des Kaisers mit ihrer mehrspännigen Kutsche bis in das sogenannte Vestibül, die Eingangshalle, vorgefahren sind. Der Kutscher konnte ohne weitere Manöver drehen und wieder ausfahren. Die Gäste wurden vom Kaiser, der auf der Balustrade stand, begrüßt.

Das von Balthasar Neumann entworfene Treppenhaus.

Deckenfresko

Oben angekommen, bestaunen wir das Deckenfresko. Es wurde von 1752 bis 1753 von Giovanni Battista Tiepolo, dem berühmtesten Freskenmaler seiner Zeit gemalt. Das Thema der Deckenmalerei ist die „Herrschaft über die Erde – die vier Kontinente“.

Der Maler stellt in fürstlichen Frauengestalten die Erdteile Amerika, Asien und Afrika dar. Die Frauengestalten reiten auf den jeweils für ihren Kontinent typischen Figuren. Australien sucht man vergebens. Es ist zu Tiepolos Zeiten ein Erdteil, der in Europa noch nicht bekannt war. Europa wird mit dem Würzburger Hof dargestellt. Der geistliche Fürst Karl Philipp von Greiffenclau zu Vollrads schwebt in einem Medaillon über der Figur Europa. Er gilt als Bewahrer und Förderer der Künste.

Die Stellvertreter der Künste sind Balthasar Neumann (Architektur), Antonio Giuseppe Bossi (Bildhauer/Stuckateur) und Tiepolo (Malerei).

Dargestellt wird Neumann auf einer Kanone reitend. Das bezieht sich auf seinen ersten Beruf und seine Stellung als Oberst bei der Artillerie in Franken. Anschließend kommt Bossi mit seinem Handwerkszeug beim rechten Aufgang. Zuletzt ist Tiepolo im Eck zwischen Afrika und Europa. Er wird als Beobachter der Künstlerkollegen mit roten Mantel und weissem Schal gekleidet, dargestellt. Hinter Balthasar Neumann sind Musikanten mit dem Geiger und Hofkomponisten und Giovanni Benedetto Platti sowie seine Frau, die Sängerin Theresa Platti, abgebildet.

Über den vier Erdteilen ist ein Himmelsgewölbe dargestellt. Der antike Götterhimmel schließt das 600 Quadratmeter große Gemälde zum einem Ganzen zusammen. Die Sonne wird im Götterhimmel vom Lichtgott Apoll verkörpert.

Bei der Museumsführung erfahren wir von den kleinen Details im Gemälde, die man nur sieht, wenn man darauf hingewiesen wird. Wir werden auf die Füße der Elefanten aufmerksam gemacht. Sie sind nicht so gemalt, wie wir sie kennen. Es handelt sich aber nicht um einen Fehler. Zur damaligen Zeit wußte der Künstler nicht, wie ein Elefant richtig aussieht. Er hat sein Werk nach „eigenem Ermessen“ gemalt.

Der Weisse Saal

ist das Hauptwerk von Antonio Bossi in der Würzburger Residenz. Der Raum ist in weiss und lichtgrau gehalten. Es ist der absolute Kontrast zum Treppenhaus und dem nachfolgenden Kaisersaal. In nur neun Monaten hat er den großen Festsaal mit Stuckfiguren mit freier Hand geschaffen. Es sind Drachen, Pfaue und Adler zu sehen. In den Ecken sind Trophänengruppen zu Ehren des Kaiserpaares Maria Theresia und Franz Stephan angebracht. Geplant war der Saal für die fürstbischöfliche Garde. Im Deckenstuck sind deshalb Rüstungen, Waffen und Hoheitszeichen zu sehen. Zu finden sind auch Reliefs der Kriegsgottheiten Mars und Bellona. Der Weisse Saal als auch das Treppenhaus überstanden den Zweiten Weltkrieg.

Den Kaisersaal

stattete der Architekt Balthasar Neumann mit zwanzig, neun Meter hohen Säulen aus rötlichem Stuckmarmor aus. Höhepunkt der Baukunst ist die große Ovalkuppel. Der Kaisersaal wurde unter Fürstbischof Carl Philipp von Greiffenclau ausgestattet.

In drei Deckenfresken hat Tiepolo die politische Geschichte des Bistums Würzburg zur Zeit von Kaiser Barbarossa dargestellt. Die Gemälde über den Türen stammen vom Sohn Tiepolos, Giovanni Domenico Tiepolo. Er hat Szenen aus dem Leben antiker Imperatoren geschaffen. In den Wandnischen stehen lebensgroße Stuckfiguren. Sie stammen von Antonio Bossi und stellen Neptun, Juno, Flora und Apoll dar.

Der Spiegelsaal

befindet sich neben dem Kaisersaal. Es ist die kostbarste Innendekoration die unter Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn von 1740-1745 entstanden ist. Der Raum wurde 1945 völlig zerstört. Mit einem erhaltenen Spiegelfragment, fotografischen Aufnahmen und einem Aquarell aus Deckfarben von Georg Dehn konnte der Saal wieder neu geschaffen werden. Mit den Einrichtungsgegenständen, die seinerzeit gerettet wurden, konnte man die Rekonstruktion des Spiegelsaals vollenden. Die überwältigende Wirkung dieses „Raumkunstwerks“ aus dem Würzburger Rokoko spürt man heute noch.

Die Kaiserzimmer

auf zwei Flügel für den Herrscher und seine Gattin aufgeteilt. Das Kaiserappartement liegt im Südflügel. Während der Abwesenheit des Kaisers wurde es von seinem Stellvertreter bewohnt. Bei den übrigen Zimmern handelt es sich um das Vorzimmer, das Audienzzimmer sowie Schlafzimmer.

Ein Gedenkraum

erinnert an die Zerstörung der Würzburger Residenz im Zweiten Weltkrieg.

Im Dokumentationsraum

sind die umfangreichen Instandsetzung- und Wiederaufbauarbeiten in Bild- und Filmaufnahmen zu sehen. Ebenfalls im Südflügel sind die

Toskanaräume.

Das fürstbischöfliche Würzburg war von 1806 bis 1814 ein Großherzogtum. Es wurde von dem, aus Florenz vertriebenen Großherzog Ferdinand III. regiert.

Die Toskanaräume in den Kaiserzimmern sind 1945 ebenfalls komplett ausgebrannt. Die Raumgestaltung ist in Großfotos zu sehen. Seinerzeit konnte eine große Anzahl von Möbeln gerettet werden. Diese Möbel aus dem Großen Salon und die „Schwanengarnitur“ aus dem Boudoir führen die ursprüngliche Pracht deutlich vor Augen. Sie gehören zu den Spitzenwerken des Empire in Europa. Den größten Seltenheitswert hat das, über 200 Jahre alte Karussell mit Spielzubehör. Großherzog Ferdinand hat es für seine Kinder anfertigen lassen.

Die Nördlichen Kaiserzimmer

wurden unter Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn ausgestattet. Es handelt sich um insgesamt acht Räume. Die Arbeiten mußten schnell ausgeführt werden. Kaiser Franz I. und seine Gattin sollten auf dem Weg zur Wahl 1745 in Frankfurt einen Teil der Räume bewohnen können. Die ersten vier Räume der nördlichen Kaiserzimmer erhielten ihren Charakter als prunkvolle Paradezimmer erst 1749-1754 unter Fürstbischof von Greiffenclau. Er lies die Wandstuckaturen vergolden.

Zwei kleine Räume sind vor dem Audienz- und Schlafzimmer der Kaiserin. Darüber hinaus befinden sich im Nordflügel noch zwei Gästezimmer sowie das „Grünlackierte Zimmer“.

Hinter den Paradezimmern befinde sich Gänge und Zimmer für die Dienerschaft sowie die Hofdamen und Kammerherren. In diesem Bereich wurden die Zimmer der Herrschaft beheizt, ohne sie betreten zu müssen. In den Nebenkammern wurden auch die Toilettenstühle entleert.

Beide Appartements der königlichen Hoheiten sind so aufgereiht, dass ihnen der Blick aufs Volk weitgehend „erspart“ blieb. Sie sehen ins Grüne.

Der Galeriesaal

entstand 1770 unter dem Fürstbischof Friedrich von Steinheim der ihn als Operntheater errichtete. Er wurde jedoch nur 20 Jahre als Theatersaal genutzt. Erst 1931 wurde der Saal zur Galerie umgestaltet. In der heutigen Staatsgalerie im Nordflügel werden seit 1974 Teile der Bayrischen Staatsgemäldesammlung gezeigt. Es handelt sich um venezianische Gemälde aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Besonderheiten sind Werke des Giovanni Battista Tiepolo und seines Sohnes Giandomenico. Sie entstanden während ihrer Würzburger Jahre. Nach der Staatsgalerie kommt man zu den

Ingelheimzimmern.

Hier wohnte von 1746- 1749 der Fürstbischof Anselm Franz von Ingelheim. Die heutige Ausstattung stammt aus den Jahren 1776-1978. Zu dieser Zeit regierte der Fürstbischof Adam Friedrich von Steinsheim in Würzburg. Gestaltet wurden die Zimmer vom Hofstuckateur Matern Bossi in Zusammenarbeit mit dem Hofbildhauer Peter Wagner. Wagner war für die Möbel zuständig. Die Räume konnten nach Kriegsschäden wieder rekonstruiert werden. Die Ingelheimzimmer gelten als die bedeutendsten Werke des beginnenden Klassizismus in Deutschland.

Der Fürstensaal

befindet sich an der Stelle, die ursprünglich für die Hofkirche geplant war. Es ist der erste, rein frühklassizistische Raum der Residenz der 1772 fertiggestellt wurde. Der Saal mit Stuckreliefs von Materno Bossi wurde zum neuen Repräsentationsraum in der Seinsheimzeit. Er wurde als Speisesaal, Gesellschaftsraum und Konzertsaal genutzt. Nach der schweren Beschädigung von 1945 erfolgte die Wiederherstellung bis 1978.

Die Hofkirche

wurde 1743 geweiht. Trotz ihrer geringen Größe ist die Hofkirche der vollkommenste Sakralbau des 18. Jahrhunderts in Deutschland. Unter Beibehaltung der Palastfassade baute Neumann im Südwesteck der Residenz die Kirche. Der Raum besteht aus kurvigen Wänden. Die Decke besteht aus drei ovalen Gewölbekuppeln. Die prachtvolle Dekoration entstand von 1735-1743. Sie geht teilweise auf Entwürfe von Lucas von Hildebrandt zurück.

Der Hofgarten

entstand nach Abschluss der Bauarbeiten an der Residenz. Die Gestaltung nahm Fürstbischof von Seinsheim in Angriff. Er engagierte den Gartenkünstler Johann Prokop Mayer. Der Gartenkünstler teilte das Areal auf. Es entstand der Süd- und englische Garten. Den Hofküchengarten legte er hinter der Orangerie an.

Die große Rasenfläche im Südgarten ziert die Figurengruppe „Raub der Europa“ und „Raub der Proserpina“. Sie wurden von Peter Wagner 1775 erstellt.

Die vielen Eindrücke, die man in der Residenz bekommt, sind überwältigend. Laßt euch selbst davon überzeugen.

Geplant hatten wir noch eine Führung im Hofkeller der Residenz mit einer Weinprobe. Leider fand wegen Corona keine Führung statt. Ist vielleicht dies ein Grund nochmal nach Würzburg zu kommen.

Wir gehen zurück zum Stellplatz an der Friedrichsbrücke. Bevor wir uns von Würzburg ganz verabschieden, kehren wir noch in der Alten Mainmühle ein. Hier wird die typisch fränkische Küche angeboten. Von den „Blauen Zipfeln“, einem Paar fränkische Bratwurst im Silvanersud mit Zwiebeln über ein „Fränkisches Hochzeitsessen“, einem gesottenen Kalbstafelspitz in Meerrettichsauce bis zum typischen „Schäufele“ kann man hier alles bekommen.

Vom Balkon der Alten Mühle hat man einen wunderbaren Blick auf das Käppele und den Marienberg.

Erwähnen möchte ich noch die

Würzburger Fischerzunft

Bereits im Mittelalter wurde die Zunft eingeführt. Bei der Zunft handelt sich um die Vereinigung von z.B. Handwerkern, Kaufleuten, Schiffsbesitzern, Bäckern usw. zur Wahrung ihrer Interessen. Die älteste, urkundlich belegte Zunft ist die Frankfurter Fischer- und Schifferzunft auf dem Jahr 945 n.Chr. Die Würzburger Fischerzunft entstand 1010. Die Gründung wird jedes Jahr am 6. Januar mit dem Fischerstechen gefeiert.

Das Fischerstechen

findet an der Alten Mainbrücke statt. Es treten zwei verschiedene Fischerzünfte in traditioneller Zunftkleidung gegeneinander an. Zwei Schleche (historische Schiffe mit ungedecktem Laderaum) rudern aufeinander zu. Die „Wettkämpfer stehen auf einem 50×50 cm großen Podest im Bug ihres Schlechs. Ziel des Wettkampfes ist, den gegnerischen Fischer mit einer langen Stange ins Wasser zu stoßen und selbst auf dem Podest stehen zu bleiben.